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URN: urn:nbn:de:gbv:18-57862
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2012/5786/


Sedimentologie und Sequenzstratigraphie oberjurassischer Karbonate von Norddeutschland (Oxfordium/Kimmeridgium, Niedersächsisches Becken)

Cäsar, Sebastian

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SWD-Schlagwörter: Carbonate , Sequenzstratigraphie , Oxfordium , Niedersächsisches Becken
Basisklassifikation: 38.16
Institut: Geowissenschaften
DDC-Sachgruppe: Geowissenschaften
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Betzler, Christian (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 04.07.2012
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 08.08.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel dieser Arbeit ist die Charakterisierung der oberjurassischen Schichtenfolgen der Korallenooltih Formation und der Unteren Süntel Formation (Oxfordium/ Kimmeridgium) hinsichtlich der Fazies, der stratigraphischen Architektur und der Sequenzstratigraphie. Das Arbeitsgebiet befindet sich im Weser-Leine Bergland (Niedersächsisches Becken). Die Erhebung sedimentologischer, geophysikalischer und geochemischer Daten erfolgte in Steinbrüchen und an Bohrkernen im nördlichen Ith und am Thüster Berg (südliches Weser-Leine Bergland). Um einen Bezug zu bereits existierenden stratigraphischen Modellen im nördlichen Weser-Leine Bergland (z. B. Helm et al. 2003, Kästner et al. 2008) zu ermöglichen schließt die Kernbohrung KB Eulenflucht1 (südöstlicher Süntel) den erhobenen Datensatz ab.
Mithilfe der Kartierung von Diskontinuitätsflächen konnte erstmals ein stratigraphischer Bezug zwischen dem nördlichen und dem südlichen Weser-Leine Bergland hergestellt werden. Zwei Diskontinuitätsflächen sind aufgrund von Emersion und Inzision und dem damit in Verbindung stehenden Schichtausfall hervorzuheben. Die Diskontinuitätsfläche B&C indiziert zunehmende Erosionsraten nach Nordwesten und die Entwicklung eines Gastrochaenolites-beinhaltenden Hartgrundes. Die so genannte „Fossilschicht“ im Süntel und die „Obere Korallenbank“ im nördlichen Ith liegen der Diskontinuitätsfläche B&C auf und bilden einen lithologischen Leithorizont. Aufgrund der Gleichstellung der „Fossilschicht“ mit der „Oberen Korallenbank“ muss der etablierten Parallelisierung der „Florigemma-Bank“ mit der „Oberen Korallenbank“ von Helm et al. (2003) widersprochen werden. Die Entwicklung der stratigraphisch jüngeren „Haupterosionsfläche“ (Diskontinuitätsfläche E) dokumentiert subaerische Freilegung und Erosion der sedimentären Schichtenfolge. Die Erosionsraten nehmen ausgehend vom Süntel in südöstlicher Richtung ab.
Anhand makro- und mikroskopischer Untersuchungen wird die sedimentäre Schichtenfolge in 24 Fazies differenziert. Durch die vollzogene Korrelation der Schichtenfolge auf Basis der identifizierten Diskontinuitätsflächen konnte nachgewiesen werden, dass auf den Ablagerungsraum des flachmarinen „Korallenoolithmeeres“ zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Steuerungsfaktoren wirkten, die wiederum einen maßgeblichen Einfluss auf die vorgefundenen Faziesvergesellschaftungen hatten. Die Faziesvergesellschaftung des Ablagerungssystems I im Liegenden der Diskontinuitätsfläche B&C setzt sich aus Shoreface Oolithen, Korallen Framestones und intraklastenreichen Ablagerungen zusammen. Diese Faziesvergesellschaftung indiziert ein sturm- und wellendominierendes System, dass der inneren bis mittleren Karbonatrampe zuzuordnen ist. Die Ablagerungssysteme II bis IV im Hangenden der Diskontinuitätsfläche B&C reflektieren ein strömungsgeneriertes System aus oolithischen Untiefen (Shoals). Eine Differenzierung des Ablagerungsraumes in Backshoal, Inner Shoal, Shoal-Fringe und Foreshoal/ Intrashoal erfolgte aufgrund der unterschiedlichen Attribute der Fazies.
Die detaillierte Untersuchung von Fazies unter Hinzunahme von Schwankungen im Karbonatgehalt und der Gamma-Ray Intensität zeigt, dass die oberjurassische Schichtenfolge im Weser-Leine Bergland eine Unterteilung in hierarchisch gestapelte A/S-Zyklen zulässt. Drei Ordnungen von A/S-Zyklen können unterschieden werden. Kurzfristige Schwankungen im A/S-Verhältnis (3. Ordnung) spiegeln eine Wechselwirkung von auto- und allozyklischen Prozessen wider. Die Generierung von überregional korrelierbaren Erosionsflächen wird als Indiz für einen allozyklischen Kontrollfaktor herangezogen.
Die Korrelation von A/S-Zyklen der 2. Ordnung offenbart, ausgehend von den Hochgebieten (Süntel, nördlicher Deister), eine graduelle Mächtigkeitszunahme der Zyklenpakete in Richtung der Grabenzonen (nördlicher Ith, Osterwald). Die Verteilung der Zyklenmächtigkeit wird mit der beginnenden synsedimentären Tektonik während der späten Cimmerian Phase im Oxfordium in Verbindung gebracht, die einen erheblichen Einfluss auf den zur Verfügung stehenden Akkomodationsraum im Weser-Leine Bergland ausübte. Dieses Ergebnis unterstreicht den Einfluss des tektonischen Milieus auf die stratigraphische Architektur der Korallenoolith Formation.
Mithilfe von Sequenzanalysen konnten die 17 A/S-Zyklen der 2. Ordnung in 6 A/S-Zyklen der 1. Ordnung (Ko1 bis Ko6) zusammengefasst werden. Die hierarchisch gestapelten Ablagerungszyklen der Korallenoolith Formation zeigen große Übereinstimmungen mit zeitlich äquivalenten Ablagerungszyklen in anderen europäischen Sedimentbecken, die im Einklang mit den 100 ka und 400 ka Perioden der Exzentrizität stehen.
Die Korallenoolith Formation lässt sich mittels der Hauptdiskontinuitätsflächen B&C und E in den Unteren, Mittleren und Oberen Korallenoolith unterteilen. Die „Humeralis-Schichten“, als jüngstes Schichtglied des Oberen Korallenooliths sind aufgrund postsedimentärer Abtragung in den Hochgebieten nicht überliefert. Das in dieser Arbeit vorgestellte stratigraphische Modell für das Weser-Leine Bergland erreicht eine hohe Übereinstimmung mit dem etablierten stratigraphischen Modell von Gramman et al. (1997). Eine genaue Einstufung der untersuchten Schichtenfolge in den biochronostratigraphischen Rahmen ist lediglich für die jüngsten Schichtglieder des Oberen Korallenooliths („Humeralis-Schichten“) gegeben. Durch die Anbindung der „Humeralis-Schichten“ im Steinbruch Lauenstein an die international gültige Ostrakoden-Biostratigraphie konnte gezeigt werden, dass die besagte Schichtenfolge die Ostrakodenzonen 6 und 7 umfasst, welche wiederum der pseudocoradata- und baylei-Ammonitenzone entsprechen.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of this study is to reconstruct the Upper Jurassic (Oxfordian/Kimmeridgian) Korallenoolith formation and the Lower Süntel formation regarding their facies, stratigraphic architecture and sequence stratigraphy. The study area is located in the Weser-Leine Bergland (Lower Saxony Basin) and comprises several quarries and sediment cores in the southern Weser-Leine Bergland (northern Ith Mountains and Thüster Mountains). In order to relate this study to already established stratigraphic models by Helm et al. (2003) and Kästner et al. (2008) the sediment core Eulenflucht1 in the SE-Süntel Mountains (northern Weser-Leine Bergland) was included in the sedimentary data set.
A stratigraphic correlation between the northern and southern Weser-Leine Bergland could be demonstrated for the the first time by the mapping of unconformities. Subaerial exposure and erosion resulted in two major unconformities which are of particular importance for the understanding of the sedimentary architecture as a result of subaerial exposure and erosion. The major unconformity B&C contains Gastrochaenolites borings and shows an increasing erosion rate to the northwest. It is overlain by the coral-bearing “Fossilschicht” in the Süntel Mountains and the microbialite patch reefs of the “Obere Korallenbank” in the northern Ith Mountains. In opposite to Helm et al. (2003), who have correlated the “Obere Korallenbank” with the “Florigemma Bank” both lithological members form of a single unit which can be traced throughout the Weser-Leine Bergland. The generation of the second major unconformity, the so called “Haupterosionsfläche” (Unconformity E) indicates subaerial exposure and erosion of the sedimentary succession with a decreasing erosion rate to the southeast towards the northern Ith Mountains.
Applying sedimentological, geophysical and geochemical criteria, 24 different facies can be distinguished. The correlation of the major unconformities indicates that different controlling factors influenced the shallow marine depositional system and the recognizable facies-associations during different stages of the deposition of the Korallenoolith formation and the Lower Süntel formation.
The facies-association of the established depositional system I below the major unconformity B&C consists of shoreface oolites, coral framestones and intraclastic-rich deposits which indicate a storm and wave-dominated environment of an inner to middle carbonate ramp. The facies-associations in the overlying stratum of the unconformity B&C (depositional systems II to IV) reflect a current-generated submarine oolitic shoal environment. As a result of the different attributes of the facies, the oolitic shoal environment encompassed backshoal, inner shoal, shoal-fringe and fore-/ intrashoal subenvironments.
Based on the textural variations and facies stacking patterns in combination with variations in carbonate content and gamma-ray values, A/S-cycles (accommodation space to sediment supply and/or sediment production) of three different orders were defined in the Upper Jurassic succession. Short-term fluctuations in A/S-ratio (3rd order A/S-cycles) reflect an interaction of allocyclic and autocyclic processes. Erosion unconformities which limited the A/S-cycles at the top can be traced over long distances and were interpreted as an indicator for an external allocyclic controlling factor. The correlation of the 2nd order A/S-cycles reveals a gradual increase in cycle-thickness from the horst areas (Süntel and northern Deister) to the grabens (northern Ith, Osterwald). It is proposed that the 2nd order A/S-cycle thickness variations were the result of synsedimentary tectonic activity triggered by the late Cimmerian phase in the Oxfordian which affected the accommodation space and controlled deposition, erosion and lateral facies variations in the Weser-Leine Bergland. This finding emphasizes the strong influences of the tectonic regime on the sedimentary architecture of the Korallenoolith formation.
For the Korallenoolith formation, up to 17 2nd order A/S-cycles can be combined to six long-term 1st order depositional cycles Ko1 to Ko6 applying sequence analysis. The hierarchically stacked depositional cycles of the 1st and 2nd order correspond with time equivalent depositional cycles in other European sedimentary basins, which formed in tune with the orbital cycles of eccentricity (100 and 400 ka).
In this study, the Korallenoolith formation is subdivided into the stratigraphic members Lower, Middle and Upper Korallenoolith, which are separated by the major erosion unconformities B&C and E. The uppermost stratum of the Upper Korallenoolith member, the so called „Humeralis-Schichten“ are absent in the horst areas (Süntel and northern Deister) as a result of post-sedimentary erosion and non deposition. In summary, the presented stratigraphic model corresponds well with the established stratigraphic model for the Lower Saxony Basin by Gramann et al. (1997). A precise placement of the Upper Jurassic succession into a larger biochronostratigraphic framework is only given for the uppermost stratum of the Upper Korallenoolith member („Humeralis-Schichten“), due to the parallelization with existing ostracod biostratigraphy. The stratigraphic interval encompasses the ostracod zones 6 and 7 which correspond to the pseudocoradata and baylei ammonite zones.

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