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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-57951
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2012/5795/


"Patient Benefit Index 2.0" – Weiterentwicklung einer Methodik zur Erfassung patientenrelevanter Ziele und Nutzen in der Dermatologie

Blome, Christine

pdf-Format:
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SWD-Schlagwörter: Fragebogen , Validierung , BIAS <Test> , Kurzform , Dermatologie
Freie Schlagwörter (Englisch): questionnaire development , patient benefit , dermatology , goal assessment , response shift
Basisklassifikation: 77.08
Institut: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Augustin, Matthias (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 31.07.2012
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 22.08.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Zur Erhebung des Nutzen medizinischer Behandlungen aus Patientensicht wurden bisher meist Lebensqualitäts-Fragebögen eingesetzt. Der Fragebogen "Patient Benefit Index" (PBI) nutzt eine neue Methodik, bei der die Patienten vorgegebene Therapieziele vor Therapie hinsichtlich der Wichtigkeit und nach Therapie hinsichtlich der Zielerreichung bewerten. Es wurden zahlreiche krankheitsspezifische Versionen für dermatologische Diagnosen entwickelt. In dieser Arbeit sollte eine kürzere und innerhalb der Dermatologie diagnoseübergreifend anwendbare Version "PBI 2.0" entwickelt werden.
Fragestellungen waren: Welche Items sollten im "PBI 2.0" eingesetzt werden und was beinhalten sie aus Patientensicht? Ist der PBI 2.0 valide? Weicht eine patientenseitige retrospektive Einschätzung früherer Beeinträchtigungen von einer aktuellen Einschätzung ab? Tritt bei retrospektiver Einschätzung früherer Beeinträchtigungen ein Recall Bias auf? Wird die Antwortvorgabe "betrifft mich nicht" richtig verstanden?
Die Items diagnosespezifischer PBI-Versionen wurden zu generischen Therapiezielitems zusammengefasst. In qualitativen Interviews mit n=16 Patienten mit atopischer Dermatitis, Ulcus cruris, Psoriasis und Vitiligo wurden die Items untersucht (Exploration des Item-Bedeutungsraumes, Prüfung der Vollständigkeit und Verständlichkeit) und die Items nachfolgend überarbeitet.
In einer querschnittlichen Fragebogenerhebung mit n=379 Patienten aus den vorgenannten Diagnosegruppen wurde der PBI 2.0 validiert. Erhoben wurden PBI 2.0, Feasibility-Fragen, diagnosespezifischer PBI sowie die Lebensqualitätsfragebögen DLQI und EQ-5D. Die Übereinstimmung der Angaben in diagnosespezifischem PBI und PBI 2.0 wurde anhand des Prozentsatzes übereinstimmender Angaben sowie Cohens Kappa berechnet. Die konvergente Validität wurde anhand der Korrelation des PBI 2.0 mit der Lebensqualität bestimmt und zum die konvergente Validität der diagnosespezifischen PBI-Versionen bestimmt.
In einer längsschnittlichen Erhebung wurden bei n=55 Patienten mit Psoriasis und n=58 Patienten mit Ulcus cruris die mit den Therapiezielitems des PBI korrespondierenden Beeinträchtigungen sowie der aktuelle Schweregrad der Erkrankung zu Studienbeginn sowie nach 5 Monaten erhoben; zu letzterem Zeitpunkt beurteilten die Patienten zusätzlich retrospektiv Beeinträchtigungen und Schweregrad zu Studienbeginn. Die Güte der Übereinstimmung zwischen den Angaben bei Studienbeginn (Pretest) und den retrospektiven Angaben (Thentest) wurde anhand von Cohens Kappa sowie dem prozentualen Anteil übereinstimmender Angaben berechnet. Auf systematische Abweichungen zwischen beiden Erhebungen wurde anhand von t-Tests geprüft. Auf Vorliegen eines Recall Bias wurde geprüft, indem analysiert wurde, ob Inkonsistenzen zwischen Pretest und Thentest hinsichtlich der Antwort "gar nicht" auftraten. Die Verständlichkeit der Antwortvorgabe "betrifft mich nicht" wurde geprüft, indem die Items um die Formulierung "betrifft mich nicht, weil____" ergänzt wurden.
Die diagnosespezifischen Items wurden zu 15 Generalitems zusammenfasst und anhand der Ergebnisse der Interviews auf 12 Generalitems weiter reduziert. Die Mehrzahl der Patienten gab an, dass der PBI 2.0 verständlich, lesbar, nicht schwer zu beantworten und vollständig sei. Je nach Item betrug der Anteil fehlender Angaben 0,0%-2,9%. Die Übereinstimmung zwischen PBI und PBI 2.0 war sehr unterschiedlich (15,2%-87,1%; Kappa= -0,03-0,69). Die Gesamtwerte des PBI 2.0 korrelierten schwach bis mäßig mit den Lebensqualitäts-Instrumenten. In allen Diagnosegruppen bis auf Vitiligo war die konvergente Validität des PBI 2.0 etwa ebenso hoch wie die des diagnosespezifischen PBI.
Der Anteil übereinstimmender Angaben in Pretest und Thentest lag bei 54% (Psoriasis) bzw. 45% (Ulcus cruris). Dabei wurden die meisten Beeinträchtigungen retrospektiv als höher eingeschätzt mit der Folge einer positiveren Einschätzung des Nutzens bei retrospektiver als bei prospektiver Erhebung. Bei fast allen Items gab es Patienten, die nur im Pretest oder nur im Thentest angaben, die Beeinträchtigung liege "gar nicht" vor.
In den insgesamt 358 Freitextangaben zur Option "betrifft mich nicht" fanden sich kaum Hinweise auf ein Fehlverständnis; einige Angaben waren jedoch nicht eindeutig zu interpretieren oder fehlten.
Mit dem PBI 2.0 steht ein qualitativ und quantitativ validierter Fragebogen zur Erhebung des patientenrelevanten Therapienutzens in der Dermatologie zur Verfügung. Bei Patienten mit Vitiligo ist der PBI 2.0 möglicherweise nur eingeschränkt einsetzbar. Die Antwortoption "betrifft mich nicht" scheint für die Patienten verständlich zu sein. Bei Anwendung des PBI 2.0 in Studien sollten die Angaben möglichst mit denen einer Kontrollgruppe verglichen werden, da die Nutzenbewertung durch Erinnerungseffekte verzerrt sein kann. Die hier erstmals eingesetzte Interviewmethode bietet sich auch für die Entwicklung anderer Instrumente an.

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