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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-59205
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2012/5920/


Greise Heilige in der italienischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts : Zur frühneuzeitlichen Konstruktion des heiligen Körpers

Witt-Braschwitz, Bärbel

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SWD-Schlagwörter: Malerei , Italien, Heiliger, Greisenalter, Neuzeit
Freie Schlagwörter (Englisch): Old Age, Saint , Italy
Basisklassifikation: 21.00
Institut: Kulturgeschichte und Kulturkunde
DDC-Sachgruppe: Malerei
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Reudenbach, Bruno (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 15.08.2012
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 05.12.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit widmet sich erstmalig in ausführlicher Form der Darstellung von greisen Heiligen in der Malerei des 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Der bildliche Befund, dass insbesondere in der zeitgenössischen italienischen Malerei zahlreiche Heilige auf naturnahe Weise als von körperlichem Verfall geprägte Greise gezeigt wurden, wird mit dem seit einiger Zeit in der Forschung virulenten Inter¬esse an Heiligkeitskonstruktionen konfrontiert, die Heiligkeit an idealschönen, unversehrten Körpern vorführen. Daraus ergibt sich die Leitfrage nach den Voraussetzungen und Implikationen eines künstlerischen Körperentwurfs, der defizitäre Körper mit der Vollkommenheit von Heiligen zusammenbringt.
Die Grundlage der Untersuchung bildet eine detaillierte Erörterung des Wissensstandes frühneuzeitlicher Medizin, theologischer Vorstellungen vom Auferstehungsleib, von physio- und pathognomischen Theorien sowie kunsttheoretischen Diskursen um Inkarnat, Materialität und Mimesis. Vor diesem Hintergrund werden Heiligendarstellungen in den Blick genommen, die im Bildnisformat, als Brustbild oder Halbfigur, die Merkmale des greisen Gesichts prägnant vorführen. In Auseinandersetzung mit der Gattung der Tronie wird aufgezeigt, inwieweit diese Werke das Potenzial der tugendhaften Altersphysiognomie als Spiegel der Gemütsverfassung im Sinne gegenreformatorisch motivierter Wirkungsästhetik einsetzten, um Askese und Weltverachtung anzuzeigen. Zugleich wird anhand von Beispielen die in der Kunsttheorie jener Zeit gegenläufige Tendenz angeführt, die einen Ausgleich von Naturnähe und typisierender Idealisierung sucht und das Altersbild des Heiligen schließlich wieder eine Spiritualisierung und eine Rückkehr zu Bildformeln erfahren lässt, mit denen Alter für Askese als imitatio Christi steht. Abschließend wird die Altersdarstellung bei Caravaggio in den Blick genommen, dessen Körperkonzept aus einer Verbindung von detailgetreu wiedergegebenen Altersmerkmalen mit dem Ausweis eines niederen sozialen Status besteht und auf Akzeptanz sowohl bei pauperistischen kirchlichen Kreisen rechnen konnte wie auch bei Sammlerkreisen, deren Interesse von der Revitalisierung der stoisch-kynischen Gedankenwelt geprägt war.
Die Arbeit liefert einen Beitrag zum frühneuzeitlichen Verständnis von Heiligkeit und eröffnet die Perspektive auf einen alternativen, nicht-normativen Körperentwurf, der dokumentiert, dass sich sakrale Körperlichkeit in der Frühen Neuzeit nicht in der Vorstellung vom idealschönen Körper erschöpfte.

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