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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-60123
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2013/6012/


Die Brutbiologie der Strahlenschildkröte (Astrochelys radiata, Shaw 1802) unter natürlichen und naturnahen Bedingungen in Südwestmadagaskar

The breeding biology of the radiated tortoise (Astrochelys radiata, Shaw 1802) under natural and semi-natural conditions in southwest Madagascar

Hammer, Jutta M.

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SWD-Schlagwörter: Schildkröten , Madagaskar , Madagaskar <Südwest> , Fortpflanzung , Eiablage , Telemetrie
Freie Schlagwörter (Deutsch): Astrochelys radiata , Geochelone radiata , Strahlenschildkröte
Freie Schlagwörter (Englisch): Astrochelys radiata , Geochelone radiata , radiated tortoise , clutch size , eggs
Basisklassifikation: 42.82
Institut: Biologie
DDC-Sachgruppe: Tiere (Zoologie)
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Ganzhorn, Jörg (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.11.2012
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 14.01.2013
Kurzfassung auf Deutsch: Diese Studie gibt einen Überblick über die Brutbiologie der madagassischen Strahlenschildkröte (Astrochelys radiata). Zwei Schildkrötenpopulationen wurden bezüglich ihrer Reproduktionsleistung miteinander verglichen, um den Einfluss unterschiedlicher Lebensbedingungen auf deren Fortpflanzung darzustellen.
Der Bestand von A. radiata ist aktuell durch die Zerstörung ihres natürlichen Habitates infolge von Waldfragmentierung und Abholzung stark bedroht. Bislang war die Strahlenschildkröte durch ein fady (Tabu) geschützt, inzwischen werden die Schildkröten aber auf lokalen Märkten zum Verzehr angeboten und für den internationalen Tiermarkt gesammelt. Handelsverbote der CITES Richtlinien werden dabei ignoriert. Insbesondere große Weibchen werden in freier Natur gesammelt, da sie oft Eier in sich tragen, die ebenfalls verzehrt werden können. Die selektive Sammlung weiblicher Schildkröten senkt vermutlich das Fortpflanzungspotential wilder Schildkrötenpopulationen. Daher erörtert diese Studie die Bedeutung großer Weibchen für den Bestand wilder Populationen A. radiata. Weitere Aspekte dieser Forschungsarbeit sind generelle Fortpflanzungscharakteristika und Habitatansprüche weiblicher Strahlenschildkröten während der Brutsaison.
Die Gelege- und Schlüpflingsdaten aus zwei unterschiedlichen Schildkrötenpopulationen in Südwestmadagaskar wurden miteinander verglichen: (1) 40 Schildkröten wurden im Village des Tortues in Ifaty-Mangily, einer Auffangstation für gewilderte Schildkröten, beobachtet. Die Tiere sind den abiotischen und biotischen Verhältnissen ihres natürlichen Verbreitungsgebietes ausgesetzt. Die Datenaufnahmen wurden von Februar 2008 bis Juni 2010 durchgeführt. Die Vergleichspopulation (2) umfasst insgesamt 25 weibliche A. radiata in freier Wildbahn, im Nationalpark Tsimanampetsotsa. Diese Schildkröten wurden in den Jahren 2009 und 2010 jeweils von Februar bis Juni mit Sendern ausgestattet und im Wald beobachtet. Neun Schildkröten wurden in beiden Jahren besendert. Die Wanderungen der besenderten Schildkröten im Nationalpark wurden im Zusammenhang mit den Wetterdaten der Beobachtungsperiode dargestellt. Außerdem wurde die Lage der Home-Range-Gebiete beider Jahre miteinander verglichen.
Die Auswertung der Gelegedaten zeigte einen positiven Zusammenhang zwischen der Körpergröße der Weibchen und der Größe der Eier. Aus großen Eiern schlüpften signifikant größere Schlüpflinge. Die Reproduktionsleistung der Schildkröten in Gefangenschaft wurde zusätzlich durch die unbegrenzte Nahrungsverfügbarkeit gesteigert: Schildkröten gleicher Körpergröße zeigten sich in Gefangenschaft wesentlich produktiver und legten deutlich größere Eier. Trotz uneingeschränkter Nahrungsverfügbarkeit blieben die Eiablagen der Schildkröten in Gefangenschaft saisonal beschränkt von Februar bis Oktober. Der Schlupf erfolgte zwischen Dezember und Januar. Die Schlüpflinge beider Populationen zeigten keine Unterschiede bezüglich Körpergröße und -gewicht, allerdings war die Schlupfrate in freier Wildbahn dreimal so hoch wie bei den Tieren in Gefangenschaft. Bei Regen waren die besenderten Schildkröten aktiver, sie legten deutlich größere Distanzen zurück als während einer Trockenperiode. Die Schildkröten zeigten eine ausgeprägte Standorttreue zwischen den Untersuchungsjahren: Alle Home-Range-Gebiete der zweimal besenderten Tiere überlappten deutlich.
Aufgrund selektiver Wilderei waren die Schildkröten in Gefangenschaft deutlich größer als die wilde Vergleichspopulation. Die großen Schildkröten legten mehr Nester und größere Eier. Aus großen Eiern schlüpften größere Schlüpflinge, die im variablen madagassischen Klima vermutlich bessere Überlebenschancen haben. Daher sind große Weibchen für die Gesamtreproduktionsleistung einer Population von besonderer Bedeutung. Trotzdem war der Schlupferfolg in Gefangenschaft deutlich schlechter. Mögliche Ursachen dieser Diskrepanz sind eine einseitige Ernährung und Platzmangel der Tiere in Gefangenschaft.
Bislang war die Strahlenschildkröte durch ein fady in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet vor menschlichem Zugriff geschützt. Dieses fady wird jedoch nicht von allen Ethnien befolgt, daher wird A. radiata mittlerweile in ihrem Verbreitungsgebiet gesammelt und ist in ihrem Bestand stark gefährdet. Die Entnahme einzelner Schildkröten kann bereits eine nachhaltige Wirkung auf wilde Populationen zeigen. Das selektive Absammeln großer Tiere, insbesondere großer Weibchen, bewirkt einen Rückgang der Reproduktionsleistung der betroffenen Populationen: Die Tiere mit dem größten Reproduktionspotenzial werden entfernt. Bislang findet man die Strahlenschildkröte noch in großer Populationsdichte in ihrem Kernverbreitungsgebiet. Allerdings müssen zeitnah grundlegende Veränderungen stattfinden, um den Bestand von A. radiata zu sichern.
Kurzfassung auf Englisch: This study details the breeding biology of the Malagasy radiated tortoise (Astrochelys radiata). Two tortoise populations were surveyed and compared considering their reproductive output. The influence of different living conditions and general reproduction characteristics of A. radiata are presented.
The survival of A. radiata is currently threatened by the destruction of their natural habitat as a result of forest fragmentation and deforestation. In addition the tortoise species faces threats from poaching activities. Radiated tortoises are available on local markets for consumption and in the international pet trade. Trading bans such as CITES are largely ignored. Especially large females are collected in the wild as they may carry eggs which can also be consumed. Selective poaching may influence the reproduction of A. radiata by reducing the reproductive output of wild populations under the condition that reproductive success increases with age and size of the females. Therefore the relevance of large females for the reproductive output was analysed within this study.
In this study clutch data and hatchlings from two different populations A. radiata were examined: (1) 40 female tortoises were observed in the Village des Tortues, Ifaty-Mangily, a tortoise rescue centre for animals that were detected in poaching attempts. The tortoises were held in enclosures where they were exposed to the biotic and abiotic conditions of their natural range. The animals received food and water on a regular basis. Surveys were conducted from February 2008 to June 2010 to observe the breeding activities. (2) A wild population of 25 female A. radiata were surveyed in the National Park Tsimanampetsotsa. The wild tortoises were equipped with radio-transmitters and surveyed from February to June in 2009 and 2010. Nine tortoises were observed during both survey years. The movement patterns of tortoises in the National Park were analysed in the context of local weather data and compared between survey years.
Female body mass and egg mass were positively correlated as well as egg size and the offsprings’ carapace length. The reproductive output increased with availability of nutrition: tortoises of equal body mass from both populations were significantly more productive in captivity where they produced larger eggs and were able to lay several nests within a breeding season. The breeding behaviour in captivity stayed clearly seasonal. Egg deposition occurred between February and October and hatching was observed in December and January. The hatchlings of both populations showed no differences in body mass or size. However, hatching rates in the wild were three times higher than in captivity. A. radiata was observed to be more active during rainy days: radio-tagged individuals covered significantly longer distances compared to a drought period. All tortoises tracked within both survey years showed a distinct site fidelity: the home ranges of both years overlapped considerably.
In consequence of selective poaching the tortoises in captivity were significantly larger than the individuals surveyed in the wild. Larger tortoises laid larger eggs which then produced larger hatchlings that presumably profit from increased chances of survival. Therefore large females are of major importance for the reproductive output of wild tortoise populations. However, the hatching success in the wild population was significantly higher than in captivity which may result from an unbalanced diet and limited space in the enclosures causing stressful living conditions in the captive population.
Up to now the radiated tortoise was protected by a fady (Taboo) from trading or consumption. Fadys seem to be of major importance for nature conservation in Madagascar: they origin from traditional stories and find a wide acceptance among the local population. However, with migrating people from other parts of Madagascar, the protection by the ancestral taboo is weakening. Along its range A. radiata is collected by poachers and local tortoise populations are threatened by extinction. The removal of single individuals may already have a negative effect on wild tortoise populations. By selectively collecting large tortoises, in particular large females, the reproductive output of wild populations decreases: those animals with the greatest reproductive potential are removed from the wild. The radiated tortoise is still found in large numbers along it’s core range area. However, human influence on tortoise populations has to change significantly to keep A. radiata from extinction.

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