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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-60460
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2013/6046/


Ambulant oder stationär - die ökonomische Vorteilhaftigkeit der Angebotsformen in der Pflege

Clausen, Hartmut

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SWD-Schlagwörter: Altenpflege , Ambulanter Hilfs- und Pflegedienst , Pflegekosten , Altenheim , Kostenvergleich
Basisklassifikation: 85.00
Institut: Wirtschaftswissenschaften
DDC-Sachgruppe: Wirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Streitferdt, Lothar (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.02.2013
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 15.02.2013
Kurzfassung auf Deutsch: Der deutsche Gesetzgeber hat mit Reformierung des Sozialgesetzbuches die Zielsetzung eingeführt, dass die ambulanten Leistungen (also die Betreuung in den eigenen Räumen des Pflegebedürftigen) den teilstationären und stationären Leistungen vorzuziehen sind.
Dieser Zielsetzung geht zum einen die Vorstellung voraus, dass ambulante Leistungen kundenorientierter sind, da sie in vertrauter Umgebung im Lebensbereich des Kunden erbracht werden. Zum anderen besteht die Annahme, dass ambulante Leistungen kostengünstiger als stationäre Leistungen sind, da keine Kosten der stationären Unterbringung anfallen. Hingegen entstehen bei ambulanten Leistungen Fahrtzeiten und Fahrtkosten für Fahrten zu den Kunden.
Es ist jedoch unklar, unter welchen Bedingungen und in welchem Maße die Kosten der ambulanten und stationären Angebote steigen oder sinken. Vor allem ist nicht bekannt, ob ambulante Pflegeangebote tatsächlich günstiger sind als stationäre. Sollten ambulante Pflegeangebote teurer sein als stationäre, dann würde die aktuelle Gesetzeslage die abzusehende Problemlage der Pflegeversicherung noch verschärfen.
Die Arbeit hat daher das Ziel, die wirtschaftliche Vorteilhaftigkeit der ambulanten Betreuung zur stationären Betreuung in Abhängigkeiten von den Einflussfaktoren der Leistungserbringung zu betrachten.
Hierbei werden die Kostenverläufe beider Angebotsformen unter Variieren der Einflussfaktoren simuliert und miteinander verglichen. Das Variieren der Größenordnungen der Einflussfaktoren erfolgt im Rahmen statistisch ermittelter Bandbreiten aus verschiedenen empirischen Quellen.
Zu den untersuchten Einflussfaktoren der Leistungserbringung gehören die Anzahl der Pflegebedürftigen, die geografische Dichte des Pflegebedarfs, der Umfang der Pflegebedürftigkeit (Pflegestufen), die Betreuungsdauer, die Arbeitszeit und die Personalkosten. Speziell im stationären Bereich sind die Investitionskosten eines Heims, dessen Nutzungsdauer und der Kapitalkostensatz zu betrachten. Speziell im ambulanten Bereich spielen für die Wege zwischen den Betreuten die Größe des Gebietes und die Geschwindigkeit (Stadt- / Landverkehr) eine Rolle.
Im ambulanten Bereich handelt es sich immer um ein logistisches Tourenplanungsproblem, bei dem die Arbeitszeit des Personals die Kapazitätsgrenze darstellt. Dieses Tourenplanungsproblem wird mit Hilfe heuristischer Verfahren gelöst. Das geschieht durch ein selbst erstelltes EDV-Programm.
Die Kosten werden für jede Kombination von Daten der Einflussfaktoren ermittelt. Dafür werden im ambulanten Bereich die Kunden über die betrachtete Fläche zufällig verteilt und das Tourenplanungsproblem gelöst. Diese zufällige Verteilung und das Lösen des daraus vorhandenen Tourenplanungsproblems erfolgt so häufig, bis eine Konfidenz von mindestens 95% erreicht ist. Dieses geschieht für jede Datenkonstellation.
Für den Gesamtvergleich der Kosten zwischen ambulanten und stationären Angeboten lassen sich folgende Ergebnisse benennen:
• Mit steigender Anzahl Kunden steigt der Nachteil ambulanter Angebote aufgrund vergleichsweise höherer Kosten.
• Mit steigender Betreuungsdauer der Pflegestufe 3 steigt der Nachteil ambulanter Angebote aufgrund vergleichsweise höherer Kosten durch eine schlechtere ambulante Optimierungsmöglichkeit.
• Kurze Arbeitszeiten sind besser für ambulante Angebote: mit steigender Arbeitszeit steigt der Nachteil ambulanter Angebote aufgrund vergleichsweise höherer Kosten durch schlecht ausnutzbare ambulante Optimierungsmöglichkeiten. Der Nachteil ambulanter Angebote nimmt allerdings ab einer Arbeitszeit von 270 Minuten nicht weiter zu.
• Mit steigender Geschwindigkeit steigt der Nachteil ambulanter Angebote aufgrund vergleichsweise höherer Kosten durch schlecht ausnutzbare ambulante Optimierungsmöglichkeiten.
Insgesamt kann als Beantwortung der grundsätzlichen Fragestellung des Vergleichs der ökonomischen Vorteilhaftigkeit ambulanter zu stationärer Betreuungsangebote festgehalten werden:
Die ambulanten Kosten sind nur dann niedriger als die stationären Kosten, wenn Werte für die Einflussfaktoren zugrunde gelegt werden, die extrem niedrige ambulante Kosten und extrem hohe stationäre Kosten erwarten lassen. Diese Extremwerte sind jedoch nicht realistisch. Daraus folgt:
Es gibt keine praktisch vertretbaren Konstellationen, bei denen ambulante Angebote überhaupt günstiger sind als stationäre Angebote.
Die ambulanten Kosten sind aus gesamtwirtschaftlicher Sicht über alle untersuchten Einflussgrößen durchschnittlich doppelt so hoch wie die stationären Kosten.

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