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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-61666
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2013/6166/


Retrospektive Analyse alkoholassoziierter Vorstellungen in der Zentralen Notaufnahme der Asklepios Klinik Altona in Hamburg

Leventli, Berk

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SWD-Schlagwörter: Alkohol , Alkoholmissbrauch , Alkoholismus , Ambulanz , Poliklinik , Trauma , Kosten , Gesundheitsökonomie
Freie Schlagwörter (Deutsch): Notaufnahme , Alkoholbedingte Kosten , Alkoholbedingter Schaden , Alkohol in Notaufnahmen , Prävention
Basisklassifikation: 44.80 , 44.72 , 44.11 , 44.05
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 30.04.2013
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 14.05.2013
Kurzfassung auf Deutsch: Der missbräuchliche Alkoholkonsum ist ein ernstzunehmendes Problem der modernen Gesellschaft und mit hohem sozioökonomischen Ressourcenbedarf verbunden. Ein beträchtlicher Anteil der Kosten entfällt dabei auf das Gesundheitssystem. Alkoholassoziierte Vorstellungen in Notaufnahmen machen weltweit einen nicht unerheblichen Anteil aller klinischen Untersuchungen, Behandlungen und Beratungen aus und belasten personelle und finanzielle Ressourcen. Als primäre Anlaufstelle für Patienten mit missbräuchlichem Alkoholkonsum eignen sich Notaufnahmen gut zur langfristigen Senkung der Vorstellungsraten und damit zur Reduktion des alkoholbedingten Schadens. Hierfür ist eine genaue Kenntnis des Patientenguts erforderlich.

In der vorliegenden Studie wurden Daten zu alkoholassoziierten Vorstellungen in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) der Asklepios Klinik Altona (AKA), ein überregionales Traumazentrum und Haus der Maximalversorgung in der Großstadt Hamburg mit unmittelbarer Nähe zu Problemvierteln und Vergnügungsmeilen, wie der Reeperbahn und dem Hamburger Hafen, zwölf Monate retrospektiv für das Jahr 2011 analysiert. Im untersuchten Zeitraum wurden insgesamt 42.826 Vorstellungen registriert und 2.851 (6,65 %) als alkoholassoziiert identifiziert. 43,7 % der Fälle konnten zu einer chronischen und 38,2 % zu einer gelegentlich exzessiven Konsumentengruppe zugeordnet werden. Der Altersmedian betrug 40 Jahre und das männliche Geschlecht dominierte hochsignifikant mit 77,5 %. Die Versorgung erfolgte in 85,7 % der Fälle ambulant. Die Vorstellungen lagen überwiegend nachts (44,9 %) und an den Wochenenden (63,1 %). Im Hinblick auf verschiedene Jahreszeiten konnte kein Unterschied festgestellt werden. Das meistgenutzte Transportmittel war mit 87,2 % der Rettungswagen (RTW). Mehrfachvorstellungen im Indexjahr machten einen Anteil von 33,9 % aus. Die Diagnose „Akute Alkoholintoxikation“ wurde in 88,6 % der Fälle gestellt. Reine Alkoholintoxikationen ohne Begleiterkrankungen oder Verletzungen wurden in 45,3 % der Fälle dokumentiert. Die mittlere Blutalkoholkonzentration betrug 2,6 g/l bzw. 2,1 ‰. Fast ein Drittel der Vorstellungen erfolgte nach einem Trauma unter Alkoholisierung, 20,1 % nach einem Sturz und 10 % nach einem Körperverletzungsdelikt. Im untersuchten Zeitraum verstarben 14 Patienten in direktem Zusammenhang mit Alkoholkonsum. Mehr als die Hälfte (57,1 %) verstarb an Traumafolgen (davon jeweils 50 % nach Sturz und Verkehrsunfall). Zur Versorgung der Vorstellungen mussten erhebliche Ressourcen aufgewendet werden. Eine orientierende Kostenanalyse zeigte Aufwendungen von etwa 2,7 Mio. €. Als missbräuchliche Nutzung der ZNA ohne medizinische Notwendigkeit wurden 11,4 % der Fälle eingestuft.

Zur langfristigen Senkung der Suchtprävalenz sollte die Rolle der Notaufnahmen beim Screening sowie bei der Intervention und Prävention gestärkt werden. Mittel hierfür könnten durch Reduktion der Vorstellungszahlen bereitgestellt werden. Eine Implementierung von Screeninginstrumenten und Interventionsmöglichkeiten in Notaufnahmen ist als ein notwendiger Schritt anzusehen. Zum Management dieses Patientenguts wird eine Anpassung der personellen Strukturen mit Erweiterung der Besetzung an Wochenenden und in den Nächten erforderlich sein. Eine stärkere Einbindung des sozialen Dienstes und der Einsatz von speziell geschultem Personal könnten langfristig gerade bei „Problemfällen“ Erfolg versprechende Maßnahmen sein.

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