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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-62087
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2013/6208/


Partnerschaftliche Ressourcen und sexuelle Gesundheit transsexueller Frauen und Männer bei Behandlungsbeginn

Cerwenka, Susanne

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SWD-Schlagwörter: Transsexualität , Transgender , Geschlechtsdysphorie , Partnerschaft , partnerschaftliche Ressourcen , Sexualität , sexuelle Gesundheit
Freie Schlagwörter (Deutsch): Transsexualität , Transgender , Geschlechtsdysphorie , Partnerschaft , partnerschaftliche Ressourcen, Sexualität, sexuelle Gesundheit
Freie Schlagwörter (Englisch): Transsexualism , Transgender , Gender Dysphoria , intimate relationships , Resources based on intimate partnerships, Sexuality , Sexual Health
Basisklassifikation: 77.85
Institut: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Richter-Appelt, Hertha (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 30.05.2013
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 14.06.2013
Kurzfassung auf Deutsch: Einleitung
Partnerschaftliche Ressourcen stellen im Allgemeinen wichtige Schutzfaktoren für das psychische Wohlbefinden und die sexuelle Gesundheit dar. Personen mit transsexuellen Entwicklungswegen, die unter einer sogenannten Geschlechtsdysphorie leiden, empfinden ihr psychisches Geschlechtsidentitätserleben als unvereinbar mit dem physischen und nach der Geburt zugewiesenen Geschlecht (Geburtsgeschlecht) und der entsprechenden Geschlechtsrolle. Während des Transitions-Prozesses, im Rahmen dessen in der Regel das transsexuelle Coming-Out, der Geschlechtsrollenwechsel sowie endokrinologische, chirurgische und/oder sonstige geschlechtsanpassende Behandlungsmaßnahmen stattfinden, sind sie mit der Bewältigung besonderer psychischer Belastungen und Herausforderungen konfrontiert. In der psychotherapeutischen Begleitung kommt daher der Partnerbeziehung sowie der partnerschaftlichen Sexualität eine entscheidende Bedeutung als soziale Ressource zu.

Ziel
Ziel der vorliegenden publikationsbasierten Dissertation war zunächst, die Partnerschaftskonstellationen sowie partnerschaftliche sexuelle Erlebens- und Verhaltensweisen von Personen mit einer transsexuellen Entwicklung von Mann zu Frau (transsexuelle Frauen) und von Frau zu Mann (transsexuelle Männer) bei Behandlungsbeginn zu beleuchten. Personen, die sich noch keinen körpermedizinischen geschlechtsanpassenden Maßnahmen unterzogen haben, wurden dabei im Kontext verschiedener Klassifikationsansätze für Geschlechtsidentitätsstörungen differenziert untersucht. Aus den Gesamtergebnissen wurden Schlussfolgerungen über die partnerschaftlichen Ressourcen und die sexuelle Gesundheit transsexueller Frauen und Männer bei Behandlungsbeginn gezogen sowie Empfehlungen für eine ressourcenorientierte psychotherapeutische Begleitung entwickelt.

Methode
Patientinnen und Patienten mit der Diagnose einer Geschlechtsidentität nach DSM-IV-TR und einem Mindestalter von 17 Jahren, der im Rahmen der multizentrischen Studie ENIGI (European Network for the Investigation of Gender Incongruence) an die kooperierenden Gender-Identity-Kliniken der Universitätskliniken Amsterdam, Niederlande (P. Cohen-Kettenis), Gent, Belgien (G. de Cuypere), Hamburg, Deutschland (H. Richter-Appelt) und Oslo, Norwegen (I. Haraldsen) vorstellig wurden, wurden mittels standardisierter Messinstrumente per Selbstauskunft untersucht. Bei kontinuierlich wachsender Stichprobengröße seit Beginn der Studie variieren die Stichprobengröße der zur Dissertation vorgelegten Publikationen von N=93 Personen (für eine ausschließlich deutsche Stichprobe) bis N=380 (internationale Stichprobe).

Ergebnisse
Anhand der Ergebnisse der vorliegenden Dissertation ließ sich zeigen, dass transsexuelle Frauen und transsexuelle Männer zum Zeitpunkt der klinischen Erstvorstellung über unterschiedliche Muster von Partnerschaftskonstellationen und damit verbundenen partnerbezogenen sexuellen Erlebens- und Verhaltensweisen verfügten. So lebten beispielsweise transsexuelle Frauen großteils in Partnerschaftskonstellationen, in denen sich ihre Partner bzw. Partnerinnen als sexuell auf Männer orientiert erlebten, was in Diskrepanz zu ihrem weiblichen Geschlechtsidentitätserleben stand. Transsexuelle Männer lebten dagegen überwiegend in Partnerschaftskonstellationen, in denen sich die Partner bzw. Partnerinnen als sexuell auf Männer orientiert erlebten, komplementär zu ihrem männlichen Geschlechtsidentitätserleben. Sowohl bei transsexuellen Frauen als auch bei transsexuellen Männern zeigten Personen in Partnerschaftskonstellationen, in denen sich die sexuellen Identitäten beider Partner zueinander komplementär verhielten, eher vermeidende und negative partnerbezogene sexuelle Erlebens- und Verhaltensweisen als Personen in nicht-komplementären Partnerschaftskonstellationen.

Diskussion und Schlussfolgerungen
In beiden Geschlechtergruppen scheinen eher günstige Merkmale partnerschaftlicher Ressourcen hinsichtlich Partnerschaftskonstellation (vom Partner/der Partnerin in der neuen Geschlechtsrolle entsprechend der subjektiv empfundenen Geschlechtsidentität wahrgenommen und begehrt zu werden) mit eher ungünstigen Merkmalen hinsichtlich partnerbezogener Sexualität (eher vermeidende und negative partnerbezogene sexuelle Erlebens- und Verhaltensmuster) verbunden zu sein. Umgekehrt scheinen eher ungünstige Merkmale hinsichtlich Partnerschaftskonstellation (vom Partner/der Partnerin in der alten Geschlechtsrolle entsprechend dem Geburtsgeschlecht wahrgenommen und begehrt zu werden) mit eher günstigen Merkmalen hinsichtlich partnerbezogener Sexualität (positiv erlebte partnerschaftliche Sexualität) assoziiert zu sein. In der psychotherapeutischen Begleitung während der Transitionsphase kommt der Einbezugnahme der Partnerin bzw. des Partners unter Berücksichtigung dieser unterschiedlichen Dimensionen entscheidende Bedeutung für die Aufrechterhaltung und Förderung positiver partnerschaftlicher Ressourcen und sexueller Gesundheit zu.

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