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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-62740
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2013/6274/


Identifikation von pathologischen Spielern anhand ihres Spielverhaltens

Wilcke, Ann-Christin

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SWD-Schlagwörter: Glücksspiel , Pathologie , Spielverhalten , Poker
Freie Schlagwörter (Deutsch): Screeninginstrumente , Online Poker , Konstrukte , tatsächliches Spielverhalte, Selbstauskunft
Basisklassifikation: 44.47 , 77.31 , 77.08
Institut: Wirtschaftswissenschaften
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Adams, Michael (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 28.06.2013
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 07.08.2013
Kurzfassung auf Deutsch: Onlineglücksspiele bergen ein besonders hohes Suchtpotential. Allerdings ist das exakte Ausmaß der Sucht bei Onlineglücksspielen umstritten. Bisherige Instrumente zur Erfassung einer Glücksspielsucht beruhen auf Selbstauskünften, mit denen etliche Limitationen einhergehen. In der vorliegenden Arbeit wurde ein neuer komplementärer Ansatz zur Identifizierung von problematischem und pathologischem Spielverhalten vorgestellt. Dies sind Informationen zum tatsächlichen Spielverhalten anhand von elektronisch aufgezeichneten Daten. Auf diese Weise war es möglich, objektives Wissen über Spiel,- Biet und Setzverhalten zu überliefern. Inkonsistenzen resultierend aus Selbstauskünften, die das tatsächliche Spielverhalten über- oder unterschätzen, konnten infolgedessen vermieden werden. Durch die Heranziehung von zwei Datensätzen – einer enthielt das Spiel-, Biet- und Setzverhalten einer Kohorte an Online-Pokerspielern, der andere das Spiel-, Biet- und Setzverhalten einer Gruppe klinisch diagnostizierter Onlinepokerspieler mit Spielproblemen – konnte das Spielverhalten dieser beiden Gruppen verglichen werden. Darüber hinaus war es möglich, das für eine Glücksspielsucht bezeichnende Charakteristikum „Chasing“ bei der Gruppe diagnostizierter Süchtiger zu überprüfen, mit dem Ziel, Indikatoren bei problematischen/süchtigen Online-Pokerspielern zu identifizieren.
Zur Erreichung dieser Zielsetzung wurde im Rahmen dieser Arbeit zunächst pathologisches Spielverhalten theoretisch erläutert. In einem nächsten Schritt wurden die üblichen Messinstrumente in der Spielsuchtforschung zur Identifizierung von problematischem Spielverhalten vorgestellt, wobei ein Fokus auf die kritische Würdigung des SOGS – das weltweit mit am häufigsten eingesetzte Screening-Instrument – gesetzt wurde. In diesem Zusammenhang wurde insbesonders die fehlerhafte Annahme und Behandlung eines reflektiven Messmodells anstatt eines formativen Konstruktes herausgearbeitet. Im Zuge dessen konnte gezeigt werden, dass die zugrunde gelegten Gütemaße des SOGS keine Aussagekraft haben können. Des Weiteren konnten methodische Verzerrungen, die auf Selbstauskünfte zurückzuführen sind, dargelegt werden.
Infolgedessen wurde ein status quo der bisherigen Forschung zu einem neuen alternativen/komplentären Ansatz vorgestellt: das tatsächliche Spielverhalten als Indikator für pathologisches Spielen. Den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit stellt eine empirische Untersuchung dar, in der das tatsächliche Spiel-, Biet- und Setzverhalten von einer Kohorte von Onlinepokerspielern als auch von einer Gruppe diagnostizierter problematischer und pathologischer Onlinepokerspielern ausgewertet wurde. In diesem Zusammenhang wurde Chasing – das Verhalten, „hinter seinen Verlusten hinter zu jagen“ – welches als der bedeutendste Schritt bei der Entwicklung zu einem pathologischen Spieler angesehen, als relevantes Unterscheidungsmerkmal zwischen süchtigem und nicht-süchtigem Verhalten zu Grunde gelegt. Die resultierenden Schlüsselergebnisse dieser Untersuchung dieser beiden Stichproben lassen sich wie folgt zusammenfassen:

• Die Kohorte und die Gruppe problematischer und pathologischer Spieler unterscheiden sich signifikant in ihrem Spiel,- Biet- und Setzverhalten voneinander.
• Die Kohorte befindet sich in ihrem Biet- und Setzverhalten im Durchschnitt in dem Bereich, in dem eine profitable Spielstrategie möglich ist.
• Der Großteil der Gruppe problematischer/pathologischer Spieler verfolgt eine sehr unprofitable Spielstrategie; die Gegner schöpfen bei dieser Art von Spieler den größten Teil ihrer Gewinne ab. Die Spielweise ist mit vielen Fehlern verbunden. Die Gruppe ist demzufolge durch eine sehr ungeschickte und verlustreiche Spielweise zu charakterisieren.

Die gewonnenen Schlüsselmerkmale der Untersuchung der Gruppe problematischer und pathologischer Spieler bezüglich des Spiel,- Biet und Setzverhalten nach Verlusten – dem sogenannten Chasing – können folgenderweise festgehalten werden:
• Problematische/süchtige Spieler verhalten sich nach einem Verlust signifikant impulsiver, sind looser, d.h. sie investieren beim preflop zusätzliches Geld und verfolgen ein aggressiveres Biet- und Setzverhalten, indem sie mehr Erhöhungen tätigen, um ihren Verlusten hinterzujagen.
• Problematische/pathologischer Spieler spielen nach Gewinnen signifikant längere Sessions – nicht jedoch nach Verlusten.
• Problematische/pathologischer Spieler spielen nach Verlusten durchschnittlich mehr Tische simultan, jedoch besteht kein signifikanter Zusammenhang.
• Nach Verlustsessions kehren problematische/süchtige Spieler in einem kürzeren als durchschnittlichen Zeitabstand zum Spiel zurück.
Angesichts dieser Resultate konnten für die Glücksspielforschung bisher einzigartige Erkenntnisse gewonnen werden: Zum einen die deskriptive Darstellung von problematischen Biet und Setzverhalten auf der Basis einer empirisch unverzerrten Datenbasis, zum anderen die Evaluation von Indikatoren, die bei Online-Pokerspielern eine Spielsucht begründen.
Es konnte demonstriert werden, dass sich mit Hilfe solcher Informationen Chasingverhalten nachweisen lässt und dass dieses sowohl stark mit impulsivem Verhalten und als auch mit beeinträchtigter Kontrolle/Entscheidungsfindung korreliert.
Während bisherige Untersuchungen zu dem tatsächlichen Spielverhaltens nur ein erster Indikator sein konnten, um Personen mit potentiellen Spielproblemen zu identifizieren, so ist es mit Hilfe der Analyse des Biet- und Setzverhaltens möglich, Kriterien zu evaluieren, die zu einer Sucht führen bzw. diese begründen.

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