FAQ
© 2015 Staats- und Universitätsbibliothek
Hamburg, Carl von Ossietzky

Öffnungszeiten heute09.00 bis 24.00 Uhr alle Öffnungszeiten

Eingang zum Volltext in OPUS

Hinweis zum Urheberrecht

Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-64140
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2013/6414/


Menschen mit Opfererfahrung - Wege im Hilfesystem, psychische Belastung und Bewertung von Beratung

Harms, Birte

pdf-Format:
 Dokument 1.pdf (2.068 KB) 


SWD-Schlagwörter: Opferschutz , Evaluation , Hilfesystem
Freie Schlagwörter (Deutsch): Patientenzufriedenheitsbefragung , Zugangswege , psychische Belastung , PTBS
Basisklassifikation: 44.91
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Naber, Dieter (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 30.09.2013
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 23.10.2013
Kurzfassung auf Deutsch:
Einleitung: Personen mit Opfererfahrungen benötigen Beratungs- und Behandlungsangebote, die ihren komplexen Bedürfnissen möglichst umfassend gerecht werden. Im Interesse einer kontinuierlichen Verbesserung der Versorgung und Qualitätssicherung waren deshalb Ziele der vorliegenden Untersuchung, das Inanspruchnahmeverhalten von Menschen mit Opfererfahrungen, die Erfahrungen mit Institutionen des Hilfesystems sowie die subjektive Zufriedenheit Ratsuchender mit dem Angebot der spezifischen Beratungsstelle Opferhilfe Hamburg zu erfassen. Weiter sollte die psychische Belastung der Ratsuchenden, die Inanspruchnahme weiterführender Behandlungsangebote und die Zufriedenheit mit den empfohlenen Angeboten untersucht werden.

Methoden: Über einen Zeitraum von 12 Monaten wurden alle Ratsuchenden, die mindestens ein persönliches Gespräch in der Opferhilfe Hamburg wahrnahmen, zur Teilnahme an der Untersuchung eingeladen. Neben einem strukturierten Fragebogen kamen etablierte psychometrische Instrumente zum Einsatz. Ergänzende Informationen wurden der Basisdokumentation der Beratungsstelle entnommen. Im Rahmen einer Erstbefragung sowie einer telefonischen Nachbefragung 6 Monate nach dem letzten Gesprächstermin wurden die teilnehmenden Personen zu Art und Anzahl der Vorkontakte, zu ihrer Zufriedenheit mit Institutionen des Hilfesystems und dem Angebot der Opferhilfe sowie dem weiteren Behandlungsverlauf befragt.

Ergebnisse: Insgesamt konnten N=160 Ratsuchende befragt werden (81% weiblich; Teilnahmequote 60%). Anhand der PTSS-10 ergab sich bei etwa der Hälfte der Ratsuchenden (53%) der „dringende Verdacht“ auf eine Posttraumatische Belastungsstörung. Im Mittel hatten die Ratsuchenden 3,23 Vorkontakte im Hilfesystem, wobei Individuelle Faktoren (Alter, Geschlecht, Nationalität) keinen Einfluss zu haben schienen. Von Bedeutung schienen jedoch die Art des Erstkontaktes und die Symptombelastung der Betroffenen zu sein. So hatten sich Ratsuchende, die in stärkerem Maße an Symptomen einer PTBS litten, signifikant häufiger zuerst an medizinische Institutionen gewandt. Sie hatten im Mittel mit 4,19 (SD=2,19) eine signifikant höhere Anzahl an Vorkontakten. Betroffene von Beziehungsgewalt - Migranten signifikant häufiger (50% vs. 26%) – nutzten als erste Anlaufstelle deutlich häufiger die Polizei. Ein Großteil der Ratsuchenden (79%) gab an, sich bei der Opferhilfe Hamburg in vollem Umfang „verstanden und gut aufgehoben“ gefühlt zu haben. Etwa die Hälfte der Ratsuchenden mit Empfehlung für eine Therapie hatte diese auch in Anspruch genommen (58%) und sie zumeist als „sehr hilfreich“ wahrgenommen (78%). Für eine verzögerte Kontaktaufnahme zur Opferhilfe schien fehlendes Wissen um Hilfsangebote kaum von Bedeutung zu sein. Neben einer allgemeinen Hilflosigkeit könnte dieser Punkt allerdings bei Opfererfahrungen im Kindes- und Jugendalter eine Rolle spielen.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass eine hohe Symptombelastung von Menschen mit Opfererfahrung mit einer höheren Anzahl an Kontakten zum Hilfesystem und vor allem einer stärkeren Nutzung medizinischer Institutionen einhergeht. Bei den häufig stark belasteten Ratsuchenden zeigte sich insgesamt eine hohe Zufriedenheit mit dem Beratungsangebot der Opferhilfe und den weiterführenden Hilfen Die Ergebnisse unterstreichen außerdem die speziellen Bedürfnisse verschiedener Subgruppen von Ratsuchenden, etwa von Migranten oder Kindern und Jugendlichen mit Gewalterfahrungen.


Zugriffsstatistik

keine Statistikdaten vorhanden
Legende