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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-64650
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2013/6465/


Stress, Entspannung und Musik : Untersuchungen zu rezeptiver Musiktherapie im Kindes- und Jugendalter

Stegemann, Thomas

pdf-Format:
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SWD-Schlagwörter: Musiktherapie , Experteninterview , Kindheit , Jugend , Neurobiologie , Stress , Entspannung Auditorisches System
Freie Schlagwörter (Deutsch): rezeptiv , systematischer Literaturüberblick , Arousal , limbisches System , MNEMO
Freie Schlagwörter (Englisch): receptive music therapy , children and adolescents , stress , relaxation , neurobiology
Basisklassifikation: 24.44 , 77.72 , 44.91
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Decker-Voigt, Hans-Helmut (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 11.11.2013
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 26.11.2013
Kurzfassung auf Deutsch: Stress-assoziierte Störungsbilder treten zunehmend bereits im Kindes- und Jugendalter auf. Trotz eines durchschnittlich hohen Lebensstandards in Deutschland fühlen sich viele Kinder und Jugendliche psychisch belastet und das subjektive Wohlbefinden in dieser Altersgruppe nimmt ab. Entsprechenden Zulauf verzeichnen Entspannungsverfahren und andere adjuvante Therapieansätze, die Linderung dieser Symptome versprechen. Der wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit dieser Maßnahmen, zu denen auch musikbasierte Interventionen gehören, steht in den meisten Fällen noch aus.
In dieser Arbeit wird ein multiperspektivischer Ansatz verfolgt, um die Zusammenhänge zwischen Stress, Entspannung und Musik im Hinblick auf rezeptive Musiktherapie im Kindes- und Jugendalter zu beschreiben. Anhand einer systematischen Literaturrecher-che wurden für den Zeitraum von 1980 bis 2012 insgesamt 36 Originalarbeiten identifiziert, in denen rezeptive Methoden bei Kindern und Jugendlichen im klinischen Setting angewendet wurden. Dabei handelte es sich überwiegend um Studien aus dem musik-medizinischen Bereich. Untersucht wurden vor allem PatientInnen vor, während oder nach einer Operation oder einem anderen medizinischen Eingriff sowie Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen. Es zeigen sich signifikante Effekte bei der Reduktion von Schmerz, Angst und Disstresszeichen, wobei die Heterogenität der Daten die Vergleichbarkeit der Ergebnisse erschwert.
In einem Experteninterview mit 14 erfahrenen MusiktherapeutInnen aus den deutsch-sprachigen Ländern wurde der Einsatz rezeptiver Elemente in der Musiktherapie mit Kindern und Jugendlichen untersucht. In Ergänzung zu den in den Peer-review-Journals publizierten Daten sollte hier auf das „tacit knowledge“ der in der Praxis tätigen Kolleg-Innen Bezug genommen werden.
Die Ergebnisse der Befragung erlauben ein differenzierteres Bild von Funktion und Be-deutung rezeptiver Methoden und Techniken im musiktherapeutischen Setting. Als Be-handlungsziele stehen hierbei Entspannungsförderung und Regulation/Stabilisierung sowie Kontaktaufnahme und Beziehungsaufbau im Vordergrund. Im Hinblick auf die zum Einsatz kommenden Interventionen zeigt sich, dass Für-Spiel, das Singen von Lie-dern und das Initiieren von aktiven Phasen durch rezeptive Elemente insbesondere bei Kindern von großer Bedeutung zu sein scheinen, während bei den Jugendlichen das ge-meinsame Anhören von Musik die am häufigsten verwendete rezeptive Methode dar-stellt. Bei den von den InterviewpartnerInnen genannten Wirkmechanismen lassen sich vier Kategorien identifizieren, die als spezifisch für rezeptive Methoden gelten können: physiologische Erklärungsansätze, frühkindliche Erfahrungsmodi, Biografie/Erinnerung und Imagination.
Zur Beleuchtung der physiologischen Mechanismen und Zusammenhänge der oben be-schriebenen Phänomene wurde auf der Basis aktueller, interdisziplinärer Literatur ein musikbezogenes neurobiologisches Entspannungsmodell (MNEMO) entworfen, das ein Gerüst für das Verständnis dieses komplexen adaptiven Systems bieten soll. In diesem Entwurf wird davon ausgegangen, dass über den nicht-klassischen auditiven Pfad all-gemeine musikalische Parameter direkt auf vital relevante Regulationssysteme wirken (Arousal-, Stress- und limbische Systeme), die über Bottom-up-Mechanismen Entspan-nung und Stressreduktion vermitteln. Parallel dazu werden über den klassischen auditi-ven Weg Top-down-Prozesse wirksam, die für die individuell unterschiedlichen – da erfahrungsabhängigen – Wirkungen von Musik auf den menschlichen Organismus ver-antwortlich zeichnen. Somit bietet dieses theoretische Modell eine Integration musik-therapeutischer und musikmedizinischer Erklärungsansätze.
Zusammenfassend belegen diese multiperspektivischen Untersuchungen zu rezeptiver Musiktherapie im Kindes- und Jugendalter die Bedeutung und Wirksamkeit rezeptiver Elemente in der musiktherapeutischen Behandlung dieser Altersgruppe und zeigen darüber hinaus verschiedene Ansatzpunkte für weitere Forschung in diesem Gebiet auf.
Kurzfassung auf Englisch: Music therapy with minors is predominantly associated with active forms of music therapy methods and techniques. Only little is known about the use and efficacy of receptive music therapy in children and adolescents. This thesis aims to enlighten the role and function of receptive elements in music therapy during childhood and adolescence. In order to do this, three different methodological approaches were used: First, a systematic review was carried out to scan for peer-reviewed publications between 1980 and 2012 (in English and German), with 36 studies fulfilling the inclusion criteria. Second, expert interviews were conducted with 14 credentialed music therapists experienced in the treatment of minors. Third, a literature-based neurobiological model on music and relaxation was developed.
Results from the first two data sources show that receptive methods are widely and suc-cessfully applied. In music medicine, receptive interventions prove to be effective in re-ducing pain, anxiety, and distress. In music therapy, receptive elements complement active methods and promote stress reduction, affect regulation, and building of relationships.
In addition, the underlying neurobiological mechanisms of stress-reducing effects of music were studied. Based on current interdisciplinary literature, a neurobiological mo-del was developed, encompassing a network of auditory, arousal, stress, and limbic sy-stems. Activations of the non-classical path of the auditory system – via direct links to limbic brain structures – are proposed to account for general and universal effects of music on human body and mind. Top-down mechanisms – via the classical auditory pathway – are suggested to be involved in individual and neo-cortically mediated reacti-ons on music. Implications for clinical practice of music therapy are discussed.

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