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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-66781
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2014/6678/


Funktion des Runx1-Transkriptionsfaktors während dernormalen und aberranten Myelopoese in Mus musculus (Linnaeus, 1758)

Behrens, Kira

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Runx1, Myelopoese, Hämatopoese
Basisklassifikation: 42.99
Institut: Biologie
DDC-Sachgruppe: Biowissenschaften, Biologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Dobner, Thomas (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 20.12.2013
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 21.03.2014
Kurzfassung auf Deutsch: Für den homöostatisch sehr fein abgestimmten Prozess der Hämatopoese sind Transkriptionsfaktoren
von zentraler Bedeutung. Dysfunktionen oder Fehlregulationen dieser Proteine
können zur malignen Transformation von Blutzellen führen und so Leukämien induzieren. Das
für den Transkriptionsfaktor RUNX1 codierende Gen, ist eines der am häufigsten mutierten
Gene in akuten Leukämien. Bei Patienten mit akuten myeloischen Leukämien liegt die Inzidenz
von Mutationen in diesem Genlocus bei über 30%. Da dennoch nur wenig über die Rolle von
Runx1 in der Myelopoese bekannt ist, sollte im Rahmen dieser Arbeit die Funktion des
Transkriptionsfaktors und dessen Zielgene in frühen myeloischen Zellen analysiert werden.
Zunächst wurde untersucht, ob die Aktivität von Runx1 für die myeloische Differenzierung
wichtig ist. Sowohl in vitro als auch in vivo führte die Inaktivierung von Runx1 zu einem
erhöhten Anteil unreifer Myeloblasten, sodass es zu einer Beeinträchtigung, nicht aber zu einer
Blockade der Differenzierungsvorgänge kam. Weiterhin bestätigten diese Analysen, dass die
monozytäre und die granulozytäre Entwicklung in gleichem Maße beeinträchtigt waren, sodass
das Gleichgewicht zwischen beiden myeloischen Entwicklungslinien von Runx1 nicht beeinflusst
wurde.
Mit Hilfe von gesamtgenomischen Expressionsanalysen myeloischer Progenitoren, die
entweder zur Überexpression von RUNX1 manipuliert wurden oder in denen Runx1 konditional
ausgeschaltet wurde, konnten Gene, die für Membran- und Adhäsionsproteine codieren als
potentielle Runx1-Zielgene identifiziert werden. Viele dieser Gene stehen mit der Interaktion von
Stroma- und Stammzellen im Knochenmark in Verbindung. Stromazellen sind einerseits für den
Erhalt der Quieszenz der Stammzellen, andererseits aber auch für die Differenzierung und
Proliferation früher Progenitoren essentiell. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass die Deregulation
dieser Proteine zur Akkumulation prä-leukämischer Progenitoren beiträgt, die Zielzellen für
sekundäre Mutationen darstellen und schließlich zu einer Leukämie führen können. Runx1-DNA
Bindungsanalysen bestätigten, dass es sich bei den meisten deregulierten Genen um direkte
Runx1-Zielgene handelt.
De novo-Motivanalysen Runx1-gebundener Regionen bestätigte eine potentielle Kooperation
mit anderen Transkriptionsfaktoren (z.B. Ets, Cebp und Gata), die Bestandteile
komplexer Netzwerke zur Regulation des Selbsterhalts sowie der Differenzierung früher hämatopoetischer
Vorläufer sind. Dass die Abwesenheit von Runx1 nicht an allen Runx1-gebundenen
Genen auch Einfluss auf die Transkription nahm, spiegelt vermutlich die unterschiedlichen
Funktionen von Runx1 in Synergie mit anderen Faktoren wieder. Dementsprechend reicht das
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Funktionsspektrum von Runx1 von einem starken Pionierfaktor, der die Rekrutierung anderer
Schlüsselfaktoren dirigiert, bis hin zu einem Gerüstprotein, welches lediglich die transkriptionelle
Effizienz moduliert. Erstmals konnten, neben den bekannten Runx1 Interaktionspartnern, Co-
Lokalisationen mit Motiven der zytokininduzierten Stat-Transkriptionsfaktoren nachgewiesen
werden. Dieses legt die Vermutung nahe, dass Runx1 die transkriptionelle Aktivität von Stat
steigert und somit auch Überlebens und Proliferationssignale reguliert.
In-vivo-Mausexperimente sollten Aufschluss darüber geben, ob die Inaktivierung von
Runx1 und die damit einhergehenden Beeinträchtigung myeloischer Progenitoren zusammen
mit einem starken Proliferationssignal, induziert durch die konstitutiven Aktivierung der FLT3-
Rezeptortyrosinkinase ausreichend sind, um eine Leukämie zu induzieren. Interessanterweise
induzierte die FLT3-Aktivierung in Runx1-deletiertem Knochenmark eine Myeloproliferation, aber
keine Leukämie. Die Rekonstitution von RUNX1 hingegen induzierte eine aggressive Leukämie.
Dieses liefert einen Hinweis darauf, dass die Inaktivierung von Runx1 zwar die Voraussetzung
für die Zelltransformation schafft, eine verbleibende onkogene Runx1-Aktivität jedoch notwendig
ist um die Transformation letztlich auszulösen. Hierbei könnte Runx1 mit Stat-Transkriptionsfaktoren
zusammenwirken, die durch den FLT3-Signalweg aktiviert werden, und die Transkription
transformationsfördernder Gene induzieren. Außerdem könnte das erhöhte Runx1-
Niveau ein Milieu schaffen, dass die FLT3-induzierte Transformation begünstigt.
Zusammengefasst unterstützen die Ergebnisse dieser Arbeit die Hypothese, dass der
Funktionsverlust von Runx1 ein prä-leukämisches Stadium induziert, vermutlich durch die
Akkumulation früher myeloischer Progenitoren mit einer beeinträchtigten, aber dennoch nicht
blockierten Differenzierung. Weitere Mutationen, wie z.B. die Aktivierung der FLT3-Kinase,
induzieren in Synergie mit Runx1 eine akute Leukämie, gekennzeichnet durch eine vollständige
Blockade der Differenzierung. Somit trägt sowohl der Funktionsverlust (Tumorsuppressor), als
auch der Funktionsgewinn (Onkogen) von Runx1 zur Leukämogenese bei.

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