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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-67850
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2014/6785/


Zur Evidenzbasierung von Präventionsprogrammen für schwangere Teenager und junge Mütter im Teenageralter : Ein systematischer Review

Kahler, Christina

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Basisklassifikation: 44.91
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Thomasius, Rainer (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.04.2014
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 11.07.2014
Kurzfassung auf Deutsch: Fragestellung: Schwangere Teenager und junge Mütter stellen in vielerlei Hinsicht Hochrisikogruppen dar. Dennoch liegen in Europa für beide Gruppen spezifische Angebote zu selektiven und indizierten Prävention kaum vor. Wenig ist bis jetzt bekannt über diese Art von Programmen und noch weniger über die Evidenzbasierung der dazugehörigen Studien. Ziel ist einerseits eine Priorisierung der existierenden Programme bzw. Programmtypen; andererseits soll insbesondere versucht werden, Forschungslücken aufzuzeigen.
Methode: Es handelt sich um einen systematischen Review angelehnt an die Standards der Cochrane Collaboration. Dafür wurde in den nicht-öffentlichen Datenbanken Ovid MEDLINE®, EMBASE, PsycARTICLES Full Text, PsycINFO und PSYNDEXplus eine Recherche mit der Suchwortkombination ,,adolescent AND prevent* AND pregnant AND mothers AND programs NOT hiv” durchgeführt. Die Suche wurde auf Literatur in englischer und deutscher Sprache aus dem Zeitraum von Januar 2000 bis September 2010 eingegrenzt; die Zielgruppe der Programme beschränkte sich auf weibliche Teenager im Alter unter 20 Jahren. Die Abstracts aller 550 erhaltenen Treffer wurden nach definierten In- und Exklusionskriterien von zwei unabhängigen Reviewerinnen gesichtet. Nach Freihandrecherche und zusätzlicher Nachrecherche von 2010 bis Oktober 2012 ergab sich ein Kerndatensatz von insgesamt N=18 Studien. Diese wurden einzeln nach Programmaufbau, Studienzielen und Studiendesign, Stichprobe und Rekrutierung, Messverfahren und Auswertungsmethode, Ergebnissen, Limitationen, Evidenzgrad (nach SIGN) und Studien-Design-Güte (Adaption eines Bewertungsscores aus der Familientherapie-Forschung) sowie Programm-Qualität (eigens entwickelter Bewertungsscore) beschrieben.
Ergebnisse: Die untersuchten Studien stammten aus den Jahren 2000 bis 2012 und wiesen zu 50% eine sehr gute oder gute Studien-Design-Güte auf und konnten den Evidenzklassen I oder II zugeordnet werden. Unter diesen Studien waren fünf der sechs Studien zu Programmen mit direktem und vier der zwölf Studien zu Programmen ohne direkten Bezug zur Drogenprävention. Alle untersuchten Programme wiesen ausnahmslos eine sehr gute oder gute Programm-Qualität auf.
In allen untersuchten Bereichen (Drogenkonsum, Folge-SS, psychische Verfassung, Schullaufbahn, psychosoziale Unterstützung, Erziehung und kindliche Parameter) konnten effektive Outcomes häufig mehrerer Studien festgehalten werden. Die deutlichsten Resultate ergaben sich für die Studie zum Pathway (Evidenzgrad Ib, Studien-Design-Qualität 27 von 30 Punkten, Programm-Qualität 16 von 18 Punkten) als Studie zu Programmen mit direktem Bezug zur Drogenprävention sowie für die Studien zum Gruppenprogramm aus Texas (Evidenzgrad Ib, Studien-Design-Qualität 23,5 von 30 Punkten, Programm-Qualität 14 von 18 Punkten) und zum Kursprogramm aus Toronto (Evidenzgrad Ib, Studien-Design-Qualität 20,5 von 30 Punkten, Programm-Qualität 13 von 18 Punkten) als Studien zu Programmen ohne direkten Bezug zur Drogenprävention. Insgesamt die effektivsten Ergebnisse lieferte eindeutig die Studie zum Pathway.
Die Programme konnten insgesamt deutlich effektiver wirken, wenn sie sich zumindest teilweise an noch schwangere Teenager richteten, zumindest teilweise von professionellen Betreuern geleitet wurden sowie eine Kombination aus Gruppen- und Einzelsettings anboten. Auch schon relativ kurzandauernde Programme mit intensiver und regelmäßiger Intensität konnten sehr gute Erfolge bewirken, bezüglich Dauer und Intensität bleibt jedoch Forschungsbedarf bestehen.
Limitationen: Eine Ableitung allgemein-gültiger evidenzbasierter Kriterien für Präventionsprogramme für schwangere Teenager und junge Mütter ist aufgrund der kleinen untersuchten Gesamtstichprobe schwierig. Angesichts der nur spärlichen Datenlage mussten auch Studien geringerer Studien-Design-Güte eingeschlossen werden, so dass die „wahre Effektivität“ möglicherweise fälschlich zu hoch oder zu niedrig eingeschätzt wurde. Auch das Vorliegen von Publikations-Bias lässt sich nicht ausschließen.
Schlussfolgerung: Präventionsprogramme für schwangere Teenager und junge Mütter können sehr positive Auswirkungen sowohl auf den Lebensverlauf der jungen Mütter als auch auf den ihrer Kinder haben. Es besteht großes Potential, so den Teufelskreis, in dem sich viele dieser Teenager befinden, zu durchbrechen. Qualitativ hochwertige Evaluationsstudien fehlen jedoch häufig. Für die Zukunft besteht großer Forschungsbedarf, insbesondere was Langzeiteffekte angeht.

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