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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-68927
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2014/6892/


Gelebte Geschichte und praktizierte Erinnerungskultur : Die Fiesta von Tixcacal Guardia in Quintana Roo, Mexiko

Hinz, Armin

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SWD-Schlagwörter: Quintana Roo , Maya , Kollektives Gedächtnis , Identitätspolitik
Freie Schlagwörter (Deutsch): Cruzoob , Kreuzkult (1850-) , Kastenkrieg (1847-1901) , Fiesta , Kulturelle Performanz
Freie Schlagwörter (Englisch): Cruzoob , Cult of the Cross (1850-) , Caste War (1847-1901) , Fiesta , Cultural Performance
Basisklassifikation: 73.06 , 73.50 , 73.66 , 73.73
Institut: Kulturgeschichte und Kulturkunde
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Kokot, Waltraud (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.12.2013
Erstellungsjahr: 2013
Publikationsdatum: 29.07.2014
Kurzfassung auf Deutsch: Im Mittelpunkt der ethnologischen Langzeitstudie zu kulturellen Praktiken und sozialen Interaktionen der Angehörigen des Kreuzkults von Tixcacal Guardia, Nachfahren der mayasprachigen Aufständischen im yukatekischen Kastenkrieg (1847–1901) steht die Fiesta des heiligen Kreuzes. Als Bestandteil und Kulminationspunkt eines Systems von Speiseopferriten stellt die alle acht Monate durchgeführte Fiesta von Tixcacal Guardia eine Verdichtung sozialer und religiöser Aktivitäten für die Angehörigen des Kreuzkultes dar. Teilnehmende aus allen zum Kreuzkult gehörenden Gemeinden sowie verbündeter Kreuzkulte kommen zusammen und stärken den übergeordneten sozialen Zusammenhang der Cruzoob-Maya, indem in zahlreichen kulturellen Performanzen Angehörige verschiedener Referenzgruppen innerhalb der Gemeinschaft durch spezifische Interaktionen vereint werden. Die Fiesta dient nicht, wie viele Fiestas auf der mexikanischen Halbinsel Yukatan, als Publikumsmagnet für Auswärtige und Touristen, vielmehr ist sie ein Mittel ihrer Exklusion. Die Abwesenheit von »Fremden« wie auch der einheimischen Protestanten schafft einen Rückzugsraum und Erinnerungsort, der temporär die Verhältnisse der ehemals erkämpften Unabhängigkeit und späteren selbst gewählten Isolation widerspiegelt.

Die Rekonstruktion der Vergangenheit, wie sie in der Interaktion mit den staatlichen Repräsentanten deutlich wird, verschafft den Cruzoob zudem ein politisches Gewicht, das ihren zahlenmäßigen Anteil an der Gesamtbevölkerung im Bundesstaat Quintana Roo weit übersteigt. Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und ökonomischer Veränderungsprozesse regen Wahrnehmung und Interpretation vermehrt auftretender göttlicher Zeichen Debatten über den soziopolitischen Kurs der Kreuzkultgemeinschaft an. Die zunehmende Kommerzialisierung der Fiesta mit populären Tanzveranstaltungen ermöglicht es, dass die Spender der Schweine für die rituellen Opferspeisen ihre Unkosten ausgleichen oder sogar klein Gewinne generieren. Daher wird dieser profane Anteil nicht als Niedergang des religiösen Anspruchs wahrgenommen. Vielmehr sehen die Verantwortlichen dadurch die Möglichkeit, die Anziehungskraft auf die Angehörigen des Kreuzkultes zu stärken sowie »Tradition« und »Moderne« wirkungsvoll zu vereinen.
Kurzfassung auf Englisch: From a diachronic perspective, I explore the performative power of the Fiesta of the Holy Cross held at the shrine center of Tixcacal Guardia in Quintana Roo, Mexico. During the so called Caste War of Yucatan (1847–1901), Maya insurgents withdrawing to the Eastern forests established a Christian syncretistic cult; the merge of military and religious leadership allowed the Cruzoob-Maya to administer an independent territory well into the 20th century. For nowadays adherents of the Cult of the Cross the fiestas in Tixcacal Guardia are major events in their religious and social life, where collective work and the communal consumption of offerings connected with milpa-subsistence (Mesoamerican swidden culture of maize, beans, and squash) strengthen their sense of community. Far from the multi-colored spectacles of many other Mexican fiestas, the puristic setting in Tixcacal Guardia, and the absence of tourists and almost any non-Cruzoob participating in the event evoke both, a reminiscence of political independence as well as the hardships of former times. Notwithstanding these significant historical references, the fiesta is also a representation of modernity as it integrates dances with popular music bands. In this long-term study (1996–2011) based on extensive participant observation, I analyze how members of different reference groups––shaped by social status, gender, and generation––interact through the cultural performances of the fiestas. These events offer diverse stages, on which current local, communal and municipal politics as well as national and international affairs are debated. One of the major concerns for the Cruzoob of Quintana Roo in recent decades has been the rapid economic growth in the area due to increasing tourism in and around Cancun. For the formerly independent Cruzoob (ongoing) dispossession and alienation is a communal concern and as such hotly debated on the occasion of the Fiesta of the Holy Cross.

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