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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-70237
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2014/7023/


Erhebung einer Normstichprobe und Überprüfung der Güte des Ängstlichkeits-Screenings für Kinder (ÄSK)

Krüger, Nina

pdf-Format:
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SWD-Schlagwörter: Testkonstruktion , Angst , Temperament , Grundschulkind , Validierung , Screening , Somatisierung , Depression , Vorschulkind
Freie Schlagwörter (Deutsch): Public Health , Ängstlichkeit, Selbsturteil
Freie Schlagwörter (Englisch): Public Health , trait-anxiety , self-report
Basisklassifikation: 77.70 , 77.55 , 77.53 , 77.46 , 77.08
Institut: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Vagt, Gerhard (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 06.10.2014
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 27.10.2014
Kurzfassung auf Deutsch: Mehrere Autoren weisen darauf hin, dass Patienten mit unterschiedlichsten Störungsbildern, insbesondere mit Angststörungen und Depressionen, bereits in der Kindheit beeinträchtigt waren. So berichten Patienten retrospektiv, dass sie bereits im Grundschulalter eine erhöhte Ängstlichkeit erlebten. Dieser Umstand liefert den Ansatz einer frühzeitigen Prä- bzw. Intervention psychischer Störungen im Grundschulalter. Über ihre Ängstlichkeit können bereits Kinder im Grundschulalter Auskunft geben (Selbsturteile). Selbst beurteilte Ängstlichkeit muss sich nicht im Verhalten äußern. Somit ist das Selbsturteil für bestimmte, nicht an der Verhaltensebene festzumachende, Ängste wichtige Informationsquelle. Um eine erhöhte Ängstlichkeit bei Grundschulkindern feststellen zu können, fehlen jedoch bisher geeignete deutschsprachige Instrumente.
Im Rahmen dieser Arbeit sollte die Testgüte des Ängstlichkeitsscreenings für Kinder (ÄSK) überprüft werden. Zur Bestimmung von Referenzwerten und Testgütekriterien des ÄSK wurden 818 Grundschulkinder aus Norddeutschland teilweise wiederholt getestet. Ein Retest erfolgte nach vier Wochen mit 76 Kindern, ein weiterer mit 97 Kindern nach drei Monaten. Zur Überprüfung der Validität kamen verschiedene quantitative Verfahren (i-iv und vi) sowie qualitative Verfahren (iv und v) zum Einsatz: (i) Kinder der Normstichprobe füllten zusätzlich zum ÄSK einschlägige Fragebögen aus, die Angst (n=115), Angstsensitivität (n=115), Empathie (n=337) oder Neurotizismus (n=154) erfassen. (ii) 66 Kinder einer klinischen Stichprobe mit internalisierenden Symptomen und anderen psychischen Auffälligkeiten beantworteten das ÄSK. (iii) Ein Vergleich hinsichtlich der selbsteingeschätzten gesundheitsbezogenen Lebensqualität erfolgte an zwei Gruppen von Grundschulkindern, die durch den ÄSK entweder als hoch- (n=84) oder als niedrigängstlich (n=64) klassifiziert wurden. (iv) Insgesamt 54 praktisch und/oder wissenschaftlich arbeitende Berufsexperten beurteilten die Inhalte der Items des ÄSK sowie weitere übergeordnete Aspekte des ÄSKs mittels Fragebögen. (v) Acht Grundschulkinder charakterisierten die Inhalte, Akzeptanz und Praktikabilität des ÄSK in strukturierten Interviews. (vi) Zur Bestimmung der Veränderungssensitivität wurde das ÄSK im Rahmen des Präventionsprogramms Löwenherz bei internalisierenden Störungen mit 50 Grundschulkindern (und einer Kontrollgruppe von 20 Kindern) eingesetzt.
Insgesamt bescheinigen die Ergebnisse dem ÄSK eine hohe Güte. Hervorzuheben sind die gegebene Durchführungs- und Auswertungsobjektivität sowie zufriedenstellende bis gute Reliabilitäten und eine ausreichende bis gute Retest-Reliabilität. Die niedrigen bis mittleren positiven Korrelationen des ÄSK mit der selbsteingeschätzten emotionalen Instabilität (Neurotizismus) und Empathie (diskriminante Validität) kontrastieren mit den hohen und positiven Zusammenhängen mit ähnlichen Konstrukten (konvergente Validität). Die Ergebnisse zum Vergleich der klinisch auffälligen Kinder mit der Grundschulstichprobe sowie hoch- und niedrigängstlicher Grundschulkinder hinsichtlich ihrer Lebensqualität belegen die differentielle Validität des ÄSK. Die Veränderungssensitivität wurde durch den Nachweis großer kurz- und langfristiger Effekte im Rahmen der Evaluation des Präventionsprogramms Löwenherz an Grundschulkindern bestätigt.
Im Rahmen dieser Arbeit ist es gelungen, Methoden der klassischen mit dem Ansatz der probabilistischen Testtheorie sowie qualitativen Forschungsmethoden zu kombinieren und damit die Güte des neuen Verfahrens zu belegen. Die Ergebnisse kennzeichnen das ÄSK als objektiven, reliablen und validen Test zur Erfassung der Ängstlichkeit im Selbsturteil von Grundschulkindern. Insbesondere die Befunde hinsichtlich geringer Konkordanz des kindlichen mit dem elterlichen bzw. Lehrerurteil legen nahe, dass Kinder zuverlässigere Informationsquellen für internalisierende Problematiken sind als ihre erwachsenen Bezugspersonen. Für den ÄSK bieten sich vielfältige Anwendungsperspektiven nicht nur in der Forschung sondern auch im schulischen Bereich, in Erziehungsberatungsstellen und in kinderpsychologischen Praxen.
Kurzfassung auf Englisch: Several authors allude to the fact that patients afflicted with the most diverse psychological disorders, especially anxiety disorder and depression, have already been affected by it in their childhood. These aforementioned patients report retrospectively having experienced heightened anxiety at primary school age. This fact provides a basis for an approach for early mental disorder prevention and intervention in primary school children. Children at this age are already able to provide information about their level of anxiety. Self-reported anxiety is not bound to be expressed in perceivable behavior. Therefore the self-report is an important source of information for anxieties which are not recognizable on behavioral level. However, there is a lack of instruments available in the German language in order to be able to assess heightened primary school aged children’s anxiety levels so far.
This study aims to examine the test quality of the “Ängstlichkeitsscreening für Kinder (ÄSK)” (anxiety screening for kids). In order to define reference values and psychometric properties for the ÄSK 818 primary school children from northern Germany were tested, some of them repeatedly. One retest was conducted four weeks later with 76 children, another one three months later with 97 children. Different quantitative methods (i-iv and vi) as well as qualitative methods (iv and v) were applied to examine the validity of the test. (i) Children from the norm sample completed relevant questionnaires in addition to the ÄSK either measuring anxiety (n=115), anxiety sensitivity (n=115), empathy (n=337) or neuroticism (n=154). (ii) 66 children from a clinical sample with internalized symptoms and other mental health issues completed the ÄSK. (iii) A comparison considering the self-reported health-related quality of life was conducted between two groups of primary school children who were classified either as highly anxious (n=84) or lowly anxious (n=64) by the ÄSK. (iv) Overall, 54 experts working in the either applied research or academical field of this discipline judged the contents of the items as well as superordinate aspects of the ÄSK by utilizing questionnaires. (v) In structured interviews, eight primary school children were asked to describe the contents, the acceptance and the practicability of the ÄSK. (vi) In order to define its sensitivity to change the ÄSK was used within the prevention program Löwenherz against internalizing disorders with 50 primary school children (and a control group of 20 children).
Overall, the results verify the high test quality of the ÄSK. The given objectivity as well as satisfying up to good reliabilities and a satisfactory up to good retest reliability are to be highlighted. The low up to moderate positive correlations of the ÄSK with the self-reported emotional instability (neuroticism) and empathy (discriminant validity) contrast with the high and positive relationships with similar constructs (convergent validity). The results of a comparison between clinically referred children and the primary school sample as well as of a comparison between highly anxious and lowly anxious primary school children concerning their life quality verify the differential validity of the ÄSK. The sensitivity to change has been confirmed by the demonstration of great short- and long-term effects within the Löwenherz prevention program for primary school children.
Within this work, methods of the classical test theory could be successfully combined with approaches of the probabilistic test theory as well as qualitative research methods and thereby confirm the test quality of this new instrument. The results characterize the ÄSK as an objective, reliable and valid test for measuring self-reported anxiety of primary school children. Notably the findings with respect to the low concordance between the child’s judgment and the parents’ and teachers’ judgment suggest that children are more reliable sources of information for internalizing problems than their adult attachment figures. For the ÄSK there are diverse application possibilities not only in the area of research but also in schools, child guidance centers and (private) practices for child psychology.

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