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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-71870
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2015/7187/


Cocain-assoziierte Rauschgifttodesfälle in Hamburg im Zeitraum von 1990 bis 2012 unter besonderer Berücksichtigung kardialer Pathologien

Muras, Lennart Henry

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SWD-Schlagwörter: Cocain , Rauschgift , Rechtsmedizin , Pathologie , Todesfall , Hamburg , Toxikologie , Histologie , Histopathologie , Herz
Freie Schlagwörter (Deutsch): Kardial , Drogenfolgeerkrankung,
Freie Schlagwörter (Englisch): Cardiac , drug related disease
Basisklassifikation: 44.72 , 44.47 , 44.39
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 25.11.2014
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 03.03.2015
Kurzfassung auf Deutsch: Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurden 666 zwischen 1990 und 2012 registrierte Rauschgifttodesfälle aus Hamburg mit einem chemisch-toxikologisch nachgewiesenen Cocainkonsum analysiert. Es erfolgte ein Vergleich dieser Todesfälle mit 1659 Drogentodesfällen aus dem gleichen Zeitraum ohne Cocainbeteiligung. In 195 der zuvor genannten 666 Fälle, in denen Haaranalysen Rückschlüsse auf die Intensität des Cocainkonsums zuließen, wurden weiterhin autoptische Befunde analysiert und in 43 Fällen histologische Herzmuskelpräparate untersucht. Ferner wurden Unterschiede bezüglich des Herzgewichts zwischen 120 verstorbenen Cocainkonsumenten und 151 Verstorbenen aus einem rechtsmedizinisch rekrutierten Vergleichskollektiv ohne Hinweise auf kardiale Erkrankungen oder einen vorliegenden Drogentodesfall untersucht.

Seit 1998 wurde Cocain, bei einer insgesamt rückläufigen Entwicklung der Gesamtzahl der Drogentodesfälle, nie seltener als bei einem Drittel und in der Mehrzahl der Jahrgänge sogar bei über 40% der Hamburger Rauschgifttodesfälle nachgewiesen. Im Rahmen chemisch-toxikologischer Haaruntersuchungen bei Drogentoten wurde Cocain seit 2001 jährlich nie bei weniger als 60% und im Durchschnitt bei 73% aller untersuchten Proben nachgewiesen. Dies deutet auf eine anhaltende, erhebliche Verbreitung von Cocain auf dem Hamburger Drogenmarkt hin.
Akute Intoxikationen machten mit über 70% die Mehrzahl der Todesfälle aus, wobei eine gleichzeitige Opiat-/Opioidintoxikation meist als todesursächlich angenommen wurde. Untersuchungen der Morphinkonzentrationen bei Cocain/Morphin-Mischintoxikationen und Morphin-Monointoxikationen deuteten aufgrund signifikant niedrigerer Morphinkonzentrationen bei Cocain/Morphin-Mischintoxikationen auf eine additive Toxizität der beiden Substanzen hin.
Cocain-Monointoxikationen wurden lediglich bei männlichen Verstorbenen nachgewiesen, wobei die Gesamtzahl mit 20 Fällen niedrig war.
Tödliche Drogenfolgeerkrankungen wurden bei Crackkonsumenten signifikant häufiger als bei anderen Drogentoten mit und ohne Cocainnachweis beobachtet, wobei der Anteil von Crackkonsumenten an der Gesamtzahl der Rauschgifttoten in Hamburg seit 2005 deutlich von 27% auf 2% gesunken ist. Dies spricht für eine Abnahme der Relevanz von Crack auf dem Hamburger Drogenmarkt.
Eine Analyse gemessener Herzgewichte verstorbener Cocainkonsumenten zwischen 20 und 40 Jahren zeigte im Verhältnis zu erwarteten Herzgewichten hoch signifikant erhöhte mittlere Herzgewichte. Ein Vergleich mit einem rechtsmedizinisch rekrutierten Kollektiv Verstorbener ohne Hinweise auf einen vorliegenden Drogentodesfall und ohne Herzerkrankungen zwischen 20 und 40 Jahren zeigte mehr vom physiologischen Herzgewicht abweichende und eine sehr signifikant erhöhte Prävalenz pathologischer Herzgewichte bei Cocainkonsumenten. Diese Beobachtungen könnten ein Korrelat cocainbedingter Umbauprozesse am Herzen darstellen.
Ein erstmals durchgeführter Vergleich kardialer Pathologien bei Fällen, in denen Haaranalysen Rückschlüsse auf ein Konsummuster zuließen, zeigten sowohl hinsichtlich autoptischer als auch histologischer Befunde keine Korrelation zwischen der Prävalenz und dem angenommenen Konsummuster.

Insgesamt ist bei einer gleichbleibend hohen Nachweisrate eines Cocainkonsums bei Hamburger Drogentodesfällen auch in Zukunft mit einer relevanten Anzahl von Todesfällen mit einem Cocainnachweis zu rechnen. Zur Einschätzung möglicher cocainbedingter Schäden ist neben einer möglichst hohen Sektionsquote eine ausführliche anamnestische Erfassung der Ausprägung des Cocainkonsums anzustreben. Ein besonderes Augenmerk sollte auf die Ausprägung von kardialen Pathologien in möglicher Korrelation zu anamnestisch erhobenen Konsummustern gelegt werden.
Fälle mit Cocain-/Opioid-Mischintoxikationen sollten zur weiteren Beobachtung der Problematik in der Datenbank der Hamburger Rauschgifttodesfälle explizit registriert werden.

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