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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-73107
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2015/7310/


Wissenschaftlicher Instrumentenbau der Firma Merz in München (1838-1932)

Scientific Instruments made by the Company Merz in Munich (1838-1932)

Kost, Jürgen

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SWD-Schlagwörter: Astronomie , München , Optik , Fernrohr , Sternwarte , Optisches Instrument , Mikroskop , Objektiv , Glas , Benediktbeuern , Spektroskopie
Freie Schlagwörter (Deutsch): Fraunhofer , Steinheil , Repsold , Utzschneider , Instrumentenbau , Heliometer
Basisklassifikation: 39.12 , 50.01 , 02.01 , 30.01
Institut: Geowissenschaften
DDC-Sachgruppe: Naturwissenschaften
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Wolfschmidt, Gudrun (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 05.12.2014
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 05.05.2015
Bemerkung: Kontakt zum Verfasser : kost@meridiankreis.de
Kurzfassung auf Deutsch: Im frühen 19. Jahrhundert übernahmen bayerische Werkstätten die weltweite Führung im optisch-feinmechanischen Instrumentenbau. Eine der wichtigsten Keimzellen dieser rund 60 Jahre währenden Hegemonie war das 1804 unter Joseph von Utzschneider (1763-1840), Georg Reichenbach (1771-1826) und Joseph Liebherr (1767-1840) in München gegründete Mathematisch-mechanische Institut. Auch das 1838 aus der Utzschneiderschen Werkstatt hervorgegangene Unternehmen G. & S. Merz stand in dieser Tradition. Zahlreiche technische Innovationen sowie eine Jahrzehnte anhaltende Spitzenposition im wissenschaftlichen Instrumentenbau charakterisieren die rund 100-jährige Geschichte dieser Firma. Bis zum heutigen Tag konzentriert sich die Optikgeschichte des 19. Jahrhundert auf das Wirken des berühmten Joseph von Fraunhofer (1787-1826). Sie proklamiert mit seinem Tod im Jahr 1826 auch das Ende von Utzschneiders Werkstatt.Die vorliegende Arbeit dokumentiert nun anhand einer umfangreichen Firmenbiografie und eines umfassenden Instrumentenverzeichnis die weitere Geschichte des berühmten Optischen Instituts bis zum Jahr 1932. Vor allem die Auswertung der bislang unbearbeiteten Geschäftsbücher und Korrespondenzen der Firma Merz zeigen die enge wirtschaftliche Verflechtung der Firma als Zulieferbetrieb für nicht weniger als 30 optischfeinmechanischen Werkstätten. Darunter bedeutende Unternehmen wie Breithaupt in Kassel, Mayerstein in Göttingen oder Troughton & Simms in London. Sie bezogen regelmäßig, andere Werkstätten wie Ertel & Sohn in München oder Repsold & Söhne in Hamburg sogar fast ausschließlich ihre optischen Bauteile bei dem Münchener Unternehmen. Etwa die Hälfte des Monatsumsatzes erzielte das Unternehmen mit dem Verkauf vergleichbar einfacher Produkte wie Brillen und Lupen. Astronomische Großinstrumente wurden selten mehr als 1-2 Stück pro Jahr verkauft. Sie waren aufgrund ihrer oft mehrjährigen Bauzeit betriebswirtschaftlich nur schwer kalkulierbar und banden über Jahre Arbeitskräfte des Instituts. Dennoch fertigte Merz rund 90 große Refraktoren und etwa 100 größere Astro-Objektive. Sie wurden nach England, Frankreich, Italien, Nord- und Südamerika, Russland, Südafrika, Indien, den Philippinen, Japan und Australien verkauft. Mit diesen beeindruckenden Absatzmärkten gehörte Merz zu den ersten Global Playern im optisch-feinmechanischen Instrumentenbau. Neben diesen prestigeträchtigen Großprojekten fertigte Merz aber auch sehr marktorientiert. So reagierte man auf die sich rasch entwickelnde medizinische Diagnostik mit der Konstruktion kleiner aber leistungsfähiger Mikroskope für Amtsärzte und Studenten. Nicht weniger lukrativ waren Aufträge für das bayerische und preußische Militär oder die in großer Stückzahl produzierten Universal-Stern-Spektroskope“. Eine besondere Rolle kam Merz bei der Popularisierung der Astronomie zu. Mit dem etwa 1910 vorgestellten "Schulfernrohr" gelang es, ein günstiges aber leistungsstarkes Teleskop für Amateure auf den Markt zu bringen. Auch neue Entwicklungen wie das seit 1911 angebotene Medial-Fernrohr konnten letztlich das Unternehmen nicht vor seiner Liquidation im Jahr 1932 retten. Zusammenfassend kann das Optische Institut als eine der erfolgreichsten optisch-feinmechanischen Werkstätten des 19. Jahrhunderts angesehen werden. Es beeinflusste den wissenschaftlichen Instrumentenbau weit über Fraunhofers Wirken hinaus.
Kurzfassung auf Englisch: In the early 19th century, Bavarian manufactories achieved the global leadership in precision opto-mechanical instrument making. The Institute of Mathematical Mechanics, founded in Munich in 1804 by Joseph von Utzschneider (1763-1840), Georg Reichenbach (1771-1826) and Joseph Liebherr (1767-1840), was one of the most important origins of this hegemony which lasted for approximately 60 years. The company G. & S. Merz, which originated from the manufactory of Utzschneider in 1838, also stood in this tradition. This company’s hundred-odd years of history is characterized by numerous technical innovations and a leading position in scientific instrument making which continued for decades. Up to the present day, the 19th-century history of optics focuses on the work of the famous Joseph von Fraunhofer (1787-1826). It proclaims that his death in 1826 also means the end of Utzschneider’s manufactory. Based on a comprehensive company biography and extensive lists of instruments, the present study documents the further history of the famous optical institute until the year 1932. Particularly, the analysis of account books and the correspondence of the company Merz, which has been unattended so far, reveals the company’s close economic ties as a supplier for not less than 30 precision opto-mechanical manufactories. Among them are important companies such as Breithaupt in Kassel, Mayerstein in Göttingen or Troughton & Simms in London. However, even other manufacturers, such as Ertel & Sohn in Munich or Repsold & Söhne in Hamburg, bought regularly and almost exclusively their optical components from the Munich company. The company generated around 50% of its total sales from relatively simple products, such as glasses and magnifying lenses. They rarely sold more than 1-2 units of large astronomical instruments per annum. Economically, they were difficult to be calculated due to the time for completion, that often took several years and tied up personnel resources of the institute. Merz produced approximately 90 large refractors and about 100 larger astro lenses. They were sold to England, France, Italy, North- and South America, Russia, South Africa, India, the Philippines, Japan and Australia. These impressive market areas distinguish Merz as one of the global players in precision opto-mechanical instrument making. Beside these prestigious major projects, Merz was also very market-oriented. Thus, they met the demands of a rapidly developing medical diagnostics market by producing small but capable microscopes for public medical officers as well as students. Purchasing orders from the Bavarian and the Prussian military and the “Universal Star Spectroscope”, which was produced in large quantities, were no less worthwhile. Merz played a central role in the popularization of astronomy. By presenting the "School Telescope" around 1910, they succeeded in launching a low-priced but capable amateur telescope. But in the end, new developments such as the “Medial Telescope”, offered from 1911, could not prevent the company’s liquidation in 1932. To sum up, the Optical Institute can be seen as one of the most successful precision opto-mechanical manufactory of the 19th century. Its influence on scientific instrument making, however, went far beyond Fraunhofers work.

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