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URN: urn:nbn:de:gbv:18-74561
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2015/7456/


Den Mezzogiorno abschaffen oder umdenken? : eine handlungstheoretische und kulturräumliche Untersuchung der italienischen Südfrage auf der Grundlage einer relationalen Wirtschaftsgeographie des Unternehmers

Abolishing or rethinking the Mezzogiorno? : an action theory and cultural area approach for the question of southern Italy – towards a relational economic geography of the entrepreneur

Ebert, Markus

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SWD-Schlagwörter: Italien <Süd >
Freie Schlagwörter (Deutsch): Mezzogiorno , Südfrage , Süditalien , relationale Wirtschaftsgeographie , Kulturraum
Freie Schlagwörter (Englisch): relational , entrepreneur , economic geography , Mezzogiorno , culture
Basisklassifikation: 85.06 , 74.11 , 74.71 , 74.08 , 83.05 , 74.19
Institut: Geowissenschaften
DDC-Sachgruppe: Geowissenschaften
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Oßenbrügge, Jürgen (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 08.07.2015
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 31.07.2015
Kurzfassung auf Deutsch: In der Disparitätenforschung ist der italienische Mezzogiorno seit jeher Sinnbild für eine ökonomische und soziale Rückständigkeit und steht als immerwährendes Moment im Fokus zentraler Regionalentwicklungsdebatten. Eine zunehmend kontextgeleitete sowie handlungsorientierte wirtschaftsgeographische Forschung ermöglicht in den letzten drei Jahrzehnten, den Mezzogiorno auf zunehmend vielschichtige Art und Weise zu untersuchen, verharrt jedoch in der Regel bei der Analyse auf dem Aggregationsniveau des Unternehmens.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird dafür plädiert, die Ebene des Unternehmens zu verlassen und einen auf den handelnden Unternehmer fokussierten Forschungsansatz zu verfolgen.
Auf der Grundlage einer relationalen Wirtschaftsgeographie von Bathelt und Glückler (2012) geht es um die Formulierung einer relationalen Wirtschaftsgeographie des Unternehmers, wobei der embedded entrepreneur in den Fokus der Betrachtungen rückt.
Die Notwendigkeit einer solchen Perspektive resultiert zum einen aus subjektiven Beobachtungen des Verfassers, der im unternehmerischen Handeln, Führen und Entscheiden italienischer Unternehmer einen handlungstheoretischen Nord-Süd-Dualismus zu erkennen glaubt, der in seiner Substanz auf einen im Laufe der Historie entstandenen gesellschaftlichen, kulturellen und ethnischen Bruch zurückzuführen ist. Einer mittel-europäisch-modernen Wirtschaftskultur in Norditalien steht eine traditionelle Kultur des Mittelmeerraums im Mezzogiorno gegenüber, wobei zwei heterogene Kulturräume diversitäre Lebensweisen und damit Formen und Ansichten des ökonomischen Handelns und Wirtschaftens implizieren.
Zum anderen erfordert eine Wirtschaftsstruktur – geprägt und dominiert von Kleinstunternehmen sowie kleinen und mittelständischen Betrieben, in denen häufig die Entscheidung des Unternehmens mit der Entscheidung des Unternehmers korreliert – den Einbezug eines kontextbezogenen methodologischen Individualismus, der unternehmerisches Handeln in einem Dreiklang aus Individuum, Kultur und Ökonomie untersucht und gezielt nach individuellen Handlungsdisparitäten forscht.
Denn ökonomisches Handeln erklärt sich nicht ohne Kultur und der Mezzogiorno als Kulturraum ist das Ergebnis seiner handelnden Menschen.
Der Unternehmer ist dann erstens von seiner eigenen sozialen, kognitiv-mentalen, psychologischen sowie physischen Beschaffenheit beeinflusst. Zweitens wird er von Faktoren seiner kulturellen, politischen, historischen, institutionellen, ökonomischen, infrastrukturellen, gesellschaftlichen, religiösen und nicht zuletzt physisch-geographischen Raumkontexte gelenkt. Drittens ist er als sozial handelndes Individuum eingebettet in die relationalen Beziehungsgefüge seiner Alltagswelt.
Der Einbezug des physisch-geographischen Raumkontextes ist nicht als eine Rückkehr zum Raumfetischismus zu verstehen und erhebt das Territorium keineswegs zu einem „Akteur“, teilt ihm aber sehr wohl die Funktion eines konditionierenden Moments zu.
Eine bi-modulare Argumentation, bestehend aus einer theoretischen Diskussion und einer landeskundlichen Abhandlung der Mezzogiorno-Debatte, führt im Zuge einer abschließenden Überlegung zu dem Ergebnis, dass die Existenz zweier Kulturräume ein Umdenken in der bisherigen italienischen Disparitätenforschung nach sich zieht. Denn auf der einen Seite erfordert der Dualismus zwischen einer mitteleuropäischen und meridionalen Gesinnung nicht nur ein Überdenken der Vorstellungen von Entwicklung, Fortschritt und Rückständigkeit per se, sondern stellt auf der anderen Seite ebenso den Terminus und das Konzept „Mezzogiorno“ im Kontext einer „künstlichen“ Perspektive der italienischen Nationalstaatlichkeit in Frage.
Kurzfassung auf Englisch: The Italian Mezzogiorno has always symbolized economic and social backwardness in Europe and, as a perpetual phenomena, is still one of the main topics of contemporary debates regarding regional development.
The increasing context-specific, institutional and action-oriented research in Economic Geography carried out over the last three decades enables scientists to examine the Mezzogiorno in a more pluralistic way. Unfortunately, the studies are generally focused on the analysis of firm behavior.
The approach presented in this work attempts to abandon the level of the firm unequivocally.
Drawing on the concept of a relational economic geography composed by Bathelt and Glückler (2012) this study proposes a relational economic geography of the entrepreneur by defining the action and interaction of the embedded entrepreneur as the central object of investigation.
The presumed need for a scientific direction of this kind derives from the subjective observations of the author who indicates an Italian North-South-Dualism concerning entrepreneurial action, leadership and decision-making.
On one hand, this perception can be traced back to the genesis of a societal, cultural and ethnic rupture during history. A modern central-European economic culture contrasts a traditional culture of the Mediterranean area in the Mezzogiorno. These two heterogeneous and opposite cultural areas implicate different lifestyles and habits and therefore different ideas, views and forms of economic action and economy itself.
On the other hand, an Italian economic structure based on very small, small and medium-sized firms, in which the decision of a firm often means the decision of the entrepreneur, requires the conceptual integration of a contextual methodological individualist research program in order to examine economic action by means of a triadic paradigm composed of individual, culture and economy.
Economic action cannot be explained without culture, and as a cultural area the Mezzogiorno is the result of its individuals.
Therefore, the entrepreneur as one of these actors is firstly influenced by his individual social, cognitive, psychological and physical constitution.
Secondly, cultural, political, historical, institutional, economical, infrastructural, societal, religious and also physical-geographical factors in spatial context affect his train of thought, behavior and actions.
Thirdly, he is embedded in the ongoing social relations of everyday life.
The consideration of a territorial dimension does not imply returning to spatial fetishism nor does it nominate the territory as an „actor“, but it surely assigns it the function of a conditioning moment.
A bimodular argumentation consisting in a theoretical discussion and a pluralistic illustration of the prior and contemporary debate of the Mezzogiorno leads to the final conclusion that the existence of two cultural areas requires a reconsideration of regional studies in Italy and in particular of the Southern Italian question.
The dualism between a central-European and a meridional cultural disposition calls for a redefinition of conceptions such as development, progress and backwardness as well as questioning the notion and the concept of „Mezzogiorno“ from an „artificial“ construct perspective of an Italian national state.

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