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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-75281
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2015/7528/


Nutzung von Maßnahmen der Brustkrebsfrüherkennung und Veränderungen in der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden bei Hamburger Frauen im mittleren bis höheren Lebensalter

Use of Methods for Early-Detection of Breast Cancer and Canges in Treatment of Climacteric Symptoms among Middle-Aged and Elderly Women of Hamburg

Schneider, Christian Toni

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SWD-Schlagwörter: Brustkrebs , Vorsorge , Klimakterium , Frau , Lebensalter , Brust , Mammografie , Diagnostik , Screening , Teilnahme , Einfluss , Entwicklung , Hormon
Freie Schlagwörter (Deutsch): Brustuntersuchung , Früherkennung
Freie Schlagwörter (Englisch): breast cancer , prevention , mammography , hormone therapy , climacteric
Basisklassifikation: 44.97
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Flesch-Janys, Dieter (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 28.07.2015
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 04.09.2015
Kurzfassung auf Deutsch: Hintergrund. Brustkrebs ist das häufigste Malignom der Frau. In den letzten Jahren rückte die Früherkennung in Fokus von Forschung und öffentlicher Aufmerksamkeit, der Mammographie kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. In der BRD wurde daher ein Mammographie-Screening eingerichtet, das in Hamburg seit 2007/2008 umgesetzt wird. Bisherige Erhebungen fanden Teilnahmequoten von ca. 50%. Weitgehend ungeklärt blieb bislang, ob das Screening alle Frauen der Zielgruppe erreicht oder ob sich bestimmte Frauen ihm entziehen.
Bei Wechseljahresbeschwerden gibt es derzeit v.a. zwei Behandlungsoptionen: die Hormontherapie (HT) und Phytotherapie. Da die HT klimakterische Symptome sehr zuverlässig reduziert, war sie grade in Deutschland bis Anfang des Jahrhunderts weit verbreitet. Als jedoch verschiedene Studien die Risiken der HT, insbesondere an Brustkrebs zu erkranken, aufdeckten, geriet sie in Fachkreisen wie auch der öffentlichen Meinung in Verruf. Daher sollte die aktuelle Prävalenz reevaluiert werden.
Methoden. Als Datenbasis dienen die MARIE-Fall-Kontroll-Studie (MARIE1) und das Follow-up ihrer Kontrollpersonen (MARIE2). Die MARIE1-Erhebung fand 2002-2005 in den Studienzentren Hamburg und Rhein-Neckar-Karlsruhe mithilfe eines Face-to-face-Interviews statt. Es wurden 3813 Brustkrebsfälle und 7341 Kontrollen (4008 in Hamburg) rekrutiert. Bei MARIE2 handelt es sich um das 2011-2012 erfolgte Follow-up der Hamburger Kontrollgruppe. Die Befragung geschah auf dem Postweg durch selbst auszufüllende Fragebögen.
Ergebnisse. Der Rücklauf lag bei N=2375 bzw. 64%. Seit MARIE1 sind für die Follow-up-Teilnehmerinnen durchschnittlich 7,2 Jahre vergangen. In dieser Zeit ließen je 80% von ihnen mindestens eine ärztliche Brust- bzw. gynäkologische Untersuchung durchführen ohne signifikanten Einfluss sozioökonomischer Faktoren. Mindestens eine Mammographie erhielten fast ebenso viele Frauen (78%). Je höher der sozioökonomische Status, desto höher war auch die Mammographie-Prävalenz. Betrachtet man Frauen, welche seit Screeningeinführung der Zielgruppe angehörten, so lag die Einladungsquote bei 94%, die Teilnahme bei 67% und die Mammographie-Prävalenz insgesamt bei 90%. Frauen nahmen häufiger am Screening teil, wenn sie einer niedrigeren sozioökonomischen Stellung angehörten oder eine klinische Krebsvorsorgeuntersuchung (ärztliches Brustabtasten, gynäkologische Untersuchung) durchführen ließen.
Die Prävalenz laufender Hormoneinnahmen reduzierte sich deutlich von 37% (MARIE1) und aktuell bei 11% (MARIE2). HT-Nutzerinnen waren tendenziell jünger, ein signifikanter Einfluss des sozioökonomischen Status konnte nicht gefunden werden. Oft genannte Gründe für das Absetzen waren Bedenken wegen der Nebenwirkungen (38%), Altersgründe (38%), ärztliches Abraten (26%) und ausbleibende Beschwerden (20%). Die Phytotherapie wurde ebenfalls seltener angewandt: Die Prävalenz laufender Behandlungen sank von 4% auf 2%. Nutzerinnen waren auch hier tendenziell jünger, dagegen ergab sich bezüglich sozioökonomischer Faktoren kein einheitliches Bild (kein signifikanter Unterschied zwischen den Bildungsschichten, signifikant höhere Prävalenz bei höherer beruflicher Stellung). Wichtige Absetzgründe waren nicht ausreichende Wirksamkeit (41%) und ausbleibende Beschwerden (34%).
Diskussion, Schlussfolgerungen. Unter den Krebsfrüherkennungsmaßnahmen der Frau wurden ärztliches Brustabtasten, gynäkologische Untersuchung und Mammographie ähnlich in Anspruch genommen. Frauen, die eine klinische Krebsvorsorgeuntersuchung durchführen ließen, nahmen auch häufiger am Mammographie-Screening teil. Innerhalb der Zielgruppe des Screeningprogramms ist es offenbar nicht möglich, den EU-Richtwert von 70% zu erreichen. Allerdings erscheint in Anbetracht der hohen Mammographie-Prävalenz die Teilnahmequote nur wenig Aussagekraft über die Versorgungsgüte zu haben. Die Aufgabe des organisierten Screenings kann viel eher in der Schaffung der Möglichkeit zur Mammographie gesehen werden, wovon Frauen niedrigeren Bildungsniveaus zu profitieren scheinen. Die Versorgungsgüte selbst sollte stattdessen mithilfe des Grads der Informiertheit über Vor- und Nachteile sowie der Möglichkeit bzw. dem Zugang zu einer Mammographie-Untersuchung gemessen werden.
Die HT wird sehr viel seltener angewandt als noch vor sieben Jahren. Die Absetzgründe lassen darauf schließen, dass die Ursache dafür v.a. in einer Sensibilisierung gegenüber der Risiken sowohl in Arzt- wie auch Laienkreisen zu finden ist. Phytopräparate wurden ebenfalls weniger genutzt und stellten offenbar keine annehmbare Alternative zur HT dar. Mit zunehmendem Alter der Frauen gingen geringere HT- und Phytotherapie-Prävalenzen einher, wohl wegen des altersentsprechend geringeren Beschwerdebilds; die sozioökonomische Stellung scheint dagegen kaum bzw. weniger eindeutig Einfluss zu nehmen.
Kurzfassung auf Englisch: Background. Breast cancer is the most common malignoma among women. During the last years early-detection became more and more important, while mammography achieves a pivotal role. Thus, in Germany a mammography screening was established and started in 2007/2008 in Hamburg. Since then participation was found to be stable at quarterly 50%, but it remains to be elucidated whether the screening program reaches target groups (women 50-69 years) appropriately. For this reason the present work aims to reveal the utilization of early cancer detection with special interest on mammography.
The therapy of climacteric symptoms is presently based on two main options: hormone therapy (HT) and/or herbal therapy. Until recent years HT was very common in Germany because of its high potency. Meanwhile several studies have found HT to be a risk factor for different malignant diseases, first of all breast cancer. A critical discussion about HT started then in professional circles as well as in major public. Therefore, in the past few years the prevalence of on-going HT has declined and the prevalence of herbal therapy, as the most common alternative of HT, might have increased. Of both, HT and phytotherapy, prevalences and potential influencing factors were examined.
Methods. The present work is based on MARIE-case-control-study (MARIE1) and its follow-up of the control group (MARIE2). For MARIE1 face-to-face interviews were performed between 2002-2005 in two regions: Hamburg and Rhine-Neckar-Karlsruhe. In Hamburg a follow-up of the control group (N = 4008) has been conducted via mailed self-reported questionnaires 2011-2012.
Findings. The response rate of eligible persons was N=2375 (64%) and the mean age of currently partaking women was 70 years. On average follow-up time was 7.2 years between MARIE1 and MARIE2. During this time 80% of the women have had at least one clinical breast exam and gynecological examination, respectively. A significant influence by socioeconomic factors could not be found. Nearly the same amount of women, namely 78%, made use of mammography since then. Moreover, mammography use was elevated in women with higher socioeconomic status. Among the target age-group for mammography screening 90% of women have had a mammogram between MARIE1 and MARIE2. The rate of screening invitation in this age-group was 94% and the rate of participation was 67% since initiation of the screening. Furthermore, women took part in organized screening more often if their socioeconomic status was lower and if they reported another early-detection measure (professional breast exam or gynecological examination), respectively.
Compared to MARIE1 the prevalence of actual on-going HT was notably reduced from 37% to 11%. There was a tendency of younger women to use more often HT, whereas socioeconomic factors have had no evident influence. The most common reasons for HT termination were: worries about adverse effects (38%), for reasons of age (38%), recommendation by the doctor in charge (26%) and absence of climacteric disorders (20%). There was a reduction in herbal therapy as well: prevalence of on-going phytotherapy declined from 4% (MARIE1) to 2% (MARIE2). Comparable with results for HT, younger women used more often herbal therapy, although there was no clear difference between socioeconomic groups. Women most often quit for reasons like insufficient potency (41%) or absence of climacteric complaints (34%).
Discussion, Conclusion. The frequencies of the early-detection measures, breast exam, gynecological examination and mammography, were similar in participating women of MARIE2. Furthermore, participation in mammography screening was associated with utilization of another option for breast cancer early detection. The level of screening participation recommended by the EU (70%) seems to be even not reachable. However, a mammography prevalence of 90% in the target age group suggests, that there is a co-existing opportunistic screening particularly in the higher social class. The purpose of the organized screening program should be eventually considered as improved health care supply for women with lower socioeconomic status, who seem to benefit from it the most. Additionally, to assess the quality of health care supply with mammography the level of information about benefits and risks should be also evaluated.
Climacteric HT was much less frequently used than seven years. The reduction of HT prevalence is apparently caused by a sensitization of medical professions as well as patients for its adverse effects and risks. Owed to a likewise decreased prevalence the phytotherapy seems not to be a reasonable alternative to HT by the concerned women. Apart from age, socioeconomic factors did not have had an influence on the prevalences of HT and phytotherapy use.

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