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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-75962
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2015/7596/


Systematische Erfassung von frühpostmortalen Veränderungen an großen Gefäßen im Thorax und Abdomen mittels Computertomographie

Systematic survey of early postmortal changes in the large vessels of the thorax and abdomen by computed tomography

Dietrich, Nina-Alexandra

pdf-Format:
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SWD-Schlagwörter: Obduktion , Computertomografie , Brustkorb , Abdomen , Gefäß , Herz
Freie Schlagwörter (Deutsch): postmortal , früh postmortal , virtuelle Obduktion
Freie Schlagwörter (Englisch): virtopsy , postmortal
Basisklassifikation: 44.72
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 22.10.2015
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 09.11.2015
Kurzfassung auf Deutsch: Einleitung: Die Erfassung von Todesursachen und zum Tode führenden Pathomechanismen ist wichtig für die Qualitätskontrolle der Therapien a.m., epidemiologische Statistiken, die medizinische Forschung und Lehre und die Angehörigen der Verstorbenen. Bildgebende Verfahren ermöglichen es, die Untersuchungen an Verstorbenen ohne Öffnung des Körpers durchzuführen. Seit 10 Jahren wird verstärkt die diagnostische Aussagekraft der Bildgebungsmethoden und deren Validierung gegenüber der Obduktion untersucht. Die genaue Kenntnis von frühpostmortalen natürlichen Veränderungen und CT-Artefakten im Körper und ihre Differenzierung von klinischen a.m.-Veränderungen sind von großer Bedeutung. Dabei lassen sich auch Ableitungen für Autopsien finden, die oftmals erst nach der frühpostmortalen Entwicklung stattfinden.
Methode: Diese Arbeit stellt die erste prospektive Sequenzstudie zu frühpostmortalen Veränderungen in den ersten 0 bis 36 bzw. 96 Stunden p.m. am Herzen und an großen Gefäßen im Thorax und Abdomen mittels CT an 69 Verstorbenen dar. 28 der Verstorbenen wurden ungekühlt unter Raumtemperatur 20-22 ° Celsius longitudinal für 36 Stunden p.m. im Intervall gescannt. 41 Verstorbene wurden in Kühlfächern des Instituts bei 4°C longitudinal für 96 Stunden p.m. untergebracht und ebenfalls im Intervall gescannt. Das p.m. Intervall zu Beginn der Scans lag bei einem Mittelwert von 3,6 Stunden. Es wurden 42 Männer und 27 Frauen in die Studie aufgenommen. Der Altersdurchschnitt lag in der gekühlten Gruppe bei einem Mittelwert von 69,2 Jahren und in der ungekühlten Gruppe bei einem Mittelwert von 68,61 Jahren. Unter den Todesursachen-Kategorien „infektiöse Komplikation“, „tumortoxische Ursache“, „Herzversagen“, „zentraler Tod“, „innere Hämorrhagien“ hatten die Kategorien „Herzversagen“ mit 44,9 % und „infektiöse Komplikation“ mit 24,6 % den größten Anteil.
Der Einfluss verschiedener Faktoren (u.a. Alter, Geschlecht, BMI, Weichteilödemstatus, Blutvolumen, Reanimation, Todesursachen-Kategorien) auf die postmortalen Veränderungen der Fläche, Form und Gasentwicklung der Gefäße und des Herzens wurde untersucht. Dazu wurde eine Volumetrie der Herzräume sowie der Gasentwicklung in den Herzräumen und eine Analyse von Gefäßquerschnitten mit der DICOM-Viewer-Software OsiriX v.3.9.1 32-bit durchgeführt
Ergebnisse: Frühpostmortale Herz- und Gefäß-Volumenveränderungen sind regelhaft üblich. Sie setzen lange vor Fäulnisprozessen und der Lösung der Leichenstarre ein. Eine Zu- oder Abnahme an Volumina in den Hauptkammern ist möglich, wobei eine signifikante (p<0,05*) Negativbilanz im rechten und linken Vorhof sowie im ganzen Herzen jedoch weit überwiegt. Einen signifikanten Einfluss (p<0,01**) auf die Volumenabnahme des Herzens zeigten die verschiedenen Todesursachen-Kategorien. Veränderungen der Gefäßfläche waren teils mit Geschlecht, Alter und den Lagerungsbedingungen assoziiert.
Eine frühpostmortale Gasentwicklung fand in den meisten Fällen in den ersten 0 bis 24 Stunden p.m. statt und war besonders im Herzen, den Lebergefäßen und den ventral gelegenen Gefäßen stärker ausgeprägt. Die Einflussgrößen Reanimation und plötzlicher Todeseintritt zeigten einen signifikanten Einfluss (p<0,05*) auf die Gasentstehung im rechten Herzen und in den Lebergefäßen.
In den Koronararterien entstand selten Gas, jedoch nie, wenn nicht auch gleichzeitig in anderen Abschnitten des Gefäßsystems.
In den Gefäßen kam es selten zu einer Gefäßverformung mit Ausnahme der tiefer gelegenen Gefäße. Zum Zeitpunkt 24 h p.m. fanden sich in der V. cava inf. Höhe LWK 3 in 48,4 % und in der Aorta abdominalis in 37,6 % Verformungen in Form von Kollabierung und Einkerbungen im Vergleich zum Zeitpunkt 0 h p.m..
Es zeigte sich, dass eine Sequenz von Gasveränderungen in den Lebergefäßen unterschieden werden konnte. Bis zum Zeitpunkt 12 h p.m. dominierten die Gas-ärmeren Formen in Form von Blasen und tubulärer Gasentwicklung. Ab Zeitpunkt 12 h p.m. kam es zu einem Anstieg der extremeren Gasformen in Form von Verästelungen und dem Maximum eines Gefäßbaumes.
Schlussfolgerungen: Die Abgrenzung frühpostmortaler Phänomene von vitalen sowie Rückschlüsse auf den Status eines Leichnams zum Todeszeitpunkt und auf die postmortale Liegezeit sind sehr bedeutsam in der Rechtsmedizin. Bildgebende Methoden sind hier der Zugang. Die postmortale CT stellt eine mögliche medizinische Qualitätskontrolle für die Suche nach Gasembolien nach Kathetereingriffen postmortal dar. Eine Abgrenzung von postmortaler Gasbildung ist möglich. Die Herzgröße kann kongestionsbedingt initial in der p.m. CT erheblich überschätzt, später ggf. unterschätzt werden. Weitere Arbeiten in Form von größeren Langzeitstudien sind nötig, um die gewonnenen Ergebnisse zu verifizieren und weitere Erkenntnisse über frühpostmortale Veränderungsdynamiken im Herzen und den großen Gefäßen im Thorax und Abdomen zu gewinnen.

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