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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-78107
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2016/7810/


Würdeempfinden sterbenskranker Krebspatienten und der Einfluss von Symptomen, Belastung und soziodemographischen Faktoren

Relationship Between Symptom Burden, Distress, and Sense of Dignity in Terminally Ill Cancer Patients

Wais, Marie Carlotta

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SWD-Schlagwörter: Würde , Sterbender , Unheilbar Kranker , Palliativmedizin , Belastung
Freie Schlagwörter (Deutsch): Symptomlast , Würdeempfinden
Freie Schlagwörter (Englisch): Symptom Burden , self -percieved dignity
Basisklassifikation: 44.81 , 44.97
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Oechsle, Karin (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 15.02.2016
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 29.03.2016
Kurzfassung auf Deutsch: Hintergrund: Ein Sterben in Würde ist das erklärte Ziel der meisten Menschen. Eine besondere Rolle spielt Würde für die Palliativmedizin. In palliativmedizinischer Behandlung befinden sich zumeist Menschen, die an einer fortgeschrittenen onkologischen Erkrankung leiden. Diese Patienten sind häufig einer hohen Belastung durch körperliche und seelische Symptome ausgesetzt. Zusammenhänge zwischen Einschränkungen des Würdeempfindens und der Symptomlast sind von höchstem Interesse für eine umfassende palliativmedizinische Versorgung.
Ziel der vorliegenden Studie ist es, den Einfluss von Symptomlast, Belastung und Befinden sowie individueller Patientenmerkmale auf das Würdeempfinden von terminal erkrankten Krebspatienten zu untersuchen.
Methoden: In dieser prospektiven Querschnittstudie wurden 61 unheilbar kranke Krebspatienten der Palliativstation des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorfs befragt. Die Patienten beantworteten einen validierten Fragebogen zum Würdeempfinden, den Patient Dignity Inventory (PDI); eine modifizierte Version der Memorial Symptom Assessment Scale (MSAS); das National Comprehensive Cancer Network Distress Thermometer; sowie eine Skala zur Bewertung des subjektiven Gesamtbefindens am Befragungstag. Sozio-demografische und Krankheits-spezifische Faktoren wurden den Patientenakten entnommen.
Ergebnisse: Es zeigte sich eine höhere Symptomlast durch körperliche als durch seelische Symptome. Dennoch ließ sich gerade für psychische Symptome ein großer Einfluss auf das Würdeempfinden der Patienten nachweisen. Der Zusammenhang zwischen Würdeempfinden und primär körperlichen Symptomen war weniger ausgeprägt, aber ebenfalls signifikant.
Das Gesamtwürdeempfinden korrelierte am stärksten mit den Symptomen Schwäche (p<0,001), Angstgefühlen (p<0,001), Traurigkeit (p=0,002), Schmerzen (p=0,009), Atemnot (p=0,019), Gereiztheit (p=0,023), Durst (p=0,029) und Müdigkeit (p=0,041).
Körperliche Beschwerden zeigten vor allem einen Zusammenhang mit den würdebeeinflussenden Aspekten „Symptombelastung“ und „Abhängigkeit“, während psychische Symptome vor allem mit den Dimensionen „Soziale Unterstützung“ und „Innerer Frieden“ korrelierten. Sowohl körperliche als auch psychische Symptome waren signifikant mit „Existentieller Belastung“ assoziiert.
Körperliche und seelische Symptome unterscheiden sich somit in der Art ihrer Auswirkung auf das Würdeempfinden: Körperliche Symptome wirken sich vor allem auf würdebeeinträchtigende Faktoren aus, die direkt auf Belastungen im Zusammenhang mit der Erkrankung zurückzuführen sind. Seelische Symptome zeigen dagegen einen starken Zusammenhang mit würdebewahrenden persönlichen und sozialen Ressourcen der Patienten.
Die psychische Belastung der Patienten gemessen mit dem Distress Thermometer korrelierte nicht nur mit dem Gesamtwürdeempfinden (p<0,001), sondern auch mit allen Dimensionen des Würdeempfindens: „Symptombelastung“ (p<0,001), „Existentielle Belastung“ (p<0,001), „Abhängigkeit“ (p=0,020), „Innerer Frieden“ (p<0,001) und „Soziale Unterstützung“ (p=0,024).
Das subjektive Gesamtbefinden der Patienten am Befragungstag korrelierte signifikant mit „Existentieller Belastung“ (p=0,013), aber nicht mit „Symptombelastung“, „Abhängigkeit“, „Innerem Frieden“ oder „Sozialer Unterstützung“. Auch eine Korrelation mit dem Gesamtwürdeempfinden zeigte sich nicht.
Der körperliche Gesamtzustand zeigte einen signifikanten Zusammenhang mit der Würdedimension „Abhängigkeit“ (p=0,001).
Schlussfolgerung: Das Würdeempfinden palliativ erkrankter Krebspatienten weist einen signifikanten Zusammenhang mit körperlichen und psychischen Symptomen, der Belastung, dem Gesamtbefinden und dem körperlichen Zustand auf.
Im Sinne einer möglichst hohen Lebensqualität in der letzten Phase des Lebens sollte dies zentrale Beachtung bei der Betreuung von Palliativpatienten erfahren.
Kurzfassung auf Englisch: Context: Maintaining a sense of dignity in terminally ill patients and enabling a
dignified dying are important aims of palliative care.
Objectives: To evaluate the impact of symptom burden, distress, overall
condition, and individual patient characteristics on self-perceived dignity in
terminally ill cancer patients.
Methods: In this cross-sectional study, 61 patients were recruited through a
palliative care inpatient ward within 48 hours after admission. Patients completed
the Patient Dignity Inventory, a modified version of the Memorial Symptom
Assessment Scale, the National Comprehensive Cancer Network Distress
Thermometer, and a single-item scale rating subjective of overall condition.
Sociodemographic parameters and performance status were taken from the
patients’ records.
Results: Dignity total score correlated highest with lack of energy (P<0.001),
anxiety (P<0.001), sadness (P=0.002), pain (P=0.009), shortness of breath
(P=0.019), irritability (P=0.023), thirst (P=0.029), and tiredness (P=0.041).
Psychological symptoms showed more consistent associations with the different
dignity dimensions than physical symptoms except for the dependency
dimension. Psychological distress correlated with all dignity dimensions: symptom
distress (P<0.001), existential distress (P<0.001), dependency (P=0.020),
peace of mind (P<0.001), and social support (P=0.024). Overall condition was
significantly associated with existential distress (P=0.013), but not with symptom
distress, dependency, peace of mind, or social support. Performance status
showed significant association with dependency (P=0.001).
Conclusion: Self-perceived dignity in terminally ill cancer patients is
significantly associated with physical as well as psychological symptoms, distress,
overall condition, performance status, and comorbidities. Knowledge of these
specific interactions is essential for adequate, comprehensive palliative care.

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