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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-78239
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2016/7823/


Klimakatastrophen, Vertreibung und Gewalt : eine makro-qualitative Untersuchung sowie eine Einzelfallstudie über den Zusammenhang von umweltbedingten Bevölkerungsbewegungen und gewaltsamen Konflikten

Bernath, Andreas

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Klimawandel , Naturkatastrophen , Vertreibung , Gewaltkonflikte , Philippinen
Basisklassifikation: 89.76
Institut: Sozialwissenschaften
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Brzoska, Michael (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 24.11.2015
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum: 30.03.2016
Kurzfassung auf Deutsch: Gemäß dem Weltklimarat sind infolge der voranschreitenden Erderwärmung häufigere Starkregenereignisse, intensivere Tropenstürme sowie steigende Meeresspiegel zu erwarten. Die Zahl der Menschen, die ihre angestammten Wohngebiete aufgrund von Umwelt- und Klimaveränderungen verlassen müssen, wird daher zunehmen. Bereits im Jahr 2013 mussten mehr als 20 Millionen Menschen vor schnell eintretenden Wetterkatastrophen fliehen. Viele Forscher betrachten Massenwanderungen als eine der plausibelsten Verbindungselemente zwischen dem Klimawandel und gewaltförmigen Konflikten. Allerdings gründet sich die vermeintliche Kausalkette von Klimawandel und Umweltveränderungen über Bevölkerungsbewegungen zu gewaltsam ausgetragenen Auseinandersetzungen bisher auf einer schwachen und nur wenig überzeugenden empirischen Evidenz.

Die Forschungsfrage dieser Dissertation lautet daher: Wie wirkt sich der Zustrom von Menschen, die aufgrund klimabedingter Umweltveränderungen wie Sturm- und Flutkatastrophen ihre angestammten Wohngebiete verlassen müssen, auf die Gefahr gewaltsamer Konflikte in den Aufnahmeregionen aus und welche Einflussfaktoren bzw. Kombinationen daraus sind hierbei von Bedeutung? Zur Beantwortung dieser Frage wird die Konfliktkonstellation „Umweltbedingte Migration“ des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderung (WBGU) anhand einer Qualitative Comparative Analysis (QCA) sowie einer Einzelfallstudie zu dem Tropensturm Washi/Sendong empirisch überprüft.
Als zentrales Ergebnis der Dissertation ist festzuhalten: Weder die QCA-Analyse noch die Einzelfallstudie können das WBGU-Modell bestätigen. Die Resultate liefern also keinen Hinweis darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen Massenwanderungen aufgrund klimabedingter Umweltveränderungen und gewaltsamen Konflikten in den Ankunftsregionen gibt. Die WBGU-Autoren überschätzen die Erklärungskraft klassischer Konflikttreiber wie Ressourcenknappheit, überforderte Governance-Kapazitäten oder politische Instabilität und lassen dabei vier wichtige Einflussfaktoren außer Acht, die sich im Fall Washi/Sendong konfliktmindernd auswirkten: die effektive Präsenz der humanitären Gemeinschaft, das erfolgreiche Management der Auffanglager, die positiven Auswirkungen von Bevölkerungsbewegungen und die geringe Gewaltfähigkeit der obdachlos gewordenen Menschen.
Im Gegensatz zu den bisherigen Arbeiten betont diese Dissertation vor allem die entscheidende Rolle der Hilfsorganisationen: Leisten sie im Verbund mit den staatlichen Verantwortlichen effektive, koordinierte wie rasche humanitäre Hilfe und stellen sie eine erfolgreiche, auf Partizipation sowie auf kollektiven Entscheidungen basierende, Verwaltung und Betreuung der Massenunterkünfte sicher, dann ist das Gewaltpotenzial umweltbedingter Bevölkerungsbewegungen gering. Insofern scheinen die Klimaproblematik und die damit einhergehenden Wanderungsströme weniger eine sicherheits-, sondern in erster Linie eine entwicklungspolitische Herausforderung darzustellen.

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