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URN: urn:nbn:de:gbv:18-78689
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2016/7868/


Jörg Vollmar und sein Einfluss auf die deutsche Gefäßchirurgie

Jörg Vollmar and his influence on vascular surgery in Germany

Campenhausen, Jutta von

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SWD-Schlagwörter: Gefäßchirurgie , Deutschland , Medizingeschichte
Freie Schlagwörter (Deutsch): Vollmar, Jörg , Entwicklung Gefäßchirurgie , Ringstripper
Freie Schlagwörter (Englisch): Jörg Vollmar , vascular surgery , Germany
Basisklassifikation: 44.01 , 44.85
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Debus, Sebastian (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 05.04.2016
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 06.05.2016
Kurzfassung auf Deutsch: Jörg Vollmar (1923 – 2008) gilt als Doyen der Gefäßchirurgie. Als Inhaber des ersten Lehrstuhls für Gefäßchirurgie in Deutschland und Autor des wichtigsten Lehrbuchs der Arterienchirurgie prägt Vollmar seine Disziplin bis heute. Anhand seines Nachlasses sowie Dokumenten der Firma Ulrich Medical wird nachvollzogen, wie und inwiefern Vollmar rekonstruktive Gefäßchirurgie im Nachkriegsdeutschland beeinflusste.
Vollmar wurde von Karl Heinrich Bauer in Heidelberg zum Chirurgen ausgebildet und geprägt. Sein zweiter Lehrer war Charles Rob in London, bei dem Vollmar erstmals eine gefäßchirurgische Operation sah. Begeistert von dem neuen Betätigungsfeld machte Vollmar in den 50er Jahren erste Versuche mit alloplastischem Gefäßersatz. Er führte zahlreiche Studien mit Hunden durch und operierte immer mehr Gefäßpatienten. Mit der Unterstützung von Fritz Linder schuf Vollmar in Heidelberg eine Gefäßchirurgie, die national und bald auch international bekannt wurde.
Vollmar entwickelte eine neue Methode der halbgeschlossenen Thrombendarteriektomie mithilfe eines Ringstrippers, den er in enger Zusammenarbeit mit der Firma Ulrich Medical in Ulm perfektionierte. Dafür modifizierte er eine Ringkürette, die bereits 1906 von Charles H. Mayo verwendet worden war. Vollmar publizierte all seine Daten mehrfach und referierte auf allen erreichbaren Chirurgenkongressen über seine Methode, die „spiralförmige Ringdesobliteration.“
1967 kam sein Lehrbuch „Rekonstruktive Chirurgie der Arterien“ auf den Markt. Es erschien in einer historisch interessanten Phase und markiert im Rückblick einen Umbruch. Die Zeit von 1900 bis 1920 war geprägt von intensiver gefäßchirurgischer Forschung, danach folgte jedoch in Deutschland eine Phase der Stagnation. Vollmars Buch erschien, als die Gefäßchirurgie erstmals klinisch in Deutschland aufkam und avancierte schnell zum Standardwerk für alle Chirurgen, die mit Gefäßchirurgie in Kontakt kamen. Zwar gab es mehrere ähnliche Bücher auch auf dem deutschen Markt, doch setzte sich keines so kompromisslos durch wie Vollmars gut strukturiertes und umfassendes Werk, das die junge Disziplin gleichsam portraitierte.
Gemeinsam mit dem Angiologen Max Ratschow kämpfte Vollmar für eine fachübergreifende Behandlung von Gefäßerkrankungen. Er engagierte sich in der Deutschen Gesellschaft für Angiologie, deren Vorsitzender er wurde, und propagierte Gefäßzentren, an denen Angiologen, Radiologen und Gefäßchirurgen eng zusammenarbeiten sollten. Sein gefäßchirurgischer Schwerpunkt in Heidelberg wurde so zum Vorbild für die heutigen Gefäßzentren. Vollmar betonte, wo immer möglich, die Notwendigkeit einer guten gefäßchirurgischen Versorgung und engagierte sich unermüdlich im standespolitischen Kampf für sein Fach. Gegen massive Widerstände erreichte er, dass ein Teilgebiet „Gefäßchirurgie“ innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGC) eingerichtet wurde und leitete es von 1977 bis 1984.
1970 wurde Jörg Vollmar auf den ersten Lehrstuhl für Gefäßchirurgie an der neu gegründeten Universität Ulm berufen, wo er ein Gefäßzentrum ins Leben rief, das Vorbild für viele Kliniken wurde. Er entwickelte und perfektionierte zahlreiche
chirurgische Behandlungsverfahren, darunter den Einsatz der arteriovenösen Fistel für rekonstruktive Eingriffe an den Körpervenen und die Skelettierungsoperation bei angeborenen AV-Fisteln. Er optimierte die Gefäßendoskopie und entwickelte Gefäßprothesen zum Ersatz kleiner Arterien und großer Venen: Die „Ulmer Prothese“ aus ringverstärktem PTFE (Goretex). Er klassifizierte die zerebrovaskularen Durchblutungsstörungen neu und führte die „hohe Palma“-Operation ein.
Jörg Vollmar war ein exzellenter Operateur, gewissenhafter Schreiber und guter Redner. Sein ganzes Leben stand im Zeichen der Gefäßchirurgie, und mit Akribie und Zielstrebigkeit kämpfte er für die Anerkennung seines Faches. Auch wenn er aufgrund seiner Position in der DGC nicht zu den Initiatoren gehörte, ebnete er der Gründung der Gefäßchirurgischen Gesellschaft den Weg. Dass heute in Deutschland rund 70 zertifizierte Gefäßzentren bestehen, ist auch ein Verdienst Vollmars. Seinen steten Forderungen entsprechend ist die Gefäßchirurgie eine eigenständige Disziplin mit einer entsprechenden Ausbildungsordnung, die sich noch immer mit den Inhalten seines Lehrbuches deckt.
Vollmars frühe Entscheidung, sich ganz und gar auf die Chirurgie der Blutgefäße zu konzentrieren und alle erdenklichen Mitstreiter einzubeziehen, hat dem Fach enormen Vorschub geleistet. Vollmar dokumentierte jede Operation nach einem eigenen System, das ihm leicht und schnell eine Auswertung erlaubte. Dank seiner hohen OP-Zahlen und dieses Systems konnte Vollmar für seine Methoden stets valide Daten liefern und beschleunigte den gefäßchirurgischen Fortschritt maßgeblich. Bis heute sind Gerät und Methoden im Einsatz, die Vollmar entwickelte.
Kurzfassung auf Englisch: Jörg Vollmar (1923 – 2008) is the doyen of vascular surgery in Germany. He held the first chair für vascular surgery in Germany and wrote the most important textbook on arterial surgery. His teachings and constructions still shape the discipline today. Evaluating his legacy as well as records and documents held by the company Ulrich Medical, we were able to define how and in which respects Vollmar influenced vascular surgery in post-war Germany.
Vollmar was trained as a surgeon by Karl Heinrich Bauer in Heidelberg . His second teacher was Charles Rob in London, and it was he who first showed Vollmar vascular surgical procedures. Enthusiastic about this new field of activity. Vollmar began to experiment with alloplastic vascular grafts. He conducted many studies with dogs and pioneered processes of vascular surgery. With the support of Fritz Linder, he established a department for vascular surgery, which soon became well knwon nationally and internationally.
Vollmar developed a new method of semi-closed thromarterectomy using a ringstripper that he honed to perfection in close collaboration with Ulrich Medical Inc. He modified a ring-shaped abrazor, first used by Charles H. Mayo in 1906. He published his data and presented his „spiral obliteration“ method at every convention he could attend.
In 1967, Vollmar published his textbook „Reconstructive Surgery of the Arteries.“ Its release highlights a historically interesting opportunity: there was period of intensive research in vascular surgery in Germany from 1900 to 1920, followed by stagnation. Vollmar´s book appeared at a time when vascular surgery was first clinically practised in Germany and quickly advanced to be the benchmark for every surgeon dealing with bloodvessels. There were predecessors on the market, but none succeeded like his well structured, comprehensive and encyclopaedic work, which distinguished this young specialist field.
Vollmar worked closely with angiologist Max Ratschow, campaigning for an interdisciplinary approach to treat vascular deseases. He became head of the German Society for Angiology („Deutsche Gesellschaft für Angiologie“, DGA) and campaigned for centers uniting angiologists, radiologists und vascular surgeons. His department for vascular medicine in Heidelberg advanced to become the archetype of todays vascular center. Whenever possible, Vollmar emphasized the necessity of qualified vascular-surgical care and campaigned relentlessly for his speciality. Against all the odds, he accomplished the creation of a department for vascular surgery within the German surgical society (DGCH), which he headed from 1977 to 1984.
In 1970, Vollmar was appointed to the first chair of vascular surgery in Germany, at the newly founded university of Ulm. There, he established a vascular center which became the prototype for many clinics following his example. He developed and refined many surgical treatments, among them, the temporary AV fistula in reconstructive surgery of the veins and the skeletonization of congenital AV fistulas. He improved vascular endoscopy and developed vascular grafts for the replacement of small arteries and big veins, the „Ulm prosthesis“ (ringed PTFE, gore-tex). Vollmar classified cerebrovascular cirulatory disorders and introduced a high „Palma“- surgery.
Jörg Vollmar was an excellent surgeon, diligent writer and good speaker. He devoted his whole life to vascular surgery, and fought single-mindedly for his area of specialism. Although he was not among the initiators, he paved the way for the foundation of a society of vascular surgery. Thanks to his work, there are 70 certified vascular centers in Germany. He demanded that vascular sugery become an independent discipline with its own training regulations, which still correspond to the content of his textbook.
Vollmars early determination to concentrate completely on surgery of blood vessels and his decision to involve a whole spectrum of practitioners greatly advanced the subject.
Vollmar documented every single operation according to his own system, which allowed for a quick and easy evaluation of data. Thanks to the enormous number of patients he treated and the transparency of this system, he was always able to present valid data to support his methods, thus accelerating the advances in vascular surgery significantly. Equipment and methods developed by Vollmar are still in use until today.

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