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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-80272
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2016/8027/


Essays on Private Household Debt : Borrowing Behaviour, Insolvency Laws and Macrodynamics

Essays zur Verschuldung von Privathaushalten : Kreditaufnahmeverhalten, Insolvenzgesetze und Makrodynamik

König, Nadja

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Haushaltsverschuldung , Verbraucherinsolvenzen , Agentenbasierte Modelle
Freie Schlagwörter (Englisch): Private Household Debt , Insolvency Laws , Agent-based Models
Basisklassifikation: 83.00
Institut: Wirtschaftswissenschaften
DDC-Sachgruppe: Wirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Größl, Ingrid (Prof. Dr.)
Sprache: Englisch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.07.2016
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum: 12.08.2016
Kurzfassung auf Englisch: This thesis evaluates the increase in private household debt in during the last decades and its link to macroeconomic dynamics. While conventional economic theory considers household borrowing as an instrument to smooth consumption over time, and more importantly excludes the possibility of default, recent events seem to render this explanation insufficient. The chapters of this thesis explore alternative drivers for household overindebtedness both theoretically and empirically. The introductory chapter outlines this motivation and provides an overview of the chapters to follow.


The second chapter investigates the role of social factors and borrowing constraints for household debt and resulting macroeconomic dynamics. For this purpose, an agent-based model of household-bank relationships where households borrow to finance consumption expenditure is developed. It is assumed that financial decisions of households are driven by social influences. In this regard, heterogeneity of disposable income and wealth and hence, their distribution play an essential role. Another crucial feature of the analysis is that overextended households can default on their debt. As a result of several computational experiments, strong social comparison behaviour with respect to other households consumption induces a downward pressure on aggregate consumption, and as it constitutes a major source of Keynesian economic stimulus, it causes a downward pressure on GDP. The reason for this development is not only a large number of low income households that gets caught in a poverty trap, but also because high income households adjust consumption downwards. In the presence of borrowing constraints though, low income households are restrained from overborrowing which reduces the volatility of macroeconomic time series. This effect is particularly pronounced when households have strong preferences to keep up with other households consumption.


The third chapter extends this model and focuses on the interaction of insolvency regulations and income distribution and their effect on macroeconomic dynamics. Empirical studies underline that the distribution of income and wealth is heavily skewed and follows a power law. Therefore, a Generalised Pareto distribution is assumed. To capture the existing large variety of insolvency laws across countries, a debtor friendly and a creditor friendly regime are opposed. These regimes differ with respect to the duration until residual debt is discharged and hence with respect to incentives to borrow excessively. The simulation results point to higher aggregate debt and a higher number of defaults under the pro-debtor policies. Higher debt-financed consumption in turn generates higher levels of GDP, yet at the price of negative effects on growth due to overborrowing households at the lower end of the distribution. The opposite is true for the pro-creditor regime, where positive growth rates are observed by preventing households from taking up unsustainable levels of debt ex ante.


The last chapter analyses the dynamics of personal insolvencies over the business cycle empirically, focusing on the event of the recent economic downturn that followed the 2007-2008 financial crisis. In doing so, Germany and the UK, which differ with respect to their financial systems as well as their approaches to deal with overindebted individuals are explored. The chapter contributes to the relatively sparse literature on personal defaults in Europe, which is characterised by a multitude of different insolvency procedures, most importantly regarding debt relief tools. Overextended individuals face quite a number of obstacles in Germany until they may eventually be discharged from pre-insolvency debt. On the contrary, the regulatory framework in the UK is more lenient by not only providing a number of options for debtors to manage their liabilities but also by offering debt relief tools that allow for a relatively fast discharge. The results of the empirical analysis provide evidence for a higher persistence of insolvencies in the UK, suggesting that it takes longer for insolvencies to return to their previous level after an external shock. Furthermore, macroeconomic and financial conditions seem to affect only British households, leaving German households untouched, which is also true for the recession.
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Dissertation befasst sich mit dem Anstieg der Verschuldung von Privathaushalten in der jüngsten Vergangenheit und deren Beziehung zu makroökonomischen Größen. In der volkswirtschaftlichen Theorie wird die Verschuldung von Privathaushalten als Instrument für Konsumglättung modelliert. Dies liefert jedoch nicht nur keine Erklärung für den enormen Anstieg der Verschuldung, sondern lässt auch die Möglichkeit von Insolvenzen außer Acht. Die folgenden Kapitel gehen auf diese Kritik ein und untersuchen alternative Erklärungsansätze für dieses Überschuldungsphänomen, sowohl theoretisch als auch empirisch.
Das Einleitungskapitel motiviert die Themenwahl und gibt einen Überblick über die einzelnen Kapitel der Arbeit.


Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Rolle von sozialen Faktoren und Kreditrestriktionen bei der Verschuldung von Privathaushalten und untersucht daraus resultierende makroökonomische Dynamiken. Mithilfe von agentenbasierten Methoden wird ein System modelliert, in dessen Zentrum die Beziehung zwischen Privathaushalten und Banken steht. Finanzielle Entscheidungen von Haushalten werden unter anderem auf Basis sozialer Interaktion getroffen. In diesem Zusammenhang spielen die Heterogenität von verfügbarem Einkommen und Vermögen sowie deren Verteilung eine zentrale Rolle. Ein weiterer wesentlicher Punkt der Analyse ist, dass überschuldete Haushalte insolvent gehen, sobald sie ihre Schulden nicht mehr bedienen können. Mithilfe von Simulationen werden Experimente durchgeführt, die ergeben, dass eine starke soziale Orientierung an anderen Haushalten negative Auswirkungen auf den aggregierten Konsum hat, was insbesondere auf eine erhöhte Anzahl von Insolvenzen zurückgeführt werden kann, und dass viele Haushalte mit Niedrigeinkommen in eine Verschuldungsfalle geraten. Mit dem Konsum als essentielle Größe, schlägt diese Entwicklung direkt auf das Bruttoinlandsprodukt durch. Kreditrestriktionen hingegen halten Haushalte mit Niedrigeinkommen von einer Überschuldung ab und reduzieren dabei die Volatilität makroökonomischer Zeitreihen. Dies ist besonders ausgeprägt in Szenarien mit starker sozialer Konsumorientierung.


Im dritten Kapitel wird dieses Modell erweitert und der Fokus auf das Zusammenspiel von Insolvenzgesetzen und Einkommensverteilung gelegt. Empirisch evident ist, dass die Einkommens- und Vermögensverteilung stark nach rechts geneigt ist und einer exponentiellen Verteilung folgt. Daher wird diese explizit mithilfe einer Generalisierten Pareto-Verteilung'' modelliert. Um die Vielzahl an weltweit existierenden Insolvenzgesetzen zu berücksichtigen, werden ein schuldnerfreundliches und ein gläubigerfreundliches Regime gegenübergestellt, welche sich in Bezug auf die Entschuldungsdauer sowie die Anreize zu einer Überschuldung unterscheiden. Die Ergebnisse weisen auf eine höhere aggregierte Verschuldung und eine höhere Anzahl von Insolvenzen in einer schuldnerfreundlichen Modellökonomie hin. Dies wiederum führt über einen höheren schuldenfinanzierten Konsum zu einem höheren Bruttoinlandsprodukt, allerdings auf Kosten von negativen Wachstumseffekten, was auf die exzessive Verschuldung der unteren Einkommensschichten zurückgeführt wird. Diese laufen wiederum Gefahr, in eine Schuldenfalle zu geraten. Unter gläubigerfreundlichen Gesetzen hingegen werden positive Wachstumsraten erzeugt, da nicht kreditwürdige Haushalte von Anfang an davon abgehalten werden, sich zu überschulden. Des Weiteren erhöht sich die Anzahl von Privatinsolvenzen mit zunehmender Schiefe der Einkommensverteilung, unabhängig von den Insolvenzgesetzen.


Im letzten Kapitel wird die Dynamik von Privatinsolvenzen über den Konjunkturzyklus hinweg analysiert. Hierbei steht die Rezession, die auf die Finanzkrise von 2007-08 folgte, im Mittelpunkt. Die Analyse erfolgt für Deutschland und das Vereinigte Königreich, da sich beide Ökonomien zum einen in Bezug auf ihre Finanzsysteme und zum anderen in Bezug auf ihre Möglichkeiten des Schuldenmanagements von Privathaushalten unterscheiden. Europa ist von einer Vielzahl an unterschiedlichen Gesetzen und Regelwerken gekennzeichnet, insbesondere im Hinblick auf mögliche Entschuldungsmechanismen. So müssen überschuldete Privathaushalte in Deutschland relativ viele Hindernisse überwinden, um letztendlich von ihren Restschulden befreit zu werden. Im Vereinigten Königreich hingegen können Schuldner aus einer Vielzahl an Optionen des Schuldenmanagements wählen; eine mögliche Entschuldung erfolgt schneller und unbürokratischer als in Deutschland. Die Ergebnisse einer empirischen Analyse weisen auf eine stärkere Persistenz von Insolvenzen im Vereinigten Königreich hin. Dies bedeutet, dass es nach einem externen Schock länger dauert, bis Insolvenzen wieder ihr vorheriges Niveau erreicht haben. Außerdem scheinen Schuldner im Vereinigten Königreich sehr viel stärker auf äußere finanzielle und makroökonomische Bedingungen zu reagieren als deutsche Schuldner.

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