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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-80785
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2016/8078/


Aids in Afrika : Krankheitskonstruktion im Kontext von Rassismen

AIDS in Africa : Disease Construction in the Context of Racisms

Anumba, Nadine

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SWD-Schlagwörter: Rassismus , Aids , Massenmedien , Afrikabild
Freie Schlagwörter (Englisch): Racism , AIDS
Basisklassifikation: 71.61 , 05.20
Institut: Sozialwissenschaften
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Hund, Wulf D. (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 13.07.2016
Erstellungsjahr: 2015
Publikationsdatum: 16.09.2016
Kurzfassung auf Deutsch: Die Dissertation »Aids in Afrika. Krankheitskonstruktion im Kontext von Rassismen«
untersucht, inwiefern Rassismen die Konstruktion von Aids in Afrika in deutschen
Qualitätsprintmedien durchdringen. Als Datengrundlage dienen sämtliche Artikel der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Zeit und des Spiegels vom Beginn der Berichterstattung
im Jahr 1982 bis Ende des Jahres 2009, in denen Aids in Afrika thematisiert wird. In
Auseinandersetzung mit theoretischen und empirischen Beschreibungen von Rassismus wird
eine weite Definition von Rassismus entwickelt, die diesen als machtvolles
Klassifikationssystem charakterisiert, das durch essentialistische Zuschreibungen eine
vermeintlich höherwertige Eigengruppe im Gegensatz zu angeblich minderwertigen Anderen
konstruiert und so Ausschluss und Herabminderung einerseits sowie Zusammenschluss und
Einverständnis andererseits ermöglicht. Dieses Differenzierungssystem wird aus
konstruktivistischer Perspektive auf sprachlicher wie epistemischer Ebene analysiert.

Es zeigt sich, dass die Repräsentation von Aids in der Presse durch Muster geprägt ist,
die im modernen westlichen Rassismus zentral sind. Afrikaner und Europäer werden
wechselseitig als Gruppen konstruiert und in ein hierarchisches Verhältnis zueinander gesetzt.
Ihre farbliche Identifizierung als schwarz und weiß konnotiert dabei zwar die traditionell
biologisch bestimmten Rassen, verweist aber primär auf den kulturalistischen Kern des
Rassismus: ›Hautfarbe‹ steht als Zeichen für eine bestimmte Konstruktion von Kultur. Diese
erscheint insofern natürlich und determiniert, als sie im Fall von Afrikanern seit Urzeiten
fortbestehe und selbst angesichts eines drohenden Untergangs nicht geändert werde. Eine
positive Entwicklung ist nur unter der Anleitung von Weißen und im Sinne der Angleichung
an diese denkbar.

Das Verhältnis zwischen Europäern und Afrikanern wird, ganz in der Tradition der
Trope vom Dunklen Kontinent, vor allem als ein Zivilisationsgefälle zwischen
fortgeschrittenen Weißen und rückständigen Schwarzen konzipiert, das in den Medien den
Ursprung und die Verbreitung von HIV erklärt, dessen Prävention und Therapie scheitern
lässt und Afrika in Folge von Aids schließlich gänzlich in den Abgrund führt. Eng mit der
Vorstellung mangelnder Entwicklung verknüpft ist die Vertierung des Afrikaners in ihrer
geschichtsphilosophisch-sozialdarwinistischen Ausprägung, die wiederum an den Topos der
Unreinheit anschließt, welche hier in Form der Seuchenkontamination auftritt. Das Konstrukt
des ›afrikanischen Aids‹, der ›schwarzen Seuche‹, ist wesentlich durch tradierte rassistische
Vorstellungen bestimmt, die sich aber auch erkennen und durchbrechen lassen.

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