FAQ
© 2017 Staats- und Universitätsbibliothek
Hamburg, Carl von Ossietzky

Öffnungszeiten heute09.00 bis 24.00 Uhr alle Öffnungszeiten

Eingang zum Volltext in OPUS

Hinweis zum Urheberrecht

Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-83819
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2017/8381/


Zur rechtsmedizinischen Gewaltopferversorgung im Kreis Pinneberg: Regionale Netzwerkanalyse zur bestehenden Gewaltopferversorgung, sowie Analyse der Inanspruchnahme rechtsmedizinischer Angebote durch Ermittlungsbehörden – Grundlagen für die Etablierung eines regionalen rechtsmedizinischen Versorgungsangebotes im Kreis Pinneberg

Füssel, Simon

pdf-Format:
 Dokument 1.pdf (2.410 KB) 


Freie Schlagwörter (Deutsch): Gewaltopfer , Versorgung , Lebenduntersuchung , Rechtsmedizin , gerichtsverwertbar
Basisklassifikation: 44.72
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 01.02.2017
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum: 27.02.2017
Kurzfassung auf Deutsch: Als zentrale Erkenntnis dieser Arbeit ist festzuhalten, dass sich die Versorgung von Gewaltopfern in den letzten Jahren insgesamt verbessert hat (BmFSFJ 2012). Es werden aber auch große Missstände betreffend der Versorgung des Einzelnen und der Versorgung bestimmter Gruppen offensichtlich: Die fachgerechte Dokumentation von Verletzungsspuren und deren Kumulierung in einem gerichtsverwertbaren Gutachten wird bis heute von den Hauptakteuren der Gewaltopferversorgung vernachlässigt und nicht ausreichend oder unsachgemäß betrieben. Das Gesundheitssystem ist meist erste Anlaufstelle für Opfer von Gewalt und trotzdem werden aufgrund fachlicher, zeitlicher und finanzieller Defizite in vielen Fällen Gewaltopfer nicht erkannt und Verletzungsspuren nicht ausreichend dokumentiert (Hagemann-White und Bohne 2003, Jungbluth et al. 2012). Dies gilt in gleichem Maße für die Polizei, wobei hier das Problem nicht bei der Erkennung von Gewaltopfern, sondern vielmehr bei der korrekten Dokumentation des Geschehens und der Verletzungsspuren liegt (Hagemann-White und Kavemann 2004). Gerade aber die Erkennung von Gewaltopfern und die zeitnahe und professionelle Untersuchung von Verletzungsspuren ist neben der Einbindung in ein Hilfesystem von großer Wichtigkeit für Geschädigte, um Gewalterfahrungen zu verarbeiten (Seifert et al. 2006). Werden Opfer von Gewalt nicht direkt als solche erkannt und versorgt, verbleiben die Personen in vielen Fällen in dem gewaltbehafteten Milieu und erleiden weiteren Schaden (Hagemann-White und Bohne 2003). Dies führt zu einem höheren Risiko für langfristige Gesundheitsschädigungen und einer erhöhten Inanspruchnahme des Gesundheitssystems (Mark et al. 2007, Hornberg et al. 2008). Doch auch, wenn eine Identifizierung als Gewaltopfer stattgefunden hat und eine Versorgung eingeleitet wurde, kann eine nicht fachgerecht durchgeführte Verletzungsdokumentation schwerwiegende Folgen für Betroffene haben. Eine mangelnde Faktenlage aufgrund von unsachgemäßer Dokumentation führt dazu, dass die meisten Fälle vor Gericht wieder eingestellt werden, wodurch Geschädigte eine erneute Traumatisierung erfahren (Ritz-Timme und Graß 2009).
Dem Informationsverlust in der Kommunikation zwischen Gesundheitssystem und Polizei kann die Rechtsmedizin entgegenwirken. Als Vermittler zwischen Gesundheitssystem, Hilfenetzwerken und Behörden kann die Rechtsmedizin für einen besseren Informationsaustausch sorgen und mit Kenntnis der jeweiligen Strukturen, Opfer von Gewalt ausführlich versorgen und weitervermitteln (Seifert et al. 2006). Es wäre wichtig, Personal, das in Kontakt mit Gewaltopfern steht, mit Informationen, Fortbildungen und Interventionsprojekten hinsichtlich rechtlicher und medizinischer Aspekte der Gewaltopferversorgung zu schulen und auszubilden. Gerade auch deshalb, weil sowohl auf Seiten der Polizei, als auch bei den Akteuren des Gesundheitssystems ein großes Interesse an Weiterbildungen besteht. Erste positive Auswirkungen solcher Schulungen und Interventionsprojekte sind bereits dokumentiert (Hagemann-White und Kavemann 2004, Ellsäßer und Cartheuser 2006, Graß et al. 2013). Schlussendlich verfügt die Rechtsmedizin selbst über die Möglichkeit der Verletzungsdokumentation und Gutachtenerstellung sowie über eine große Expertise im Umgang mit Opfern von Gewalt (Graß und Rothschild 2004, Banaschak et al. 2011). Medizinisches Fachwissen, Erfahrung vor Gericht und Kenntnis der Hilfsstrukturen für Gewaltopfer sowie eine direkte Einbindung in die medizinische und psychologische Versorgungsmöglichkeit einer Universitätsklinik ermöglichen der Rechtsmedizin, Gewaltopfer umfassend zu versorgen (Seifert et al. 2006). Zudem richtet sich das rechtsmedizinische Hilfsangebot an alle in ein Gewaltdelikt involvierten Personen. Geschädigte, wie auch Beschuldigte, Frauen und Kinder sowie Männer und Senioren werden neutral und unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft untersucht, um ein möglichst detailliertes Bild des Tathergangs zu zeichnen. Somit stellt die Rechtsmedizin auch für die im Hilfenetzwerk unterversorgten und nicht angesprochenen Gruppen, wie Männer und Senioren, einen Anlaufpunkt dar. Zusätzlich ist die rechtsmedizinische Gewaltopferambulanz ein niederschwelliges Hilfsangebot, welches Betroffenen einen schnellen und unkomplizierten Zugang zum Hilfenetzwerk ermöglicht. Immer mehr rechtsmedizinische Institute stellen deutschlandweit rechtsmedizinische Gewaltopferambulanzen zu Verfügung, die positiv aufgenommen werden und stetig wachsende Fallzahlen zu verzeichnen haben (Seifert et al. 2006, Wischmann et al. 2013). Trotzdem steht das Engagement der Rechtsmedizin in der Gewaltopferversorgung auf einer unsicheren Finanzierung und kann momentan vielerorts nur durch einen erhöhten Aufwand des Personals geleistet werden. Angesichts der positiven Erfahrungen der letzten Jahre durch rechtsmedizinisches Engagement in der Gewaltopferversorgung, sollten die rechtsmedizinischen Institute sowohl politischen als auch finanziellen Zuspruch erfahren, um sich dauerhaft in die Hilfestrukturen für Gewaltopfer einzufügen und so deren Versorgung optimieren zu können.
Kurzfassung auf Englisch: In conclusion it can be said that the care for victims of crime has been genereally improved in recent years (BmFSFJ 2012). Still, certain individuals and groups are unattended: The documentation of trauma marks and their compilation in a report that may be used as evidence in court, is still not professionally conducted by the main actors of the victims of violence aid network. In genereal, victims of violence first reach out for medical support. However they are often not recognized and therefore not adequately treated as a victim of violence, due to the lack of professional, financial and temporal resources (Hagemann-White and Bohne 2003, Jungbluth et al. 2012). This is applicable as well for the police forces, whereas the main problem here lies in the imperfect documentation of events and trauma marks (Hagemann-White and Kavemann 2004). But it is crucial that identification, examination and support for victims of violence is delivered swiftly and professionally, to help people overcome their trauma. Not correctly identified victims will most likely remain in their violent environment and suffer from further damage (Hagemann-White and Bohne 2003). Thus, causing longtime health risk and increased need for medical care (Mark et al. 2007, Hornberg et al. 2008). Apart from correct identification, deficient documentation of trauma marks can lead to a closing of trial, which can result in further traumatization (Ritz-Timme and Grass 2009).
Since the forensic medicine is in touch with the public authorities, the medical care system and the aid network for victims of violence, it can mediate between these institutions to avoid a loss of information due to insufficient communication (Seifert et al. 2006). People that may face victims of violence in their daily routine need to know more about the medical and legal background of the care of victims of violence. So it is essential that personal of medical facilities and policemen are being trained and given information by forensic medical institutions. All the more, since there is great appreciation and documented positive effects of these trainings (Hagemann-White and Kavemann 2004, Ellsaesser and Cartheuser 2006, Grass et al. 2013). Forensic medicine delivers professional examination and support for victims of violence and offers great experience in presenting expertise before court (Grass and Rothschild 2004, Banaschak et al. 2011). Since the forensic medicine is in touch with all authorities, relevant to victims of violence and is imbedded in a university context with all medical and psychological support nearby, it offers an extensive care for victims of violence (Seifert et al. 2006). Also, the examinations conducted by the forensic medicine are being offered to anybody that has been involved in the criminal act, irrespective of sex, age and guiltiness and is therefore offering prompt and low-threshold help to all individuals that are not sufficiently being taken care of by the aid network. Clinics for protection against violence, operated by forensic medical institutions, are increasingly frequented and received positive feedback in recent years (Seifert et al. 2006, Wischmann et al. 2013). However a lot of forensic medicine institutes are short-staffed and underfunded. Regarding that there have been great appreciation and positive effects due to forensic medicine commitment in the care for victims of violence, it is necessary to provide funds and political support to keep up and improve support for victims of violence.

Zugriffsstatistik

keine Statistikdaten vorhanden
Legende