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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-84175
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2017/8417/


Erwachsene mit geringer Lese- und Schreibkompetenz und ihr unterstützendes Umfeld

Low literate adults and their supporting networks

Buddeberg, Klaus

pdf-Format:
 Dokument 1.pdf (1.771 KB) 


SWD-Schlagwörter: Funktionaler Analphabetismus , Erwachsenenbildung , Lesekompetenz , Unterstützung
Freie Schlagwörter (Deutsch): Literalitätsforschung , Grundbildung , Literacy
Freie Schlagwörter (Englisch): Literacy , Functional Illiteracy , Adult Basic Education , Large Scale Assessment
Basisklassifikation: 71.34 , 79.65
Institut: Erziehungswissenschaft
DDC-Sachgruppe: Erziehung, Schul- und Bildungswesen
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Grotlüschen, Anke (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 15.02.2017
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum: 21.03.2017
Kurzfassung auf Deutsch: Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine kumulative Dissertation. Die hierzu ausgewählten Beiträge wurden zwischen 2012 und 2016 als Zeitschriften- und als Buchbeiträge veröffentlicht. Zwei der Beiträge durchliefen ein Review-Verfahren. Inhaltlich fußen die Beiträge auf zwei Forschungsprojekten aus dem Bereich der Forschung zur Literalität von Erwachsenen, an denen der Verfasser als wissenschaftlicher Mitarbeiter beteiligt war. Dabei handelt es sich um die Leo. – Level-One Studie (kurz: Leo.-Studie) und die Studie zum mitwissenden Umfeld funktionaler Analphabetinnen und Analphabeten (kurz: Umfeldstudie).
Die Leo.-Studie ist eine sogenannte Large-Scale-Assessment-Studie. Sie verfolgte das primäre Ziel, die Größenordnung des funktionalen Analphabetismus in Deutschland zu beziffern. Die Studie lieferte darüber hinaus aber auch Datenmaterial, das es ermöglichte, die soziodemografische Struktur der Gruppe der betroffenen Erwachsenen zu beschreiben. Aus einem systematischen Vergleich dieser Strukturdaten mit Ergebnissen aus der Teilnehmendenforschung ließen sich Rückschlüsse darauf ziehen, dass gängige Stereotype über gering literalisierte Erwachsene nur sehr bedingt auf die Gesamtgruppe übertragbar sind und dass auch die Vermutung, geringe Literalität verhindere gesellschaftliche Teilhabe, nur unter Einschränkungen zutrifft. Die drei Beiträge zur Leo.-Studie zeichnen diese Argumentation nach. Es lässt sich zeigen, dass Erwachsene mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen nicht grundsätzlich von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen sind. Das betrifft besonders deutlich das Erwerbsleben, da unerwartet viele Betroffene erwerbstätig sind (57%). Auch hinsichtlich der Schulabschlüsse weicht die Gruppe der Adressat/inn/en deutlich von gängigen Vorstellungen über funktionale Analphabet/inn/en ab, ähnliches gilt für den Bereich Partnerschaft und Familie.
Die Leo.-Studie und somit auch die dazu publizierten Arbeiten bauen auf eine mittlerweile längere Tradition von Literalitäts-Studien auf (International Adult Literacy Survey, PISA, Skills for Life Survey u.a.). Sie basierte auf einem für Assessment-Studien grundlegenden hierarchischen Begriff von Literalität, der die gewünschte Messbarkeit du Vergleichbarkeit ermöglicht. In Kontrast dazu stehen kritische Ansätze der sogenannten New Literacy Studies, die Literalität als ein Konstrukt begreifen, das sich sozial eingebettet und jeweils individuell realisiert, sich somit der Messbarkeit grundsätzlich widersetzt. Der Bezug zu den New Literacy Studies ist in den Beiträgen implizit, da sie Ergebnisse der Leo.-Studie (Assessment) aus Ausgangspunkt nehmen, dann aber die konkrete Bedeutung für die betroffenen Personen stärker auf soziale Begebenheiten beziehen. Zentrale Bedeutung erhält – für die gesamte Dissertation, also auch für den zweiten, sich auf die Umfeldstudie beziehenden Teil, der Begriff der Teilhabe, der sich, wie der Begriff der Literalität einer Dichotomisierung entzieht.
Die drei Beiträge zur Umfeldstudie knüpfen an diese Ergebnisse an, thematisieren die Frage von Teilhabe und Stereotypen jedoch aus einer gänzlich anderen und innovativen Forschungsperspektive. Die Umfeldstudie stellte nicht die betroffenen Erwachsenen selbst ins forscherische Zentrum, sondern untersuchte das Verhältnis von Betroffenen zu Personen aus deren persönlichen Umfeld – und zwar, und dies stellt forscherisches Neuland dar – aus der Perspektive dieser Personen des Umfelds (Familienangehörige, Arbeitskolleg/inn/en, Nachbarn, Bekannte etc.).
Die Umfeldstudie besteht aus einer umfangreichen qualitativen (n=30) und einem umfangreichen, repräsentativen quantitativen (n=1.511) Teilstudie. Auf theoretischer Ebene fußt die Umfeldstudie auf den Annahmen der New Literacy Studies, da sie individuelle Interaktionsformen (Wissen, Kommunikation, Unterstützung) zwischen Betroffenen und deren Vertrauenspersonen herausarbeite, also von einer jeweils eigene soziale Einbettung der Literalitätspraxis voraussetzt. Die von der Bildungspraxis gestellte und auch an die Studie herangetragene Frage, ob sich über das Umfeld von Betroffenen die Zahl der Kursteilnehmenden steigern lässt, stellt einen Bezug zur „doppelten Adressierung“ dar.
Ein zentrales Studienergebnis stellt der Sachverhalt dar, dass breites gesellschaftliches Wissen über geringe Erwachsenenliteralität vorliegt, dass also anteilig viele Erwachsene jemanden kennen, der oder die auffallend schlecht liest und schreibt. Zwischen Betroffenen und deren Unterstützungspersonen wird teilweise relativ offen über den Sachverhalt gesprochen, das Thema erscheint daher als weniger stark tabuisiert, als gemeinhin angenommen. Und aus den quantitativen und qualitativen Daten lassen sich deutliche Rückschlüsse darauf ziehen, dass recht diverse Arten der Unterstützung geleistet wird, die von reiner Hilfe durch die Übernahme schriftsprachlicher Anforderungen bis hin zu verschiedenen Formen des Lernens reicht.
Kurzfassung auf Englisch: This document is a publication based doctoral thesis. The contributions chosen for this project have been published between 2012 and 2016. The contributions were written in the context of two research projects in the field of literacy research. These were the leo. – Level-One survey (short: leo.-survey) and a project on the supporters of low literate adults („Umfeldstudie“).
The leo.-survey was a large-scale-assessment on adult literacy. Primary objective was to extent of low literacy among adults in Germany. Moreover survey results describe the socioeconomic structure of this group of adults. Systematic comparison with results from research among participants in adult basic education shows that common stereotypes on low literate adults should be revised. Additionally it can be shown that the assumption that low literacy would more or less automatically lead to low social, economic or political participation is misleading.
The first three contributions based on this survey display this argumentation. It can be shown that low literate adults are not categorically excluded from participation. This can be shown especially by the high quota of employed among the low literate adults and the big proportion of those having left school with a school leaving certificate.
The leo.-survey (and consequently: the three publications based on the survey) is part of a chain of a longer tradition of assessment studies (International Adult Literacy Survey, PISA, Skills for Life, PIAAC). Theoretically it is based on a hierarchical model of literacy. Another position towards literacy has been elaborated by the New Literacy Studies. This approach describes literacy as a socially embedded construct which withstands standardized measurement. For the contributions used here the reference to New Literacy Studies is implicit as the contributions have the leo.-survey as a starting point (assessment data) but by the same time try to discuss the possible consequences of low literacy for persons in question under a focus of social embeddedness. The aspect of participation is central for both parts of the doctoral thesis. Participation – like literacy – is a phenomenon which cannot be interpreted as being dichotomous.
The three contributions based on the Umfeldstudie refer to the results of the first contributions but they focus on stereotypes and on participation from a different – and innovative – perspective. The survey did not focus on low literate adults themselves but on person from their personal networks (family, workplace, neighborhood etc.).
The survey drew on data from a qualitative (n=30) and a quantitative (n=1,511) substudy. On a theoretical basis it referred to the positions of New Literacy Studies as individual types and patterns of interaction (knowledge, communication, support) have been elaborated. This means that it referred on literacy as a social practice. One of the research questions of this survey was if new and more participants in adult basic education could be found via their supporting persons from their networks.
Central results of the survey were: There is personal knowledge about low literate adults among a big proportion of adults, i.e. many adults (ca. 40%) know other adults with low or very low literacy skills (Buddeberg 2016). As there are patterns of open communication between low literate adults and their supporters the idea of low literacy as a very strong taboo should be revised. From the quantitative and the qualitative data we could conclude that there is a wide range of different types of support given (from taking over tasks to different ways of adult learning). But the hope of providers of adult basic education that literacy supporters would help to attract more participants seems has to be disappointed (Buddeberg 2015). There is wide knowledge about ABE-classes among the adult population but only few interviewees recommended participation. The reasons for non-recommendation appear quite similar to well-known reasons for non-participation. On reason – which is discussed in Buddeberg/Riekmann 2016 – is the image which adult basic education has in public.
Discussing the survey results of both studies shows that common assumptions and stereotypes about low literate adults only apply to a small proportion of this subpopulation. The Leo.-survey could relativize these assumptions on based of socioeconomic features while the Umfeldstudie added the results that the common image of low literate adults being merely recipients of help and support (i.e. helpless and dependent) as well only applies to part of low literate. The idea that low literate adults inevitably lack possibilities of participation under this perspective needs revision. Adult learning for low literate adults often is reduced on non-formal, i.e. classroom based learning arrangements. In reality a variety of learning arrangements appears which includes informal learning settings.

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