FAQ
© 2017 Staats- und Universitätsbibliothek
Hamburg, Carl von Ossietzky

Öffnungszeiten heute09.00 bis 24.00 Uhr alle Öffnungszeiten

Eingang zum Volltext in OPUS

Hinweis zum Urheberrecht

Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-84459
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2017/8445/


Möglichkeiten und Hindernisse einer satzungszweckorientierten Vermögensverwaltung im deutschen Stiftungssektor

Mission investing : possibilities and obstacles for German foundations

Fuchs, Adrian

pdf-Format:
 Dokument 1.pdf (3.979 KB) 


SWD-Schlagwörter: Stiftung , Vermögensverwaltung , Stiftungsrecht , Portfoliomanagement , Nachhaltigkeit , Stiftungssatzung
Freie Schlagwörter (Deutsch): Nachhaltige Vermögensverwaltung
Freie Schlagwörter (Englisch): Social Responsible Investing , Mission Investing , ESG
Basisklassifikation: 85.30
Institut: Wirtschaftswissenschaften
DDC-Sachgruppe: Wirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Scheck, Barbara (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 04.05.2016
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum: 13.04.2017
Kurzfassung auf Deutsch: In den letzten Jahren war die Tendenz zu beobachten, dass sich deutsche Stiftungen zunehmend mit nachhaltigen Wertanlagen beschäftigen. Aufgrund dieser aktuellen Relevanz setzt sich diese Arbeit mit der nachhaltigen und insbesondere der zweckbezogenen Geldanlage für Stiftungen auseinander. Diese Arbeit baut auf der Prämisse auf, dass Stiftungen als institutionelle Investoren bei der Ausübung ihrer Vermögensverwaltung generell nicht frei sind. Die Anlageentscheidung unterliegt rechtlichen, moralischen sowie gesellschaftlichen Einflussfaktoren, die bisher nur in begrenztem Ausmaß theoretisch betrachtet worden sind. Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es, den Bedarf an einer sich mit dieser Thematik befassenden wissenschaftlichen Grundlagenarbeit zu decken, um dadurch die Risiken und das Wirkungspotenzial dieses Ansatzes für Stiftungen zu veranschaulichen.
Hierfür werden, nach einer allgemeinen Einführung in den Kontext der nachhaltigen und zweckorientierten Geldanlage, zunächst stiftungsterminologische Begriffe erläutert. Das theoretische Hintergrundwissen wird durch eine nähere Beleuchtung von Konzepten rund um die Thematik der nachhaltigen Geldanlage ergänzt. Darüber hinaus werden jene Einflussfaktoren beschrieben, die innerhalb einer Stiftung dazu führen, dass diese sich mit der Mission-Investing-Thematik (MI) auseinandersetzt. Hierbei wird insbesondere die Selbstwahrnehmung von Stiftungen als entscheidender Faktor ausgemacht. Denn wenn sich Stiftungen als unter moralischer Maxime handelnde Gebilde sehen, dann kann es zielführend sein, dass nur die Fördermittel der gesellschaftlichen Mehrwertgenerierung verpflichtet sind. Demgemäß sind zur gemeinschaftlichen Daseinsberechtigung von Stiftungen ebenso die der Vermögensverwaltung obliegenden Mittel ethischen Grundsätzen unterzuordnen.
Um eine Basis für das weiterführende Verständnis von MI zu schaffen, wird zunächst auf grundsätzliche Aspekte der klassischen Vermögensverwaltung eingegangen. Weiter wird eine holistische Betrachtung der juristischen, steuerlichen und wirtschaftlichen Anforderungen an die Vermögensverwaltung von Stiftungen vorgenommen. Hieraus lassen sich empfehlenswerte, aber rechtlich nicht immer bindende Aspekte, die das Zielsystem der Vermögensverwaltung einer Stiftung verändern, ableiten. Die Dimensionen Substanzerhaltung, Erträge und Risiko werden bei der zweckorientierten Vermögensverwaltung durch eine vierte Dimension ergänzt, welche die Stiftungszweckkorrelation widerspiegelt. Aufgrund dieser Feststellungen kann geschlossen werden, dass die Notwendigkeit einer zweckbezogenen Vermögensverwaltung besteht.
In weiterer Folge werden die Instrumente, die für eine satzungszweckorientierte Geldanlage bei Stiftungen in Frage kommen, beschrieben und nach einer Erläuterung der Funktionsweise dieser Investmentvehikel besonders auf die mit ihnen verbundenen sozioökonomischen Folgen und Herausforderungen eingegangen. Denn die identifizierten Positiv-, Negativ- sowie Best-in-Class-Ansätze stellen die Befürworter von MI vor eine Vielzahl methodischer und konzeptioneller Probleme, die es zu erläutern gilt. Im Anschluss an das Screening wird auf das Instrument des aktiven Aktionärstums eingegangen. Aus den aufgeführten Erläuterungen lässt sich ableiten, dass dieses Instrument zwar für institutionelle Anleger geeignet ist, um das Prinzipal-Agent-Problem zu lösen. Stiftungen, die sich erhoffen, durch sozial sowie ökologisch motivierte Engagement-Prozesse etwas anzustoßen, sehen sich in Deutschland jedoch weiterhin mit einer nicht vorteilhaften Kultur des Engagements konfrontiert und haben darüber hinaus mit Kapazitätsproblemen, die kaum Spielraum für weitreichende Engagement-Aktivitäten lassen, zu kämpfen. In einem letzten Schritt wird an dieser Stelle auf das Anlageinstrument des Impact Investing eingegangen. Wie die Fördermittelvergabe sollen auch die von Stiftungen getätigten Impact Investments den satzungsmäßigen Zweck der Stiftung direkt verfolgen. Eine Unterscheidung zwischen Impact Investment mit Rückzahlungsverpflichtung und Impact Investment ohne Rückzahlungsverpflichtung erscheint in Deutschland aufgrund der momentanen rechtlichen Situation sinnvoll. Was die Impact Investments mit Rückzahlungsverpflichtung betrifft, so dürfen diese nur aus dem Grundstockvermögen der Stiftung getätigt werden. Für Impact Investments ohne Renumeration gilt, dass diese nur dann aus den Geldern, die zur Mittelverwendung veranschlagt wurden, getätigt werden können, wenn der Destinatär über einen gemeinnützigen Status verfügt. Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass diese Art des Impact Investings – auch ohne den Rückfluss von Kapital an die Stiftung – durch eine professionelle und kapazitätserweiternde Wirkung innerhalb des Dritten Sektors gesellschaftlichen Mehrwert generieren kann, der über die reine Spendentätigkeit hinausgeht.
Ausgehend vom klassischen Verständnis des strategischen Managements, werden darüber hinaus einige der erforderlichen Schritte hin zu einer ganzheitlichen MI-Strategie theoretisch beleuchtet. Durch dieses Vorgehen können die unterschiedlichen Wirkungsmöglichkeiten der MI-Instrumente beleuchtet und die Notwendigkeit der Kombination dieser Mittel in einem MI-Portfolio abgeleitet werden. Der finale Abschnitt dieser Arbeit zeigt, dass MI insbesondere auf dem deutschen Markt vor speziellen Herausforderungen steht. Trotz wissenschaftlicher Entkräftung halten sich beispielsweise rechtliche Ressentiments gegenüber MI hartnäckig. Neben den begrenzten Möglichkeiten innerhalb des Deutschen Marktumfeldes wird im Weiteren auf die Problematik der Wirkungsmessung eingegangen. Darüber hinaus werden in diesem Kapitel jene Faktoren, die Stiftungen in Deutschland vor einem MI-Engagement zurückschrecken lassen, eindeutig identifiziert. Es entsteht allerdings der Eindruck, dass diese Probleme zwar für größere Stiftungen bestehen, doch insbesondere die Masse an kleineren Stiftungen schon an einfacheren kapazitätsbedingten Hürden scheitert.
Die vorliegende Arbeit argumentiert, dass Stiftungen dem an sie gestellten gesellschaftlichen Anspruch am ehesten durch die Verfolgung einer zweckbezogenen Vermögensverwaltung gerecht werden können. Denn erst, wenn alle Stiftungsmittel der Verwirklichung des Zwecks untergeordnet sind, schöpfen Stiftungen ihr volles Wirkungspotenzial innerhalb der Zivilgesellschaft aus. Über die Vergabe von Fördermitteln hinaus stärken MI-Instrumente den Dritten Sektor und durch Investments in zwecknahe Unternehmungen können wichtige soziale und ökologische Anreize gesetzt werden. Diese Kette von Kausalzusammenhängen lässt sich aus der in dieser Arbeit beschriebenen Literatur herleiten. Betrachtet man die Anlagepraxis Deutscher Stiftungen, ist zwar in Bezug auf die nachhaltige Geldanlage eine positive Tendenz zu beobachten, doch mangelt es verbreitet immer noch an weiterführenden Ansätzen hin zur zweckbezogenen Investitionsstrategie.
Insgesamt lässt sich anhand der vorliegenden Arbeit der Schluss ziehen, dass Deutsche Stiftungen in ihrem wahren Wirken dem eigenen Anspruchsdenken nicht gerecht werden können, solange sie sich der satzungszweckorientierten Geldanlage verweigern. Denn das historisch bedingte Anspruchsdenken von Stiftungen, nicht nur die Aufgaben einer Kapitalverwaltung wahrzunehmen, sondern aktiv auf die Zivilgesellschaft Einfluss auszuüben, wird durch die Instrumente des Mission Investing revitalisiert.
Kurzfassung auf Englisch: In recent years the tendency can be observed that German foundations increasingly engage themselves with sustainable asset management. From this fact derives the relevance of this academic work to deal with sustainable and in particular with mission-related investments (MI) for foundations. This piece of work builds on the premise that foundations as institutional investors are generally not free in the exercise of their asset management. Their investment decisions are subject to legal, moral, and social restrains that so far have been considered only to a limited extent. Thus, the aim of this study is to meet the need for a basic scientific work in order to illustrate the risks and the potential of this investment approach for German foundations.
After a general introduction to the context of sustainable and mission-related investment sphere some terminologies from the foundation context were explained. This theoretical background knowledge is supplemented by a detailed inspection of sustainable investment concepts. Moreover, those factors that drive a foundation towards this investment approach are outlined. Particularly at this point, the self-perception of foundations can be identified as a crucial factor. If foundations regard themselves as institutions which act under a moral maxim then it cannot be considered as purposeful that they only create social value through their grant giving activities. In order to fulfil their raison d’être they should, beside their grant giving activities, subordinate their asset management to their ethical standards.
By outlining additional aspects of the traditional asset management a basis for the further understanding of MI is created. A holistic view of the legal, fiscal and economic requirements of the asset management of foundations in Germany is given and helps to come up with legally not binding recommendations. These recommendations modify the target system of foundations’ asset managers. The traditional dimensions of substance preservation, return and risk are complemented by a fourth dimension, which reflects the correlation with the mission of the foundation. Based on these findings the need for a mission-related asset management for foundations can be derived.
Subsequently the different mission-related investment tools are explained. First and foremost the screening approaches, namely positive, negative and best-in-class, are outlined. These screening techniques go hand in hand with a variety of methodological, conceptual issues and socio-economic consequences. Problems like the performance of ethically screened portfolios or the potential influence that ethically motivated investors can have on the price of a stock are thus addressed at this point of the study and tested on their credibility. Secondly the instrument of shareholder activism is defined. This instrument is indeed suitable for institutional investors in order to solve the principal-agent problem. However, foundations that are hoping to initiate anything in the direction of a socially and ecologically motivated engagement processes, still face a not beneficial culture of shareholder activism in Germany. In addition to the capacity problems of small foundations this leaves little room for far-reaching engagement activities. In a final step the investment method named impact investing was addressed. Likewise grants impact investments made by foundations pursue the mission of the foundation, while at the same time offering the foundation the possibility to gain a certain financial return. In the German context a distinction between impact investments with repayment obligation and impact investments without repayment requirement has to be made. Impact investments with repayment obligation are only allowed to be made from the basic assets of the foundation. Impact investments without repayment obligation can only be made from the funds that were budgeted for the use of grants. The results of this study suggest that impact investments by foundations – even without the return of capital – can have a capacity expanding and professionalisation effect on the third sector and generate social value beyond the pure grant making activities of the foundation.
Subsequently, starting from the classical understanding of strategic management, some of the necessary steps toward a holistic MI strategy are theoretically exemplified. By doing so, the different effects of MI instruments are demonstrated and the need for a combination of these tools within a MI portfolio can be derived. The final section of this work deals with some of the challenges that are associate with MI. Given the fact, that despite scientific refutation legal resentments towards MI still hold tenaciously in Germany. In addition to the limited opportunities of MI within the German market environment this study addresses some more general problems like the impact assessment within the social entrepreneurial sphere in order to get a clearer picture of those factors which hinder foundations in Germany from a MI commitment. However, these problems seem only to apply to large foundations while the mass of smaller foundations already fails to engage with MI due to capacity-related hurdles.
This work argues that foundations can fulfil their societal claims best by engaging in mission related asset management. Only if all the foundation’s assets are subordinated to the achievement of the mission, only then the foundation utilises its full impact potential within the civil society. Beyond grants the shown MI tools strengthen the third sector and by investing in social enterprises important social and environmental incentives can be set. This chain of causal relationships can be derived from the literature described in this work. Considering the investment practice of German foundations a positive trend in terms of sustainable investment can indeed be observed while the practice of implementing a mission investing strategy still remains an extraordinary phenomenon.
On the basis of this study it can be concluded that German foundations cannot meet their civil entitlements as long as they refuse to engage themselves in mission-related investments. The historic entitlement of foundations, not only to perform the tasks of a capital investment firm, but actively shape civil society is revitalized through the instruments of mission investing.

Zugriffsstatistik

keine Statistikdaten vorhanden
Legende