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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-84492
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2017/8449/


Schwermetallvergiftungen mit Quecksilber und Blei bei "Ayurveda-Touristen" in Sri Lanka

Heavy metal poisoning with mercury and lead in

Schröder, Katharina

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SWD-Schlagwörter: Ayurveda , Quecksilber , Blei , Vergiftung , Sri Lanka , Lead
Freie Schlagwörter (Deutsch): Schwermetallvergiftung
Freie Schlagwörter (Englisch): Mercury
Basisklassifikation: 44.61
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Meyer, Tobias (PD Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 20.02.2017
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum: 12.04.2017
Kurzfassung auf Deutsch: Den Anstoß für die vorliegende Arbeit gab der Fall einer Patientin, die sich durch die Einnahme von Ayurvedamedikamenten aus Sri Lanka eine schwere Quecksilber- und Bleivergiftung zuzog. Durch die öffentliche Aufmerksamkeit, die der Fall erregte, meldeten sich weitere betroffene Patienten mit ähnlichen Erfahrungen nach einer Ayurveda-Kur in Sri Lanka. Kern der Arbeit ist die wissenschaftliche Dokumentation von insgesamt fünf Fallberichten, sowie die Aufarbeitung der Informationen zu neun weiteren betroffenen Patienten. Es wurden insgesamt 36 Medikamente, die Patienten aus Sri Lanka mitgenommen haben, auf Quecksilber- und Bleibelastung untersucht. Die Ergebnisse zeigen bei den meisten dieser Patienten klinisch und laborchemisch eine Schwermetallvergiftung. Die Untersuchungen der eingenommenen Medikamente wiesen erhöhte Schwermetallkonzentrationen in 55,5% der Präparate nach. Eine durchgeführte Literaturrecherche bestätigte weitestgehend das erhebliche Gefährdungspotential durch ayurvedische Medikamente.
Diese Arbeit geht weiterhin der Frage nach, welche Erklärungen es für diese Schwermetall-vergiftungen bei Ayurveda Touristen gibt und welche Konsequenzen sich daraus für die Zukunft ergeben. Der Ayurveda – die Lehre vom Leben – stellt sich als ein vielschichtiges medizinisches System dar. Seine zum Teil einzigartigen Therapien sind die Ursache für den „Ayurveda-Tourismus“. Jahrhundertealte Erklärungsmodelle mit dem Kerngedanken der Homöostase beschreiben Körper und Seele als gesund, wenn die Regelkreise des Menschen im Gleichgewicht stehen. Zur Therapie erkrankter Regelkreise nutzt die ayurvedische Medizin unter anderem herbo-metallische Medikamente. Solche Medikamente, welche Quecksilber und andere Metalle enthalten, werden als wirksame Pharmaka mit tonisierender, verjüngender und Gewebe aufbauender Wirkung angesehen und zur Therapie vieler verschiedener Erkrankungen eingesetzt. Zuvor sollen die verwendeten Schwermetalle, wie zum Beispiel Quecksilber und Blei, durch spezielle Reinigungsprozesse entgiftet worden sein. Die Ayurveda-Wissenschaft beruft sich dazu auf jahrhundertelange Praxiserfahrung dieser Entgiftungsprozesse und führt Vergiftungen durch Schwermetalle in Patienten auf eine unsachgemäße Herstellung und Anwendung zurück. Gleichzeitig wird jedoch keine toxikologische Überprüfung der herbo-metallischen Präparate oder eine ausreichende Pharmakovigilanz angeboten.
Aus westlicher Sicht wird der Ansatz der multimodalen, personalisierten und präventiven Medizin des Ayurveda anerkannt. Auf die Gefahr einer Schwermetallvergiftung durch Ayurvedamedikamente wird weltweit in kleinen Studien oder Fallbeschreibungen seit Jahren hingewiesen. Die vorliegende Arbeit kann aufgrund der kleinen Stichprobe ebenfalls nicht repräsentativ sein. Ihr wissenschaftlicher Beitrag liegt darin, dass sie zum ersten Mal in Deutschland verschiedene Fälle zusammengetragen und dokumentiert hat. Sie stellt diese Einzelfälle in den größeren Kontext von Literaturbeispielen und „östlicher“ wie „westlicher“ wissenschaftlicher Debatte. Sie gibt Empfehlungen für Patienten, klinische Praxis und die öffentliche Hand.
Kurzfassung auf Englisch: Initiation for the following study was a case of a female patient who presented with mercury and lead poisoning due to Ayurvedic medication she brought from Sri Lanka. Due to the public notice of this case, we were contacted by additional patients who made similar experiences with Ayurvedic medication from Sri Lanka. The following research documents scientifically five cases of lead and mercury intoxication due to the intake of Ayurvedic medicines. Furthermore clinical and laboratory results of another 9 patients were documented. 36 Ayurvedic medicines which were brought from Sri Lanka were analysed. The results show that most of the patients presented with signs and symptoms of a lead and/or mercury intoxication. The Ayurvedic medicines contained in 55,5 % elevated levels of lead and/or mercury. A review of literature confirmed the risk potential of Ayurvedic medicines from Sri Lanka.
This study explores additionally the explanations for heavy metal poisoning in Ayurvedic tourists. Ayurveda is a complex medical system. Its unique therapies are the reason for the growing Ayurveda tourism. Homeostasis of the physical and psychological systems of the human being is essential for preventing illness. Some Ayurvedic medicines used for treatments are not just made of herbs but are a preparation of metallic ingredients. These herbo-metallic medicines contain mercury or other heavy metals. They are supposed to rejuvenate and strengthen tissue and are used in treatment of several diseases and conditions. The Ayurvedic doctors and researchers refer to thousands of years of practice and experience. The reason for heavy metals in Ayurvedic medicines is cited due to incorrect preparation and application. Drug monitoring is not provided.
From a western perspective the Ayurvedic medicine is acknowledged as a multimodal, personalised and preventive medicine. The endangerment of heavy metal poisoning has been published in several case reports for years in many countries. Our study cannot be representative due to the small sample size. The scientific share of this study is the collection and documentation of different cases in Germany. It is placing the individual cases within context of other publicised case reports and the eastern and western scientific debate on alternative medicines. The study gives recommendations for patients, clinicians and public authorities.

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