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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-85043
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2017/8504/


Dostoevskijs Werkstatt : vom Tagebuch eines Schriftstellers zu den Brüdern Karamazov

Dostoevsky´s Workshop : From A Writer´s Diary to The Brothers Karamazov

Bielefeldt, Rolf

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SWD-Schlagwörter: Stilmittel , Polyfonie , Gerichtsberichterstattung , Gesellschaftskritik , Orthodoxy , Feindbilder , Vatermord , Religionskritik , Moral
Freie Schlagwörter (Deutsch): Dostoevskijs Philosophie , Gesellschaftskritik , Soziale Ideale , Tätige Liebe
Freie Schlagwörter (Englisch): Dostoevsky´s Philosophy , Critique of Society , Social Ideals , Active Love
Basisklassifikation: 18.53
Institut: Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften
DDC-Sachgruppe: Slawische Sprachen
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Schmid, Wolf (Prof. Dr. Dr. h.c.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 12.04.2017
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum: 10.05.2017
Kurzfassung auf Deutsch: KURZFASSUNG DER ERGEBNISSE
In der Dissertation werden die Bezüge zwischen Dostoevskijs zeitlich aufeinanderfolgen- den Werken Tagebuch eines Schriftstellers (1873 bis Januar 1881) und Die Brüder Karamasov (1878 bis 1880) untersucht. Die Untersuchung folgt der These, dass sich der Autor beim Verfertigen des Romans Die Brüder Karamazov vielfach der Texte bediente, die er zuvor für das Tagebuch eines Schriftstellers verfasst hatte, und dass er im Roman dieselben Ideen und Überzeugungen vertritt wie im überwiegend journalistischen Tagebuch. Diese These von dem Werkstatt-Charakter des Tagebuchs steht im Widerspruch zu der in der Literatur häufig postulierten Trennung in einerseits den Publizisten und andererseits den Romanautor Dostoevskij, die auf Michail Bachtins Vorwort zu seinen Problemy poėtiki Dostoevskogo aus dem Jahr 1929 fußt.
Vor dem Beginn der Analyse soll ein kurzer Überblick im zweiten Kapitel zeigen, in welcher Weise sich die slavistische Literaturwissenschaft von den 1920er Jahren bis heute mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Im folgenden dritten Kapitel wird der Einsatz ausgewählter Stilmittel im Tagebuch und den Brüdern Karamazov miteinander verglichen. Dazu gehören die Polyphonie, die Doppelung von Charakteren, unterschiedliche Zeitkonzepte (wie die offene und die geschlossene Zeit) und die Mittel der Charakterisierung von Personen und Schauplätzen der Handlung.
Der enge Zusammenhang beider Werke wird im vierten Kapitel in der Analyse der direkten Übernahmen aus der Gerichtsberichterstattung im Tagebuch in die Brüder Karamasov deutlich. Zu den direkten Übernahmen gehören auch Dostoevskijs Kritik der russischen Gesellschaft seiner Zeit und sein orthodoxer Glaubenseifer. Im fünften Kapitel werden die indirekten Übernahmen analysiert, also Gedanken und Motive aus dem Tagebuch, die Dostoevskij in eine andere Form gebracht hat, um sie für den Roman zu verwenden. Hierzu zählen strukturelle Bausteine, Bausteine der Philosophie Dostoevskijs, seine Feindbilder und Bausteine der Handlung. Im Anschluss daran werden die drei großen Mythen im Tagebuch und den Brüdern Karamazov besprochen: Der Mythos des Vatermords, der Mythos Ivans mit seiner Religionskritik und der christliche Mythos.
Anhand der Vielzahl direkt und indirekt übernommener Motive wird im zentralen siebten Kapitel der Versuch unternommen, die Grundpositionen Dostoevskijs und ihre
Verdichtung im Roman zu definieren. Als Schlüsselbegriffe für Dostoevskijs Denken lassen sich hier vor allem die persönliche Moral (das „Demütige Dich“), die sozialen Ideale und die „tätige Liebe“ ausmachen. In einem Exkurs zu dem 1868/69 entstandenen Roman Der Idiot wird gezeigt, dass sich die politischen und religiösen Überzeugungen Dostoevskijs im Zeitablauf von 1868 bis 1881 nicht verändert haben.
Als wichtiges Ergebnis der Arbeit ist festzuhalten, dass sich die Charaktere der Brüder Karamasov als Verlebendigung der von Dostoevskij im Tagebuch vertretenen Reformideen und Überzeugungen verstehen. Eine willkürliche Trennung zwischen Dostoevskijs Arbeit als Publizist und als Romanautor erscheint deshalb nicht gerechtfertigt.
Kurzfassung auf Englisch: SHORT SUMMARY OF RESULTS
In this dissertation, the relationship between Dostoevsky’s A Writer’s Diary (1873 until January 1881) and the novel The Brothers Karamazov (1878 until 1880) is being exam- ined. The working hypothesis for this examination is that the Diary has served as an open workshop for the upcoming novel. This thesis contradicts the supposed separation of Dostoevsky’s work as a journalist on the one hand and a novelist on the other. Critics who favour this kind of separation often appeal to the preface to Mikhail Bakhtin’s 1929 Problems of Dostoevsky’s Art.
The second chapter functions as a short summary of the comparative analysis of the Diary and the Brothers Karamazov in literary science since the 1920s. Dostoevsky’s usage of selected stylistic devices in the Diary and the Brothers Karamazov is compared in the following, third chapter. These devices include polyphony, the doubling of characters, different concepts of time (such as open and closed time), and the methods of characterizing persons and locations.
The direct transfers from Dostoevsky’s reporting on judicial processes in the Diary to the Brothers Karamazov, which are given in the fourth chapter, make the close connection between the two works apparent. Dostoevsky’s critique of the Russian society of his time and his orthodox religious zeal are also amongst these direct transfers.
In the fifth chapter, the indirect transfers are being analysed. Indirect transfers are those, where Dostoevsky takes thoughts and motives from the Diary and modifies them for their appearance in the novel. Some examples are structural components, elements of Dostoevsky’s philosophy, his antagonistic picture of Jews, Poles, and the Catholic Church and building blocks of his plot. The next point of discussion are the three big myths in the Diary and The Brothers Karamazov: the myth of patricide, the myth of Ivan and his critique of religion, and the Christian myth.
With the help of the manifold of directly and indirectly transferred motives an attempt is made to define those of Dostoevsky’s basic principles that are commonly occurring in the novel. Amongst these are his personal moral code (the need for humility), his social ideals, and “active love”. In an excursion examining the political convictions of the author and the novelist as already laid down in the novel The Idiot (written in 1868/69), it is
argued that the political convictions of Dostoevsky have not changed between 1868 and 1881.
Summarizing, the characters in the Brothers Karamazov should be understood as manifestations of ideas that Dostoevsky put forward in the Diary. Because of that, the supposed separation between Dostoevsky’s work as a journalist and his work as a novelist is artificial and without substance.

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