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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-87650
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2017/8765/


„Alter“ ist kein Grund zu Sterben : Natürliche, nicht natürliche, potentiell nicht natürliche und ungeklärteTodesarten bei Probanden der LUCAS-Kohorte

"Age" is not a reason to die : Natural, non-natural, potentially non-natural and unexplained Deaths in subjects of the LUCAS cohort

Alexander-Schlichtkrull, Nadja Tatjana

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SWD-Schlagwörter: Alter , Sterben , Geriatrie , Altern , Patientenverfügung , Palliativmedizin
Freie Schlagwörter (Deutsch): guter Tod , Todesart , Sterbeprozess , LUCAS-Kohorte , Sterbeort
Freie Schlagwörter (Englisch): good Death , manner of Death , dying process , LUCAS cohort , place of death
Basisklassifikation: 44.68
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Renteln-Kruse, Wolfgang von (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 25.09.2017
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum: 01.11.2017
Kurzfassung auf Deutsch: Steigende Lebenserwartung und demographischer Wandel innerhalb der deutschen
Gesellschaft stellen insbesondere für das Gesundheitswesen Herausforderungen
dar. Altersforschung und Altersmedizin gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Nicht zuletzt aufgrund vielfältiger Möglichkeiten moderner Medizin tritt der Tod in zunehmend höherem Lebensalter ein. Dennoch bleibt die Lebensspanne begrenzt und der Wusch nach einem würdevollen, selbstbestimmten Tod rückt zunehmend in den Fokus öffentlicher Diskussionen.
Über die Lebensumstände älterer Menschen während ihrer letzten Lebensphase ist
ebenso wenig bekannt wie über die äußeren Umstände zum Zeitpunkt ihres Todes.
Das Dokument der Todesbescheinigung beinhaltet neben statistisch und rechtlich
relevanten Faktoren auch Hinweise auf Todesumstände und soziale Aspekte des
Sterbegeschehens und lässt somit Rückschlüsse auf die Qualität des Sterbens zu.
Die Analyse von n = 894 Todesbescheinigungen verstorbener Teilnehmerinnen und
Teilnehmer der Longitudinal Urban Cohort-Ageing-Studie (LUCAS) gibt Aufschluss
über diverse Teilaspekte des Sterbens älterer Menschen innerhalb einer urbanen
Kohorte.
Das durchschnittliche Lebensalter zum Zeitpunkt des Todes lag bei 82,6 Jahren (Minimum
62,5 Jahre/Maximum 102,7 Jahre; Standardabweichung 7,76). Mehr als die
Hälfte (52,9%) der Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer verstarben im
Krankenhaus und 18,1% (n = 162) im Pflegeheim. Am Häufigsten (84,34%) wurde in
den Todesbescheinigungen der Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer eine
natürliche Todesart (n = 754) angegeben.
Das höchste durchschnittliche Sterbealter (83,7 Jahre) fand sich in der Gruppe jener
verstorbenen Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer, bei denen keine Angabe
zur Todesart in der Todesbescheinigung vorgenommen worden war.
In der vorliegenden Arbeit wurden derartige Fälle aufgezeigt, die nach eingehender
Prüfung der Todesbescheinigung die Vermutung offen ließen, dass es sich, anders
als vom Leichenschauer attestiert, nicht um einen natürlichen Tod des Verstorbenen
gehandelt haben könnte. In 27,6 % (n = 208) der Fälle führten Zweifel an der als „natürlich“
klassifizierten Todesart zur Zuordnung derselben zur Kategorie „Todesart potenziell
ungeklärt“ (durchschnittliches Sterbealter 83,6 Jahre). Einhundertdreiundvierzig
(18,97 %) Fälle wurden der Kategorie „Todesart potenziell nicht natürlich“ (durchschnittliches Sterbealter 85,6 Jahre) zugeordnet, da den Todesbescheinigungen
Hinweise auf von außen beeinflusste Geschehen in Zusammenhang mit dem Todeseintritt
zu entnehmen waren.
Eine gründliche Leichenschau und eine objektive Beurteilung des Verstorbenen in
Zusammenhang mit sorgfältiger Dokumentation der Untersuchungsergebnisse sind
notwendig, um die Rechtssicherheit in Bezug auf das Aufdecken nicht natürlicher
Todesfälle und die Reliabilität von Todesursachenstatistiken zu gewährleisten. Das
Lebensalter des Verstorbenen scheint auf diese ärztliche Tätigkeit Einfluss zu nehmen
und Fehklassifikationen zu begünstigen.
Zur Beurteilung der Qualität des Todes wurde auf Grundlage der Kriterien Sterbeort,
anwesende Personen und lebensverlängernde Maßnahmen der Endpunkt „guter
Tod“ entwickelt. Lediglich in 11,4% (n = 102) sämtlicher Fälle wurden alle drei Kriterien
des „guten Todes“ erfüllt, und auf n = 226 (25,3%) sämtlicher Studienteilnehmer
traf keines der drei Kriterien zu. Der zentrale Wunsch nach einem Tod im eigenen
Zuhause wurde nur in n = 205 Fällen (22,9%) erfüllt.
Während sich Lebenserwartung, Lebensqualität und die Anzahl in Gesundheit verbrachter
Lebensjahre älterer Menschen in Deutschland zunehmend erhöhen beziehungsweise
verbessern, scheint die Qualität des Sterbens dieser Entwicklung nicht zu folgen. Die Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass es sowohl Forschungs- als auch Handlungsbedarf zur Verbesserung der Qualität des Sterbens in Deutschland gibt.
Kurzfassung auf Englisch: Rising life expectancy and demographic change in German society provide challenges for the health care system in particular. Gerontology and geriatric medicine are becoming increasingly important. The death arrives in a higher life age, not least due to various possibilities of modern medicine. Nevertheless, life span is limited and the desire for a dignified, self-determined death is increasingly becoming the focus of public discussions.
Little is known about the circumstances surrounding the time of death and living conditions of elderly people during their last stage of life. The death certificate document includes not only statistically and legally relevant factors and evidence of circumstances and social aspects of death but thus allows conclusions about the quality of dying.
The analysis of n = 894 death certificates of deceased participants of the Longitudinal Urban Cohort-Ageing-Study (LUCAS) provides information on various aspects of the death of elderly within an urban cohort. The average age at death was 82.6 years (62.5 years minimum/maximum 102.7 years; standard deviation 7.76). More than half (52.9%) of the study participants died in hospital and 18.1% (n = 162) in nursing homes. Most often (84.34%) a natural mode of death (n = 754) was certified in the death certificates of the study participants.
The highest average age of death (83.7 years) was found in the group of those study participants where the manner of death had not been specified within the death certificate.
In the present study, such cases have been identified where there is, after a thorough
examination of the death certificate and contrary to what the coroner attests, the suspect
left open that it could not have been a natural death of the deceased. In 27.6%
(n = 208) of the cases doubts about the "natural" form of death classified led to assigning the same to the category "mode of death potentially unclear" (average age at
death 83.6 years). 143 (18.97%) cases were assigned to the category "mode of death potentially not natural" (average age at death 85.6 years) because there had been evidence of influence from outside events in connection with the occurrence of death within the death certificates.
A thorough inquest and an objective assessment of the deceased in combination with
a careful documentation of the test results are necessary to ensure legal certainty
with respect to the identification of non-natural deaths and the reliability of cause of
death statistics. The age of the deceased seems to have influence on this medical
procedure and to favor inaccurate classifications of the manner of death.
To assess the quality of death the endpoint "good death" was developed based on
the criteria of place of death, persons present and life-prolonging measures. All the
three criteria of a "good death" were fulfilled only in 11.4% (n = 102) of all cases, and
n = 226 (25.3%) of all study participants met none of the three criteria. The central
desire for a death in one’s own home has been fulfilled only in n = 205 cases (22.9%).
While life expectancy, quality of life and the number of years spent in good health of
older people in Germany increasingly enhance or improve the quality of dying does
not seem to follow this development. The results suggest that there are both need for
research and for action to improve the quality of dying in Germany.

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