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Hamburg, Carl von Ossietzky

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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-87834
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2017/8783/


Wie beeinflussen Körperbeschwerden und das Vorliegen einer somatoformen Störung die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen durch Hausarztpatienten?

Moldt, Lydia Corina Olivia

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Somatoforme Störung , Hausarzt , Primärversorgung , Körperbeschwerden
Basisklassifikation: 44.62 , 44.91
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Löwe, Bernd (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 27.09.2017
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum: 06.11.2017
Kurzfassung auf Deutsch: Die adäquate Versorgung von Menschen mit einer somatoformen Störung stellt die Beteiligten noch immer vor zahlreiche, gravierende Probleme. Ziel der vorliegenden Studie ist es, Einblicke in die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen durch Hausarztpatienten mit einer somatoformen Störung zu gewinnen. An der Querschnittstudie im Rahmen des Gesundheitsnetzes für somatoforme Störungen (= Sofu-Net) nahmen im Laufe von 19 Monaten 3401 Hausarztpatienten aus Hamburg teil. Sie wurden auf Körperbeschwerden (PHQ-15), Angst (GAD-7) und Depression (PHQ-9) gescreent und hinsichtlich des Inanspruchnahmeverhaltens von Gesundheitsleistungen sowie soziodemographischer Gesichtspunkte befragt. Patienten mit einer erhöhten Symptombelastung durch vermehrte Körperbeschwerden wurden per CIDI-Diagnostik auf eine somatoforme Störung untersucht. Die Untersuchungen fanden an drei Gruppen statt: Hausarztpatienten mit somatoformer Störung (n = 193), Hausarztpatienten ohne somatoforme Störung (n = 3208) und einer Teilmenge der Hausarztpatienten ohne somatoforme Störung, den Hausarztpatienten mit ausschließlich vermehrten Körperbeschwerden (n = 94 von 3208). Die Gruppe mit einer somatoformen Störung hatte den niedrigsten Altersdurchschnitt (46 Jahre), den höchsten Frauenanteil (81%) und die stärkste Symptombelastung durch Körperbeschwerden sowie depressive und ängstliche Symptome. Die Hausarztpatienten mit einer somatoformen Störung oder vermehrten Körperbeschwerden nahmen signifikant häufiger Schmerzmedikamente sowie Medikamente gegen Stress, Angst und Depression ein, gingen signifikant häufiger zum Hausarzt und sprachen mehr mit ihm über private Probleme und psychische Belastungen als solche ohne somatoforme Störung. Außerdem waren zum Zeitpunkt der Untersuchung mehr von ihnen in psychotherapeutischer Behandlung. Die Gruppen mit somatoformer Störung oder vermehrten Körperbeschwerden aber ohne somatoforme Störung unterschieden sich in den oben genannten Aspekten des Inanspruchnahmeverhaltens nicht. Des Weiteren gab es keine Unterschiede in der Häufigkeit der Krankenhausaufenthalte und dem Bezug einer Rente. Die Hausarztpatienten mit einer somatoformen Störung nahmen jedoch signifikant mehr verschiedene Medikamente ein, benötigten ein größeres Ausmaß an sozialer Unterstützung und gingen zu mehr niedergelassenen Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen als diejenigen mit ausschließlich vermehrten Körperbeschwerden. Die Aussagekraft der Ergebnisse zur Auswirkung der Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes auf das Inanspruchnahmeverhalten ist begrenzt. Es zeigte sich aber die Tendenz, dass eine niedrigere Einschätzung mit einer stärkeren Inanspruchnahme vor allem von stationärer Versorgung und ambulanten Arztkontakten einher ging. Die aktuelle Studienlage weist in die gleiche Richtung wie die Ergebnisse der vorliegenden Studie. Die Bedeutung und Auswirkungen einer erhöhten Symptombelastung durch vermehrte Körperbeschwerden werden aber bislang in der Forschung wenig beachtet. Um die Bedeutung der vermehrten Körperbeschwerden besser berücksichtigen zu können, wäre eine Studie optimal, die Hausarztpatienten mit somatoformer Störung, mit vermehrten Körperbeschwerden und solche, die keines dieser Merkmale zeigen, über einen längeren Zeitraum untersucht. Dabei könnten Schlussfolgerungen über die Entwicklung und die Zusammenhänge von Körperbeschwerden und somatoformen Störungen in Bezug auf das spezifische Inanspruchnahmeverhalten der jeweiligen Patienten gewonnen werden. Aus der vorliegenden Studie ergibt sich die zentrale Implikation, dass im Rahmen der Untersuchung und Behandlung von somatoformen Störungen die erhöhte Symptombelastung durch vermehrte Körperbeschwerden beachtet werden muss, selbst dann, wenn zum Untersuchungszeitpunkt die Diagnosekriterien für eine somatoforme Störung (noch) nicht erfüllt werden. Gerade im ambulanten Bereich wurden viele Gesundheitsleistungen von den Betroffenen in Anspruch genommen, die letzten Endes vermutlich nicht zielführend waren und eine vermeidbare Belastung für alle Beteiligten darstellten. Durch gezieltes Screening in Hausarztpraxen könnte man Risikopatienten frühzeitig entdecken und sie dabei unterstützen, frühzeitig die passenden Behandlungsangebote zu finden. Ein guter Ansatz könnten dabei bereits das in der vorliegenden Studie beobachtete vermehrte Kontaktieren des Hausarztes und die intensivere Kommunikation mit ihm sein. Durch dieses gezieltere Inanspruchnahmeverhalten können die Patienten, die Behandler und das Gesundheitssystem langfristig entlastet werden.

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