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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-88955
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2018/8895/


The 'Internal Opposition' Effect of International Sanctions : Insights from Burundi, Zimbabwe and a Qualitative Comparative Analysis of Sub-Saharan Africa

Grauvogel, Julia

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SWD-Schlagwörter: Sanktion , Burundi , Simbabwe , Afrika , Opposition
Freie Schlagwörter (Englisch): sanctions , opposition , Burundi , Zimbabwe , Sub-Saharan Africa
Basisklassifikation: 89.70 , 89.94 , 89.76 , 89.62 , 89.36 , 89.41
Institut: Sozialwissenschaften
DDC-Sachgruppe: Politik
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Brzoska, Michael (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 18.01.2017
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum: 08.01.2018
Kurzfassung auf Englisch: External sanctions are one of the most commonly used foreign policy tools to confront states’ undesired behavior and to support democracy as well as human rights. The literature has recurrently identified the impact of sanctions on domestic opposition movements as crucial for such measures’ effectiveness. Yet, sanctions research still lacks a detailed understanding of the processes leading to the so-called internal opposition effect of international sanctions. Accordingly, this dissertation examines how and under which conditions domestic opposition is enabled by external sanctions.

To address this question, a theoretical framework that integrates insights from two strands of literature that have not been systematically brought together thus far, sanctions research and social movement theory, is developed. In addition to traditional deprivation-based and political opportunity approaches for studying domestic contestation, it highlights how sanctions’ signals of regime disapproval and opposition support create perceived opportunities for the voicing of dissent, particularly if communicative linkages between the sanctions senders and the targeted states’ societies exist. In contrast to earlier studies, the hypotheses delineate the interplay of these explanatory approaches instead of understanding them as competitive.

Empirically, the dissertation employs a multi-method research design that integrates fuzzy set Qualitative Comparative Analysis (fsQCA), process tracing and structured, focused comparison in an epistemologically coherent way. First, an fsQCA is conducted on the basis of a comprehensive database that covers all 75 EU, US, UN and regional sanctions regimes imposed on Sub-Saharan African countries between 1990 and 2012. Four combinations of conditions that lead to an increase in anti-government activity in regimes under sanctions are identified. In addition to confirming previous knowledge about the importance of deprivation, linkage, and a minimum degree of political openness for anti-regime mobilization, a novel mechanism highlighting the interplay of sanctions’ socio-economic consequences and signals is identified. The analysis passes five fundamental robustness checks.

Second, two process-tracing analyses serve to reconstruct the causal mechanisms behind the novel configuration, which inter alia explains the trajectory of the opposition movements in Burundi and Zimbabwe according to the fsQCA. The case studies are based on a total of 79 elite interviews conducted during field research in both countries and additional document analyses. The case of Burundi confirms that signals of regime disapproval encourage anti-regime actors domestically. However, sanctions failed to instigate popular mobilization through the creation of socio-economic hardship because regime-critical forces lacked organizational capacities and key constituencies were shielded from the embargo’s adverse financial consequences. The Zimbabwe case study also shows that the sanctions’ signals of support for protestors and the major opposition party MDC motivated regime-critical actors. As regards the deprivation-based explanation, how the opposition framed the sanctions’ socio- economic repercussions rather than their ‘tangible’ effects appear to be the crucial mechanism.

Third, the two case studies are contrasted through a structured, focused comparison, which demonstrates how the power-sharing agreements signed both in Zimbabwe and Burundi affected the sanctions’ signaling dimension. Most importantly, power-sharing agreements (re- )legitimize the incumbent regime and thereby undermined the signals of regime disapproval conveyed by sanctions. Moreover, sanctions succeeded in encouraging the broader population in Zimbabwe, where strong societal ties to the sanctions senders exist, whereas the message of regime disapproval and opposition support only reached the well-connected political elite in Burundi.

The dissertation concludes by critically reflecting its limits and the findings’ generalizability. Finally, policy implications are sketched. To convey coherent signals, coordination among sanctions senders as well as between different foreign policy instruments and monitoring the domestic sanctions discourse within the targeted regime are of key importance.


Kurzfassung auf Deutsch: Externe Sanktionen sind eines der am häufigsten verwendeten außenpolitischen Instrumente, um auf unerwünschtes Verhalten anderer Staaten zu reagieren und Demokratie sowie Menschenrechte zu fördern. Die Sanktionsliteratur hat die Auswirkungen von Sanktionen auf innerstaatliche Oppositionsbewegungen wiederholt als entscheidend für die Wirksamkeit solcher Maßnahmen charakterisiert. Dennoch fehlt ein detailliertes Verständnis der Prozesse, die interne Oppositionsbewegungen in sanktionierten Staaten stärken. Dementsprechend untersucht die Dissertation, wie und unter welchen Bedingungen internationale Sanktionen internen Oppositionsbewegungen Handlungsspielräume eröffnen.

Um diese Frage zu beantworten wird ein theoretisches Framework entwickelt, das systematisch Erkenntnisse der bisher überwiegend voneinander isolierten Forschung zu Sanktionen und zu sozialen Bewegungen verbindet. Neben den traditionellen Erklärungsansätzen, welche die Bedeutung von sozioökonomischer Deprivation und politischen Möglichkeitsstrukturen betonen, wird herausgearbeitet, wie Sanktionssignale wahrgenommene Möglichkeiten für regimekritische Akteure schaffen, vor allem wenn kommunikative Verflechtungen (Linkage) zwischen den Sanktionssendern und der Gesellschaft der Sanktionsziele bestehen. Im Gegensatz zu früheren Studien unterstreichen die Hypothesen das Zusammenspiel dieser verschiedenen Erklärungsfaktoren anstatt sie als konkurrierend zu verstehen.
Empirisch wird ein Multimethodenansatz angewandt, der Processtracing, qualitativ- vergleichende Analyse (fuzzy-set Qualitative Comparative Analysis, fsQCA) und die Methode des strukturiert-fokussierenden Vergleichs in epistemologisch kohärenter Weise kombiniert. Als Erstes wird eine fsQCA-Analyse durchgeführt auf der Grundlage eines Datensatzes, der alle 75 seitens der EU, US, UN und Regionalorganisationen zwischen 1990 und 2012 gegen Länder in Subsahara-Afrika verhängten Sanktionsregimen umfasst. Die fsQCA identifiziert vier Kombinationen von Bedingungen, die zu einem Anstieg regimekritischer Aktivitäten in sanktionierten Regimen führen. Diese bestätigen die bisherige Forschung zur Bedeutung von Linkage, einem Mindestmaß an politischer Offenheit und Deprivation für die Mobilisierung von Dissens. Außerdem wird ein neuer Mechanismus identifiziert, der auf dem Zusammenspiel von sozioökonomischer Deprivation und Sanktionssignalen beruht. Die Robustheit der Analyse wird durch fünf Tests validiert.

In einem zweiten Schritt werden die kausalen Mechanismen hinter der für die Fallstudien Burundi und Simbabwe entscheidenden Konfiguration, die ein Zusammenspiel von Deprivation und Sanktionssignalen postuliert, mithilfe der Processtracing-Methode nachgezeichnet. Die Analyse basiert auf Eliteninterviews, die während der Feldforschung in beiden Ländern geführt wurden, und zusätzlicher Dokumentenanalyse. Der Fall Burundi bestätigt, dass regimekritische Sanktionssignale die Opposition stärken. Die sozioökonomischen Folgen des Embargos führten jedoch nicht zu Massenprotesten, da regimekritische Kräfte nicht über ausreichende organisatorische Kapazitäten zur Mobilisierung verfügten und es der Regierung außerdem gelang, entscheidende Unterstützergruppen vor den negativen Folgen der Sanktionen zu schützen. Die Simbabwe-Fallstudie bestätigt, dass Sanktionen, die Unterstützung für Demonstranten und die Oppositionspartei MDC signalisierten, regimekritische Akteure stärkten. Hinsichtlich des Deprivationsmechanismus scheint jedoch der Diskurs über die (vermeintlichen) Sanktionsfolgen entscheidend zu sein und nicht deren „greifbare“ Auswirkungen.

Drittens werden die beiden Fallstudien auf der Grundlage eines strukturiert-fokussierenden Vergleichs kontrastiert. Dieser zeigt, wie Machtteilungsabkommen in beiden Ländern die Signalwirkung der Sanktionen unterminierten. Solche Abkommen legitimieren das herrschende Regime und konterkarierten so die durch Sanktionen gesendeten Signale der Missbilligung. Außerdem zeigt der Vergleich, dass die Sanktionssignale nur in Simbabwe die breitere Bevölkerung erreichten, da enge soziale Bedingungen und Kommunikationskanäle zu den Sanktionssendern existierten, während in Burundi lediglich die gut vernetzte politische Elite erreicht wurde.

Die Zusammenfassung reflektiert Grenzen der Forschungserkenntnisse und die Generalisierbarkeit der Ergebnisse kritisch. Abschließend werden Politikempfehlungen skizziert. Um kohärente Sanktionssignale zu senden, sind die Koordination verschiedener Sanktionssender, die Abstimmung zwischen verschiedenen Politikinstrumenten sowie ein genaues Monitoring der Sanktionsdebatte im Zielland entscheidend.

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