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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-89864
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2018/8986/


Sehen oder Gesehenwerden? Narziss in der pompejanischen Wandmalerei

Prehn, Winfried

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Narziss , Pompeji , Ikonographie , Gender Studies , Klassische Archäologie , Römische Wandmalerei , Kunsttheorie
Basisklassifikation: 15.17
Institut: Kulturgeschichte und Kulturkunde
DDC-Sachgruppe: Malerei
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Fehr, Burkhard (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 12.11.2015
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum: 13.02.2018
Kurzfassung auf Deutsch: Winfried Prehn
Sehen oder Gesehenwerden? Narziss in der pompejanischen Wandmalerei
Zusammenfassung

Nicht nur Texte, auch Bilder erzählen Geschichten. Aber sie erzählen sie manchmal anders. Im Gegensatz zur literarischen Überlieferung des Narzissmythos zeigen die pompejanischen Bilder ein erstaunlich geringes Interesse an der Spiegelung und am Spiegelbild. An den Wänden der Vesuvstädte ist Narziss in einer Körperhaltung wiedergegeben, die nicht auf sein Abbild im Wasser, sondern auf den Betrachter vor dem Bild bezogen ist. Die römischen Maler haben sich gegen ein Haltungsschema entschieden, in dem sich Narziss über die Quelle beugt, um sein Spiegelbild zu betrachten. Stattdessen verwendeten sie Figurentypen mit aufgerichtetem Oberkörper, die seine körperlichen Vorzüge möglichst vorteilhaft zur Geltung bringen. Die Maler und ihre Auftraggeber haben nicht das Sehen, sondern das Gesehenwerden in den Mittelpunkt gestellt.

In immer neuen Variationen wird die Schönheit des Narziss, seine sexuelle Attraktivität vor Augen geführt. Seine helle Körperfarbe, das sorgfältig frisierte Haar, Schmuck und bunte, teils durchscheinende Stoffe sowie seine Körperproportionen legen Narziss auf ein Schönheitsideal fest, das sich am Auftreten und den Darstellungskonventionen von Frauen orientiert. Als Instrument weiblicher Schönheitspflege fügt sich der Spiegel des Narziss nahtlos in diesen Zusammenhang ein. Narziss verhält sich so, wie es von einer römischen Frau erwartet wird: Er inszeniert sich als Objekt für den männlichen Blick.

Bedingt ist diese Akzentuierung des Narzissmythos in den pompejanischen Bildern durch die römische Institution der Päderastie, der Liebe zu unfreien Jungen vor Erreichen ihrer Pubertät. Zugrunde liegt eine Geschlechterdifferenzierung, die sich nicht am biologischen Geschlecht (sex), sondern an den sozial konstruierten Geschlechterrollen (gender) orientiert. Definiert wird das männliche bzw. weibliche Geschlecht durch die Gegensatzpaare von Herrschaft und Unterlegenheit, Freiheit und Unfreiheit, Aktivität und Passivität. Nach dieser Einteilung nahmen die pueri dieselbe Rolle wie Frauen ein, denen sie deshalb in ihrer äußeren Erscheinung angeglichen sind. Nicht die Treue gegenüber den literarischen Vorbildern, sondern der Anschluss an soziale Normen und Wertvorstellungen ihrer Entstehungszeit hat die bildliche Gestaltung des Narzissthemas bestimmt.

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