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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-90631
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2018/9063/


Intrusionen im episodischen Gedächtnis - Rekonsolidierung oder Interferenz?

Intrusions in episodic memory - reconsolidation or interference?

Klingmüller, Angela Johanna Elisabeth

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SWD-Schlagwörter: Gedächtnis , Episodisches Gedächtnis , Lernen
Freie Schlagwörter (Deutsch): Gedächtniskonsolidierung , Gedächtnisrekonsolidierung
Freie Schlagwörter (Englisch): memory , episodic memory , learning , memory consolidation , memory reconsolidation
Basisklassifikation: 44.99
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Bingel, Ulrike (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 11.12.2017
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum: 26.03.2018
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Reihe von Experimenten diente einerseits der Replizierung eines behavioralen Gedächtnisexperiments, dessen Ergebnisse als Beweis für Rekonsolidierung im episodischen Gedächtnis beim Menschen gewertet wurden, und andererseits der weiteren Spezifizierung der Voraussetzungen für das Auftreten von Intrusionen (Hupbach et al. 2007; Hupbach et al. 2008).
Unter den in den Originalarbeiten angewandten Bedingungen gelang es nicht, Intrusionen beim multiplem Listenlernen nachzuweisen. Erst unter erschwerten Versuchsbedingungen, d.h. bei einer Reduktion der Lerndurchgänge und mehr Objekten, ließen sich Intrusionen nachweisen. Auch traten Intrusionen nur dann auf, wenn der Versuch in einem abgelegenen Kellerraum stattfand, sodass das Vorhandensein eines ungewöhnlichen Kontextes als kritische Bedingung für das Auftreten von Intrusionen festgehalten werden kann (Hupbach et al. 2007; Hupbach et al. 2008).
Explizites Aufzählen der Liste 1-Objekte vor dem Lernen der zweiten Liste minderte hingegen die Zahl an Intrusionen und verbesserte die originale Erinnerung.
Im weiteren Verlauf wurden mit verschiedenen Manipulationen zwei Modelle der Interferenztheorie als alternative Ursachen für das Auftreten von Intrusionen beleuchtet: Die Erhöhung der Intrusionsrate und der Zahl der Teilnehmer, die Intrusionen produzierten, in der Gruppe mit dem verlängerten Retentionsintervall sprechen gegen die Rekonsolidierungs- und für die Interferenztheorie. Auch die Ergebnisse von Experiment 4, in welchem eine bloße Reaktivierung der Liste 1 ohne das Einbringen einer Liste 2 die Liste 1-Erinnerung nicht verbesserte, sprechen gegen die Rekonsolidierungtheorie.
Die Minderung der originalen Erinnerung durch das Einbringen einer neuen Liste wurde im Paradigma von Hupbach et al. (2007) nicht als Indiz für die Rekonsolidierung gewertet, imponierte hier jedoch in sämtlichen experimentellen Manipulationen. Auch dies ist durch die Interferenzmodelle gut erklärbar.
Es kann festgehalten werden, dass die Ergebnisse von Hupbach et al. (2007) nicht eindeutig als Hinweise für die Rekonsolidierung betrachtet werden können. Alternative Erklärungen, die auf die Notwendigkeit der in der Rekonsolidierungstheorie angenommenen biologischen Prozesse verzichten können und gleichermaßen plausibel sind, finden sich im TCM und der Theorie des zustandsabhängigen Lernens. Im weiteren Verlauf sollten die unterschiedlichen zugrundeliegenden Mechanismen, also die Rekonsolidierung der modifizierten originalen Gedächtnisspur, oder aber die Interferenz, die sich auf das Abrufen der Inhalte bezieht, weiter voneinander abgegrenzt werden. Es ist nach wie vor kritisch zu überdenken, ob das Konzept der Rekonsolidierung auf das episodische Gedächtnis beim Menschen übertragen werden kann.
Kurzfassung auf Englisch: This study was meant to replicate results of a behavioral experiment that have been interpreted as prove for reconsolidation in episodic memory in humans. Also, preconditions for the production of intrusions should be pointed out (Hupbach et al. 2007; Hupbach et al. 2008).
Using the conditions from the original articles the finding of intrusions could not be reproduced. Intrusions occured when participants had less learning trials to study more objects in total. Also, intrusions were only found if the experiment took place in a very unusual room in the basement of the institute, proving that an unfamiliar context is a precondition for the production of intrusions (Hupbach et al. 2007; Hupbach et al. 2008).
Explicit recall of list 1-objects prior to learning of the new list 2 decreased the number of intrusions and strengthened list 1-memory.
Further manipulations were used to examine if interference theory can also account for the production of intrusions: an increase of the intrusion rate and the number of people who produced intrusions in general in the Longer Retention group argue for interference theory more than reconsolidation theory. In experiment 4 the simple reactivation of the list 1-memory without learning a list 2 did not lead to a better list 1- memory, which also speaks in favour of the interference theory.
A decrease in remembered list-1 objects if a list 2 was learned in general had not been interpretated as prove for reconsolidation in Hupbach’s article, but was seen in all experimental manipulations in this study. This can be explained also by interference theory (Hupbach et al. 2007).
To sum it up, the results of Hupbach et al. (2007) can not completely be regarded as prove for reconsolidation. Alternative theories can also explain the occurance of intrusions and do not rely on additional biological processes like reconsolidation theory does. Especially the temporal context model and state dependent learning theory can explain the production of intrusions. These two models should be investigated more in the near future. Transferring the concept of reconsolidation onto human episodic memory should be carefully reconsidered.

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