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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-91341
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2018/9134/


Sexualität und Kinderwunsch bei Frauen mit Fertilitätsstörungen

Sexuality and the Wish for a Child in Women with Fertility Disorders

Fliegner, Maike

Originalveröffentlichung: (2017) DOI: 10.1111/jsm.12321 DOI:10.4236/ojmp.2014.33023 DOI: 10.1055/s-0043-100758
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Freie Schlagwörter (Deutsch): CAIS , MRKHS , PCOS , Sexualität , Kinderwunsch , Mutterschaft
Freie Schlagwörter (Englisch): CAIS , MRKHS , PCOS , sexuality , wish for a child , motherhood
Basisklassifikation: 77.70
Institut: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Richter-Appelt, Hertha (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 20.03.2018
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum: 17.05.2018
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit untersucht die sexuelle Lebensqualität und Einstellungen zur Mutterschaft bei Personen, bei denen unterschiedliche Formen von Fertilitätsstörungen vorliegen. Die Fertilität des Menschen kann durch vielerlei Faktoren beeinträchtigt sein – die Dissertation beschäftigt sich mit Personen, bei denen aufgrund von Varianten der Geschlechtsentwicklung und / oder Störungen des Hormongeschehens Einschränkungen der Fruchtbarkeit vorliegen. Sie schließt drei diagnostische Gruppen ein: Personen mit kompletter Androgeninsensitivität (CAIS: engl. complete androgen insensitivity syndrome), Frauen mit Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom (MRKHS) und Frauen mit Polyzystischem Ovarsyndrom (PCOS).
Während die erste Gruppe (CAIS) einen 46,XY-Chromosomensatz aufweist, besitzen die beiden anderen Gruppen den typisch weiblichen Chromosomensatz 46,XX. Weiterhin lassen sich die Gruppen bzgl. ihres Hormonstatus unterscheiden: Personen mit CAIS zeigen aufgrund eines Gendefekts keinerlei Androgenwirkung. Bei einem sog. männlichen 46,XY-Chromosomensatz, entwickelt sich ein weitestgehend unauffälliges weibliches Äußeres. Bei Frauen mit MRKHS zeigt sich ein regulärer Hormonstatus, sie sind jedoch aufgrund angeborener Fehlbildungen der Geschlechtsorgane unfruchtbar. Das PCO-Syndrom beschreibt ein Krankheitsbild, bei dem u.a. ein Übermaß an männlichen Hormonen bei den Frauen festgestellt wird, was zu Störungen der Fruchtbarkeit führt.
Die o.g. Syndrome haben gemein, dass die Diagnosestellung bei vielen Betroffenen zu Verunsicherung führt: Die Einschränkung der Fruchtbarkeit und die körperlichen Besonderheiten sind assoziiert mit einer Erschütterung des Selbstverständnisses als Frau, als potenzielle Mutter und als vollwertige Sexual-Partnerin. Die Lebensqualität, das Selbsterleben und die psychische Verfassung können folglich beeinträchtigt sein.
Mit dem Vergleich dieser Gruppen wird jeweils die sexuelle Lebensqualität evaluiert und es werden detaillierte Informationen zum Umgang mit dem Thema Kinderwunsch und Einstellungen zur Mutterschaft sowie die allgemeine psychische Belastung erfasst. Bisher ist bei den Diagnose-Gruppen noch wenig über die genannten Themen bekannt bzw. den direkten Vergleich der Diagnose-Gruppen lässt die Forschungsliteratur nach Wissen der Autorin bisher vermissen.
Die in der Dissertation enthaltenen Publikationen wurden im Rahmen des Forschungsprojektes „Androgene, Lebensqualität und Weiblichkeit“ angefertigt. Die Untersuchungen zeigten, dass die Betroffenen aller drei Gruppen unter einer verminderten sexuellen Lebensqualität leiden, dass ihr sexueller Selbstwert vermindert ist und sie starke Unsicherheit in sozio-sexuellen Situationen empfinden. In Bezug auf Einstellungen zur Mutterschaft wurde bei den Personen mit CAIS eine indifferente Haltung, bei MRKHS eine ambivalente Haltung und bei PCOS eine idealisierende Haltung festgestellt. Ein Interesse an Elternschaft ist in der Literatur bei allen drei Gruppen belegt, die Ergebnisse werden in Zusammenhang mit verschiedenen Lebensphasen und Unterschieden im Coping gebracht. Aktuell werden neue reproduktionsmedizinische Maßnahmen entwickelt, die die Einstellungen zur Mutterschaft bei CAIS und MRKHS in Zukunft maßgeblich beeinflussen könnten. Die psychische Belastung, insbesondere die Depressionsraten, waren bei CAIS, MRKHS und PCOS erheblich erhöht.
Die Untersuchungsergebnisse unterstützen den Ansatz, dass ein interdisziplinäres Vorgehen in der Forschung notwendig ist, um der Komplexität der Problematik gerecht zu werden. Dies schließt die Betrachtung somato-medizinischer, psychologischer, sexualwissenschaftlicher und psychotherapeutischer sowie ethischer und sozialpolitischer Aspekte mit ein. Für die optimale Versorgung von Betroffenen sollten Angebote vernetzt werden und leicht zugänglich sein. Insbesondere die Erweiterung medizinischer Maßnahmen um psychologisch-psychotherapeutische Angebote erscheint von großer Bedeutung für positive Entwicklungsverläufe.


Kurzfassung auf Englisch: The following work assesses the sexual quality of life and attitudes toward motherhood in individuals who present with different kinds of fertility disorders. Human fertility can be disturbed by many factors – this dissertation focuses on individuals who suffer from impaired fertility due to variants of sex development and / or disturbances of the hormonal situation. Three diagnostic groups are included in the study: Individuals with Complete Androgen Insensitivity Syndrome (CAIS), women with Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrome (MRKHS) and women with Polycystic Ovary Syndrome (PCOS).
While the first group (CAIS) presents with a 46,XY-karyotype, the other two have the typically female karyotype of 46,XX. Furthermore, the groups can be differentiated according to their hormonal status: In individuals with CAIS no androgen action is seen due to a genetic defect. In spite of a so-called male 46,XY-karyotype they develop an inconspicuous female appearance. Women with MRKHS present with a regular hormonal status but they are infertile because of congenital malformations of the inner genitalia. PCOS describes a condition that is characterized by an excess of male hormones which leads to fertility problems.
The aforementioned syndromes all have in common that they can cause insecurity in affected individuals: Impaired fertility and bodily divergencies are often associated with a disruption of the self-image as a woman, potential mother and full-scale sexual partner. Quality of life, self-image and self-esteem, and mental health can thus be impaired.
The comparison of these three groups allows the assessment of their sexual quality of life, respectively. Detailed information is gathered about the coping with the wish for a child and attitudes toward motherhood as well as psychological distress. To the author’s knowledge little is known about these issues in these diagnostic groups and a direct comparison of them has not been conducted so far.
The publications included in this dissertation were conducted within the scope of the research project “Androgens, quality of life and femininity”. The study revealed that individuals of all three groups show an impaired sexual quality of life, that their sexual self-esteem is diminished and that they have to put up with severe insecurity in socio-sexual situations.
Regarding attitudes toward motherhood individuals with CAIS showed an indifferent, women with MRKHS an ambivalent and women with PCOS an idealizing attitude. An interest in parenting is well-documented in the literature for all groups, the results of this study could be explained by differences in life stages and coping. Currently, new interventions are being developed in the field of reproductive medicine which might have a strong impact on the attitudes toward motherhood in the future, especially in CAIS and MRKHS. The psychological distress, particularly depression, was highly elevated in CAIS, MRKHS and PCOS.
The results support the notion that an interdisciplinary research approach is necessary to meet the complexity of the issues. This includes the consideration of a wide range of somato-medical, psychological, sexological, psychotherapeutic as well as ethical and political aspects. For optimal care treatment options should be interlinked and easily accessible. Notably, medical interventions should be amended by psychological / psychotherapeutic care to foster positive long-term outcomes.

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