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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-91375
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2018/9137/


Alfred Mahlau (1894-1967) - Maler, Grafiker und Dozent

Beuster, Kirsten

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SWD-Schlagwörter: Grafik , Malerei , Dozent
Freie Schlagwörter (Deutsch): Hamburg , Lübeck , Hochschule für bildende Künste in Hamburg
Basisklassifikation: 21.30
Institut: Philosophie und Geschichtswissenschaft
DDC-Sachgruppe: Künste, Bildende Kunst allgemein
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Kopitzsch, Franklin (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.09.2017
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum: 24.05.2018
Kurzfassung auf Deutsch: Alfred Mahlau (1894-1967) - Maler, Grafiker und Dozent

Der erfolgreiche Künstler und Dozent Alfred Mahlau zeichnete sich durch seine Vielfalt in
der Freien und Angewandten Kunst und seine langjährige Lehrtätigkeit an der Hamburger
Hochschule für Bildende Künste aus. Er wurde am 21.6.1894 in Berlin geboren und
beendete im Jahre 1919 seine Ausbildung als Zeichenlehrer für Höhere Schulen. Als ein
historischer Zeitzeuge erlebte Alfred Mahlau das wechselhafte 20.Jahrhundert mit dem
Ende der Kaiserzeit, den beiden Weltkriegen, als russischer Kriegsgefangener und den
Nachkriegsjahren in Hamburg. Die Gründungsjahre der Bundesrepublik Deutschland erfuhr er als Dozent an der Hamburger Landeskunstschule. Seine traumatischen Kriegserlebnisse verdrängte er und zählte damit zur sogenannten „schweigsamen Generation“.
Bereits im Jahre 1919 arbeitete Alfred Mahlau als „Freier Künstler“. Ein Plakatentwurf für
die „Nordische Woche“ im Jahre 1921 offenbarte seine Begabung in der Angewandten
Kunst. Zunächst noch widerstrebend, nahm er sein grafisches Talent an und gestaltete als Gebrauchsgrafiker in den folgenden Jahrzehnten ästhetische, werbewirksame Entwürfe auf den unterschiedlichsten Gegenständen und Materialien. Seine Erfolge als Werbegrafiker, Textil-, Produkt- und Industriedesigner, dehnte er auf die Innenarchitektur und die Bühnenbildnerei aus. Zahlreiche zeitlose „corporate designs“ für Unternehmen - unter anderem für die Schwartauer Marmeladenfabrik oder JGN-Niederegger ab 1924 - zeugen bis heute von seiner Arbeit. Der Künstler war ein Pionier, der seit den 20er Jahren die Ideale des Deutschen Werkbundes in seiner angewandten Kunst aufnahm und die neuentdeckten technischen Möglichkeiten in vielfältiger Weise - sogar für den Film - nutzbringend einsetzte.
Alfred Mahlaus Freie Kunst zeichnete sich durch kleinformatige, realistisch-idealisierten
Reise- und Landschaftsdarstellungen seiner „Weiten Welt“ und detailreichen
Stillleben seiner „Nahen Welt“ aus. Als Wander- und Reisemaler entwickelte er
schon in den 20er Jahren seine Technik der lavierten Federzeichnung. Mit seinen
Motiven strebte eine intuitive, „in situ“ festgehaltene Momentaufnahme seiner
aquarellierten Szenen an; die Linie dienten ihm als strukturierendes Element. Bis an
sein Lebensende hielt der Sezessionist kompromisslos an dieser Technik fest, die er
für „bewährt“ und zeitlos erachtete. Er strebte eine ästhetische Perfektionierung seines
Zeichenstils an. Ungeachtet seiner Erfolge blieben dem bescheidenen, zurückhaltenden
Künstler avantgardistische Charakterzüge und eine Kunst als Selbstzweck fremd. Von dem Einfluss moderner Kunstrichtungen, dem wechselhaften eigenen Schicksal und dem seiner Epoche, hielt der Künstler sich möglichst fern.
Es ist kein Zufall, dass sich Alfred Mahlaus romantisch-idealisierten Landschaftszeichnungen und seine neosachliche Gebrauchsgrafik in das Ideal der „Neue Deutsche Kunst“ einfügten. In 624 der NS-Epoche wurde er in die „Gottbegnadetenliste“ aufgenommen und vom Kriegesdienst befreit. In dieser Zeit schwankte der Künstler beständig zwischen den Ängsten um seine Familie - einer halbjüdischen Frau und einer behinderten Tochter - und seinem beruflichen Ehrgeiz. Während der letzten Kriegsmonate 1944/1945 erhielt er die Erlaubnis die zerstörte Hauptstadt Berlin „in situ“ zu zeichnen. Mit diesen Zeitdokumenten bewies er sein Talent als ein historischer Chronist, die Ruinenzeichnungen sind jedoch verschollen.
In den Nachkriegsjahren gelang es Alfred Mahlau mit seinem realistischen Zeichenstil
nicht, an die zeitgenössischen Strömungen in der Malerei anzuknüpfen. Seine Arbeiten
wurden zu „Nebenpfaden“, sie wirkten altmeisterlich und antimodern. Erst mit zeitlicher
Distanz wird sich zeigen, inwieweit seine Arbeiten dieser Zeitströmungen innerhalb in die
Kunstgeschichte eingeordnet werden können. Eine Revision der Auffassung in der Malerei kann nur von zukünftigen Generationen erfolgen.
Alfred Mahlaus übernahm nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft im Jahre
1946 als Dozent die Leitung einer Freien Grafikklasse an der Hamburger Landeskunstschule.
Hier gelang es ihm seine pädagogische Begabung mit seiner Freien und Angewandten Kunst zu verknüpfen. Sein praxisnaher Unterricht ebnete mittels Naturstudien und öffentlichen Aufträgen einer ganzen Generation junger Künstler den Weg in die gebrauchsgraphische Arbeitswelt. Im Jahre 1955 wurde Alfred Mahlau zum Professor ernannt, zeitweise leitete er die Hochschule für Bildende Künste kommissarisch. Als ein unvergessenes Vorbild vermittelte er mit seiner Ästhetik und Disziplin den nachfolgenden Künstlergenerationen wertvolle Impulse, die bis heute nachwirken: Die schwächsten Schüler sammelten Erfahrungen für einen mehr praktisch orientierten künstlerischen Beruf, den Begabtesten bot sein Unterricht ein Fundament für die eigene künstlerische Entwicklung auf dem Weg in das Freie Künstlertum. Zahlreiche Schüler führten sein Werk fort, sie wurden Lehrer oder Dozenten, andere beschritten eigene künstlerische Wege, darunter Horst Janssen, Vicco von Bülow, Peter Neugebauer, Heino Jäger, Ekkehard Thieme und andere.
Im Jahre 1959 beendete Alfred Mahlau seine Tätigkeit an der Hamburger Hochschule für
Bildende Künste. Geprägt durch eine schwere Krankheit litt er unter seiner schwindenden
Schaffenkraft. Er verstarb am 22. Januar 1967. Seither würdigten eine Vielzahl von
Retrospektiven, Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen - mit oder ohne seine ehemaligen Schüler - Alfred Mahlaus Werke. Die Faszination für Alfred Mahlaus ästhetisch-zeitlose Kunst dauert bis heute an.
Kurzfassung auf Englisch: Alfred Mahlau (1894-1967) - Painter, graphic-designer and teacher
Alfred Mahlau was a creative, multi-talented and generally gifted artist, who is still
underestimated in the art-history of the 20th. Century. Born in Berlin in June 1894, he survived both World War 1. and World War 2. as a veteran. He never talked about his experiences and belongs to the so called “silent generation.”
As a quiet, sensitive and decent person without narcissistic traits, he prefered to offer his
talents towards a common interest. As a realistic, accomplished painter, creative graphic designer and disciplined teacher, he inspired many generations of artists. Alfred Mahlau
was a passionate freelance artist, a popular arts-and-crafts designer, and a teacher and a
writer as well who managed to combine a variety of creative techniques and styles in his
work.
His talent as a graphic-designer was discovered after he won a poster-competition for
the “Nordische Woche” in Lübeck 1921. In the following years he developed popular
advertisements, posters and illustrations, worked as a set- and interior-designer, painted
murals and walls, worked as a textile-designer, a product- and industrial designer and in
other artistic fields. Alfred Mahlau’s talent in decorating all kinds of objects and materials
distinguished him as an extraordinary graphic-designer. Furthermore he was one of the
first graphic-designers to develop an integrated “corporate-design” for different companies, especially local firms around Lübeck and Hamburg. Early in the 20th Century he created the “corporate identities” for “JGN-Niederegger” or the “Schwartauer Werke” in Lübeck, which have been popular ever since. He was also a pioneer where the century’s technical advancements were concerned, and managed to express and realize his creative ideas in many different shapes and forms, including in movies.
Among his sublime paintings you’ll find many neo-romantic, ideal landscapes and sensitive still-lifes. As a travelling artist he developed his own characteristic style of coloured penand- ink drawings. He focused on representational drawings with structured lines to control and focus his work. After he established his very own way of working he never changed his style again, no matter the contemporary art-styles, his personal faith or political events. He was passionate to make every drawing a perfect masterpiece.
During World War 2. his art was very famous, his neo-romantic paintings and objective
graphic-designs were in tune with the “New German Art” style. He became a member of
the “Gottbegnadeten-list”. In his personal life he was caught between the fear about his
family - a partly Jewish wife and a mental-handicapped daughter - and his artistic success.
Nonetheless he managed to draw a series of the ruins in Berlin 1944/45 as a very objective, dispassionate historical source. In a world focused on abstract modern art, his traditional style was soon out of fashion. His resolution and commitment to his own ways could be 626 seen as his personal manifest against the fast changing fashions in art.
Therefore only future generations may find a place for Alfred Mahlau’s paintings in art history.
After the second World War he went on to become head of a graphic-design class
at the reopened “Hamburger Landeskunstschule”. In the following years he was a well
established lecturer - since 1955 he held the title of professor - who was
constantly supportive of his students and the demands of the school. He combined didactics with his experiences from his painting and his arts-and-craft work. His teachings on nature-studies and practical commissions from companies or private customers enabled his students to get some realistic experiences in the field of graphic-design.
As an outstanding example he used his discipline and reliability to support the
students to find jobs as graphic-designers, while enabling the most talented artists
in his class to develop their own style. A lot of his students went on to become
lecturers themselves, and his class produced some extraordinary talents including
Horst Janssen, Vicco von Bülow, Peter Neugebauer, Heino Jäger and many others.
After 13 years of teaching he left the “Hamburger Hochschule für Bildende Künste” and
retired. He died after a long period of illness in January 1967 in Hamburg. Since then,
different smaller or extensive retrospective exhibitions, with or without his former students, have been on display. The fascination with Alfred Mahlau’s timeless work still remains to this day.

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