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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-95130
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2019/9513/


Legalbewährung bei aus dem Hamburger Maßregelvollzug (§ 63 StGB) entlassenen Patienten

Veismann, Stephan

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SWD-Schlagwörter: Gerichtliche Psychiatrie , Psychiatrie , Nervenheilkunde , Schizophrenie , Rückfall , Straftat , Kriminologie , Therapie
Freie Schlagwörter (Deutsch): Rückfalluntersuchung , Hamburger Maßregelvollzug , Forensische Psychiatrie , Rückfälligkeit , Führungsaufsicht
Basisklassifikation: 44.72 , 44.91 , 44.97
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Briken, Peer (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 21.12.2018
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum: 11.01.2019
Kurzfassung auf Deutsch: Hintergrund: Die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus (hier gemäß § 63 StGB) beabsichtigt präventiv die Verhinderung neuer Straftaten durch angemessene multimodale therapeutische Interventionen (positive Legalbewährung). Zentrale Fragestellungen dieser Arbeit waren, wie hoch die Rückfälligkeit nach einer Unterbringung im Maßregelvollzug in der Metropolregion Hamburg ist, wie schnell Rückfalltaten zu verzeichnen sind, wie Rückfälligkeit mit demographischen, medizinischen und kriminologischen Daten verknüpft ist, ob es Unterschiede zwischen den gemäß § 67 b StGB Entlassenen und den gemäß § 67 d StGB Entlassenen gibt und wie der Verlauf der Führungsaufsicht damit im Zusammenhang steht.
Methode: Die Untersuchung bezieht sich auf alle im Hamburger Maßregelvollzug untergebrachten Frauen und Männer (n=73), die im Erhebungszeitraum 2000 bis 2005 aus der Unterbringung gemäß § 63 StGB entlassen wurden. Die strafrechtliche Rückfälligkeit wurde anhand von Bundeszentralregisterauszügen (BZR) ausgewertet. Der Katamnesezeitraum umfasste im Mittel 10 Jahre und 8 Monate Jahre Follow-up. Darüber hinaus wurden die Strafvollstreckungshefte und Bewährungshefte der nach der Entlassung zuständigen Landgerichte ausgewertet. Dabei waren insbesondere Eintragungen zum Verlauf der Führungsaufsicht (Mitwirkungsbereitschaft des ehemaligen Untergebrachten, Maßnahmen der Gerichte wie Ermahnungen oder Sicherungsverfahren) von Interesse.
Ergebnisse: 32,9 % der entlassenen Patienten hatten einen erneuten Eintrag im BZR. Die Rückfallzahlen für schwere Gewalttaten waren bei den langen Katamnesezeiten erfreulich niedrig: 15,1% allgemeine Rückfälligkeit, 9,6% schwere Rückfälle, 8,2% einschlägige Rückfälle. Eine Entlassung gemäß § 67 b StGB geht nach den vorliegenden Ergebnissen (gerechnet in der Cox-Regression mit einer statistischen Signifikanz von 0,004) mit einem höheren Rückfallrisiko als bei den gemäß § 67 d StGB entlassenen Untergebrachten (Beendigung der Maßregel erst nach einer vollstreckten Unterbringung) einher. Untergebrachte mit einer schizo-affektiven Störung und gleichzeitiger Suchtproblematik haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für erneute BZR-Eintragungen. In den Fällen, in denen Untergebrachte mit einer schweren oder sogar einschlägigen Rückfalltat in Erscheinung getreten sind, wurde in den überwiegenden Fällen eine geringere Schwere der Straftat im Vergleich zur Anlasstat dokumentiert. Zudem ist mit einem erhöhten Risiko für erneute Straftaten zu rechnen, wenn nach einer Entlassung die zuständigen Therapeuten und Bewährungshelfer aufgrund einer eingeschränkten Mitwirkungsbereitschaft des Untergebrachten mit den Gerichten Kontakt aufnehmen und außerplanmäßige Anhörungen stattfinden müssen.

Kurzfassung auf Englisch: It is considered empirically proven (49, 80, 81) that forensic hospital units fulfil one of their legally prescribed tasks, namely to protect the public from mentally ill offenders who are considered a risk. The recidivism rate for forensic patients is significantly lower than for offenders who serve jail sentences. This finding has also been corroborated for Hamburg. Psychiatric treatment even delivers the desired results in a metropolitan region with an accumulation of problematic and complex disorder patterns. Entries for slightly less than a third of the discharged patients were subsequently recorded in Germany's Central Criminal Register (BZR). The recidivism rate for severe acts of violence was gratifyingly low with long catamnesis periods (9.6% for serious recidivism cases, 8.2% for pertinent recidivism cases).
Overall it can be stated that, for the most part, documented recidivism cases are less severe than the initial offences.
According to the available statistics, discharges in accordance with § 67 b of the German Criminal Code – treatment in a forensic hospital is suspended for an operational probationary period – in connection with schizoaffective disorders and addiction problems result in an elevated risk of criminal relapse.
A criminal history is an important criminal prognostic factor, as current studies also conclude. These patients featured more frequently in the Central Criminal Register, showed more serious recidivism and accordingly experienced harsher penalties.
In many respects, patients whose convictions were suspended in accordance with § 67 b of the German Criminal Code represent a special risk group. Their recidivism occurs more frequently and earlier and takes more serious forms. According to the results of other published study data, they also fare significantly worse when it comes to premature death, suicide and rehospitalization. These aspects should be factored into future decisions reached by the sentencing courts. In forensic outpatient aftercare, particular attention must be paid to the early onset of delinquency and renewed detention, to schizoaffective patients with addiction problems, and to the category of patients discharged in accordance with § 67b of the German Criminal Code. It is also of significance if unscheduled hearings are required during the period of supervision and if probation officers and/or therapists (need to) contact the court. These are often the first indications of growing destabilization (including risk-related behaviour such as compliance problems relating to medication, consumption of alcohol or other psychotropic substances, social difficulties, and the disruption of contacts with parole officers and designated therapists) that often triggers an increased risk of criminally relevant misconduct.

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