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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-100277
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2019/10027/


Ergebnisse gerichtsmedizinischer Sektionen von natürlichen, nicht natürlichen, potenziell nicht natürlichen und ungeklärten Todesfällen im Institut für Rechtsmedizin Hamburg im Jahr 1975 im Vergleich zu 2015

A comparison of the results of forensic autopsies of natural, unnatural, potentially unnatural and unresolved deaths according to the Department of Forensic Medicine Hamburg in 1975 compared to 2015

Raftis, Panajotis Christian

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Basisklassifikation: 44.72
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 09.10.2019
Erstellungsjahr: 2019
Publikationsdatum: 17.10.2019
Kurzfassung auf Deutsch: In der vorliegenden Arbeit wurde retrospektiv auf Grundlage der Sektionsprotokolle der Jahrgänge 1975 und 2015 aus dem Institut für Rechtsmedizin Hamburg bezüglich Sektionsdatum, Geschlecht, Alter, Größe, Gewicht, Todesursache und Todesart geprüft, wie sich das Sektionswesen in den vergangenen 40 Jahren entwickelt hat und ob aufgrund von gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und demografischen Veränderungen in Deutschland im Laufe der letzten 40 Jahre ein Panoramawandel stattgefunden hat. Zudem wurden besondere Identifikationsmerkmale der Leichen und der Einsatz des CT im Jahr 2015 erfasst.
Die Obduktionsrate ist in den letzten 40 Jahren um 17 % zurückgegangen. So wurden n = 1512 Sektionen im Jahr 1975 durchgeführt, während es 2015 nur n = 1267 waren. Im Hinblick auf die Geschlechterverteilung sind sowohl 1975 als auch 2015 doppelt so viele männliche wie weibliche Fälle im Gegensatz zu der offiziellen Todesursachenstatistik, in der ein ausgeglichenes Verhältnis vorliegt, zu verzeichnen. Hinsichtlich der Altersverteilung ist festzustellen, dass aufgrund der demografischen Verschiebung und der sich stetig verbessernden Lebensqualität durch ständige wissenschaftliche und medizinische Erkenntnisse das Durchschnittsalter in den letzten Jahrzehnten in Deutschland angestiegen ist. Diese Erkenntnis deckt sich mit dem ermittelten Durchschnittsalter des untersuchten Sektionsguts der Jahre 1975 und 2015. So ist das Durchschnittsalter des Sektionsguts von 51,6 Jahren im Jahr 1975 in mehr als 10 Jahren auf 62,57 Jahre im Jahr 2015 angestiegen. Gleichzeitig wurden im Jahr 2015 viermal mehr Fälle von über 90-Jährigen als 1975 erfasst. Im Hinblick auf die jahreszeitliche Verteilung ist sowohl 1975 als auch 2015 keine Auffälligkeit zu erkennen. Mithilfe der erhobenen Daten wird ersichtlich, dass sich das Verhältnis der Sektionsart in den letzten 40 Jahren gewandelt hat. Während es sich im Jahr 1975 um 70 % Verwaltungssektionen, 28 % gerichtliche Sektionen und 2 % berufsgenossenschaftliche Sektionen handelte, waren es 2015 nur noch 19 % Verwaltungssektionen, 74 % gerichtliche Sektionen und 7 % berufsgenossenschaftliche Sektionen. Diese Veränderung des Sektionstyps liegt vor allem an dem sich ändernden Aufgabenspektrum eines rechtsmedizinischen Instituts in den letzten Jahrzehnten. Dies zeigt sich insbesondere an dem Anstieg der Sektionen im Auftrag von Berufsgenossenschaften um fast das Dreifache in den vergangenen 40 Jahren aufgrund der Erkenntnis über den gesundheitsschädigenden Einfluss von Asbest bei Berufen, die direkt bzw. indirekt einer Asbestbelastung ausgesetzt waren. Die Veränderung des rechtsmedizinischen Aufgabenspektrums spiegelt sich auch im Verhältnis der festgestellten Todesart wider. . So wurden 1975 43 % (n = 654) natürliche, 47 % (n = 717) nicht natürliche, 5 % (n = 64) Verdachtsfälle und 5 % (n = 77) unklare Todesfälle erfasst, während es sich 2015
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um 59 % (n = 752) natürliche, 34 % (n = 433) nicht natürliche, 3 % (n = 26) Verdachtsfälle und 4 % (n = 56) unklare Todesfälle handelte. Im Hinblick auf die natürlichen Todesfälle ist festzustellen, dass sowohl 1975 als auch 2015 der Tod aufgrund einer Herz-Kreislauf-Erkrankung mit Abstand die größte Gruppe von natürlichen Todesursachen darstellt. Dazu zählen z. B. Todesursachen wie die koronare Herzkrankheit, der Herzinfarkt, eine Kombination aus verschiedenen Faktoren oder Herzrhythmusstörungen. Es folgen sowohl 1975 als auch 2015 die respiratorischen Todesursachen, zu denen z. B. die Pneumonie, eine Lungenembolie oder die Folgen eines Bronchialkarzinoms zählen. Zudem wurde mithilfe der Berechnung des Body-Maß-Indexes geprüft und bestätigt, dass Menschen mit Übergewicht einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, plötzlich aufgrund ihrer Lebensweise zu versterben. Einen Sonderfall der erfassten natürlichen Todesfälle stellen die plötzlichen Todesfälle von Kleinkindern dar, dessen Ursachen bis heute unter Wissenschaftlern diskutiert wird. Es ist ein Rückgang der plötzlichen Kindstodesfälle von n = 43 Fällen im Jahr 1975 auf n = 27 im Jahr 2015 zu verzeichnen. Dies entspricht einem Rückgang von 37 %. Bei Betrachtung der erfassten nicht natürlichen Todesfälle im Jahr 1975 im Vergleich zu 2015 ist ein erheblicher Wandel in den letzten 40 Jahren festzustellen. 1975 stellen die Suizide die größte Gruppe der nicht natürlichen Todesfälle mit 39,3 % (n = 280) dar, gefolgt von Verkehrsunfällen (n = 199, 27,9 %), Unfällen (n = 128, 17,9 %), Tötungsdelikten (n = 78, 10,9 %) und ärztlichem Fehlverhalten (n = 2, 0,3 %), während 2015 das ärztliche Fehlverhalten mit 33,6 % (n = 142) die größte Gruppe der nicht natürlichen Todesumstände darstellt, gefolgt von Unfällen (n = 101, 23,7 %), Suiziden (n = 61, 14,3 %), Verkehrsunfällen (n = 58, 13,6 %) und Tötungsdelikten (n = 28, 6,6 %). Insbesondere der Rückgang der tödlichen Verkehrsunfälle um 70,8 % zeigt, dass durch Fortschritte in der Fahrsicherheit wie die Einführung des Sicherheitsgurts und des Airbags eine erhebliche Reduzierung der Verkehrsunfälle möglich ist. Gleichzeitig zeigt der enorme Anstieg der Sektionen mit Verdacht auf ärztliches Fehlverhalten von nur n = 2 Fällen im Jahr 1975 auf n = 142 im Jahr 2015, dass sich durch das steigende Gesundheitsbewusstsein bei Patienten und Angehörigen und die stetig fortschreitenden wissenschaftlichen Entwicklungen im Bereich der Medizin und den Anspruch der Patienten auf eine erhöhte Heilungschance, aber gleichzeitig mit zunehmenden Problemen im Hinblick auf Krankenhaushygiene durch die Zunahme der Resistenzen bei Antibiotika durch multiresistente Keime wie MRSA, ein erheblicher Wandel im Aufgabenspektrum der rechtsmedizinischen Institute vollzogen hat.
Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen einen erheblichen Wandel des Sektionswesens im Institut für Rechtsmedizin Hamburg in den letzten 40 Jahren, was weitgehend mit anderen Arbeiten, die sich mit einer ähnlichen Thematik befasst haben, übereinstimmen. Jedoch wird durch den Rückgang der Obduktionsrate und den Wandel des rechtsmedizinischen Aufgabenbereiches deutlich, dass es von grundlegender Bedeutung ist, auf politischer Ebene Gesetzesänderungen vorzunehmen, um die Obduktionsrate zu steigern und so die Dunkelziffer der potenziell nicht natürlichen Todesfälle, die ärztliches Fehlverhalten, Unfälle, Suizide, und Tötungsdelikte darstellen, reduzieren zu können.
Kurzfassung auf Englisch: This dissertation has been performed retrospectively on the basis of autopsy protocols dated 1975 and 2015 from the Department of Forensic Medicine Hamburg, whereby the autopsy date, sex, age, height, weight, cause of death and type of death and behavior of the deceased over the past 40 years are all factors that have been examined. Furthermore, this dissertation has taken into account the social, scientific and demographic developments in Germany over the last 40 years, in order to assess any contributory impact. In addition, special identifying features of the bodies, and the introduction of CT scanning in 2015 have been considered.
The autopsy rate has dropped by 17% over the last 40 years. So n=1512 autopsies were performed in 1975, while in 2015 only n=1267 were recorded. In terms of gender distribution, both in 1975 and 2015, it is evident that there are twice as many male cases as there are female. This is in antithesis to the official cause of death statistics, where a more uniform correlation of gender can be observed. With regard to age distribution, it can be concluded, that due to a shift in the demographic situation as well as a steadily improving quality of life, which can be attributed to the fast-paced developmental nature of science and medicine, the average life expectancy in Germany has risen in recent decades. This finding is corroborated by the mean age of the deceased examined during the years 1975 and 2015. For example, the average age of the deceased examined in 1975 increased from 51.6 years of age by more than 10 years to 62 years in 2015. At the same time, more cases involving individuals over the age of 90 were recorded in 2015 than in 1975.
Regarding the seasonal distribution in both 1975 and 2015, no discrepancies can be observed. The data collected show that the types of autopsies have transformed in the last 40 years. Whilst 70% of the cases examined in 1975 were scientific autopsies, 28% were forensic autopsies and 2% occupational-related autopsies, in 2015 there were only 19% scientific autopsies, 74% forensic autopsies and 7% occupational-related autopsies documented. This variation in the type of autopsy can arguably be ascribed to the altering range and nature of tasks of a forensic institute in recent decades. This is particularly evident in the rise of autopsies conducted on behalf of professional associations, which have almost tripled over the past 40 years, due to the recognition of the harmful effects of asbestos on occupations directly or indirectly exposed. The change in forensic landscape is also reflected in the relationship between the types of death observed. For example, in 1975, 43% (n=654) natural deaths, 47% (n=717) unnatural deaths, 5% (n = 64) suspected cases and 5% (n = 77) unclear deaths were recorded. In contrast, 2015 noted 59% (n=752) natural deaths, 34% (n=433) unnatural deaths, 3% (n=26) suspected cases and 4% (n=56) unclear deaths.
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In terms of natural deaths, both in 1975 and 2015, death due to cardiovascular disease is by far the largest observed group of natural death causes. This includes coronary heart disease, myocardial infarction or a combination of various factors or cardiac arrhythmias. Both 1975 and 2015 marked prevalence in respiratory causes of death, such as pneumonia, pulmonary embolism or the consequences of bronchial carcinoma.
In addition to this, the introduction of the Body Measurement Index (BMI), enabled a substantiation of the hypothesis that lifestyle choices can play a pivotal role and confirmed that obesity can lead to an increased risk of death.
It is also relevant to note the special category of recorded natural deaths, namely that of Sudden Infant Death Syndrome (SIDS), which still is a heatedly debated topic amongst scientists. Statistics show that there is a decrease in sudden death in childhood cases from n=43 cases in 1975 to n=27 in 2015, namely a 37% observed decrease. When examining recorded unnatural deaths in 1975 compared to 2015, there has been a significant all-encompassing change over the last 40 years. In 1975, suicides represent the largest group of unnatural deaths, with 39.3% (n=280), followed by traffic incidents (n=199, 27.9%), accidents (n=128, 17.9%), negligence (n=78, 10.9%) and medical negligence (n=2, 0.3%). Interestingly in 2015 medical negligence constitutes the largest contributor to unnatural deaths at 33.6% (n=142), followed by accidents (n=101, 23.7%), suicides (n = 61, 14.3%), traffic accidents (n = 58, 13.6%) and homicides (n=28, 6.6%).
In particular, the 70.8% drop in fatal traffic accidents demonstrates that advances in driving safety have been made, such as the introduction of the seatbelt and the airbag. These have been crucial in ensuring the reduction of traffic-related incidents. Concurrently, the considerable increase in suspected medical negligence, from only n=2 cases in 1975 to n=142 in 2015, shows that there has been a significant change in the range of tasks of forensic institutes due to increased health awareness among patients and relatives, and the ever-advancing scientific developments in the field of medicine. This inevitably leads to an increased possibility of recovery, however it simultaneously incorporates the growing concern of hospital hygiene, as well as the increase in resistance to antibiotics by multiresistent germs as by MRSA. The conclusion of this dissertation is, that the Department of Legal Medicine Hamburg has undergone a multitude of structural changes in the last 40 years. This upholds, to a large extent, the findings of other academic findings, touching upon a similar issue. However, the decline in the rate of autopsies, and the transformation that the field of forensic medicine has undergone, make clear that it is instead essential to make policy changes at the political level, and to increase the number of autopsies. It is only in this manner that the unreported death toll, medical malpractice, accidents, suicides, and homicides can be combated and we will be able to witness a decline in such statistics.

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