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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-100335
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2019/10033/


Das Possenspiel in Darstellungen unteritalischer Keramik : Eine Studie zu Tradition, Innovation und Akkulturation

Schönheit, Lilian

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SWD-Schlagwörter: Vasenmalerei , Theater , Italien <Süd > , Antike , Satyrspiel , Mittlere Komödie , Neue Komödie , Griechische Komödie , Alte Komödie , Comédie Italien
Freie Schlagwörter (Deutsch): Vorrömisches Italien , Atella , Italiker , Dorische Posse , Farce , Yapigier , Antikes Theater
Basisklassifikation: 15.07 , 15.25 , 24.06
Institut: Kulturgeschichte und Kulturkunde
DDC-Sachgruppe: Alte Geschichte, Archäologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Seifert, Martina (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.10.2017
Erstellungsjahr: 2019
Publikationsdatum: 21.10.2019
Kurzfassung auf Deutsch: Die Dissertation bespricht Possendarstellungen der unteritalisch-rotfigurigen Keramik. Durch die dezidierte Betrachtung der griechischen und italischen Bevölkerung rückt die italische Bevölkerung als Kulturträger und Kulturstifter in Süditalien stärker ins Bewusstsein.
Ein Überblick über die Ethnographie, Geschichte der Region, der Keramik und des griechischen Theaters bilden den Ausgangspunkt und eine Vorstellung der thematisch verwandten Darstellungen der Bilder mit Bezügen zu Tragödien und mit Satyrspielen sowie attischer Gefäßbilder mit Schauspielern führt in das Thema der Possenbilder ein. Mit diesem Ansatz konnte festgehalten werden, dass im 4. Jh. v. Chr. eine vielschichtige Gemeinschaft italischer und italiotischer Bevölkerungen gewachsen war, die sich durch politische und ökonomische Kontakte auszeichnete. Bereits hier wird deutlich, dass Vasenbilder mit Referenzen zum Theater in ganz Unteritalien und Sizilien verbreitet waren und offensichtlich auch in indigenen Gebieten geschätzt und verstanden wurden.
Mittels eines ausführlichen Katalogs wird eine quantitative Betrachtung der Bilder unternommen. Bereits eine grobe Durchsicht verdeutlicht, dass Possenbilder vor allem in den apulischen, sizilischen und paestanischen Werkstätten beliebt waren, aber auch in kampanischen und lukanischen gefertigt wurde, die Fundplätze verteilen sich noch deutlicher über alle Regionen. Die Ikonographie und davon abgeleitet die Nutzung und Bedeutung der Possenbilder unterscheiden sich dabei in den Regionen Unteritaliens: Weisen alle Possenbilder die gleichen Charakteristika von kostümierten Darstellern auf, zeigt es sich, dass in Apulien und Sizilien auch Bühnenbauten verbreitete Bildelemente waren, während diese in Lukanien, Kampanien und Paestum nur selten oder sehr vereinzelt auftraten. Ebenso variieren die Darstellungen der Kostüme nach Region und Zeitstellung. Auf den älteren apulischen Bildern sind stets ausgeprägte, tongrundig belassene Somatia zu sehen, die jüngeren Bilder Siziliens, Kampaniens und Paestums zeigen weiße und rote Somatia, während die Figuren der sizilischen Bilder zunehmend mit langen Gewändern über dezenteren Somatia wiedergegeben sind. In Kampanien sind darüber hinaus von gängigen griechischen Typen abweichende Masken zu beobachten. Ausführliche Einzeluntersuchungen einer folgenden qualitativen Untersuchung erörtern detaillierte Gemeinsamkeiten und regionale Unterschiede einzelner Bildthemen, Figuren und Attribute.
Die interpretative Analyse der Possenbilder erörtert, in welchem Maße Einflüsse der attischen Komödie, der dorischen Posse und lokaler Possenproduktionen in den Bildern nachvollziehbar sind. Dies offenbart eine Verbreitung des griechischen Theater in den verschiedenen Regionen Unteritaliens und ermöglicht eine Besprechung der indigenen Einflüsse auf die Keramikproduktion, auf die Theateraufführungen und auf die Symbolik der Figur des Komödianten. Die Annahme, dass die Bildthemen gezielt für unterschiedliche Bevölkerungen gefertigt wurden und sich dieser Einfluss in den Bildern manifestiert, bestätigt sich in regionalen Differenzen, die auf die unterschiedlichen lokalen Bevölkerungen zurückgehen. Ein Ausdruck der Traditionsverbundenheit der Italioten ist in den Gefäßdarstellungen mit der Wiedergabe von spezifischen Komödien nachzuvollziehen. Die Zurschaustellung griechischer Komödien wurde bereits als Möglichkeit der Identitätssicherung der Italioten gedeutet. Doch belegen die Bilder und ihre Verbreitung weit ins indigene Hinterland eine mindestens seit dem späten 5. Jh. v. Chr. bestehende Theaterkultur mit Possenspielen in Unteritalien die bis in den Bereich der Daunier, Osker und Sikeler bekannt war. Dies widerlegt Annahmen, nach denen die Bilder insbesondere dem Bedürfnis der griechischen Siedler dienten, sich von der nicht griechischen Bevölkerung abzuheben. Es bestätigt dagegen die Nutzung der Bilder von verschiedenen Gruppen.
Ein Ausblick auf komische Masken in weiteren Bildkontexten verdeutlicht darüber hinaus den neugewonnenen Sinngehalt des komischen Darstellers als dionysisches Symbol. Ein Blick auf komische Masken in Darstellungen von Symposien, Thiasoi und Naiskoi bestätigt, dass diese zu einem allgemeinen Symbol der dionysischen Sphäre wurden und auch im Kontext von Grabbildern eine bildliche Verbindung zwischen dem Verstorbenem und dem Gott schafften. Die Motive der Possendarsteller, Komödianten mit Dionysos und schließlich einzelner Masken erweckten somit – wie viele weitere unteritalische Motive – eine dionysische Atmosphäre im funerären Kontext.
Somit zeigt diese Arbeit, dass weiter Abstand genommen werden muss von einer unreflektierten Untergliederung der unteritalisch rotfigurigen Keramik als griechische Ware und die dadurch implizierte Annahme, dass die Verwendung unteritalischer Keramik mit vermeintlich griechischen Bildthemen auf eine Hellenisierung der italischen Bevölkerung verweise.
Kurzfassung auf Englisch: The presented work discusses depictions of comic actors on red-figured vessels. The initial part provides an ethnographic and historic overview also treating related depictions such as South Italian vase painting of tragedies and satyrplays as well as Greek vessels with comic actors. The main part examines images painted on pots listed in the catalogue. Upon a general observation of frequencies and disseminations, the pictures are discussed in single-case studies to reveal iconographic communalities and differences.
A follow-up analysis considers the question to what extent Attic, Doric and local theatre writings and productions influenced the pictures and what these can tell about the spread of comic theatre in South Italy. This discloses how much indigenous people had knowledge of Greek theatre and, moreover, their impact on vase-painting and theatre production in the various regions of mixed population regions of South Italy. Comic mask in other images such as symposia and grave pictures, further help understand the contentual shift of comic actors to dionysic symbols.

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