4.2.2. In der Nachbarschaft der Könige: Die Nekropolen der kleinasiatischen Griechen

 

Für die Bewohner der kleinasiatischen Griechenstädte müssen Tumulusnekropolen eine alltägliche Erscheinung gewesen sein.[1] Die meisten Grabhügel wird man jedoch als einfache „grave marker“ bezeichnen, die heute - wenn überhaupt - nur noch durch einen sie umgebenden Steinring belegt werden können.[2] Obwohl diese kleinen Grabhügel nicht im Zentrum dieser Untersuchung stehen, sollen die entsprechenden Fundstellen hier ebenfalls kurz vorgestellt werden, da sie den Hintergrund für die wenigen monumentalen Tumuli abgeben, die es im griechischen Kleinasien gibt. Nur wenn man die „gewöhnlichen“ Bestattungsplätze betrachtet, ist es möglich, einen Maßstab für die Ausnahmegräber zu bekommen.

Daß unsere Kenntnis so mangelhaft ist, beruht, neben der natürlichen Erosion, der Zerstörung durch Überflutung und landwirtschaftliche Nutzung des Terrains, auch auf dem geringen Interesse der Archäologie an dieser Grabmalform. Die Publikationslage der bereits untersuchten Nekropolen ist - wie bereits im Kontext der homerischen Epen angerissen (Kapitel 4.1.1.) - alles andere als befriedigend. Das Gros der Gräber wird man dennoch dem 6. Jahrhundert v. Chr. zurechnen können. Hanna Philipp hat im Rahmen des Milet Colloquiums 1980 den Forschungsstand zusammengefaßt und nur sehr wenige Gräber überhaupt dem 7. Jahrhundert v. Chr. oder einer noch älteren Periode zuweisen können.[3] Im Zentrum Ihrer Übersicht standen die bei Herodot genannten zwölf kleinasiatischen Poleis.[4]

Tumulusnekropolen waren entlang der kleinasiatischen Küste einschließlich der vorgelagerten Inseln verteilt. Von Nord nach Süd: Neandria, Pitane, Larisa am Hermos, Smyrna und Ephesos. Für diese Fundorte sind Grabhügel sicher belegt, für Klazomenai konnten sie wahrscheinlich gemacht werden. Aus der Gruppe der küstennahen Inseln wurden Grabhügel auf Chios und Samos gefunden.

Die einzelnen Fundorte sollen im folgenden kurz vorgestellt werden. Auch wenn die Grabhügel einiger Nekropolen ihren geringen Abmessungen nach oftmals nicht als monumental gelten können, so sind diese Befunde doch für den allgemeinen Kontext wichtig, in dem die wenigen Prunkgräber entstanden sind. Lassen sich aufwendige Bestattungen nicht durch eine griechische Tradition erklären, so liegt es nahe, den Einfluß der benachbarten Lyder in Rechnung zu stellen.

 

Den „realen“ archaischen Nekropolen soll jedoch ein kleiner Exkurs zum „Homerischen Begräbnis“ vorangehen, mit dem, wie in Kapitel 4.1.1. ausgeführt, oftmals ganz unterschiedliche Tumulusbestattungen in Verbindung gebracht werden. Im Zuge der Homerforschung kam den Fundorten in der Troas ein besonderes Interesse zu. Von den circa 40 in der unmittelbaren Umgebung Trojas verstreut liegenden Tumuli konnte jedoch kein Grab sicher in die Archaik datiert werden. Schliemann und Calvert hatten im späten 19. Jahrhundert einen Teil dieser Grabhügel untersucht und ihre Grabungen leider nur unzureichend publiziert.[5] Auch die Neubearbeitung durch Kossatz-Pompé konnte nur den sicheren Nachweis von spätbronzezeitlicher Keramik erbringen. Auf diese Phase folgt gewöhnlich ein zeitlicher Hiat, der von erheblich jüngeren Funden geschlossen wird. So fand sich im In Tepe, dem sogenannten Grab des Ajax, ein Kammergrab aus hadrianischer Zeit und ein Tumulus nördlich von Sigeion erbrachte reiche Funde des frühen 5. Jahrhunderts v. Chr.[6] Kossatz-Pompé stellt die interessante Hypothese auf, in den Gräbern des frühen 5. Jahrhunderts v. Chr. Monumente mit einer politischen Botschaft zu sehen. Der Peisistratide Hippias war mit einigen Hetairoi nach seiner Vertreibung aus Athen nach Sigeion gegangen, wohin die attische Tyrannenfamilie gute Verbindungen unterhielt. Es ist gut möglich, daß sie hier, an homerische Sitten anschließend, Gräber mit „homerischem“ Charakter errichten ließen.

Insgesamt gesehen, muß in der Troas damit gerechnet werden, daß jeder prähistorische Tell und jede natürliche Erhöhung zu Zeiten - hier ist auch an die römische Kaiserzeit zu denken - mit den homerischen Epen in Verbindung gebracht wurden und zum Schauplatz entsprechender Riten werden konnten.

 

Circa 30 km südlich von Troja, am Fuße des Cigri Dag, befindet sich Neandria, das von Robert Koldewey untersucht und 1891 publiziert wurde.[7] Die Stadt liegt ins Inland zurückversetzt und wies drei Nekropolen jenseits ihrer Stadttore auf. Koldewey deckte insgesamt an die 40 Gräber auf, die Bestattungen in Ziegel-, Steinkisten, Pithoi und Steinsarkophagen enthielten. Daß diese Grabstellen zum Teil ehemals von einem Erdhügel überwölbt wurden, entnimmt der Ausgräber kreisförmigen Steinsetzungen aus kleineren Handsteinen, die in der reichen Südnekropole vier bis fünfmal zu beobachten waren und einen Durchmesser bis zu 3 m hatten. Diesen einfachen Bestattungen steht ein monumentaler Tumulus gegenüber, der sich über einem achteckigen Unterbau aus gut bearbeiteten Quadern erhob.[8] Leider ist für diesen Komplex keine Datierung bekannt, die ungewöhnliche achteckige Grundform spricht aber eher für ein jüngeres Entstehungsdatum. Im Zentrum dieser Anlage befand sich eine runde, teilweise in den Fels eingearbeitete Kammer. Sie enthielt die Fragmente eines Steinsarkophags und Stücke großkörnigen weißen Marmors. Eine Kennzeichnung der Grabstellen erfolgte in Neandria zusätzlich zu den Tumuli auch mittels grob anthropoid gearbeiteter Steinstelen. Insgesamt sechs Exemplare dieser plattenförmigen 2 - 4 m hohen Male zählte Koldewey im Bereich der Südnekropole. Wolf Koenigs datiert diese Gräber in die Blütezeit Neandrias, das 6. Jahrhundert v. Chr.[9]

 

Die Grabungen von Ekrem Akurgal, die er seit 1959 in der mysischen Küstenstadt Pitane (modern Candarli) durchführte, wurden in Form von fortlaufenden Notizen im American Journal of Archaeology publik gemacht.[10] Zeitlich parallel legte man hier Brand- und Körpergräber an. Nach der Kremation, die wahrscheinlich im Areal des Friedhofs stattfand, sammelte man die Knochen in Keramikgefäße, die man anschließend mit einer Keramikschale oder einem flachen Stein verschloß und vergrub. Die unverbrannten Körper der Verstorbenen legte man sowohl in Sarkophagen als auch in Pithoi und der bloßen Erde nieder. Wie in Neandria wurden die Grabstellen auch in Pitane mit Steinkreisen von 3 - 4 m Durchmesser markiert „which were apparently covered with earth and marked“[11]. Obwohl im Bereich der Nekropole Keramik gefunden wurde, die nach Auskunft des Ausgräbers dem Zeitraum zwischen dem 8. und dem 4. Jahrhundert v. Chr. entstammt, gehören die gut erhaltenen Gräber der 1. Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr an. Philipp datiert die ältesten bislang vorgelegten Fundkomplexe ins letzte Viertel des 7. Jahrhunderts v. Chr., verweist aber für ein differenziertes Bild auf die ausstehende Endpublikation.[12] Neben einheimischer, chiotischer und rhodischer Keramik konnte Akurgal auch attische, mittel- und spätkorinthische Ware zutage fördern.

 

Die Nekropole von Larisa am Hermos, deren Ruinen sich bei der modernen Siedlung Buruncuk finden, wurde in den frühen 1930er Jahren untersucht und 1940 von B. Meyer-Plath publiziert.[13] Sie liegt unterhalb der Akropolis und erstreckt sich über ein von Wegen durchkreuztes Areal von 700 m Länge und 100 bis 250 m Breite (Taf. 55,1). Insgesamt an die 100 einzelne Grabstellen machten die Ausgräber Boehlau und Schefold in diesem Bereich aus. Sie lagen allein oder bildeten kleine Grüppchen und enthielten ein bis zwei Bestattungen, die innerhalb einer Krepis in Polygonal- oder Quaderbauweise angelegt waren (Taf. 55,2). An einen älteren Steinkreis konnten in der Folgezeit weitere Halbkreise mit Gräbern angebaut werden. Neben runden und ovalen Tumuli, deren kleinster und größter äußerer Durchmesser von den Ausgräbern mit 3, 3 m und 11 m angegeben wurde, gab es auch Grabstätten mit rechteckigem Grundriß. Die eigentliche Beisetzung erfolgte in mit Steinplatten, Bruchsteinen oder Ziegeln ausgekleideten Gruben. Von Brandbestattungen fanden sich keine Reste. Die Untersuchung der Keramikfunde ergab eine Datierung für die untersuchten Gräber in das 6. Jahrhundert v. Chr.[14] Durch ihre Größe und die mit Polygonal- und Quadersteinen gestaltete Krepis unterscheiden sich die Tumuli in der Nekropole von Larisa vom einfachen „grave marker“. Die Grabhügel bezeichnen Einzel- und Doppelbestattungen, leider sind keine Aussage über Geschlechter- und Altersverteilung möglich, da anthropologische Untersuchungen fehlen. Einige Grabstellen (z. B. Nr. 34) waren über mehrere Generationen in Benutzung, wie spätere Anbauten belegen.

 

Die Tumulusnekropole von Smyrna (heute Izmir) liegt nördlich der Stadt am Hang des Yamanlar Dag (Taf. 56,1).[15] 30 Grabhügel wurden hier von dem Ehepaar Miltner untersucht und nach den Beifunden dem 4. Jahrhundert v. Chr. zugewiesen.[16] Nur ein steinerner Tumulus, der in größerer Höhe als die anderen auf einem Felssporn des Yamanlar Dag über der Stadt liegt, ist von fast allen Bearbeitern einer älteren Phase zugewiesen worden. Der literarischen Überlieferung zufolge, nach der der mythische König Tantalos hier seinen Sitz hatte und Lydien beherrschte, erhielt der Tumulus die Bezeichnung „Tantalosgrab“.[17] Der heute völlig zerstörte Grabhügel war schon zu Zeiten der ersten von Charles Texier im frühen 19. Jahrhundert durchgeführten Bauaufnahme beraubt und ist in seinem architektonischen Aufbau und der Datierung umstritten. Der Durchmesser der nicht ganz kreisrunden Krepis beträgt nach den Messungen der österreichischen Archäologen Miltner 29, 6 m (Taf. 56,2). Innen war der Tumulus aus Steinblöcken ausgeführt, die offenbar durch radial angelegte Stützwände befestigt waren. Die in linearer Kragetechnik errichtete Grabkammer von 3, 55 m auf 2, 18 m lag exzentrisch und wies auf ihrer nordöstlichen Schmalseite einen Wechsel von hohen und niedrigen Quaderschichten auf (Taf. 56,2). Von der durch Texier vorgelegten Rekonstruktion des Außenaufbaus konnte nur die Krepis in Polygonalbauweise bestätigt werden.[18] Bei der erneuten Bauaufnahme fanden sich weder ein die Krepis oben und unten abschließendes Profil noch der bekrönende Cippus.

Die fehlenden Beigaben machen es notwendig, sich bei der zeitlichen Einordnung dieses Monuments auf die Bauweise und den historischen Rahmen zu stützen. Eine Frühdatierung ins 7. Jahrhundert v. Chr. vertreten Akurgal und Miltner, für einen Ansatz ins 6. Jahrhundert plädiert Schefold.[19] Mansel zieht sogar das 5. oder 4. Jahrhundert v. Chr. in Betracht.[20] Während das Polygonalmauerwerk der Krepis nach Larisa verweist, finden sich die besten Parallelen für das Kragsteingewölbe der Kammer in Thrakien, Karien, Ra’s Samra, Belevi und in Smyrna selbst.[21] Als Parallele für das pseudoisodome Mauerwerk der Kammer, das regelmäßig aus einer flacheren und einer höheren Steinschicht aufgeführt ist, zieht Mansel ein thrakisches Grab des 5. bis 3. Jahrhunderts v. Chr. heran.

Quadermauerwerk mit unregelmäßig pseudoisodomer Schichtung ist auch bei einigen Grabkammern aus dem lydischen Kulturraum belegt.[22] Nach Lydien weist auch die Ähnlichkeit in der formalen Gesamtanlage des Tantalosgrabes mit einem stark zerstörten Tumulus im Paktolustal, die bereits Butler bemerkte.[23]

Zu einem möglichen historischen Umfeld macht allein Akurgal einen Vorschlag.[24] Smyrna war ursprünglich von aiolischen Griechen gegründet, im 8. Jahrhundert v. Chr. aber von Ioniern aus Kolophon übernommen worden. Gegen 600 v. Chr. zerstörte der Lyderkönig Alyattes die Stadt. Nach Akurgal kann das Tantalosgrab nur die letzte Ruhestätte des griechischen Königs oder Tyrannen sein, der die Stadt in ihrer Glanzperiode vor der Zerstörung durch die Lyder regierte. Da die Datierung jedoch alles andere als gesichert ist, soll hier ein Ansatz ins 6. Jahrhundert v. Chr. vorgeschlagen werden. Zeitgleich wurden in Larisa Krepides aus Polygonalmauerwerk aufgeführt und im übermächtigen Lydien Kammergräber gebaut. Das altertümlich anmutende Kragsteingewölbe spricht ebenfalls nicht gegen diesen Ansatz, da es in Belevi, Karien und Thrakien auch in zeitgleichen und jüngeren Bauten anzutreffen ist. Diese Mischung aus lydischen und griechischen Elementen könnte zu einem griechischen Stadtkönig unter lydischer Oberherrschaft passen.

 

Ein seltenes Beispiel für detaillierte Aussagemöglichkeiten zum Umfeld der Bestattung und zum Ablauf des Totenrituals bieten die Befunde zur spätarchaischen Nekropole von Ephesos, die sich an drei Stellen, zwischen den beiden Stadtbergen Panayir Dag und Bülbül Dag, nachweisen läßt.  1965 legte Langmann in der Südostecke des Staatsmarktes (Obere Agora) einen Suchschnitt an, in dem sich in einer Tiefe von 1, 55 m vier Stein-, drei Platten- und fünf Tonsarkophage - darunter ein bemalter sog. Klazomenischer Sarkophag -  fanden.[25] Die Mehrzahl der Beigaben legte man auf oder neben die bis zum Deckel eingegrabenen Sarkophage, die anschließend mit Kalk und roter Erde bestreut wurden.

Attische und rhodische Keramik belegen eine Nutzung der Nekropole von der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts bis zur 1. Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. Langmann verbindet sie mit der Neuansiedelung der Ephesier in die Ebene um das Artemision, die Strabon zufolge von Kroisos befohlen wurde.[26]

Der Verlauf der Nekropole richtete sich nach der Trasse der archaischen Prozessionsstraße, die vom Artemision kommend durch das spätere Magnesische Tor hindurchführte und dann in einem Bogen den Panayir Dag umrundete.[27] Weitere archaische Bestattungen in Ziegelgräbern und Sarkophagen konnten auch vor der Celsusbibliothek und im Bereich der Tetragonos Agora (Untere Agora) freigelegt werden und bestätigen diese Vermutung.[28]

Die Gräber der Tetragonos Agora waren durch Steinkreise markiert, die als Umfassungsmauern von Tumuli gedeutet werden. Der größte unter ihnen, Tumulus I, hat einen inneren Durchmesser von 2, 9 m und eine Wandstärke von 0, 6 m.[29] Der in ihm beigesetzte Steinsarkophag enthielt das Skelett eines 40jährigen Mannes, der durch einen Bronzepfeil in seiner Brust gestorben ist. Zwei Nachbestattungen am Rand dieses Tumulus sind aus Ziegeln gebaut und enthielten die Skelette eines Kindes und einer 40jährigen Frau.[30] Zwei weitere steingefaßte Tumuli II und III sind in ihrem Umfang nur fragmentarisch erhalten. Ein steinerner Sarkophag in II enthielt ebenfalls das Skelett eines 40jährigen Mannes, dem eine Fikelluravase beigegeben war.

Vielleicht waren die Gräber auch mit rundplastischem Schmuck versehen, wie es der Fund eines kolossalen Marmorlöwen nahelegt, der stilistisch in die Archaik datiert wird und nahe der Nekropole gefunden wurde.[31] Eine abschließende Publikation dieser Befunde liegt noch nicht vor.

Aus der Umgebung von Ephesos sind insgesamt fünf monumentale Tumuli bekannt, von denen drei in ihrer ältesten Phase aus der Archaik stammen und hier aufgenommen werden.[32] Als „älteste erhaltene Grabanlage des ephesischen Gebietes“ hat Bammer einen Tumulus auf der Südspitze der inzwischen verlandeten Insel Syrie (türk. Koru tepe) bezeichnet.[33] Das Grab wurde 1985 durch ein Grabungsteam des Museums in Selcuk untersucht und in archaische oder frühklassische Zeit datiert. Architektonisch wird der Hügel von einer gemauerten Krepis gegliedert, die im Osten durch den Eingang zum Dromos unterbrochen ist. Eine Besonderheit der aus isodomen Kalksteinblöcken erbauten Anlage ist ihre fünfeckige Kammer, die von einem Laternendach überwölbt war.

Gültekin grub in den 1950er Jahren auf einem Gebirgszug östlich von Selcuk einen Tumulus aus, dessen Krepis aus großen Quadern bestand. Er enthielt eine dromosartige Kammer, von der im spitzen Winkel seitlich zwei Gänge zur Aufnahme der Bestattung abgingen. Die Deckenkonstruktion ist aus großen vorkragenden Blöcken gebildet, die im spitzen Bogen zusammentreffen. Eine Publikation ist m. W. nie erfolgt. Das Grab ist bisher nur durch zwei Photographien und eine kurze Beschreibung durch Demus Quatember bekannt, die den Tumulus in die Hocharchaik datiert.[34]

Zwölf Kilometer nordöstlich von Ephesos liegt Belevi. Hier wurde der Marmor für das Artemision kostengünstig abgebaut und auf dem Kaystros (türk. Kütschük Menderes) verschifft. Gegenüber den Steinbrüchen befindet sich auf einer Felsnase am Nordabhang des Messogis-Gebirges (türk. „Yatikkale“) ein großer Tumulus, dessen Krepis man im Süden in den anstehenden Fels schlug, im Norden aber - den Hang hinab - aus insgesamt sieben Quaderschichten aufmauerte (Taf. 57,1).[35] Zwei Quaderreihen laufen um und bilden einen Kreis mit einem Durchmesser von 65, 4 m. Ein Zugang zum Dromos, der im Süden auf die Krepis trifft, ist nicht augespart worden. Eine Außengliederung erfolgte aber nicht nur durch die Krepis in Quadersteintechnik, sondern auch durch ein Steinmal, das auf der Spitze aufgesetzt war. Kasper konnte die Reste des Fundaments und das Fragment eines steinernen Schaftes sicherstellen, der möglicherweise in diesen Zusammenhang gehört.[36]

Die eigentliche Grabanlage aus Dromos (circa 27 m x 1, 3 m), Vorraum (circa 2, 5 m x 2, 7 m) und Grabkammer (circa 2, 3 m x 1, 5 m) arbeitete man zum großen Teil in den Fels ein, Fehlstellen wurden mit Steinquadern ausgebessert (Taf. 57,2). Die Wände sind bis auf ein ionisches Kymation, das im Vorraum in 2, 1 m Höhe umläuft, mit dem Zahneisen geglättet. Besonders aufwendig ist die Deckenkonstruktion der Kammern gestaltet. Während die Decke des Dromos aus horizontalen Steinbalken besteht, erhielt der Vorraum ein Laternendach und die zentrale Grabkammer ein falsches Gewölbe aus mächtigen Steinblöcken, die mit Schwalbenschwanzklammern verbunden waren. Um die Kammern zusätzlich vor dem Erddruck zu schützen, befinden sich über den Decken von Vorraum, Grabkammer und dem Dromosende noch zwei bienenkorbförmige Kuppeln, die durch grob ausgearbeitete falsche Gewölbe gebildet werden. Der Tumulus ist zum großen Teil aufgemauert und wurde nur von einer dünnen Schicht Erde abgedeckt.

Eine Trennung der einzelnen Räume erfolgte durch massive Türsteine. Während der Steinblock, der den Vorraum gegen den Dromos hin abschließt noch Türgröße hat, ist der „Durchgang“ zur Grabkammer fensterförmig (0, 7 m x 0, 9 m) und befindet sich 57 cm über dem Fußbodenniveau des Vorraums. Der Verschlußstein der Grabkammer konnte nur von oben, vor dem Verlegen der Deckplatten gesetzt werden. Die Beisetzung erfolgte also noch vor der Vollendung der innersten Kammer, bzw. des Tumulus.

Von besonderem Interesse ist ein Schacht aus Tonröhren, der von der Tumulusoberfläche kommend, in wechselndem Neigungswinkel quer durch Mauerwerk und Aufschüttung führt und schließlich in der Decke am Ende des Dromos mündet. Mit einem Durchmesser von 26 cm wird es sich hier wahrscheinlich um einen Libationsschacht für flüssige Opfer handeln.[37]

Die Ausstattung des Grabes ist weitgehend verloren, im Abraum vor dem Dromos fand Kasper allerdings mehrere Fragmente einer Marmorplatte, die er als die Überreste einer Kline interpretiert.[38] Da die keramischen Lesefunde einen Zeitraum vom Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. bis zum Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. abdecken, schloß Kasper auf einen Kult für den hier bestatteten Toten. In unmittelbarer Umgebung des Tumulus befindet sich jedoch auch Wohnbebauung der archaischen (?) Zeit, aus der diese Scherben ins offene Grab verschleppt worden sein können.[39]

Kasper arbeitet für den Tumulus von Belevi zwei Bauphasen heraus, die sich besonders gut an der Umfassungsmauer ablesen lassen, die eine durch Baufugen voneinander geschiedene Schichtung aufweist. Der ersten Periode gehört die eigentliche Grabanlage mit zwei Quaderlagen der Krepis an, in einer zweiten Phase wurde die Krepis an der Talseite um fünf Schichten aufgestockt und der Tumulus um 2 bis 2, 5 m erhöht. Zahneisenspuren, schwalbenschanzförmige Klammern und die archaischen Parallelen für die Totenkline sind die Indizien für eine Datierung der ersten Anlage in die archaische Zeit. Die Polsterquader der Außenmauer finden ihre besten Parallelen in frühhellenistischer Zeit.[40]

Auch den Grabherrn glaubt Kasper benennen zu können. Der 1000 Jahre andauernde Kult, die Nähe zu den Steinbrüchen des Artemisions und die Datierung in archaische Zeit verbindet er mit einer Nachricht bei Vitruv, nach der ein monatliches Opfer für einen Pixodaros durch einen ephesischen Magistrat dargebracht wurde.[41] Vitruv gibt auch den Hintergrund für diese Ehrung an: Der Genannte ist ein Hirte, der gerade in dem Augenblick die Marmorbrüche entdeckte, in dem die Baukommission das Material für das neue Artemision aus Paros, der Prokonnesos, Herakleia und Thasos teuer importieren wollte. Aus Dankbarkeit änderte man den Namen Pixodaros in Euangelos (= guter Bote) und führte ein monatliches Opfer ein.

Doch schon der Wortlaut bei Vitruv spricht gegen diese Deutung. Der Autor sagt wortwörtlich, das Opfer werde „in eum locum“ dargebracht, d. h. an jenem Platz, an dem Pixodaros den Marmor entdeckte. Von einer Grabanlage weiß Vitruv nichts. Es scheint sich eher um einen Altar im Steinbruch gehandelt zu haben.

Sucht man nach typologischen Parallelen für die monumentale Grabanlage, bieten sich die lydischen Tumulusgräber der Bin Tepe-Nekropole an. Die verhältnismäßig kleinen Räume, die Abfolge von Dromos, Vorraum und Grabkammer, Türsteine, die Krepis aus Quadersteinen, die Bekrönung des Tumulus mit einem Steinmal und die Sitte den Toten auf einer Kline niederzulegen, sind Eigenheiten, die sich bei den zentrallydischen Tumuli finden lassen.[42]

Da es unwahrscheinlich ist, daß sich ein lydischer Monarch an dieser Stelle beisetzen ließ, lohnt es sich die politischen Beziehungen zwischen Ephesos und der lydischen und später persischen Hegemonialmacht genauer zu betrachten.[43] Schon für das frühe 6. Jahrhundert v. Chr. überliefert Aelian die Heirat zwischen einer Tochter des Alyattes und dem ephesischen Tyrannen Melas.[44] Doch nach dieser Periode des guten Einvernehmens änderte sich die lydische Politik unter Kroisos, der darauf drang, seinen Herrschaftsbereich nach Westen auszudehnen. Sein erstes Ziel war Ephesos. Dort herrschte inzwischen Melas’ Sohn Pindaros, der im Zuge der Belagerung durch die lydischen Truppen einen Vergleich mit seinem Onkel aushandelte und unter Zurücklassung seines Besitzes ins Exil ging. Eine andere Version dieses ephesisch-lydischen Konfliktes, nach der sich die Ephesier retteten, indem sie Artemision und Stadt mit einem Seil verbanden und sich auf diese Weise unter den Schutz der Göttin stellten überliefert Herodot.[45]

Nach einem demokratischen Intermezzo um die Mitte des 6. Jahrhunderts kam es in der zweiten Jahrhunderthälfte erneut zur Tyrannis. Ephesos fand sich verhältnismäßig problemlos in die persische Oberherrschaft ein und exponierte sich auch nicht im Ionischen Aufstand. Als möglicher Kontext des Tumulus von Belevi sei hier die Herrschaftszeit der propersischen Tyrannen Komas und Athenagoras vorgeschlagen, die vermutlich von Kyros eingesetzt wurden.[46] Der Grabhügel wäre dieser Datierung zufolge in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. entstanden.

In die Tradition der ephesischen Herrscher stellte sich zwei Jahrhunderte später auch der Erbauer des Mausoleums von Belevi, der den alten Tumulus renovieren ließ.[47]

 

In Analogie zu den Nekropolen von Neandria, Pitane und Ephesos schlug Cook 1981 auch für Klazomenai die Existenz von Grabhügeln über den Sarkophagbestattungen vor.[48] Da sich sonst keine Grabmarkierungen erhalten haben, kann man davon ausgehen, daß kleine Erdhügel, die der Erosion zum Opfer fielen, die Grabstellen bezeichneten.

 

Eine Sarkophagbestattung unter einem Tumulus wurde von Kourouniotis auch auf Chios entdeckt.[49] Eine Terrakottamaske, die als Grabbeigabe im Sarkophag lag, datiert die Bestattung auf circa 500 v. Chr. Der Tymbos hatte einen Umfang von 52 m und eine Höhe von 1 m. Zwei weitere Tumuli waren etwas kleiner.

 

Boehlau publizierte 1898 eine zusammenfassende Arbeit zu ionischen und italischen Nekropolen.[50]

Unter dem Material befanden sich auch die Nekropolen von Samos-Stadt. In der Nordnekropole wurden in unmittelbarer Nachbarschaft eines archaischen Torsos zwei Steinringe entdeckt, die Boehlau als Steinsetzungen von Grabhügeln deutet. Der nördliche der beiden hat einen Durchmesser von 5, 6 bis 6, 6 m, der südliche ist kleiner und fast ganz zerstört. Die Außenseiten der bis zu 1, 95 m langen bläulichen Marmorblöcke, die die Krepis bildeten sind gerundet. In ihrer Mitte befand sich eine Ascheschicht, die eine zerbrochene Amphora und eine Kylix enthielt.[51] Außen schließen sich zwei große Steinsärge an den Tumulus an, auf die Boehlau den erwähnten Torso und ein weiteres Skulpturenbruchstück bezieht.[52] In der Westnekropole konnten keine Erdhügel, wohl aber weitere Steinkreise beobachtet werden, die als Krepides interpretiert werden. Die Krepis von Grab 23 hatte eine Höhe von 80 cm und faßte ein Schachtgrab mit einer Körperbestattung ein.[53] Alle erwähnten Gräber werden in das 6. Jahrhundert v. Chr. datiert.[54] Interessant ist die Verteilung von Brand- und Körpergräbern. Von den insgesamt in der Westnekropole untersuchten 161 Gräbern enthielten nur zwei ein Brandgrab. Lorimer sieht hierin eine bewußte Anknüpfung an die homerischen Epen.[55] Ob das literarische Vorbild Homers bei dem Amphorengrab in der Nordnekropole wirklich Pate gestanden hat, ist nicht zu belegen. Vorsichtiger sollte man hier von einer Sonderbestattung sprechen, über deren Beweggründe wir leider keine Aussage machen können.

 

Erst jüngst wurde ein griechisches Elitegrab publiziert, das bereits 1906 durch Arnold v. Salis ausgegraben wurde und durch ein vollständiges Inventar und seine ungewöhnliche Gesamtanlage aus dem Rahmen des in Ostgriechenland üblichen fällt: Das sogenannte Löwengrab von Milet.[56] Grab und Dromos wurden in den Südhang des südöstlich der Stadt gelegenen Kazartepe eingeschnitten und nach der Beisetzung von einem Tumulus bedeckt (Taf. 58,1). Am Fuß des Hügels führte die ehemalige Prozessionsstraße vorbei, die Milet mit Didyma verband. Man geht heute davon aus, daß zwei große marmorne Löwen, die ebenfalls am Südhang gefunden wurden, als Grabschmuck dienten und in repräsentativer Weise auf die Lage des Grabes hinwiesen.

Den Zugang gewährt ein leicht gekrümmter über 20 m langer Dromos, der waagerecht in den Berg einschneidet und zu einer mit einem Spitzgiebel versehenen Öffnung im Fels führt, die nach der Beisetzung mit großen Steinen zugesetzt wurde. Mit Steinen und zerbrochener Keramik war auch der sich hinter der Tür fortsetzende 9, 5 m lange Gang gefüllt. Im Anschluß erweitert sich die Anlage zu einer Grabkammer (4, 1 m x 3, 34 m x 3, 36 m), deren Decke in Form eines steilen Satteldachs gebildet ist (Taf. 58,2). Der Erhaltungszustand von Beisetzung und Inventar war durch die eingedrungene Feuchtigkeit nicht sehr gut; Salis konnte aber unter einer Schicht modriger schwarzer Erde noch verschiedene Teile sicherstellen, die sich heute in Berlin befinden.

Dünne Bleiplatten, die Salis als feuchtigkeitsabwehrende Unterlage für ein heute verwittertes umlaufendes Holzpodium interpretiert, umrahmen den gesamten Innenraum, in dessen hinterer Hälfte sich parallel zur Rückwand eine Körperbestattung befand. Die Art der Aufbahrung ist ungewiß. Das Skelett lag zwischen zwei Reihen großer Steine. Im Bereich der Körpermitte waren der verstorbenen Person zwei silberne Omphalosschalen mit Lotosblütendekor beigegeben. Außerdem wurden in den Ecken der Kammer verschiedene einfache Keramikgefäße (eine Tasse, ein Stamnos, eine Amphora und eine Schüssel), einige stark angegriffene Eisenstücke, Holzreste und Intarsien aus Knochen und Bernstein aufgefunden, die sich zu mehreren einfachen Rosetten zusammenfügen lassen und möglicherweise ein Kästchen geschmückt haben. Die Datierung ist außerordentlich schwierig und verweist in eine Zeit um die Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr.

Der Aufbau dieses Grabes aus Dromos, Vorraum und Grabkammer erinnert stark an lydische Vorbilder und wurde mit den Tyrannen in Verbindung gebracht, die Milet seit dem ausgehenden 7. Jahrhundert v. Chr. beherrschten. Auch die Art Dromos und Grabtür nach der Bestattung mit Steinen zuzusetzen, findet Entsprechungen bei den lydischen Steinkammergräbern.

 

Nach der Vorstellung des Materials können nun auch die eingangs gestellten Hauptfragen geklärt werden. Die hier vorgelegten Befunde belegen, daß der Tumulus in den Nekropolen der kleinasiatischen Griechen zumindest seit dem späten 7. Jahrhundert v. Chr. bekannt war und im folgenden Jahrhundert in der Funktion eines „grave marker“ eine weite Verbreitung erfuhr. Gewöhnlich bezeichneten die Grabhügel Mehrfachbestattungen in Sarkophagen, Steinkisten und Gefäßen. Da detaillierte Publikationen fehlen, können über die Belegungspraxis keine Aussagen gemacht werden. Als Blütezeit dieser Grabform muß jedoch das 6. Jahrhundert angesehen werden: Der Anblick der Nekropolen von Neandria, Pitane, Larisa, Ephesos, Chios und Samos wurde in dieser Zeit von Grabhügeln geprägt.[57]

Sowohl Philipp als auch Cook stellten in ihren Arbeiten überrascht fest, daß die kärglichen Grabfunde einen Gegensatz zur literarischen Überlieferung bilden, die vom Reichtum und Luxus der Ostgriechen spricht.[58] Sieht man die bekannt gewordenen Gräber als repräsentativen Querschnitt für die Ausstattung des Sepulkralbereichs der einzelnen Poleis an, so liegt der Schluß nahe, daß es in dieser griechischen Region offenbar nicht Sitte war, den Status des Toten durch entsprechende Beigaben im Grab, bzw. einer aufwendigen äußerlichen Gestalt kenntlich zu machen.[59]

Dieser Tradition zuwider entstanden im Verlauf des 6. Jahrhunderts v. Chr. in Larisa, Ephesos und Smyrna Tumulusgräber, die durch zunehmende Größe und eine architektonische Fassung als eigenständiges Grabmonumente angesprochen werden können.[60] Fragt man nach möglichen Auftraggebern für derartige Prunkgräber, so ist an die ostgriechischen Tyrannen zu denken, denen hier drei Grabanlagen mit einiger Wahrscheinlichkeit zugewiesen werden: Das Tantalosgrab in Smyrna, der Tumulus von Belevi und das Löwengrab in Milet.[61] Der konzeptionell größte Unterschied zu den zeitgenössischen „typisch“ griechischen Gräbern macht die Ausführung als Einzelbestattung in einer Grabkammer aus, die im griechischen Kontext sonst nicht belegt ist.[62] Dies gilt für das Tanatalosgrab in Smyrna, den Tumulus von Belevi und das Löwengrab in Milet.

Die Grabhügel von Larisa überdecken keine solchen Kammeranlagen. Sie enthielten ein bis zwei Bestattungen in Steinkisten- oder Ziegelgräbern, fallen jedoch durch ihre Größe und ihre monumentalen Steinkrepides auf.

Die Einführung des Kammergrabes in Smyrna, Belevi und Milet ist hierbei wohl am ehesten dem Einfluß des lydischen Nachbarn zuzuschreiben, der monumentale Tumuli über der Bestattung von Einzelpersonen in Grabkammern seit circa 600 v. Chr. errichtete. Im lydischen und sehr viel besser belegten phrygischen Kulturraum enthielt diese Kammer den auf einem Bett oder einer Kline aufgebahrten Toten, dem die statusträchtigen Paraphernalien des Banketts, große Misch-, Trink- und Gießgefäße, Siebe, Schöpfkellen, Kleidung und vereinzelt Waffen begegeben wurden.

Die beraubte Grabkammer des Tantalosgrabes konnte in dieser Richtung keine Erkenntnisse bringen, während die jüngst erfolgte Publikation des erhaltenen Inventars des Löwengrabes verschiedene Vorratsgefäße und zwei kostbare Omphalosschalen aus Silber erbrachte. Der Tumulus von Belevi enthielt - wie die lydischen Kammergräber - eine Steinkline. Soweit die fragmentarische Überlieferung der Gräber eine Aussage zuläßt, scheint das gemeinsame Trinkgelage als wichtiges gesellschaftliches Forum zur Statusbestimmung auf die Gestaltung des Sepulkralbereichs einen großen Einfluß ausgeübt haben.

Szenen, die diesen Teilaspekt des öffentlichen Lebens zum Gegenstand hatten, wurden seit dem Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr. auf griechischen Vasen thematisiert und eroberten im letzten Drittel dieses Jahrhunderts auf Monumenten der kleinasiatischen Poleis neben Wagenrennen, Tierkämpfen, Reiterfriesen und mythologischen Darstellungen auch den öffentlichen Raum.[63]

Die Einführung der Sitte des Gelages wird - wie auch andere Elemente eines verfeinerten Lebensstils - auf den Einfluß Lydiens zurückgeführt.[64] Das Verhältnis zwischen Griechen und Lydern ist jedoch schon aufgrund der militärischen Bedrohung durch die Mermnaden als ambivalent einzuschätzen und von einer undifferenzierten Nachahmung des östlichen Nachbarn ist daher nicht auszugehen. Viele der ostgriechischen Gewaltherrscher kamen gerade aus Opposition zum Lyderreich an die Macht (Thrasybulos in Milet), andere wie der ephesische Tyrann Melas, der der Schwiegersohn des Alyattes war, arrangierten sich mit Lydien. Die Übernahme „weichlicher“ lydischer Sitten, wie das Tragen purpurner Gewänder, geziertes Gehabe, Lockenfrisuren und der Gebrauch von Parfum durch die Griechen in Kolophon, konnten auch negativ gedeutet werden.[65] Doch solche antilydischen Tendenzen wurden spätestens mit dem Aufgehen der kleinasiatischen Poleis erst in das lydische und später in das persische Herrschaftsgebiet, das den Griechen eine kulturelle und wirtschaftliche Blüte verschaffte, zurückgedrängt. In diesem historischen Kontext gewinnt die These von einer relativ spät einsetzenden Rezeption östlicher Bestattungssitten durch griechische Herrscher in Milet, Ephesos und Smyrna an Plausibilität.[66]

 



[1] Vgl. die Verbreitungskarte 6.1.1.

[2] H. Philipp, Archaische Gräber in Ostionien, IstMitt 31, 1981, 156.

[3] H. Philipp, Archaische Gräber in Ostionien, IstMitt 31, 1981, 149-166 bes. 151. Sie nennt die protogeometrischen Nekropolen in Iasos/Karien und Melie, in denen Grabhügel nicht nachgewiesen werden konnten.

[4] Hdt. 1, 142, von Süden: Milet, Myus, Priene, Ephesos, Kolophon, Lebedos, Teos, Klazomenai, Phokaia, Samos, Chios, Erythrai. Tumuli konnten bisher nur für Milet (?), Ephesos, Klazomenai, Samos und Chios belegt werden.

[5] H. Schliemann, Ilios. Stadt und Land der Trojaner (1881) zu den Tumuli, die er 1879 gegraben hatte 721 ff.

[6] A.-U. Kossatz-Pompé, Studia Troica 2, 1992, 181f.; J.M. Cook, The Troad: an Archaeological and Topographical Study (1973) 63.

[7] R. Koldewey, Neandria, 51. BerlWPr 1891, zu den Nekropolen 14 ff.

[8] Eine Abbildung findet sich bei R. Koldewey, 51. BerlWPr 1891 Abb. C.

[9] W. Koenigs, Kerameikos XII 1980, 40; dem schließen sich auch D. Kurtz-J. Boardman, Thanatos (1971) 220 an.

[10] AJA 65, 1961, 51; AJA 69, 1965, 148; AJA 70, 1966, 157 f.; die sf Keramik aus Pitane liegt in der Zwischenzeit vor: Y. Tuna-Nörling, Die Ausgrabungen von Alt Smyrna und Pitane - Die Attisch-Schwarzfigurige Keramik und der attische Keramikexport nach Kleinasien, Dissertation Heidelberg (1995) 53 ff.

[11] AJA 65, 1961, 51.

[12] H. Philipps, IstMitt 31, 1981, 152.

[13] J. Boehlau-K. Schefold, Larisa am Hermos I (1940) zu der Nekropole 109 ff.

[14] Dieser Datierung schließt sich auch W. Koenigs, Kerameikos XII 1980, 41 an.

[15] Eine Karte des Geländes von R.V. Nicholls und E.A.B. Petty findet sich  in BSA 53-54, 1958/59 Taf. 1.

[16] F. Miltner-H. Miltner, Bericht über eine Voruntersuchung in Alt-Smyrna, ÖJh 27, 1932, Beiblatt 127-190 zum Gräberfeld 149 ff.

[17] Paus. 5, 13, 7.

[18] G. Perrot-C. Chipiez, Histoire de l’art V (1890) 48 f. stützen sich auf die Angaben von Texier und drucken seine Zeichnungen ab.

[19] E. Akurgal, Alt Smyrna (1983) 58 f.: 620-580 v. Chr.; F. Miltner-H. Miltner, ÖJh 27, 1932, Beiblatt 153.144; J. Boehlau-K. Schefold, Larisa am Hermos I (1940) 30; K. Schefold, AA 1934, 388 „großartige Begräbnisstätte eines spätarchaischen Tyrannen“.

[20] A.M. Mansel, Trakya - Kirklareli. Kubbeli mezarlari ve sahte kubbe ve kemer problemi. Die Kuppelgräber von Kirklareli in Thrakien (1943) 47.

[21] Polygonalmauerwerk: J. Boehlau-K. Schefold, Larisa am Hermos I (1940) Taf. 31 a); Kragsteingewölbe: A. M. Mansel, Die Kuppelgräber von Kirklareli in Thrakien (1943) bietet im Tafelteil Vergleichsbeispiele aus Thrakien, von der Halbinsel Kertsch, aus Etrurien, Kleinasien und Ra’s Šamra; Belevi: S. Kasper, ÖJh 51, 1976/77 Beiblatt 127 ff.; es findet sich auch in einem Brunnenhaus in Alt Smyrna wieder, das der orientalisierenden Phase angehört, BSA 53/4, 1958/9, 63 Abb. 15 Taf. 14; nur noch durch eine Beschreibung und eine Zeichnung  ist ein Kammergrab mit falschem Gewölbe und Dromos unter einem Steintumulus erhalten, das Texier aufgenommen hat. Vgl. G. Perrot-C. Chipiez, Histoire de l’art V (1890) 52.

[22] A.M. Mansel, Die Kuppelgräber von Kirklareli in Thrakien (1943) Taf. XIV (Kirklareli A); Lydien: Beispielsweise BT 62, 4 (BASOR 170, 1963, 57) und das Alyattesgrab; E. Akurgal, Alt Smyrna (1983) 80 hält dieses regelmäßig geschichtete Mauerwerk für ein Werk des Zufalls. Gegen eine Spätdatierung spricht nach Akurgal a. O. 58 auch das polygonale Mauerwerk, das der Mauertechnik der subgeometrischen und orientalisierenden Phase des Podiums des Athenatempels ähnelt.

[23] H.C. Butler, Sardis I (1922) 165. Das Grab lag 1, 5 Meilen talaufwärts vom Artemistempel entfernt und enthielt eine exzentrisch angelegte, rechteckige, flachgedeckte Kammer aus Kalkstein. Die 2 m hohe Krepis war aus Sandsteinquadern ausgeführt. „This had been the retaining wall of a tomb similar to the ‘Tomb of Tantalos’.“

[24] E. Akurgal, Alt Smyrna (1983) 58.

[25] G. Langmann, Eine spätarchaische Nekropole unter dem Staatsmarkt zu Ephesos, 1. Beiheft ÖJh (1967) 103 ff.

[26] Strab. 14, 640; G. Langmann, Eine spätarchaische Nekropole unter dem Staatsmarkt zu Ephesos, 1. Beih. ÖJh (1967) 122; Hdt. 1, 26 weiß von einer solchen Umsiedelung nichts, spricht aber von der „alten“ Stadt und gibt die Entfernung zwischen ihr und dem Artemision mit 7 Stadien (rund 1200 m) an. Gegen eine Änderung des Siedlungsplatzes vgl. auch Ö. Özyigit, Spätarchaische Funde im Museum von Ephesos und die Lage von Alt-Ephesos, IstMitt 38, 1988, 83 ff. bes. 94 ff.

[27] Zur Prozessionsstraße vgl. H. Hueber, Ephesos. Gebaute Geschichte (1997) 31 Abb. 39.

[28] H. Vetters, Ephesos. Vorläufiger Grabungsbericht 1977, AnzWien 115, 1978, 5.7.; ders., AnzWien 116, 1979, 125 f.

[29] H. Vetters, Ephesos. Vorläufiger Grabungsbericht 1977, AnzWien 115, 1978, 7.

[30] Ders., Ephesos. Vorläufiger Grabungsbericht 1978, AnzWien 116, 1979, 125 f.

[31] Ders., Ephesos. Vorläufiger Grabungsbericht 1977, AnzWien 115, 1978, 8.

[32] Nicht aufgenommen: 4 km nordöstlich des Artemisions „Köprü tepe“ (=Brückenhügel), RE V, 1905, 2779 s. v. Ephesos (Bürchner) unausgegraben; Pygela (mod. Kustur), südwestl. von Ephesos, Tumulus mit Krepis aus Polsterquadern, Ø 23, 5 m, 1977 durch H. Gürcay untersucht: 1 Grabkammer, Dromos, AJA 82, 1978, 327 u. Abb. 7; A. Bammer, Ephesos. Stadt an Fluß und Meer (1988) 15 u. Abb. 19; beide Tumuli sind auf einer Karte aus dem Jahre 1897 eingezeichnet. Abdruck bei F. Hueber, Ephesos. Gebaute Geschichte (1997) 4/5.

[33] A. Bammer, Ephesos. Stadt an Fluß und Meer (1988) 17 u. Abb. 14.

[34] M. Demus-Quatember, Etruskische Grabarchitektur (1958) 72 Abb. 42.43.

[35] S. Kasper, Der Tumulus von Belevi, ÖJh 51, 1976/77, 127-180.

[36] S. Kasper, Der Tumulus von Belevi, ÖJh 51, 1976/77, 143 f. und Abb 11.

[37] S. Kasper, ÖJh 51, 1976/77, 148.157 f. und Taf. 2 H und I. Unter der Mündung des Schachtes und als Abraum außen vor dem Dromos fand Kasper Gebrauchskeramik und Tierknochen, darunter viele Unterkiefer von Eber, Rind, Schaf, Ziege und Kamel. Da die gesamte Grabanlage schon bei ihrer ersten wissenschaftlichen Untersuchung, 1933, geöffnet war und vorher und nachher mehrfach gereinigt und durchwühlt wurde, ist es m. E. unmöglich von einem ungestörten Befund auszugehen. Auch sieht sich die Opferung ganzer Tierköpfe bei dem geringen Durchmesser der Tonleitung und den mehrfachen Biegungen gewissen Schwierigkeiten gegenüber.

[38] S. Kasper, Der Tumulus von Belevi, ÖJh 51, 1976/77, 156 f. leider ohne Abbildung. AO: Depot des Österreichischen Grabungshauses in Selcuk. Kasper vergleicht die Marmorplatte mit archaischen Klinenfunden aus Sardis, Phokaia und Kirkagac.

[39] S. Kasper, Der Tumulus von Belevi, ÖJh 51, 1976/77, 174 ff.

[40] S. Kasper, Der Tumulus von Belevi, ÖJh 51, 1976/77, 159 ff.

[41] Vitruv 10, 2, 15.

[42] Vgl. hierzu Kapitel 3.1.2.2.

[43] RE V 2 (1905) 2787 ff. s. v. Ephesos (Bürchner).

[44] Ail. var. 3, 26.

[45] Hdt. 1, 26.

[46] H. Berve, Die Tyrannis bei den Griechen (1967) 98 ff. bes. 100.

[47] Zum Mausoleum zuletzt W. Hoepfner, Zum Mausoleum von Belevi, AA 1993, 111-123. Hoepfner schreibt das Mausoleum Lysimachos zu.

[48] R.M. Cook, Clazomenian Sarcophagi (1981) 154.

[49] ADelt 1, 1915, 67-71 Abb. 1. 3. FO Latomi/bei Chios-Stadt. Insgesamt untersuchte Kourouniotis 1913 circa 30 Gräber am Südwesthang eines alten Steinbruchs. Unbemalte Terrakottasarkophage und wenige Beigaben weisen auf eine Belegung des Friedhofs seit dem späten 6. Jahrhundert v. Chr. hin.

[50] J. Boehlau, Aus ionischen und italischen Nekropolen (1898) 32 ff. 26 ff.; zu Samos vgl. P. Gercke-W. Löwe (Hgg.), Samos - die Kasseler Grabung 1894, Ausstellungskatalog Staatl. Museen Kassel (1996).

[51] J. Boehlau, Aus ionischen und italischen Nekropolen (1898) 33 Abb. 20.

[52] Der Torso ist bei Richter, Kouroi als Nr. 121 aufgenommen. Vathy Mus. o. Inv. Nr., H: 0, 85 m.

[53] J. Boehlau, Aus ionischen und italischen Nekropolen (1898) 28 Abb. 18.

[54] 1969 kamen erstmals auf Samos auch Bestattungen des 7. Jahrhunderts v. Chr. zutage; s. K. Tsakos, AAA 2, 1969, 202 ff.

[55] H.L. Lorimer, Homer and the Monuments (1950) 108.

[56] G. Kleiner, Die Ruinen von Milet (1968) 127; H. Philipp, IstMitt 31, 1981, 150; E. Forbeck-H. Heres, Das Löwengrab von Milet (1997).

[57] Einen ganz ähnlichen Anblick müssen auch die Nekropolen an der thrakischen Küste geboten haben. So wurde Abdera von Teiern gegründet, die sich der Persergefahr durch die Aufgabe ihrer alten Heimat entzogen und die die durch den Oikisten Timesios von Klazomenai gegründete Stadt an der thrakischen Küste neu besiedelten (Hdt. 1, 168). Mehr als 500 Tumuli enstanden hier zwischen dem 6. und dem 3. Jahrhundert v. Chr, von denen erst eine kleine Zahl untersucht ist. Es handelt sich um Mehrfachbestattungen in Steinkisten und Pithoi, die von den Ausgräbern als Familiengrabstellen interpretiert werden. Die Anlagen wurden nach der Bestattung von einem niedrigen Erdhügel markiert. Vgl. Ch. Koukouli-Chrysanthaki, The Cemeteries of Abdera, in: J. de La Genière (Hrsg.), Nécropoles et sociétés antiques, KB Lille 1991 (1994) 33 ff.

[58] H. Philipp, IstMitt 31, 1981, 159 f. Als Ausnahme kann ein Grab auf Samos aus der 2. Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr. angesprochen werden, das Elfenbeingegenstände, Goldblätter und Silberohrringe enthielt (Grabung K. Tsakos, AAA 2, 1969, 202 ff.). Reichere Gräber sind auch aus Rhodos, Pitane, Grynaion, Assos und Sardis bekannt: „Die wenigen genannten reicheren Befunde des 6. Jahrhunderts charakterisieren offenbar, will man sie nicht als zufällige Ausnahmen ansehen, die Gepflogenheiten nichtionischer Randgebiete.“ (Philipp a. O. 160); R.M. Cook, Clazomenian Sarcophagi (1981) 154 „It seems then that there was some sort of sumptuary convention (but not law, since the cost of sarcophagi must have varied greatly) and, if a painted sarcophagus was provided, there was no need to put other durable objects with the dead.“

[59] Oder die Hinweise innerhalb der Ausstattung sind zu subtil um mit den Mitteln der Archäologie erkannt zu werden.

[60] Eine Monumentalisierung der Gräber in Larisa ist auch deshalb interessant, weil sich hier vielleicht auch architektonisch eine Tyrannis nachweisen läßt. Auf der Akropolis legten Boehlau und Schefold einen Baukomplex frei, der als Palastanlage gedeutet wird. Die Neubearbeitung durch H. Lauter, Die beiden älteren Tyrannenpaläste in Larisa am Hermos, BJb 75, 1975, 33-57 erbrachte mehrere Bauphasen, von denen die älteste ein Megaronkomplex ist, der dem frühen 6. Jahrhundert v. Chr. zugewiesen wird. (In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, daß bereits das große Megaron auf der Akropolis von Gordion für den Palast des Midas in Anspruch genommen wird.) C. Nylander, Ionians at Pasargadae (1970) 117 sah im Megaron einen orientalischen Palastbau, dessen architektonisches Konzept via Sardis (wo keine archäologischen Befunde vorliegen) nach Larisa gekommen sei. Dagegen G.M.A Hanfmann, Sardis From Prehistoric to Roman Times (1983) 73.

[61] P.H. Young, Building Projects and Archaic Greek Tyrants (1980) bearbeitet das Material von Korinth, Samos und Athen und kann als Bauprojekte der Tyrannen nur öffentliche Bauten wie Tempel, Befestigungs- und Wasserversorgungsanlagen belegen. Selbst die Ausstattung des „Tyrannenpalastes“ scheint auf einem verhältnismäßig geringen Niveau gelegen zu haben. Für Polykrates ist literarisch nur ein luxuriös ausgestattetes Andron aber kein Palast überliefert (Zitate: Young a. O. 80 f.); vgl. hierzu auch die Beiträge von K. Mieth und J. Kiegeland in dem von W. Hoepfner und G. Zimmer herausgegebenen Sammelband „Die griechische Polis. Architektur und Politik“ (1993).

[62] Sowohl die mykenischen Tholosgräber als auch die Kammergräber der Dark Ages in Thessalien, Rhodos und auf Kreta enthalten Mehrfachbestattungen und waren über einen längeren Zeitraum in Gebrauch. Vgl. N. Coldstream, JHS 96, 1976, 13 f.

[63] TK Fries aus Larisa: A. Akerström (Hrsg.), Die architektonischen Terrakotten, Larisa am Hermos II (1940) 15 f. Taf. 22 ff; Architrav Assos/Troas: F. Sartiaux, Les sculptures et la restauration du Temple d’Assos en Troade (1915) 28 Abb. 7; Vasenmalerei: B. Fehr, Orientalische und griechische Gelage, Diss. Marburg 1968 (1971); zur Reliefplastik: Fehr a. O. Kat. Nr. 465 ff.

[64] B. Fehr, Orientalische und griechische Gelage, Diss. Marburg 1968 (1971) 129; J. Boardman in: O. Murray (Hrsg.), Sympotica, KB Oxford (1990) 129.

[65] Xenophanes, fr. 3 in: H. Diels, Die Fragmente der Vorsokratiker I (1934) „Weichlichen Prunk (abrosunaV), nutzlosen, erlernten sie von den Lydern und, solange sie noch frei waren von der verhaßten Zwingherrschaft, schritten sie zur Versammlung mit ganz purpurnen Gewändern nicht weniger denn tausend zumal, vornehm tuend, prahlend mit ihren wohlgezierten Locken, triefend von Duft durch künstlich bereitete Salben.“

[66] Dagegen F. Prayon, Ostmediterrane Einflüsse auf den Beginn der Monumentalarchitektur in Etrurien?, JbZMusMainz 37, 1990, 519 „Bei der allgemeinen Dominanz der ostgriechischen/jonischen Kunst gegenüber der lydischen halte ich es zumindest für erwägenswert, ob nicht sogar der Typus des hier zur Diskussion stehenden Tumulusgrabes mit Krepis und steinerner Bestattungskammer letztlich jonischen Ursprungs ist, also von der Küste aus nach Lydien vordrang und hier unter der autokratischen Mermnadendynastie dann seine monumentale Ausprägung erfuhr.“ Es erscheint mir wenig wahrscheinlich, daß eine Großmacht von der Bedeutung Lydiens eine wenig entwickelte Grabform benachbarter Stadtstaaten, die Lydien zum großen Teil unterlegen waren, übernommen hätte.