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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-43782
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2009/4378/


Einfluss der sexuellen Orientierung auf koordinative Fähigkeiten und Schnellkraft am Beispiel des Ballweitwurfes

Sexual orientation and coordination abilities as well as speed power –a comparative study with homosexual and heterosexual male athletes considering as example distance throwing of ball.

Thieß, Jens Dirk

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SWD-Schlagwörter: Sexuelle Orientierung , Wurf , Spielverhalten
Freie Schlagwörter (Deutsch): koordinative Fähigkeiten , kindliches Spielverhalten , Ballwurf , homosexuell , Männer
Freie Schlagwörter (Englisch): sexual orientation , coordinative abilities , homosexual , ball , task
Basisklassifikation: 44.74
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Berner, Wolfgang (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 26.10.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 30.11.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Die derzeit am intensivsten diskutierte Theorie über die Entwicklung der sexuellen
Orientierung ist die neurohormonelle Theorie, nach der männliche Homosexualität – oder
zumindest deren Anlage - durch atypische Spiegel von Geschlechtshormonen –
insbesondere Testosteron - zu einem speziellen kritischen pränatalen Zeitpunkt der
Gehirnentwicklung entsteht. Normale Testosteronspiegel führen zu einer Maskulinisierung
bzw. Defeminisierung des Gehirns, während ein Mangel eine gegengeschlechtlliche
Organisierung bewirkt. Davon ausgehend haben wir geschlussfolgert, dass entsprechend
auch andere testosteronabhängige Charakteristika einem entsprechenden Effekt unterliegen
und stellen ausgehend von der Literatur die Hypothese auf, dass auch koordinative
Fähigkeiten betroffen sind.
Um die Hypothese zu belegen, wurde die Leistung von 21 homosexuellen und 19
heterosexuellen Sportlern in einer geschlechtsdifferenten Koordinationsaufgabe, dem
Ballweitwurf, verglichen. Diese Sportdisziplin wurde gewählt, da neben der Schnellkraft,
welche wir mittels Handkraftmessung (Handdynamometer) objektivieren konnten, der
zweite entscheidende Leistungsfaktor die koordinativen Fähigkeiten sind. Die 40 Sportler
wurden über Sportvereine in Köln rekrutiert. Für die homosexuellen Sportler haben wir uns
gezielt an homosexuelle Sportvereine gewandt. Eingeschlossen wurden zu jeweils nahezu
gleichen Teilen Läufer und Schwimmer. Da die Leistung im Ballweitwurf auch von den
Faktoren Alter, Größe, Körpergewicht und Leistungsstand abhängt, wurden diese Faktoren
ebenfalls erfasst, zudem der soziale Status, die Art der beruflichen Tätigkeit und das
kindliche Spielverhalten. Jeder Teilnehmer hatte drei Würfe ohne und drei Würfe mit
Anlauf.
Die heterosexuellen Sportler übertrafen die homosexuellen Sportler bei den Würfen ohne
Anlauf (35,38m vs. 28,17m; p=0,001) ebenso wie bei den Würfen mit Anlauf (39,93m vs.
31,51m, p=0,002). Wenn die Handkraft als Maß für die Schnellkraft als Co-Variable
berücksichtigt wird, blieb das Ergebnis signifikant. Die Leistung war auch signifikant vom
kindlichen Spielverhalten abhängig: ein maskulineres Spielverhalten korrelierte mit einer
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größeren Wurfweite. Insgesamt aber war auch bei Berücksichtigung aller anderen
erhobenen Parameter die sexuelle Orientierung der stärkste Einflussfaktor.
Damit wurde ein weiteres Beispiel gegeben, dass die sexuelle Orientierung keine isolierte
Eigenschaft ist, sondern mit anderen Merkmalen verknüpft ist. Viele dieser Merkmale
werden bereits pränatal durch die Androgenwirkung in uteri durch Organisierung des
Gehirns ausgebildet. Auch die Anlage von bestimmten Mustern koordinativer Fähigkeiten
könnten auf diesem Wege beeinflusst werden. Gleichwohl wurde in der
sportwissenschaftlichen Literatur beschrieben, dass die Ausbildung koordinativer
Fähigkeiten zu einem großen Teil trainingsbedingt ist, so dass wir die Vermutung geäußert
haben, dass die Unterschiede der koordinativen Fähigkeiten zwischen homosexuellen und
heterosexuellen Sportlern auch Folge des unterschiedlichen Spielverhaltens als Kind sind.
Laut Literatur stellt das kindliche Spielverhalten den besten Prädiktor für spätere
Homosexualität dar. Die letztlich hier nicht zu klärende Frage bleibt, ob das Spielverhalten
die koordinativen Fähigkeiten prägt oder umgekehrt, die mitgegebenen koordinativen
Fähigkeiten und die pränatal determinierte Veranlagung der sexuellen Orientierung das
Spielverhalten. Am ehesten ist von einem komplexen Zusammenspiel und entsprechender
gegenseitiger Wechselwirkung aller Faktoren auszugehen.
Kurzfassung auf Englisch: At present one of the most discussed theories of development of sexual orientation is the neuro hormonal theory (Mustanski BS, 2002, Ellis L, 1987, Collaer ML & Hines M, 1995, Rahmann Q, 2005). It supposes, that male homosexuality may be caused by abnormal levels of testosterone at a specific critical prenatal period during the brain´s sexual differentiation (Gooren KJ, 2002, Roper, WG, 1996). Normally Testosterone would lead to a masculinization/ defeminization of brain and its absence causes an opposite-sex brain´s organization. If so, than other testosterone depending characteristics, such as 2D:4D length ratio (Manning JT, 2003), the pattern of cerebral lateralization (Reite M, 1995, Alexander JE & Sufka KJ 1993) or handedness should be affected, too. We hypothesize, that even coordination abilities are also affected. Therefore we compared the performance of 21 homosexual and 19 heterosexual athletes in a sex different coordination task: distance ball throwing task. The decisive performance factors are next to speed power above all coordination abilities. The 40 athletes were recruited via sports-clubs in cologne; for the homosexual athletes specific gay sports-organizations. We only recruited runners und swimmers to get a more standardized sample. As the performance of ball throwing also depends on other items, such as power we included registration of hand-power via dynamometer as well as questions concerning the childhood play behaviour, age, height, weight and others. Each participant had three attempts without and three with run up. Results:
Homosexual athletes were highly significant outperformed by heterosexual athletes without run up (p= 0,001; One-Way-ANOVA) as well as with run up (0,002; One Way ANOVA). The average difference was 7,23 m (without run up) and 8,39m (with run up). Also when considering hand-power the results were still significant. More over the heterosexual athletes showed the trend to improve their performance with run up better than the homosexual athletes did. The performance was also significantly dependent on childhood play behaviour. The more masculine the play behaviour was indicated, the better was the performance in throwing. But in general the sexual orientation was a distinct stronger influencing factor than all other items. Finally we discuss the results and compare them with literature, which shows a similar trend with several gender-typical abilities in a cross sex direction for homosexuals. Furthermore we discuss the results concerning the childhood play behaviour whether it affects the coordination abilities directly or via the sexual orientation. Last but not least we establish an association with the neuro-hormonal theory.

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