DC ElementWertSprache
dc.contributor.advisorFischer, Norbert-
dc.contributor.authorNissen, Wiebke Sophie-
dc.date.accessioned2026-01-14T16:41:48Z-
dc.date.available2026-01-14T16:41:48Z-
dc.date.issued2025-
dc.identifier.urihttps://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/12094-
dc.description.abstractDie vorliegende Arbeit untersucht über 30.000 Sterbefälle aus zwölf ausgewählten Dithmarscher Gemeinden in Schleswig-Holstein. Sie umfasst einen Zeitraum von insgesamt 80 Jahren vor und nach der Wende ins 20. Jahrhundert. Zahlreiche Aspekte aus den Bereichen Volkskunde, Kirchengeschichte, Politik, Verwaltungs- und Sozialgeschichte sowie Medizingeschichte wurden in die Untersuchung einbezogen. Die Basis hierzu bildeten die Ordnungssysteme der preußischen Standesämter, insbesondere die Erfassung von Toten in Sterbebüchern. Weiterhin wurden vereinzelt biografische Angaben zu den Verstorbenen mit herangezogen, soweit vorhanden. Parallel dazu erfolgte die Auswertung von Akten aus Ämtern und Einträgen in Kirchenbüchern. Die Gemeinden, deren Bevölkerungen zu dieser Zeit überwiegend in der Landwirtschaft und Fischerei tätig waren, befanden sich alle nahe der Nordseeküste in den Marschgebieten, die durch Deiche und ein komplexes Entwässerungssystem geprägt sind. Es zeigte sich, dass für das Verständnis der Lebens- und Todesumstände insbesondere auch die spezifischen regionalen und naturräumlichen Gegebenheiten von Bedeutung sind, wie sie etwa Landgewinnungsmaßnahmen mit den Eindeichungen von Marschen, der Errichtung von Kögen und Wurten, aber auch Sturmfluten darstellen. Es erwies sich als unerlässlich, ergänzend auch ökonomische und gesellschaftliche Aspekte zu untersuchen. Dazu gehören Erwerbstätigkeiten, Infrastrukturen wie öffentliche Wege, Verkehr, Telefon und Elektrizität sowie die medizinische und soziale Situation. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere die hygienischen Verhältnisse in den Marschen im betrachteten Zeitraum äußerst problematisch waren. Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen waren nicht ausreichend vorhanden oder erreichbar. Weiterhin müssen Trinkwasser- und auch Abwassersysteme als völlig unzureichend bewertet werden. Konsumiertes Wasser war häufig mit Krankheitskeimen aus Zersetzungsprodukten von menschlichem und tierischem Kot und Urin kontaminiert, was zu erheblichen gesundheitlichen Risiken und zahlreichen Infektionen geführt hatte. Diese schlechten Bedingungen trugen maßgeblich zu der überaus hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit mit fast 40% aller Todesfälle bei. In einigen Jahren und Gemeinden lag dieser Wert sogar bei dem Doppelten. Im Untersuchungszeitraum wurde auch ein erheblicher Anteil von Sterbefällen durch Suizide und berechtigt zu vermutende Suizidverdachtsfälle dokumentiert. Suizide machten einen Anteil von fast 4% der Gesamtzahl aller Verstorbenen aus. Der Anteil von Frauen betrug etwa ein Drittel. Die Motive für einen Suizid waren vielfältig und reichten von psychischen Erkrankungen und Kriegserfahrungen bis hin zu sozialen und finanziellen Belastungen. Besonders auffällig war der Anstieg der Suizidrate in der Zeit der Weimarer Republik. Einige Akten enthielten Hinweise auf ein Motiv für einen Suizid wie etwa Schwermut, Einsamkeit, Geisteskrankheit, Kriegserlebnisse, Liebeswahn, Schwangerschaft, Verschuldung, Homosexualität, Angst vor Bestrafung oder körperliche Gebrechen im Alter. Für das Lebensgefühl vieler Dithmarscher kamen als einen Suizid begünstigende Faktoren offenbar auch die Abgeschiedenheit und die Lage am Meer hinzu: einsam gelegene Höfe und die reizarme, karge, vielleicht sogar als trostlos empfundene, vollkommen flache Marschlandschaft mit dem rauen, windreichen und nasskalten Klima. Weitere Kapitel über Todesfälle durch Krankheiten, Unfälle, Alkoholismus, Mord und Totschlag und auch über die kriegsbedingten Todesfälle unter den Soldaten, Zivilpersonen und Zwangsarbeitern ergänzen das Verständnis der Lebensbedingungen und der sozialen Verhältnisse der damals lebenden Dithmarscher. Den Kern dieser Studie bildet aber die Untersuchung von Todesfällen durch Ertrinken auf der See- und auf der Landseite. 822 Menschen ertranken in der Zeit dieser Erhebung: 508 in der Nordsee vor der Küste Dithmarschens, 314 ertranken in Binnengewässern wie Gräben, Teichen und Tränkstellen, Wassertonnen und Brunnen. Kinder, vor allem Jungen, waren besonders gefährdet, insbesondere bei den Tränkstellen, Gräben und Pfützen in unmittelbarer Umgebung ihrer Wohnhäuser. Durch die gravierenden Veränderungen in den in dieser Arbeit skizzierten Lebens- und Arbeitsbedingungen der Dithmarscher sank die Zahl der in Binnengewässern Ertrunkenen in den Jahren nach dem Erhebungszeitraum erheblich und liegt heute nahezu bei null. Dieselbe Tendenz ließ sich auch für die auf dem Meer Ertrunkenen nachweisen: Anhand zahlreicher, zum Teil ausführlich geschilderter Beispiele von Schiffsunglücken konnte ein Eindruck davon gewonnen werden, wie gefahrvoll das Fahren und Arbeiten auf der Nordsee bis in die 1950er Jahre hinein war, bevor durch die Entwicklung von Schiffsmotoren und moderner Navigations-, Kommunikations- und Informationstechnologien das Befahren der Nordsee zunehmend sicher wurde. .de
dc.description.abstractThis study examines more than 30,000 deaths in twelve selected communities within the district of Dithmarschen in northern Germany over a total period of 80 years prior, and subsequent to the beginning of the 20th Century. A wide range of aspects from the fields of ethnology, church history, administrative, social, as well as medical history were included in the study, which is based on the classification systems of the Prussian registry offices, in particular the records of deaths in the death registers. In addition, occasional biographical details relating to the deceased were included, insofar as these were available. Parallel to this, local authority and church records were evaluated. During the period investigated, the inhabitants of these coastal communities were primarily occupied in agriculture and fishing. These areas of the North Sea coast are characterised by dykes and a complex drainage system. In order to understand the circumstances of life and death, in particular the specific regional and natural environment factors such as land reclamation measures, including the dyking of marshland, construction of polders and dwelling mounds, as well as the hazards due to storm tides were found to be significant. It also proved necessary to investigate other economic and social aspects. These included occupations, infrastructures such as public rights of way, transport, telephones and electricity, as well as medical and social conditions. The results showed that especially the hygienic conditions in the low-lying coastal regions were extremely problematic during the period under investigation. Sufficient hospitals and medical facilities were not available or accessible. Furthermore, drinking water and sewage systems were found to be completely inadequate. Water for human consumption was often contaminated with pathogens due to the decomposition of human and animal faeces and urine, which resulted in considerable risks to health and a large number of infections. These poor conditions made a significant contribution to the extremely high mortality rates in infants and young children, which accounted for almost 40% of the total number of deaths. In some communities, this value nearly doubled in particular years. During the period under consideration, a significant proportion of deaths due to suicide and justifiably suspected suicide were documented. Suicides accounted for almost 4% of all deaths. The proportion of women was approximately one third. The motives for suicide were varied and ranged from mental illness and wartime experiences to social and financial stresses. An increase in the number of suicides during the time of the Weimar Republic was especially noticeable. Some records contained indications of the motives for the suicide, such as lovesickness, pregnancy, debt, homosexuality, fear of punishment or frailty in old age. For many people in Dithmarschen, contributory factors for suicide were apparently the remote coastal location, isolated farmsteads, and the monotonous, even bleak atmosphere of the flat marshland with its harsh, windy, cold and wet climate. Further sections relating to deaths due to disease, accidents, alcoholism, murder and manslaughter, as well as deaths due to war among soldiers, civilians and forced labourers supplement the understanding of the living conditions and social circumstances of the people who lived in Dithmarschen during this period. However, the examination of deaths due to drowning, both at sea and on land. forms the core of this study. During the investigated period 822 people drowned, 508 of these in the North Sea on the coast of Dithmarschen, 314 in inland waters such as ditches, ponds and watering places, water butts and wells. Children, primarily boys, were especially endangered, in particular due to cattle watering places, ditches and pools in the immediate vicinity of their homes. Due to the considerable changes in the living and working conditions of the people of Dithmarschen as outlined in this study, the incidence of drowning in inland waters reduced considerably during the investigated period and is now almost insignificant. The same tendency is also apparent for the incidence of drowning at sea. On the basis of to some extent detailed descriptions of maritime accidents, it was possible to obtain an impression of the hazards of work and navigation on the North Sea up to the 1950s, before the development of marine engines and modern navigation, communication, and information technologies mitigated the hazards of navigation on the North Sea.en
dc.language.isodede_DE
dc.publisherStaats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzkyde
dc.rightshttp://purl.org/coar/access_right/c_abf2de_DE
dc.subjectEmpirische Kulturwissenschaftde
dc.subjectArchivalische Quellende
dc.subjectNeueste Zeit um 1900 (1874-1957)de
dc.subjectSchleswig-Holsteinde
dc.subjectDithmarschende
dc.subjectNordseede
dc.subjectNordseeküstede
dc.subjectMarschde
dc.subjectSozialgeschichtede
dc.subjectMedizingeschichtede
dc.subjectSterbefällede
dc.subjectTodesursachende
dc.subjectSchiffsunglückede
dc.subjectErtrinkende
dc.subjectErtrinkungstodde
dc.subjectKindersterblichkeitde
dc.subjectSuizidede
dc.subject.ddc943: Geschichte Deutschlandsde_DE
dc.titleSterbefälle und Todesursachen in den Küstengebieten Dithmarschens 1874–1957 auf der Basis archivalischer Quellende
dc.title.alternativeMortalities and Causes of Death in the Coastal Region of Dithmarschen (Germany) 1874-1957 on the Basis of Archival Sourcesde
dc.typedoctoralThesisen
dcterms.dateAccepted2025-11-14-
dc.rights.cchttps://creativecommons.org/licenses/by/4.0/de_DE
dc.rights.rshttp://rightsstatements.org/vocab/InC/1.0/-
dc.subject.bcl15.50: Schleswig-Holstein, Lübeck, Hamburgde_DE
dc.subject.gndVolkskundede_DE
dc.subject.gndNeueste Zeitde_DE
dc.subject.gndMedizingeschichtede_DE
dc.subject.gndSchleswig-Holsteinerde_DE
dc.subject.gndStandesregisterde_DE
dc.subject.gndKirchenbuchde_DE
dc.subject.gndReaktionszeit <Geschichte>de_DE
dc.type.casraiDissertation-
dc.type.dinidoctoralThesis-
dc.type.driverdoctoralThesis-
dc.type.statusinfo:eu-repo/semantics/publishedVersionde_DE
dc.type.thesisdoctoralThesisde_DE
tuhh.type.opusDissertation-
thesis.grantor.departmentPhilosophie und Geschichtswissenschaftde_DE
thesis.grantor.departmentKulturgeschichte und Kulturkundede_DE
thesis.grantor.placeHamburg-
thesis.grantor.universityOrInstitutionUniversität Hamburgde_DE
dcterms.DCMITypeText-
dc.identifier.urnurn:nbn:de:gbv:18-ediss-133698-
item.creatorOrcidNissen, Wiebke Sophie-
item.fulltextWith Fulltext-
item.creatorGNDNissen, Wiebke Sophie-
item.grantfulltextopen-
item.languageiso639-1other-
item.advisorGNDFischer, Norbert-
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen
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Dissertation-Nissen-2025-12.pdfPhD Thesis27f60374f44a2e6ce27a4f97ea9076a624.87 MBAdobe PDFMiniaturbild
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Anhang Diss. Nissen Tabellen der Sterbebfälle der 12 Gemeinden.pdfappendix: table of deaths in the 12 communities1618b7c7afcf0dd8a7bd40cd1f8a2a102.94 MBAdobe PDFMiniaturbild
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Anhang Diss. Nissen Übersichts-Tabelle.pdfappendix: excel table623d601c5e190ace9f470d8b0f227c81276.55 kBAdobe PDFMiniaturbild
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