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Hamburg, Carl von Ossietzky

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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-97979
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2019/9797/


Epidemiologische Auswertung der verschiedenen Odontalgien am Patientenklientel des Kassenzahnärztlichen Notdienstes Hamburg (2013 bis 2015)

Epidemiological evaluation of different odontalgia by patients of the dental emergency service hamburg (2013-2015)

Polychronakos, Stephan

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SWD-Schlagwörter: Antibiotikum , Schmerz , Zahn
Freie Schlagwörter (Deutsch): Zahnschmerz , Therapie , Verschreibungsverhalten
Freie Schlagwörter (Englisch): dental pain
Basisklassifikation: 44.96 , 44.05
Institut: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Platzer, Ursula (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 02.05.2019
Erstellungsjahr: 2019
Publikationsdatum: 19.06.2019
Kurzfassung auf Deutsch: Die häufigsten in zahnärztlichen Notdiensten auftretenden Notfälle sind Zahnschmerzen oder auf das Kausystem bezogene Schmerzen. Trotz des in den letzten Jahrzehnten zweifellos erzielten Präventionserfolges, der zuletzt durch JORDAN und MICHEELIS (2016) in der V. Deutschen Mundgesundheitsstudie dargestellt wurde, ist ein Rückgang der Patientenzahlen in zahnärztlichen Notdiensten nicht festzustellen (CACHOVAN et al. 2013).
Diese Arbeit beinhaltet eine Auswertung und Analyse des Kassenzahnärztlichen Notdienstes Hamburg aus den Jahren 2013 bis 2015. In diesem Zeitraum wurden 21565 Patienten versorgt und somit erfasst.

Folgende Hypothesen wurden vor Auswertung der Daten von uns aufgestellt:
I. Der Patient im Zahnärztlichen Notdienst ist vornehmlich männlich und zwischen 25 und 34 Jahren alt.
II. Pulpitis ist die häufigste Diagnose, die zur Vorstellung im Zahnärztlichen Notdienst führt.
III. Im Zahnärztlichen Notdienst wird zu selten kausal therapiert.
IV. Das Durchführen einer kausalen Therapie ist von der Diagnose und dem Versicherungsstatus abhängig.
V. Es gibt keinen signifikanten Unterschied zwischen verschiedenen Zahnärzten bei der Häufigkeit der Durchführung kausaler Therapien.
VI. Im Zahnärztlichen Notdienst wird zu häufig ein Antibiotikum verordnet.
VII. Die Verschreibung von Antibiotika wird nicht alleine durch die Diagnose beeinflusst/vorgegeben.
VIII. Es gibt keinen signifikanten Unterschied zwischen verschiedenen Zahnärzten bei der Verschreibung von Antibiotika.

In einer Exceltabelle wurden Geschlecht, Alter, Versicherungsstatus, Vorkommen von Schmerzen, betroffener Zahn, Diagnose, Therapie, Verschreibung von Analgetika und Antibiotika sowie der behandelnde Arzt aufgenommen. In der Folge wurde die deskriptive Analyse der Daten durch vornehmlich grafische Methodik durchgeführt. Mit Hilfe des Chi- Quadrat-Tests wurde eine Korrelationsanalyse in Bezug auf den Einfluss des Arztes sowie der Verschreibung von Antibiotika angewandt. Die Auswirkungen möglicher Einflussgrößen (Alter, Diagnose, Versicherungsstatus, Arzt) auf die Verschreibung von Antibiotika und der Durchführung einer kausalen Therapie erfolgte mit Hilfe der logistischen Regression.
Das Durchschnittsalter des vorstelligen Patienten lag bei 35 Jahren und mit 55% suchten etwas mehr Patienten als Patientinnen den Notdienst auf. Die mit Abstand häufigste Diagnose war die akute apikale Parodontitis gefolgt von der Pulpitis und der akuten marginalen Parodontitis.
Der Anteil der kausal therapierten Patienten lag mit 60,4% bei dem erwarteten niedrigen Wert. Die Auswertung ergab, dass die Durchführung einer kausalen Therapie vornehmlich von der Diagnose und dem behandelnden Arzt abhing. Antibiotika wurden in 21% der Fälle verschrieben. Den größten Einfluss auf die Verschreibung von Antibiotika nahmen die Diagnose, der behandelnde Arzt und das Vorhandensein von Schmerzen.
Ein Großteil der Beschwerden ist auf nicht oder nicht erfolgreich diagnostizierte und therapierte Karies zurückzuführen. Durch Präventionsmaßnahmen, wie professionelle Zahnreinigung und Optimierung der eigenen Mundhygiene, oder spätestens durch Früherkennung und entsprechend fachgerechte Behandlung wären die Pulpitis und dementsprechend auch die akute apikale Parodontitis zu verhindern. An dieser Stelle scheint, trotz der im Allgemeinen verbesserten Mundgesundheit, das System an seine Grenzen zu stoßen.
Für Folgearbeiten wäre die Erhebung des Sozialstatus, der uns nicht möglich war, mit Sicherheit eine interessante Bereicherung.
Der zu geringe Anteil an kausalen Therapien scheint primär dem hohen Patientenaufkommen geschuldet zu sein. Um diesem gerecht zu werden, wäre vermutlich mehr Personal hilfreich was wiederum die Kosten steigern würde.
Die ärztliche Kompetenz bei der Behandlung von Notfällen sollte durch entsprechende Leitlinien und Qualitätsstandards optimiert werden. Dies wären sinnvolle Maßnahmen, um die ursachenbezogenen therapeutischen Eingriffe zu steigern. Die Basis hierfür muss in einer evidenzbasierten Gesundheitspolitik liegen.
Die in unserer Arbeit und der Literatur belegte zu hohe Verschreibungsrate von Antibiotika kann nach einer Umfrage des Robert Koch Instituts am ehesten durch industriell unabhängige Leitlinien gesenkt werden.
Der erwiesene Einfluss des Arztes auf die Verschreibungsrate von Antibiotika scheint in dem jeweiligen Arzt-Patienten-Verhältnis, der zur Verfügung stehenden Zeit pro Patient sowie dem fachlichen Wissen begründet zu sein.
Kurzfassung auf Englisch: This dissertation includes an evaluation of 21565 patients consulting the Dental Emergency Clinic in Hamburg during the period of 2013 until 2015.
In collecting the information about age, sex, insurance status, occurence of pain, affected tooth/teeth, diagnosis, therapy, prescription of analgesics and/or antibiotics and the consulted doctor it was possible to analyze these datas.
The average age of the patients was 35 years and 55% of all patients were male. The most common diagnosis was the acute apical periodontitis, followed by pulpitis and acute marginal periodontitis.
60,4% of the patients were treated causally based on the diagnosis fort he pain. In 21% of all cases antibiotics were prescripted due to the occurrence of pain and the diagnosis made by the consulted doctor.
A big part of the complaints/pains could be traced back to late diagnostics or failed therapy of caries. By using correct prevention measures such as professional tooth cleaning and/or early detection of caries, pulpitis and thus acute apical periodontitis could have been prevented.
It appears that the health system (despite a generally improved dental health) is presently reaching its limits regarding emergency treatments. For future studies it would be an advantage to include the social status of the patients.
The high number of patients having engaged the services of the Dental Emergency Clinic has been causing the low number of causally treated cases. To change and improve this situation an increase of staff would be helpful, even though this would mean higher costs.
As this paper shows, the competence of the consulted doctor could be strenghthened as well as the high rate of prescriptions of antibiotics could be avoided, if industry independent stricter guidelines and improved quality standards would be existing.

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