Titel: Soninke Ajami Manuscripts and Islamic Education: A Reconstruction of Scribal Practices
Sprache: Englisch
Autor*in: Ogorodnikova, Darya
Schlagwörter: Ajami
GND-Schlagwörter: AfrikanistikGND
SoninkeGND
HandschriftGND
Erscheinungsdatum: 2023
Tag der mündlichen Prüfung: 2021-03-18
Zusammenfassung: 
Die vorliegende Arbeit ist eine erste umfassende Untersuchung zur Tradition, Soninke mit arabischen Buchstaben zu schreiben. Das hier analysierte Textmaterial des Soninke-Ajami findet sich in Interlinear- und Randglossen von Manuskripten, die arabische Texte zu verschiedenen religiösen Themen enthalten. Die Arbeit bedient sich eines Korpus von Digitalaufnahmen zahlreicher Soninke-Ajami-Handschriften, die in öffentlichen und privaten Bibliotheken in Europa und Westafrika ausfindig gemacht wurden.
Der multidisziplinäre Ansatz, der auf das Korpus angewendet wurde, ermöglichte es, den historischen und kulturellen Hintergrund dieser Soninke-Ajami-Manuskripte zu rekonstruieren. Dadurch wurden die Handschriften von anonymen Textträgern zu Zeugen, die selbst Bestandteil der Ausbildung waren und über die beteiligten Akteure sowie deren Aktivitäten Auskunft geben. Die so gewonnenen handschriftlichen Nachweise erlaubten es uns, Praktiken des Lehrens und Lernens zu untersuchen, die vom Erwerb des Schreibmaterials über die Wahl der zu lernenden Texte bis zum Zusammenspiel von Formen, Sprachen und Wegen der Wissensvermittlung reichen.
Die Analyse der materiellen Aspekte sowie des ‚Paracontent‘ ergab, dass die meisten Handschriften vom später 18. Jahrhundert an bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein an verschiedenen Orten im Großraum Senegambia angefertigt wurden.
Die Arbeit zeigt zudem auf, mit welchen Praktiken die Schreiber unterschiedliche Informationen in Kolophonen und Anmerkungen festhielten, zu denen etwa ihre sprachlichen und kulturellen Identitäten, die Orte ihres Studiums und die Herkunft ihrer Lehrer gehören. Hierdurch traten nicht nur die beteiligten Personen zum Vorschein, sondern es bestätigte sich auch, dass die Handschriften bei der klassisch-islamischen Ausbildung für fortgeschrittene Anfänger und Fortgeschrittene zum Einsatz kamen. Da es möglich war, die in den Seitenrändern der Manuskripte erwähnten Gelehrten zu identifizieren, kann man sie mindestens drei verschiedenen, wenn auch miteinander verbundenen Bildungsnetzwerken zuordnen:
die Soninke in den traditionellen Soninke-Provinzen (Nordwest-Mali und Ost-Senegal), die Jakhanke rund um ihrem Zentrum in Touba, Futa Jallon (Guinea) und die Mandinka in den Mandinka-sprachigen Gebieten (Gambia, Guinea-Bissau und Süd-Senegal).
Die Untersuchung der Verweise, die am Ende von Anmerkungen in Arabisch oder Ajami stehen, zeigt deutlich, dass die Schüler einige von ihnen aus den mündlichen Erläuterungen ihrer Lehrer bezogen oder aus deren Manuskripten herauskopierten. Die vorhandenen Belege deuten darauf hin, dass Anmerkungen, die auf das gesprochene Wort zurückgehen, nicht umgehend notiert wurden, sondern einiger Zwischenschritte der Übertragung bedurften.
Die Arbeit veranschaulicht, dass Lehrer und Schüler, die Soninke sowohl muttersprachlich als auch nichtmuttersprachlich beherrschten, eine Fach- oder Bildungsvariante des Soninke als Unterrichtssprache nutzten, die in den Handschriften Verwendung fand.

This thesis is a first-time comprehensive study of the tradition of writing Soninke in Arabic script. The Soninke Ajami materials are represented in manuscripts in the form of interlinear and marginal glosses to Arabic texts on various religious subjects. The study draws on a corpus of digital images of Soninke Ajami manuscripts which were identified in various public and private libraries in Europe and West Africa.
Through a multidisciplinary approach to the corpus, it was possible to reconstruct the historical and cultural background of the Soninke Ajami manuscripts. As a result, the manuscripts have been transformed from anonymous carriers of texts into internal witnesses to educational actors and activities. The thus revealed manuscript evidence allowed us to investigate teaching and learning practices, from the procurement of writing materials and the choice of studied texts to the interplay of modes, languages, and channels of knowledge transmission.
The examination of material aspects of manuscripts, as well as their paracontent, revealed the origin of most manuscripts between the late 18th and early 20th centuries in various locations across Greater Senegambia.
The study uncovered the scribal practices of recording diverse information in colophons and annotations, such as scribes’ languages and cultural identities, their places of study and teachers. This not only brought to light the individuals involved, but also confirmed that manuscripts were used at intermediate to advanced stages of classical Islamic education. The identification of scholars referred to in the margins of manuscripts led to connecting them into at least three distinct (although intertwined) scholarly networks: the Soninke of the traditional Soninke provinces (northwest Mali and east Senegal), the Jakhanke centred around Touba, Futa Jallon (Guinea), and the Mandinka of the Mandinka-speaking areas (The Gambia, Guinea-Bissau, and south Senegal).
The analysis of references at the end of annotations in Arabic and Ajami shows that some of them were recorded by students from their teachers’ oral explanations or copied from their manuscripts. It appears from the available evidence that writing down the annotations from a spoken word was not immediate but required some transitional steps.
The study demonstrates that a scholarly variety of Soninke used in the manuscripts was a language of educational instruction amongst both native Soninke speakers and non-native Soninke-speaking teachers and students.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/10159
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-107907
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Kießling, Roland
Bondarev, Dmitry
Bausi, Alessandro
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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