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Titel: Einstellungen von Medizinstudenten zu Möglichkeiten der Gentechnik 1997 - 2000
Sprache: Deutsch
Autor*in: Kraatz, Karsten
GND-Schlagwörter: Präimplantationsdiagnostik; Klonierung; Deutschland / Stammzellgesetz; Vererbung; Genetik; Gentechnologie; Umfrage; Politische Einstellung
Erscheinungsdatum: 2005
Tag der mündlichen Prüfung: 2005-10-10
Zusammenfassung: 
Über ihre Einstellung zur Gentechnik wurden Medizinstudenten des 4. Vorklinischen Semesters der Universität Hamburg im Wintersemseter 1997/98 sowie 2000/01 befragt.

Zwei Drittel aller Studenten halten das Verbot von Eingriffen in die Keimbahn für richtig, jedoch die Hälfte der Studenten schätzt, dass dieses Verbot aufgehoben wird. Die Mehrheit der Studenten befürchtet vor allem die Erschaffung eines „Supermenschen". Aber viele Studenten möchten auch mit Hilfe der Gentechnik schwere Defekte geheilt wissen. Gewichtige Argumente für ein Verbot in Keimbahneingriffe sind, dass ein Missbrauch nicht zu verhindern und die Forschung nicht weit genug ist. Andererseits sind starke Argumente gegen ein Verbot, dass man mit Hilfe gentechnischer Veränderungen verhindern kann, ein behindertes Kind zu bekommen, und dass Krankheiten mit genetischen Ursachen ursächlich therapiert werden sollten.
Wenn die Studenten die Möglichkeit hätten, Eigenschaften ihrer zukünftigen Kinder gentechnisch zu beeinflussen, so würde die Hälfte der befragten Studenten geistige sowie körperliche Behinderungen verhindern wollen. Kaum ein Student würde die Intelligenz verbessern oder die Haarfarbe oder das Geschlecht bestimmen wollen.
Die Einschätzungen der genetischen Determination menschlicher Eigenschaften wie beispielsweise Intelligenz, musikalische Fähigkeiten, Depression und Schüchternheit variieren sehr stark.

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist in Deutschland zurzeit verboten. Etwa ein Sechstel der Studenten möchte, dass dieses Verbot bestehen bleibt, die übrigen würden die PID zulassen, darunter aber viele nur für vorbelastete Elternpaare und nur wenige für die Diagnose jeder genetischen Störung. Kein Student würde die PID zur Selektion von beispielsweise Geschlecht oder Haarfarbe einsetzen. Knapp ein Drittel der Studenten findet die PID ethisch bedenklicher im Vergleich mit anderen Arten der Pränataldiagnostik. Knapp die Hälfte der Studenten hat keine ethischen Bedenken zur PID.
Die Forschung mit embryonalen Stammzellen (ES) unterliegt strengen Richtlinien, therapeutisches Klonen ist verboten. Ein Sechstel der Studenten ist unter allen Umständen gegen therapeutisches Klonen mit ES, ein Drittel würde mit dieser Technik bestimmte Krankheiten behandeln wollen. Ein Zwölftel der Studenten würde mit Hilfe des therapeutischen Klonens mit ES vor der Geburt eines Menschen dafür sorgen wollen, dass später bei Bedarf Ersatzorgane geschaffen werden können.
Das reproduktive Klonen von Menschen lehnt fünf Sechstel der Studenten ab, doch nur etwa ein Sechstel glaubt, dass niemals ein Klon gezeugt wird. Ungefähr ein Sechstel der Studenten schätzt, dass ein menschlicher Klon innerhalb der nächsten 5 Jahre entstehen wird.

Die Ergebnisse der Befragungen 1997/98 und 2000/01 unterscheiden sich in einigen Punkten: Das Verbot von Eingriffen in die Keimbahn wird im Jahr 2000 von weniger Studenten für richtig gehalten als 1997, mehr Studenten sind im Jahr 2000 unentschlossen. Auch glauben im Jahre 2000 mehr Studenten, dass dieses Verbot in Zukunft nicht aufrecht erhalten bleibt. Die Studenten begründen ihre Haltung in beiden Jahren ähnlich, im Jahre 2000 wird jedoch häufiger betont, dass die Forschung nicht aufgehalten werden darf. Im Jahre 2000 würden mehr Studenten Einfluss auf gewisse genetische Merkmale ihrer Kinder nehmen wollen. Etwa 65% würden körperliche und geistige Behinderungen verhindern wollen (1997: circa 50%), 30-40% würden ebenso Neigungen zu Erkrankungen beeinflussen wollen (1997: 19-25%). In beiden Erhebungen würde kaum ein Student Haarfarbe und Geschlecht verändern wollen. Die allgemeine Haltung zur Gentechnik bleibt in beiden Erhebungen im Wesentlichen gleich. Wenn sich Veränderungen zeigen, so dann in Richtung auf eine Lockerung der Einschränkung für die Gentechnik.

Die Einstellung der weiblichen und männlichen Studenten zur Gentechnik unterscheidet sich nur gering. Weibliche Studenten beurteilen den Status eines Embryos anders als männliche Studenten, ihre Haltung zur Gentechnik wird davon aber kaum beeinflusst. Die politischen Präferenzen hängen schwach, aber konsistent mit Einstellungen zur Gentechnik zusammen. Studenten, die politisch nach links orientiert sind, lehnen Anwendungen der Gentechniken eher ab als Studenten, die politisch zur Mitte tendieren. Zusammenhänge mit der religiösen Einstellung bestehen nicht. So heben die religiös orientierten Studenten zwar Gott als Schöpfer hervor, lehnen Anwendungen der Gentechnik aber nicht stärker ab als nicht religiös orientierte Studenten
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/1125
URN: urn:nbn:de:gbv:18-26659
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Koch-Gromus, Uwe (Prof. Dr.)
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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