Titel: Nahe Zukunft - Futur II - Es wird gewesen sein
Sonstige Titel: Near Future - Future II - It will have been
Sprache: Deutsch
Autor*in: Tautfest, ANna
Schlagwörter: Spiegelstadium; Psychoanalyse; Musikanalyse; queer-feministisch; Fraktale; Musikvideos; Black Atlantic; Quantentheorie; Sklavenhandel; Opakness
GND-Schlagwörter: Speculative fictionGND
ZeitGND
PopkulturGND
EntkolonialisierungGND
Futur IIGND
FeminismusGND
KulturgeschichteGND
Diaspora <Sozialwissenschaften>GND
KunstGND
MusikGND
Erscheinungsdatum: 2022-03-27
Tag der mündlichen Prüfung: 2022-11-16
Zusammenfassung: 
Die künstlerisch-forschend verfasste Dissertation „Nahe Zukunft – Futur II – Es wird gewesen sein“ befasst sich mit Vorstellungen von Zeit, die nicht-linear verlaufen. Zirkulär gedachte Zeitlichkeit ermöglicht Veränderung in jedem zeitlichen Stadium, der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft, da sie sich immer wieder selbst verschiebt. Konzepte zu Zeit werden in unterschiedlichen Medien und Wissenskategorien erforscht. Hierzu gehören philosophische Theorien, psychoanalytische und künstlerische ebenso wie popkulturelle Produktionen. Theoretische und visuelle Produktionen treffen sich auf Augenhöhe und werden miteinander gelesen. Großformatige Bildtafeln durchbrechen den linear fließenden Text und bestücken diesen in flächigen Arrangements mit weiteren Perspektiven. Sich speisend aus Donna Haraway, Nnedi Okorafor, Gilles Deleuze, Paul B. Preciado, Janelle Monáe, Jacques Lacan, John Akomfrah, Sun Ra u.a. wird eine Sichtweise auf die Zukunft genommen, die fragmentiert, offen und unvorhersehbar flirrend erscheint und dennoch in der Form der vergangenen Zukunft – dem erzählten Futur II – in die Gegenwart zurückkommt und sich einschreibt. In der Verschränkung dieser Ebenen entsteht ein visuell-textlicher Teppich, dessen Ränder ausfransend Erweiterung zulassen und zum Weiterdenken einladen.
Bereits durch seine Struktur wirft der Text Fragen von Macht, Gehört-werden und Positionen an den Rändern des Kanons auf: Durchzogen mit Referenzsystemen und durchbrochen von visuellen Tableaus werden hier immer mehrere Stimmen zeitgleich gehört, deren gemeinsame Erzählung sich aus verschiedenen Blickwinkeln speist. Die 13 Bildtafeln mit Index beschreiben und fragen visuell nach Non-Linearität und dem Durchbrechen gerasterter Normierungen während der Text u.a mittels Jacques Lacans Konzept des Spiegelstadiums und der darin enthaltenen Antizipation der menschlichen Entwicklung Ansatzpunkte liefert.
Dem Genre der Speculative Fiction kommt in der Arbeit eine wichtige Rolle zu. Speculative Fiction entwirft zur Gegenwart alternative Narrationen, deren gesellschaftliche Strukturen sich von den heutigen unterscheiden. Neue Welten werden in einer nahen Zukunft beschrieben und der Gegenwart gegenübergestellt. Speculative Fiction findet sich in Büchern, Filmen, Songs und Musikvideos. Durch die Linse des Futur II – der bereits vergangenen Zukunft – gelesen, wird diesen neuen Weltentwürfen eine baldige Verwirklichung zugeschrieben, die sie aus dem Bereich des Möglichen, in den des Tatsächlichen holt. Die zirkuläre Figur Futur II schreibt den Zukunftsentwurf der Gegenwart und deren Protagonist_innen ein und fungiert als Spiegel für heutige hierarchische Systeme, die von Patriarchat, Klassismus und Rassismus bestimmt sind.
Die Arbeit verfolgt die Dekonstruktion von Linearität in verschiedenen Bereichen. Der Mathematik (Mandelbrot, Fraktale), Philosophie (Deleuze/Guattari, Dauer), Quantenphysik (Barad, Welle-Teilchen), Geschichtsschreibung (Sun Ra, Diasporische Geschichte), Psychologie (Lacan, Wiederholung), Musik (Monáe, Many Moons), Kunst (Akomfrah, Archive) und Gender (Preciado, Transition) werden Kapitel gewidmet, die sich überschneiden und thematisch wiederholend durch die Dissertation ziehen. Durch das Loslösen der Zeit von der Linie wird in der Fläche eine breitere Rezeption von Perspektiven auf Geschehnisse ermöglicht. Sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft werden zu Orten, die beschreibbar sind und die Möglichkeit von Mitgestaltung bieten.

The artistically and research-based dissertation “Near Future – Future II – It Will Have Been” deals with non-linear concepts of time. Circular temporality enables change at every stage of time – the past, the present, and the future – as it constantly shifts itself. Concepts of time are explored in different media and categories of knowledge. These include philosophical theories, psychoanalytical and artistic productions, as well as pop culture productions. Theoretical and visual productions meet on equal footing and are read together. Large-format picture panels break up the linear flow of the text and fill it with further perspectives in two-dimensional arrangements. Drawing on Donna Haraway, Nnedi Okorafor, Gilles Deleuze, Paul B. Preciado, Janelle Monaé, Jacques Lacan, Sun Ra, John Akomfrah and others, a view of the future is taken that appears fragmented, open, and unpredictably shimmering, yet returns to the present in the form of the past future—the narrated future perfect—and inscribes itself. The intertwining of these layers creates a visual-textual tapestry whose frayed edges allow for expansion and invite further reflection.
The structure of the text itself raises questions of power, being heard, and positions on the margins of the canon: interspersed with reference systems and punctuated by visual tableaux, several voices are heard simultaneously, their collective narrative drawing on different perspectives. The 13 picture panels with index visually describe and question non-linearity and the breaking of grid-based norms, while the text provides starting points using, among other things, Jacques Lacan's concept of the mirror stage and the anticipation of human development contained therein.
In the genre of speculative fiction, alternative narratives with socially distinct positions that reveal new worlds are described in the near future. Speculative fiction can be found in books, films, songs, and music videos. Read through the lens of the future perfect tense—the future that has already passed—these new world designs are attributed with imminent realization, bringing them from the realm of possibility into that of reality. The circular figure of the future perfect inscribes the future design of the present and its protagonists and acts as a mirror for today's hierarchical systems, which are determined by patriarchy, classism, and racism.
The work pursues the deconstruction of linearity in various fields. Mathematics (Mandelbrot, fractals), philosophy (Deleuze/Guattari, duration), quantum physics (Barad, wave-particle), historiography (Sun Ra, diasporic history), psychology (Lacan, repetition), music (Monáe, Many Moons), art (Akomfrah, archives), and gender (Preciado, transition). These chapters overlap and recur thematically throughout the dissertation. By detaching time from the line, a broader reception of perspectives on events is made possible in the plane. Both the past and the future become places that can be described and offer the possibility of co-creation.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/12052
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-110300
Dokumenttyp: Dissertation
Bemerkung: Die Dissertation wurde im Rahmen des Graduiertenkollegs "Ästhetiken des Virtuellen" an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg verfasst. Die Abschlussausstellung des Kollegs fand in der Sammlung Falckenberg statt. Es erschien ein Katalog zur Ausstellung "yet incomputable. hypervisibility in the age of algorithmic control". Der Katalog ist als separate Publikation einsehbar. (Ausschließlich analog.)
Betreuer*in: Loreck, Hanne
Melián, Michaela
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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