| Titel: | Einsatz von Systemtherapien am Lebensende onkologischer Patienten. Gab es einen Wandel in der letzten Dekade? – eine multizentrische Untersuchung | Sprache: | Deutsch | Autor*in: | Schulte-Hürmann, Henrik | Schlagwörter: | Systemtherapien; Zielgerichtete Therapie; Therapielimitierung | GND-Schlagwörter: | OnkologieGND PalliativmedizinGND TodGND ChemotherapieGND ImmuntherapieGND |
Erscheinungsdatum: | 2026 | Tag der mündlichen Prüfung: | 2026-01-19 | Zusammenfassung: | Die Beendigung einer Systemtherapie stellt eine große Herausforderung in der onkologischen Behandlung dar. Während eine Systemtherapie zur Lebensverlängerung und Symptomkontrolle beitragen kann, sind am Lebensende auch erhebliche Nachteile möglich, darunter eine verminderte Lebensqualität, erhöhte psychische Belastung, verzögerte palliativmedizinische Versorgung und häufigere Krankenhausaufenthalte. Die ASCO wertet die Verabreichung einer Systemtherapie in den letzten 14 Lebenstagen als negativen Qualitätsindikator. Ziel dieser Studie war es zu analysieren, ob die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Dekaden zu einer restriktiveren Anwendung von Systemtherapien am Lebensende geführt haben. Diese retrospektive multizentrische Studie schließt 1500 Patienten ein, die zwischen November 2018 und Juli 2023 auf den Palliativstationen der Asklepios Kliniken Altona, St. Georg und Barmbek verstorben sind. Untersucht wurde das Zeitintervall zwischen der letzten Verabreichung einer systemischen Therapie (< 30 Tage, 1 - 3 Monate, > 3 Monate) sowie die Einleitung der letzten Therapielinie vor dem Tod. Zudem wurden Unterschiede, je nach Therapieart (Chemo-, Immun- und zielgerichtete Therapien) berücksichtigt. Insgesamt erhielten 55 % der Patienten eine Systemtherapie. Von den Patienten, die eine Systemtherapie erhielten, wurde diese nur bei 28 % mehr als drei Monate vor dem Lebensende abgesetzt. Bei den restlichen 72 % der Patienten wurde die Systemtherapie in den letzten drei Lebensmonaten weitergeführt. 47 % der behandelten Patienten erhielten ihre letzte Systemtherapie innerhalb der letzten 30 Tage vor ihrem Tod, 20 % noch innerhalb der letzten 14 Lebenstage. Zudem zeigte sich, dass ältere Patienten seltener eine Systemtherapie erhielten. Zwischen den drei Kliniken in Hamburg wurden signifikante Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit und des Absetzzeitpunkts der tumorspezifischen Therapien festgestellt. Patienten, die eine Immuntherapie erhielten, hatten eine 96 % höhere Wahrscheinlichkeit, diese noch im letzten Lebensmonat zu erhalten, als Patienten mit einer Chemotherapie. Die Frage, ob Systemtherapien aufgrund der Studienlage restriktiver verabreicht werden, muss eindeutig verneint werden. Die Gründe, warum Systemtherapien trotz der gut dokumentierten negativen Auswirkungen weiterhin häufig am Lebensende eingesetzt werden, sind vielfältig. Sowohl Ärzte als auch Patienten neigen dazu, die verbleibende Lebenszeit zu optimistisch einzuschätzen und überschätzen häufig die Wirksamkeit der Therapie. Eine Verbesserung könnte durch verstärkten interdisziplinären Austausch und eine ganzheitliche Betrachtung der Patienten erreicht werden. Eine frühzeitige palliativmedizinische Betreuung aller Patienten mit unheilbaren onkologischen Erkrankungen ist unerlässlich für eine moderne, patientenorientierte medizinische Versorgung. Ein Wandel hin zu einem restriktiveren Einsatz tumorspezifischer Therapien am Lebensende bleibt wünschenswert. |
URL: | https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/12152 | URN: | urn:nbn:de:gbv:18-ediss-134362 | Dokumenttyp: | Dissertation | Betreuer*in: | Vehling, Sigrun |
| Enthalten in den Sammlungen: | Elektronische Dissertationen und Habilitationen |
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| Datei | Prüfsumme | Größe | Format | |
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