Titel: Digitale Gesundheitsinterventionen bei Hauterkrankungen: Eine Analyse von Bedarfen, Barrieren und fördernden Faktoren aus der Perspektive von Patienten und Fachpersonal im Gesundheitswesen
Sprache: mehrsprachig
Autor*in: Reinders, Patrick
Schlagwörter: Digital Health; Discrete Choice; Fokusgruppen; Cluster Analyse; Akzeptanz
GND-Schlagwörter: E-HealthGND
GesundheitswesenGND
AkzeptanzGND
PräferenzGND
DermatologieGND
Erscheinungsdatum: 2025
Tag der mündlichen Prüfung: 2026-01-21
Zusammenfassung: 
Die dermatologische Versorgung in Deutschland steht aufgrund des demografischen Wandels vor erheblichen Herausforderungen. Ein Fachkräftemangel bei gleichzeitiger steigender Krankheitslast erfordert innovative Lösungen. Die Digitalisierung und der Einsatz von Digital Health-Anwendungen (DHAs) bieten Potenzial, um negative Effekte abzumildern. DHAs können die Patientenzentrierung durch personalisierte Gesundheitsdaten (Health in Our Hands), den Zugang zu Gesundheitsleistungen durch digitale Kommunikation (Interacting for Health) sowie die Diagnostik und Therapieentscheidungen durch Datenverarbeitung (Data Enabling Health) unterstützen. Neben diesen Vorteilen bestehen jedoch Herausforderungen: Der sogenannte Digital Divide führt zu ungleichen Nutzungsmöglichkeiten in abhängigkeit von sozialen Faktoren (z. B. Alter, Bildung, Einkommen) und fehlende Evidenz und Validierung bergen Risiken wie die weiterleitung von Fehlinformationen an Patienten und Leistungserbringer. Des Weiteren sind die Themen Datenschutz und -sicherheit von zentraler Bedeutung. Trotz zahlreicher gesetzlicher Initiativen, etwa zur elektronischen Patientenakte, ist die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen bislang unzureichend umgesetzt. Für die Dermatologie fehlen zudem belastbare Daten zur Nutzung, Akzeptanz und Verfügbarkeit von DHAs. Diese Dissertation untersucht daher den Status quo der Digitalisierung in der Dermatologie. Dies umfasst: 1. Eine systematische Übersicht der Evidenz zu DHAs, 2. Die systematische Untersuchung von Barrieren und fördernden Faktoren, 3. Die Ermittlung der Akzeptanz von Dermatologen und Patienten gegenüber DHAs, 4. Die Verbreitung von DHAs bei Patienten und Dermatologen sowie 5. Die Präferenzen von Patienten hinsichtlich der Teledermatologie. Die Methodik umfasste unterschiedliche Erhebungsmethoden: systematisches Review, Fokusgruppen, querschnittserhebende Umfragen sowie ein Discrete-Choice-Experiment. Die Umfragen wurden zudem mit den statistischen Methoden der Clusteranalyse, der Faktorenanalyse und Regressionsanalyse ausgewertet. Die systematische Übersichtsarbeit hat aufgezeigt, dass obwohl zahlreiche Studien zu DHAs existieren, sich diese vor allem auf die Teledermatologie (205 von 404 Publikationen), KIAnwendungen zur Diagnosestellung (65 von 404 Publikationen) und DHAs für Gesundheitsberufe (262 von 404 Publikationen) konzentrieren. Die Fokusgruppen identifizierten verschiedene Herausforderungen, darunter die Sorge von Dermatologen vor einer Informationsflut ohne Mehrwert für Patienten. Einigkeit bestand bei allen drei Gruppen (Patienten, Dermatologen, Pflegekräfte) darüber, dass ältere Patienten Schwierigkeiten bei der Nutzung von DHAs haben könnten. Die Clusteranalysen zeigten, dass sowohl Patienten als auch Dermatologen heterogene Einstellungen gegenüber DHAs aufweisen. Während große Cluster in beiden Gruppen (Dermatologen: Adopters; Patienten: Digital Enthusiasts) die Vorteile von DHAs anerkennen und deren Nutzung positiv gegenüberstehen, wurden ebenso ablehnende Gruppen identifiziert (Dermatologen: Rejectors; Patienten: Digital Sceptics). Die weiteren Umfragen konnten aufzeigen, dass DHAs bislang im geringen Umfang genutzt wurden, so verwendeten im Jahr 2023 lediglich 4 % der Allgemeinbevölkerung mit einer Hauterkrankung eine teledermatologische Anwendung. Akzeptanz gegenüber und die Nutzung von DHAs hängen signifikant von soziodemografischen Faktoren (Alter, Geschlecht, Bildung), Datenschutzbedenken und dem Schweregrad der Erkrankung ab. Auch unter Dermatologen zeigte sich eine höhere Aufgeschlossenheit gegenüber DHAs bei jüngeren sowie in Städten praktizierenden Fachärzten. Das DCE zeigte auf, dass Patienten zwar die Vor-Ort-Behandlung gegenüber der Teledermatologie bevorzugen, jedoch steigte die Präferenz, wenn der behandelnde Arzt bekannt ist, Rückfragen möglich sind, individuelle Bedürfnisse berücksichtigt werden und eine schnelle Rückmeldung – insbesondere in akuten Fällen – gewährleistet wird. Die Dissertation zeigt, dass der aktuelle Stand der digitalen Dermatologie als unzureichend einzustufen ist, mit einer geringen Nutzung sowohl durch Patienten als auch Dermatologen. Dennoch gibt es positive Entwicklungstendenzen: Eine hohe Anzahl an Patienten und Dermatologen würde DHAs im Behandlungsverlauf akzeptieren, und ein bedeutender Anteil von Patienten hat eine Präferenz für den Einsatz der Teledermatologie als Alternative zur Vor-Ort-Behandlung. Gleichzeitig wurden jedoch zahlreiche Barrieren und Risiken identifiziert. Dazu zählen die unzureichende Evaluierung von DHAs, fehlende digitale (Gesundheits-)Kompetenzen – insbesondere auf Patientenseite –, der bereits beschriebene Digital Divide, fehlende finanzielle Anreize für Dermatologen sowie Herausforderungen bei der Umsetzung des Datenschutzes. Letzteres führt einerseits zu erhöhten Anforderungen an IT und Praxisabläufe mit hohen Kosten für niedergelassene Dermatologen, andererseits zu Unsicherheiten bei Patienten hinsichtlich des Schutzes ihrer Daten. Für eine erfolgreiche Digitalisierung in der Dermatologie müssen Nutzerpräferenzen frühzeitig in die Entwicklung einfließen, um einen Mehrwert für alle Beteiligten sicherzustellen. Der Datenschutz und -sicherheit müssen sichergestellt werden und sollten gleichzeitig einen minimalen negativen Einfluss auf die Bedienfreundlichkeit von Anwendungen haben. Zudem sind eine Evaluierung von DHAs sowie die gezielte Förderung digitaler (Gesundheits-)Kompetenzen bei Dermatologen und Patienten essenziell.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/12223
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-135347
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Augustin, Matthias
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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