Titel: Bedeutung des Nachweises von Staphylococcus epidermidis in der Synovialflüssigkeit für die Diagnose einer Gelenkprothesen-assoziierten Infektion
Sprache: Deutsch
Autor*in: Schoppmeier, Carl Philipp
GND-Schlagwörter: MikrobiologieGND
OrthopädieGND
Periprothetische InfektionGND
Erscheinungsdatum: 2026
Tag der mündlichen Prüfung: 2026-05-28
Zusammenfassung: 
Die zuverlässige Identifikation des Erregers ist ein zentraler Bestandteil im Management periprothetischer Gelenkinfektionen. Staphylococcus epidermidis gehört zu den häufigsten Auslösern solcher Infektionen. Die Abgrenzung zwischen invasiven und kontaminierenden S. epidermidis-Isolaten in Gelenkproben stellt jedoch eine diagnostische Herausforderung dar. In der klinischen Praxis gilt S. epidermidis in der Regel nur dann als pathogener Erreger, wenn er aus mindestens zwei voneinander unabhängigen Gewebeproben angezüchtet wurde. Ein einzelner Nachweis in präoperativ gewonnener Synovialflüssigkeit – insbesondere bei Anzucht aus kontaminationsanfälligen Anreicherungsmedien (broth enrichment cultures, BEC) – erlaubt daher häufig keine verlässliche Einschätzung der klinischen Relevanz. Ziel der vorliegenden Studie war es, den diagnostischen Wert eines S. epidermidis-Nachweises aus präoperativen Synovialflüssigkeitskulturen in Bezug auf das Vorliegen einer S. epidermidis-assoziierten PJI zu untersuchen, wobei die intraoperative Gewebekultur (GK) als Referenz diente. In die Analyse wurden insgesamt 292 Patienten eingeschlossen, von denen 271 die EBJIS-Kriterien für eine PJI erfüllten. In 32,5 % der Fälle wurde in der präoperativen SF-Kultur S. epidermidis nachgewiesen (SF-epi), in 43,2 % andere Erreger (SF-andere); 24,3 % der Kulturen blieben negativ. Intraoperative Gewebekulturen bestätigten in 30,1 % der Fälle eine klinisch relevante Infektion mit S. epidermidis. Die Übereinstimmung zwischen SF- und GK-Ergebnissen lag insgesamt bei 66,1 %, wobei in 70,5 % der SF-epi-Fälle der Erreger auch intraoperativ nachgewiesen wurde. Die diagnostische Genauigkeit der SF-Kulturen zur Erkennung einer S. epidermidis-PJI betrug 83,2 %, mit einer Sensitivität von 76,1 % und einer Spezifität von 86,3 %. Die positive Likelihood-Ratio (LR+) lag bei 5,5. Wurden ausschließlich direkte Kulturen (DC) berücksichtigt und Isolate aus BEC ausgeschlossen, erhöhte sich die Spezifität auf 94,2 % und die LR+ auf 7; gleichzeitig fiel die Sensitivität auf 40,5 %.
Diese Ergebnisse unterstreichen die Relevanz der präoperativen Analyse von Synovialflüssigkeit für die Diagnose periprothetischer Infektionen durch S. epidermidis. Die Einbeziehung von BEC kann die Sensitivität und Gesamtgenauigkeit steigern, wenngleich sie auch das Risiko falsch-positiver Befunde birgt. Für therapeutisch entscheidende Maßnahmen – insbesondere die Wahl einer gezielten antimikrobiellen Therapie – bleiben intraoperative Gewebekulturen essenziell.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/12423
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-138186
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Rohde, Holger
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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