| Titel: | Die Sunan Gottes: Eine Studie über den Begriff sunnat Allāh im Arabischen mit einem Schwerpunkt auf der Moderne | Sonstige Titel: | The Sunan of God: A Study of the Concept of Sunnat Allah in Arabic with a Focus on Modernity | Sprache: | Deutsch | Autor*in: | Braun, Michel | Schlagwörter: | Sunnat Allāh; Sunan Allāh; ʿāda; ʿādat Allāh; Gewohnheit Gottes; Habit of God | GND-Schlagwörter: | SunnaGND IslamGND Begriffsgeschichte <Fach>GND TafsirGND WunderGND NaturgesetzGND |
Erscheinungsdatum: | 2026 | Tag der mündlichen Prüfung: | 2026-04-02 | Zusammenfassung: | In der vorliegenden Dissertation habe ich den Begriff sunnat Allāh untersucht und mich insbesondere aus einer begriffsgeschichtlichen Perspektive mit ihm auseinandergesetzt. Durch eine diachrone Untersuchung seiner Verwendung im Arabischen und die Berücksichtigung von einigen Texten in anderen Sprachen konnte ich zeigen, dass es mehrere Entwicklungen gibt, die man im zeitlichen Verlauf identifizieren kann. Diese Arbeit ist die erste systematische und epochenübergreifende Untersuchung des Begriffs sunnat Allāh und schließt damit eine Lücke in der islamwissenschaftlichen Literatur. Im Koran findet sich der Begriff sunnat Allāh vor allem im Zusammenhang mit der Gewohnheit Gottes bezüglich des Umgangs mit den Feinden seiner Gesandten. Muslime rezipierten diese koranische Vorstellung und verwendeten den Begriff auch in theologischen Debatten und im Zusammenhang mit Rechtsvorschriften. Vorstellungen in anderen monotheistischen Religionen, die es im Entstehungsumfeld des Islams auf der arabischen Halbinsel gegeben hat, haben für das muslimische Verständnis des Begriffs vermutlich eine wichtige Rolle gespielt. Der Begriff sunna findet sich in christlichen und jüdischen Texten im Zusammenhang mit der Frage naturgesetzlicher Zusammenhänge am Himmel. Ismailitische Autoren griffen die Idee der Sunna Gottes und den dazugehörigen Begriff sunnat Allāh auf und verknüpften sie mit der Vorstellung einer sich durch Kontinuität auszeichnenden göttlichen Ordnung. Diese Kontinuität war wichtig, weil sie auch in Beziehung zum ismailitischen Verständnis des Imamats stand. Es gebe eine kontinuierliche Abfolge von Imamen bis in die Gegenwart, worin sich eben auch die Sunna Gottes zeige. In der sunnitischen Theologie wurden verschiedene Begriffe mit der Wurzel s-n-n bereits früh verwendet, auch, weil diese sich in philosophischen Texten fanden. Im Zusammenhang mit der Vorstellung des Okkasionalismus verwendeten ʾašʿaritische Theologen den Ausdruck ʿāda, um eine in der Umwelt wahrnehmbare Regelmäßigkeit zum Ausdruck zu bringen. Es entstanden bereits früh Debatten über die Zulässigkeit der attributiven Verknüpfung dieser Gewohnheit mit Gott, was sich in dem Begriff ʿādat Allāh spiegelt. Sufisch-ʾašʿaritische Kreise, die insbesondere in Nischapur wirkten, verwendeten diesen Begriff zunehmend ab der Mitte des 10. Jahrhunderts. Der Gelehrte al-Ġazālī (gest. 520/1111) griff diese Überlegungen auf, setzte aber stärker auf den Begriff sunnat Allāh. In seinen Werken lässt sich eine sukzessiv zunehmende Relevanz dieses Begriffs feststellen, bis dieser in seinem Werk ʾIḥyāʾ dann eine zentrale Rolle einnimmt. Die begriffliche Veränderung wurde durch eine inhaltliche Veränderung insbesondere im Bereich der Kausalität begleitet: Die von al-Ġazālī beschriebene Kosmologie unterschied sich im Ergebnis nicht von der durch deterministische Kausalität gekennzeichneten Vorstellung hellenistisch beeinflusster Philosophen wie Ibn Sīnā. Gleichzeitig bot der Begriff sunnat Allāh, der immerhin koranisch verankert war, eine ʾašʿaritisch-theologisch abgesicherte Alternative. Ab dem 12. Jahrhundert verbreitete sich der Begriff sunnat Allāh in verschiedenen Kreisen und wurde beispielsweise auch von Anhängern der Illuminationsphilosophie aufgegriffen. As-Suhrawardī, ein Vertreter dieser Schule, interpretierte koranische Verweise auf die Sunna Gottes als Belege für die Stabilität der Schöpfung. Sufische Werke wie Maṯnawī-yi maʿnawī von ar-Rūmī (gest. 672/1273) zeugen ebenfalls von der breiten Rezeption dieses Begriffs. Ibn Taymīya (gest. 728/1328) war einer der ersten sunnitischen Gelehrten, der sich gezielt mit der Systematisierung der Sunna Gottes befasste und diese auch für seine Zurückweisung der Lehren von Philosophen wie as-Suhrawardī (gest. 587/1191) und Ibn Sīnā (gest. 428/1037) aufgriff. Dabei unterschied er zwischen einer gleichbleibenden und einer sich verändernden Sunna Gottes. Beiträge des Gelehrten Ibn Rušd (gest. 595/1198) zeigen, dass Debatten über den Begriff der Sunna Gottes und al-Ġazālīs Kosmologie auch im Westen der islamischen Welt eine Rolle spielten. Bei Ibn Ḫaldūn (gest. 808/1406), selbst Anhänger der ʾašʿaritischen Schule, spielt der Begriff sunnat Allāh eine wichtige Rolle bei seiner Beschreibung der Kausalzusammenhänge zwischen historischen Phänomenen. Ab dem 15. Jahrhundert lässt sich eine zunehmende Verknüpfung von naturwissenschaftlichen Themen und der Sunna Gottes feststellen. Beispiele hierfür sind aš-Šaʿrānī (gest. 973/1565) und der schiitische Gelehrte Mullā Ṣadra (gest. ca. 1050/1640), die die Sunna Gottes zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Lauf der Sonne aufgreifen. Im 19. Jahrhundert nahmen Berührungspunkte zwischen europäischen Mächten und der islamischen Welt zu. Bei Christen im Libanon war der Begriff sunna, frei von einer islamischen Konnotation, aufgrund seiner Relevanz in christlichen arabischen Texten Teil des Vokabulars. Im Rahmen der nahḍa wurde dieser Begriff neu belebt und nicht nur in freimaurerischen, sondern auch in naturwissenschaftlichen Zusammenhängen verwendet. Der Ausdruck sunnat aṭ-ṭabīʿa fand am Syrian Protestant College, einer modernen Hochschule, die von amerikanischen Missionaren betrieben wurde, Verwendung. In Beiträgen im Wissenschaftsjournal al-Muqtaṭaf, das von Absolventen dieser Hochschule 1878 gegründet wurde, verwendeten unterschiedliche Autoren die Begriffe sunna und sanan ebenfalls. Die Gründer und Herausgeber, Yaʿqūb Ṣarrūf (1852-1927) und Fāris Nimr (1855-1951) brachten durch den Begriff sunan eine Weltanschauung zum Ausdruck, bei der Gott die Richtlinien bzw. Sunan für eine Welt erlassen hatte, gemäß derer eine durch naturwissenschaftliche Methodik erkennbare Evolution stattfindet. Der Autor Šiblī Šumayyil (1850-1917) prägte in diesem Zusammenhang, inspiriert durch Ideen des britischen Philosophen Herbert Spencer (1820-1903), den Ausdruck sunan al-kawn. Al-Muqtaṭaf genoss auch unter vielen muslimischen Arabern hohes Ansehen. Ǧamāl ad-Dīn al-ʾAfġānī (1839-1897) kannte Šiblī Šumayyil, war aber sicherlich auch schon durch seine islamische Ausbildung mit dem Begriff sunnat Allāh in Kontakt gekommen. In seinem persischen Text Tafsīr-i Mufassir verwendete er den Begriff sunnat-i ilāhiya im Zusammenhang mit Fortschritt in verschiedenen sozialen Schichten. Šumayyils und al-ʾAfġānīs Verwendung von sunna verdeutlicht, dass der Begriff Ende des 19. Jahrhunderts Teil eines modernen, fortschrittsorientierten Wortschatzes geworden war, wobei die islamische Dimension des Begriffs zunächst nur eine nachgelagerte Rolle spielte. Der ägyptische Reformer Muḥammad ʿAbduh (1849-1905) spielt für die theoretische Ausarbeitung des modernen muslimischen Verständnisses des Begriffs sunnat Allāh im Kontext von Kolonialismus und Imperialismus eine wichtige Rolle. Im Verständnis der Sunna Gottes sah er einen Schlüssel, um eine muslimische Unterlegenheit gegenüber vor allem europäischen Mächten langfristig zu überwinden. Sein Schüler Rašīd Riḍā (1865-1935) trug durch die Zeitschrift al-Manār und den Tafsīr al‑Manār, in denen die Sunna Gottes eine wichtige Rolle spielte, zur Popularisierung des Konzepts bei. In der vorliegenden Arbeit zeige ich, wie der Begriff sunnat Allāh im Kontext der Muslimbruderschaft bei al-Bannā (1906-1949) und schließlich auch bei Sayyid Quṭb (1906-1966) aufgegriffen wird. Quṭb setzte sich kritisch mit ʿAbduh auseinander und argumentierte, es gebe Sunan, die der Mensch nicht naturwissenschaftlich, sondern nur durch die göttliche Offenbarung erkennen könne. Eine solche Sunna sei zum Beispiel die Sunna der Unterstützung Gottes (sunnat an-naṣr), also dass Gott seinen Gläubigen also unter den richtigen Bedingungen zur Hilfe eilt. Der irakische Gelehrte Muḥammad Bāqir aṣ-Ṣadr (1935-1980) kannte Quṭbs Überlegungen zur Sunna Gottes sicherlich in Teilen. In seinem Werk al-Madrasa al-Qurʾānīya spielen die Sunan der Geschichte (sunan tārīḫīya) eine wichtige Rolle. Für aṣ-Ṣadr ist der Koran ein Lehrbuch dieser Sunan: Erfolg und Misserfolg der Muslime im Diesseits sei eine Konsequenz der Befolgung oder Vernachlässigung dieser Sunan. Für aṣ-Ṣadr und seine Opposition gegen das Baʿṯ-Regime im Irak spielen vor allem die Sunan auf der Ebene von Richtlinien (ittiǧāhāt) eine wichtige Rolle. Der Mensch könne sich diesen temporär widersetzen, zum Beispiel wenn das Baʿṯ-Regime durch Änderungen im Familienrecht den Eintritt von Frauen ins Berufsleben fördert. Langfristig habe eine Gesellschaft hierfür aber Konsequenzen im Diesseits zu erwarten. Im Islamismus spielt der Begriff sunnat Allāh und die damit zusammenhängende Vorstellung, es gebe Sunan Gottes in der Welt, an denen man sich orientieren könne, bis in die Gegenwart eine wichtige Rolle. Das umfasst dschihadistische Gruppierungen wie al-Qaida aber auch Massenorganisationen wie die Muslimbruderschaft. In dieser Dissertation stelle ich den Begriff sunnat Allāh umfassend und epochenübergreifend dar. Ich zeige, wie der Begriff mit anderen Begriffen wie sunna und ʿāda bzw. ʿādat Allāh zusammenhängt und bei verschiedenen religiösen und ideengeschichtlichen Strömungen wie zum Beispiel arabischsprachigen Christen und Juden, hellenistisch beeinflussten muslimischen Philosophen und Ismailiten Verwendung fand. In der diachronen Betrachtung zeige ich, wie sich die Beziehung zwischen Vorstellungsgehalt und Begriff entwickelt. Am eindrücklichsten zeigt sich dies in der Substitution des Begriffs ʿādat Allāh durch sunnat Allāh durch al-Ġazālī, bei der der Vorstellungsgehalt unverändert blieb. Es lässt sich auch konstatieren, dass die muslimische Konnotation des Begriffs sunna, die heute in den Islamwissenschaften vorherrscht, je nach Kontext sehr unterschiedlich stark ausgeprägt und bisweilen nicht vorhanden war. Am deutlichsten zeigt sich dies in der Verwendung des Begriffs sunnat as-samāʾ als Übersetzung für das hebräische huqqot šamaym. Diese Verwendung von sunna in einem arabisch-christlichen Kontext blieb bis ins 19. und 20. Jahrhundert bestehen und war Grundlage für die Verwendung des Begriffs in einem naturwissenschaftlichen Kontext wie dem des Syrian Protestant College oder al-Muqtaṭaf. Die Auseinandersetzung mit der Frage des religiösen Wunders und der Entwicklung einer Kosmologie, die sowohl die Möglichkeit des religiösen Wunders als auch der Erfahrung von Wissen durch naturwissenschaftliche Methoden und Beobachtung bejahte, war eine wesentliche Triebkraft für die Auseinandersetzung mit der Frage der Kausalität. Bei diesen Auseinandersetzungen griffen Gelehrte immer wieder auf den Begriff sunnat Allāh zurück. Auf dem Gebiet der Geschichte waren es insbesondere Krisen- und Niedergangserfahrungen, die zu einer Beschäftigung mit ihren Ursachen und theologischen Implikationen führten. Angelehnt an Debatten im Zusammenhang mit Wundern, griffen Autoren wie Ibn Ḫaldūn auf die Sunna Gottes zurück. Ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert griffen Reformer wie al-ʾAfġānī, ʿAbduh und Riḍā diese Überlegungen auf und argumentierten für die Universalität von Sunan, die für den Aufstieg und Niedergang von Völkern relevant seien. Muslime seien von diesen Sunan nicht ausgenommen und müssten sich daher mit diesen Sunan befassen, um die Ursachen für ihre Unterlegenheit zu beseitigen. In this dissertation, I examined the concept of sunnat Allāh, particularly from a conceptual history perspective. Through a diachronic study of its use in Arabic and the consideration of some texts in other languages, I was able to demonstrate that there are several developments that can be identified over time. This work is the first systematic and cross-epochal study of the concept of sunnat Allāh and thus closes a gap in the literature on Islamic studies. In the Quran, the term sunnat Allāh is found primarily in connection with God's custom regarding dealing with the enemies of his messengers. Muslims adopted this Quranic concept and also used the term in theological debates and in connection with legal regulations. Concepts in other monotheistic religions that existed in the context of Islam's emergence on the Arabian Peninsula likely played an important role in the Muslim understanding of the term. The term sunna is found in Christian and Jewish texts in connection with the question of natural laws in the heavens. Ismaili authors took up the idea of the Sunnah of God and the associated term sunnat Allāh and linked them with the notion of a divine order characterized by continuity. This continuity was important because it also related to the Ismaili understanding of the Imamate. There is a continuous succession of Imams up to the present day, which also reflects the Sunnah of God. In Sunni theology, various terms with the root s-n-n were used early on, partly because they were found in philosophical texts. In connection with the idea of occasionalism, Asharite theologians used the term ʿāda to express a regularity perceptible in the environment. Early debates arose about the permissibility of attributing this custom to God, which is reflected in the term ʿādat Allāh. Sufi-Asharite circles, particularly active in Nishapur, increasingly used this term from the middle of the 10th century onwards. The scholar al-Ghazālī (d. 520/1111) took up these ideas but placed greater emphasis on the term sunnat Allāh. In his works, a successively increasing relevance of this term can be observed, until it assumed a central role in his work ʾIḥyāʾ. The conceptual shift was accompanied by a change in content, particularly in the area of causality: The cosmology described by al-Ghazālī ultimately did not differ from the conception of Hellenistically influenced philosophers such as Ibn Sīnā, which was characterized by deterministic causality. At the same time, the term sunnat Allāh, which was at least anchored in the Quran, offered an alternative secured by ʾAšʿarit theological foundations. From the 12th century onward, the term sunnat Allāh spread in various circles and was also adopted, for example, by followers of the Illumination philosophy. Al-Suhrawardī, a representative of this school, interpreted Quranic references to the Sunnah of God as evidence of the stability of creation. Sufic works such as Maṯnawī-yi maʿnawī by al-Rūmī (d. 672/1273) also testify to the broad reception of this term. Ibn Taymīya (d. 728/1328) was one of the first Sunni scholars to specifically address the systematization of God's Sunnah, which he also used to reject the teachings of philosophers such as al-Suhrawardī (d. 587/1191) and Ibn Sīnā (d. 428/1037). In doing so, he distinguished between a constant and a changing Sunnah of God. Contributions by the scholar Ibn Rušd (d. 595/1198) demonstrate that debates about the concept of God's Sunnah and al-Ghazālī's cosmology also played a role in the western Islamic world. For Ibn Khaldūn (d 808/1406), himself a follower of the Asharite school, the term sunnat Allāh plays an important role in his description of the causal relationships between historical phenomena. From the 15th century onwards, an increasing connection between scientific topics and the Sunnah of God can be observed. Examples of this are al-Sha'ranī (d. 973/1565) and the Shiite scholar Mullā Sadra (d. c. 1050/1640), who, for example, take up the Sunnah of God in connection with the course of the sun. In the 19th century, points of contact between European powers and the Islamic world increased. Among Christians in Lebanon, the term sunna, free of any Islamic connotation, was part of the vocabulary due to its relevance in Christian Arabic texts. Within the framework of the nahḍa, this term was revived and used not only in Masonic but also in scientific contexts. The expression sunnat aṭ-ṭabīʿa was used at the Syrian Protestant College, a modern university run by American missionaries. In articles in the scientific journal al‑Muqtaṭaf, which was founded by graduates of this college in 1878, various authors also used the terms sunna and sanan. The founders and editors, Yaʿqūb Ṣarrūf (1852-1927) and Fāris Nimr (1855-1951), used the term sunan to express a worldview in which God had issued the guidelines or sunan for a world according to which evolution takes place that is discernible through scientific methodology. In this context, the author Shiblī Shumayyil (1850-1917), inspired by the ideas of the British philosopher Herbert Spencer (1820-1903), coined the term "sunan al-kawn." Al-Muqtaṭaf also enjoyed high esteem among many Muslim Arabs. Jamal ad-Din al-Afghani (1839-1897) knew Shiblī Shumayyil, but had certainly also come into contact with the term sunnat Allāh through his Islamic education. In his Persian text, Tafsīr-i Mufassir, he used the term "sunnat-i ilāhiya" in connection with progress in various social classes. Shumayyil's and al-'Afghani's use of sunna makes it clear that by the end of the 19th century, the term had become part of a modern, progressive vocabulary, with the Islamic dimension of the term initially playing only a secondary role. The Egyptian reformer Muhammad 'Abduh (1849-1905) played an important role in the theoretical elaboration of the modern Muslim understanding of the concept of the Sunnah of God in the context of colonialism and imperialism. He saw the understanding of God's Sunnah as a key to overcoming Muslim inferiority, especially vis-à-vis European powers, in the long term. His student Rasīd Riḍā (1865-1935) contributed to the popularization of the concept through the journal al-Manār and the Tafsīr al-Manār, in which God's Sunnah played an important role. In this paper, I demonstrate how the concept of sunnat Allāh was taken up in the context of the Muslim Brotherhood by al-Bannā (1906-1949) and ultimately by Sayyid Quṭb (1906-1966). Quṭb critically examined ʿAbduh and argued that there are sunnahs that humans cannot recognize scientifically, but only through divine revelation. One such sunnah is, for example, the sunnah of victory or the help of God (sunnat an-naṣr), meaning that God rushes to the aid of his believers under the right conditions. The Iraqi scholar Muḥammad Bāqir aṣ-Ṣadr (1935-1980) was certainly familiar with parts of Quṭb's reflections on the Sunnah of God. In his work, al-Madrasa al-Qurʾānīya, the Sunan of history (sunan tārīḫīya) play an important role. For al-Sadr, the Quran is a textbook of these Sunan: the success and failure of Muslims in this world is a consequence of their adherence or neglect. For al-Sadr and his opposition to the Baʿṯ regime in Iraq, the Sunan at the level of guidelines (ittiǧāhāt) play a particularly important role. People can temporarily resist these guidelines, for example, when the Bat'th regime encourages women to enter the workforce through changes in family law. In the long term, however, a society can expect consequences for this in this world. In Islamism, the concept of sunnat Allāh and the related idea that there are Sunan of God in the world by which one can orient oneself plays an important role to this day. This includes jihadist groups like al-Qaeda as well as mass organizations like the Muslim Brotherhood. In this dissertation, I present the concept of sunnat Allāh comprehensively and across epochs. I show how the concept is connected to other concepts such as sunna and ʿāda or ʿādat Allāh, and how it has been used by various religious and intellectual movements, such as Arabic-speaking Christians and Jews, Hellenistically influenced Muslim philosophers, and Ismailis. In a diachronic perspective, I demonstrate how the relationship between conceptual content and concept evolves. This is most strikingly evident in the substitution of the term ʿādat Allāh with sunnat Allāh and al-Ghazālī, in which the conceptual content remained unchanged. It can also be stated that the Muslim connotation of the term sunna, which prevails today in Islamic studies, has varied greatly depending on the context and has sometimes been nonexistent. This is most clearly evident in the use of the term sunnat as-samāʾ as a translation for the Hebrew huqqot šamaym. This use of sunna in an Arab-Christian context persisted into the 19th and 20th centuries and served as the basis for the term's use in a scientific context, such as that of the Syrian Protestant College or al-Muqtaṭaf. The debate on the question of religious miracles and the development of a cosmology that affirmed both the possibility of religious miracles and the experience of knowledge through scientific methods and observation was a key driving force for the debate on the question of causality. In these debates, scholars repeatedly returned to the term sunnat Allāh. In the field of history, it was experiences of crisis and decline in particular that led to a consideration of their causes and theological implications. Inspired by debates related to miracles, authors such as Ibn Khaldūn drew on the Sunnah of God. From the late 19th century onward, reformers such as al-Afghani, Abduh, and Ridā took up these considerations and argued for the universality of Sunan, which are relevant to the rise and fall of nations. Muslims, they argued, are not exempt from these Sunan and must therefore engage with them to eliminate the causes of their inferiority. |
URL: | https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/12450 | URN: | urn:nbn:de:gbv:18-ediss-138576 | Dokumenttyp: | Dissertation | Betreuer*in: | Seidensticker, Tilman Eich, Thomas |
| Enthalten in den Sammlungen: | Elektronische Dissertationen und Habilitationen |
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| Doktorarbeit Michel Braun Die Sunan Gottes Eine Studie über den Begriff sunnat Allāh im Arabischen mit einem Schwerpunkt auf der Moderne 2026.pdf | 3e8cda87d47fceaf966b6c8785d2a2c2 | 5.44 MB | Adobe PDF | Öffnen/Anzeigen |
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